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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-23 · Heft 12 (23.3.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 12 (23.3.1917)
Date
1917-03-23
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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für verschollen; seit Jahren hörte man nichts van ihm, man zählte ihn zn den Toten. Und nun taucht sein Name wieder auf, und zwar im Amtsblatte, das nämlich meldet, daß der Finanzminister den gewesenen Reichstagsabgeordneten Geza Onodh zum provisorischen Steuerkommissär bei der Nyireghhazaer Finanzdirektion ernannt hat. Onodh ist heute ein Mann von nicht ganz 70 Jahren (hierzu fehlen ihm nur einige Monate); wenn er sich brav aufführt, so kann er Karriere machen und es bis zum — wirklichen Steuerkommissär bringen." Amerika. X. New Nork, im Februar. Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten William Taft hielt kürzlich in Washington zwei Vorträge über „Die Rolle der Juden in der Geschichte", die die Aufmerksamkeit der weiten amerikanischen Oeffentlichkeit auf sich lenkten. Im ersten Vortrag ging der Redner auf die Eigenart der Juden ein, die sich trotz aller Verfolgungen und trotz ihrer Zerstreuung bis heute ihr individuelles Gepräge bewahrt haben, und schilderte die großen Verdienste der Juden um die wirtschaftliche und geistige Entwicklung aller modernen Staaten Europas und Amerikas, in denen ihnen die rechtliche Freiheit eine hemmungslose Entfaltung ermöglichte. Der zweite Bortrag war der gegenwärtigen Lage der Juden gewidmet. Der Redner sprach die Ansicht aus, daß die einzelnen kriegführenden Staaten beider Koalitionen den aufrichtigen Wunsch haben, nach Beendigung des Krieges die Bedürfnisse ihrer Juden zu berücksichtigen. Er betonte aber, daß eine solche partikuläre Lösung keineswegs ausreichend sein kann und daß die Judenfrage in ihrer ganzen Größe nur auf der bevorstehenden Beratung der Vertreter aller Staaten aufgerollt werden kann und muß. Tie Vereinigten Staaten von Amerika — sagte der Redner — sind vervflicktet, ihren Einfluß geltend zu machen, um dieses alte und jetzt so akut gewordene jüdische Problem auf die Tagesordnung des künftigen Friedenskongresses zu stellen. — Anläßlich des 70. Geburtstages von Jakob H. Schiff gab der „American Hebrew" seine Zeitung vom 5. Januar als Sondernummer heraus. Die Nummer bringt Artikel über Jakob 5a. Schiff als Juden, als Philanthropen, als Amerikaner, seine Beziehungen zu den verschiedenen Anstalten, die er gestiftet oder unterstützt hat. Die literarischen Beiträge flanWen aus der Feder von Rabbiner Dr. Samuel Schulmann . 'Louis Marsh all, Dr. Charles W. Eliot, Tr. Maurice Fishberg, Tr. S. Wachsm a n und anderen prominenten amerikanischen Juden. Außerdem enthält die Nummer die Glückwunschschreiben aller führenden Organisationen und Persönlichkeiten der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit Amerikas. Von Iah und Jfmt — Tas Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: Frau Gertrud M o s s e . Beudlerstraße, die seit dem Jahre 1609 alliährlich 50 000 Mark hochberüner Weite der Stadtgemeiude für die Zwecke der Berteilung von Milch als erstes Frühstück an bedürftige Gemeindeschulkinder a"wendet bat. bat auch in diesem Jahre wiederum den Betrag von 50 000 Mark für diesen wohltätigen Zweck dem Magistrat überwiesen. - Der Geheime Justizrat Tr. Ewil Friedländer in Berlin ist am 18. d. M. aestorben. Geheimrat Friedländer, der im Jabre 1878 zum Gerichtsassessor ernannt wurde, war Zunächst bei den Kreisgerichten in Berlin. Benthen und Schneidemübl tätig, bis er 1881 an das Amtsgericht in Altona versetzt wurde. Im Jahre 1909 trat er in den Ruhestand und siedelte von Altona nach Berlin s'ber. - - Tem Vorsitzenden des Wilmersdorfer Vereins vom Roten Kreuz, Stadtrat Gimkiewicz, ist die Rote-Kreuz- Medaille zweiter Klasse verlieben worden. Das Jüdische M ä d ch e n st i f t in Berlin-Eharlottenburg, Leibnizstraße 108, gewährt schulentlassenen Mädchen Freiplätze zur Ausbildung in der .Hauswirtschaft. Meldungen sind an Frau Loeweuberg, Berlin NW, Brückenallee 24, zu richten. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina teilt seinen Mitgliedern mit. daß seine diesiährige Generalversammlung am Mittwoch. den 28. März, nachmittags 5 Ubr, im Bureau, Berlin, Burgstraße 27. Bureau 22. stattfindet. Ter Vorsteher der Shnagogenoemeinde Memel. Kommerzienrat Leopold A l e r a n d e r, alleiniger Inhaber des Bankhauses Siebert u. Alexander, ist mit dem Verdienstkrenz für Kriegshilfe ausgezeichnet worden. — Der Hamburger Arzt Tr. Felir Lewaudowskh ist als Professor der Dermatologie an die Universität Basel berufen, worden. — Kommerzienrat Max Elb in Dresden hat für die von ihm im Jahre 1912 mit einem Kapital von 20 000 Mark zugunsten Studierender der Technischen Hochschule zu Dresden errichtete Max-Elb-Stipendien- Stistung für Chemiker weitere 4000 Mark gespendet. — Der Jüdische Jugendverein in Chemnitz veranstaltete am 8. d. M. einen Purimunterhaltungsabend zum Besten seiner Liebesgabenkasse, der einen schönen Verlauf nahm. Der Verein ist der einzige jüdische Jugendverein im Königreich Sachsen, der seit Kriegsbeginn allwöchentlich tagt. — Frau Rosa Werner, die Gattin des Rabbiners Professor Dr. Werner in München, erhielt das Ludwig- Kreuz. — Dr. Max Schüftan, Sohn des israelitischen Kultusbeamten Schüftan in Rhbnik, wurde zum zweiten Rabbiner der Israelitischen Gemeinde in Düsseldorf gewählt. — Kn 9. d. M. feierte in Eeistesfrische der Privatmann Jakob Rosenbach II. in Hof feinen 70. Geburtstag. Durch sein stetes Streben als langjähriges Gemeinderatsmitglied hat er sich um den Ort reiche Verdienste erworben. Auch in der israelitischen Gemeinde wird er stets als Rat zugezogen. — Daniel Enoch, k. u. k. Fähnrich des Infanterieregiments 56, Sohn des Schneidermeisters Moritz Enoch in Tarmstadt, wurde wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde zum Leutnant befördert. — Auf Ersuchen der Israelitischen Religionsgemeinde in Darmstadt hat die Stadtkasse die Erhebung der israelitischen Kirchensteuer übernommen, wofür 300 Mark vergütet werden. — Aus Frankfurt a. M. wird geschrieben: Frau Baronin v. Rothschild sind aus Anlaß ihres 85. Geburtstages von Ihren Majestäten dem K a i s e r und der K a i s e r i n sowie von dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen kostbare Blumenspenden übersandt worden. — Dem ehemaliaen Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin Rabbiner Dr. Rudolf Ferda aus Budiveis in Böhmen, Seelsorger der Israelitischen Kultusgemeinde in Pohrlitz in Mähren, welcher durch 17 Atonale bei der k. u. k. Militärseelsorge in Wien als Feldrabbiner wirkte, wurde das Ehrenzeichen zweiter Klasse vom Roten Kreuz mit der Krieasdekoratiou verliehen. — Aus Wien wird berichtet: Frau Mathilde v. Gutmann geborene Freiin v. Gürzburg, Witwe des 1900 verstorbenen Dr. Ludwia Ritter v. Gürzburg, ist aestorben. Sie war eine bitrcli seltene Herzensaüte. Geist und Wohltätiakeitsstnn ausaezeichnete Dame. — Friedrich Kohn in Tauchowitz bei Laun, der sieben Söhne im Felde hat, wurde von Seiner Maiellät dem Kaiser eine silberne Uhr und 500 Kronen übermittelt. Ein Sohn des Beschenkten. Dr. Julius Kohn, wurde vor einigen Taaen zum Leutnant ernannt. — Im Alter von 53 Jahren ist in London der bekannte jüdische Wohltäter und Leiter der jüdischen Gemeinde Eh. I e s s e l gestorben. Der Verschiedene war als ausaezeichneter Advokat weit und breit bekannt und aenoß großes Ansehen. — Dank der Bemühunaen von Dr. P a h u d a, Professor an der Universität von Madrid, ist das bebräische Ghmnasium in Jaffa offiziell von dem spanischen Kultusministerium zur Zulassung seiner Abiturienten an der Madrider Universität anerkannt worden. — In bn Petersburger Hauptspnagoge brach in der Sabbatnacht zum 10. Februar ein Brand aus, der auf einen an die Spnagoge angebauten Betsaal Übergriff, in dem nicht weniger als 500 Thorarollen aufbewahrt wurden. Außer den heiliaen Schriften, die der Petersburger Shnagoae gehören, waren hier nämlich die aus Polen, Litauen und Kurland bei der gewaltsamen Aussiedelung der Juden mitgeführten Thorarollen beisammen, die von der Jüdischen historischen und ethnographischen Gesellschaft gesammelt und zum Schuhe in Petersburg deponiert worden waren. Einige dieser Pergamenthandschriften waren mehrere hundert Jahre alt. Das Feuer hat mehr als 200 dieser Thorarollen vollständig zerstört, ebenso viele wurden stark beschädigt und nur etwa 40 Rollen blieben unversehrt. Der Wert der zerstörten Handschriften wird auf nahezu eine Million Rubel geschätzt. — Unter den Nachrichten über die Revolution in Rußland findet sich auch die folgende: Der neue Justizminister hat angeordnet, daß in Zukunft keine Prozesse wegen politischer Vergehen mehr stattfinden sollen. Die neue Regierung hat den I u d e n gestattet, als Rechtsanwälte vor Gericht aufzutreten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, AUorastratze 58 Verantwortlich für den Ameiaenteil: Mar Junae. Berlin-Mebenan. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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