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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-23 · Heft 12 (23.3.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 12 (23.3.1917)
Date
1917-03-23
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Jahrgang Nr. 11 ' Der Gemetndebote. Berlin, 23. März 1917 Betrage zur „Allgemeinen warum mau Kriegsanleihe zeichnet. Die Gründe sind verschieden. 2T(an zeichnet: aus dem natürlichen Gefühl heraus, daß es einfache Bürgerpflicht ist, die Mittel für den Schutz der Grenzen in geldwirtschaftlich richtigster Form aufzubringen; weil die Krieger Anspruch darauf haben, daß die Zurück- . gebliebenen wenigstens wirtschaftliche Leistungen vollbringen, wenn sie mit ihrer Person nicht an der Verteidigung des Vaterlandes teilnehmen können; weil die Nichtkämpfer ihre eigene Person, ihr eigenes Vermögen, ihr I}cms, ihre Felder, ihre Hypotheken, Effektenanlagen, ihr Geschäft, kurz, ihre wirtschaftliche Existenz und das eigelle wie das Leben ihrer Angehörigen am bestell schützen, wenn sie der Streitmacht die irötigen Geldinittel (auf die wirtschaftlich gesundeste weise) verschaffen helfen; weil im Ausland die trügerische Hoffnung restlos zerstört werden muß, daß das wollen und Rönnen in Deutschland irgendwann erlahmen werde; weil es innere Befriedigung gewährt, für die Leistungen unserer herrlichen Armee und Flotte Dank und Gruß zu senden; weil man sich vorahnelld über den Jubel freut, den Kraft und Einsicht der Zurückgebliebeneil in den Reihen der källlpfeildell Brüder wieder auslösell werden; weil eine bessere und höher verzinsliche Anlage bei gleicher unbedingter Sicherheit nicht zu finden ist; weil es sich um eine Anlage von Spargeldern handelt, die nlail jederzeit wieder flüssig machen kann; weil es mit den wirtschaftlichen Kräften der Gegiler zu Lllde geht und die Entscheidung zu unseren Gunsten also ilicht lirehr lange aus sich warten lassen kann; zum andern, weil, wenn dem Lillsatz aller Waffen (U-Boote!) der Einsatz aller Geldmittel entspricht, die Entscheidung erzwungen wird; um gern und freudig dem einfachsten vatertälldischen Gefühle zu folgen; um nicht beschämt zu sein, wenn das Gespräch auf Beteiligung und Nichtbeteiligung kommt; der Landwirt, weil Besitz und Arbeit mlter einein siegreichen Deutschland am meisten gesegnet sind; der Arbeiter, weil auch seine Lebensbedingungen aufs engste sich mit de,n Wohlergehen des Vaterlandes verknüpfen; der Industrielle, der des Schutzes der Heimat und zufriedener Arbeiter bedarf; der Rentner, der seine Einkommensquellen vom siegreichen Vaterland beschirmt haben will; das Alter, das am Ende seiner Tage sein Lebenswerk nicht bedroht sehen mag; die Jugend',^ans dem vorwärtsstrebenden Drange zu allem, was groß und edel ist; sie alle, nun, weil sie eben Herz und Verstand zugleich haben. korrrlpimllru?en und Nachrichten. Deutschland. §2 Berlin, 20. März. Ter Hilfsver e i n für Iüdi s ch e Studierende hielt am 15. d. M. feine Generalversammlung ab. Der Verein wurde-1841 unter dem Namen Adolf-Stift begründet und erweckte um die Jahre 1865/75 herum die weiteste Teilnahme sühreuder Männer des geistigen und gesellschaftlichen Fortschritts, auch von Protestantischem Bekenntnisse. Gr hat bisher nahezu dreitausend Leitung deF Judentums. Hochschüler deutscher Universitäten und technischer sowie künstlerischer Hochschulen des Staats unterstützt, letzthin mit jährlich bis 406 Mark. Gr gewährt nur Darlehen mit Rückzahlungspflicht zu einem Zeitpunkt, wo die Erstattung beut Empfänger nicht mehr allzu schwer fallen wird. Selbst in diesem harten Jahre betrugen die Rückzahlungen über siebentausend Mark, freilich 5606 unter dem Höchststände, aber doch fast ein Drittel der diesmaligen Jahresausgabe. In manchem, srühieren Jahre wurden an vierzigtausend Mark verteilt. Tie meistert Stipendiaten sind Mediziner; von den einstigen haben einige als Hochschnllehrer europäischen Ruf erworben, und hat einer das Rektorat der größten Universität Deutschlands bekleidet; von den jetzigen stehen über 60 im Felde, mehrere sind fürs Vaterland gefallen. — Vorsitzender des Vereins ist Justizrat Tr. A. S e l i g s o h it, Schriftführer Professor Tr. F. Liebe r m a it n, Bendlerstraße 10. E. M. Berlin, 20. März. Im V e r e i n s ü r j ü d i f ch e G c - schichte und Literatur hielt Chefredakteur I. Landau einen pepillär-wissens'ch'a'ftlichert Vortrag über das' a l t j ü d i f ch e H a u s. Er bezeichnete das altjildische Haus, das Heim unserer glücklicheren und genügsameren Vorfahren, als einen Hort des Glücks. Der Redner schilderte das Leben m einer jüdischen Kleinstadt des Ostens mit seinen typischen Erscheinungen, zum Beispiel dem „Schulkopfer". der allmorgendlich die Frommen zum Moraengebet ruft. Zwei Schläge an die Fensterladen sind die Einladung zum Gebet; erfolgt ein 'dritter Schlag, so bedeutet das einen Trauer fall in der Gem>einde. Airs die Beschreibung des Tages, wie ihn der fromme Jude des Ostens mit Gebet und Arbeit verlebt, folgte eine Schilderung des Festjahres mit feinen mannigfachen Bräuchen und Sitten. Dieseln Rundblick reihte der Redner eine kurze Beschreibung! der Familienfeste an. Alle diese jüdischen. Lebensformen dienender Erhebung an8 dem Alltag mit feinen: Sorgen in eine höhere geistige Welt. Tiefe Erhebung zll Gott gibt dem Ostjuden die-Kraft, fein schweres Los zu ertragen: sie bildet eine Pforte zur Glückseligkeit, durch die auch wir Westler öfters schreiten sollten, um aus dieser ewigen Kraftquelle zu schöpfen. — Die interessanten Ausführungen des beliebten Redners lösten lebhaften Beifall ans. E. M. Berlin, 20. März. Der V c r e v n z u r P s l e ge h e b r ä is ch e r Gesänge hat mit seinem diesjährigen Konzert, das am 12. d. Bk. im BlüthnerSaal stattsand, einen vollen künstlerischen Erfolg erzielt. Ans dem reichen Programm, das lieben doll Werken von Lewandowski, Sulzer, Nossi und Nadel in der Hauptsache Kompositionen und Bearbeitmtgen des verdienstvollen Dirigenten des Vereins, Albert Keller mann, brachte, ist besonders ein „Akdomus" für Chor, Sopran- und Bariton, Solo und Orgel hervorzuheben. Dieses Akdomus, ein einleitender Gesang zur Vorlesung des Schriftabschnittes, enthält alte traditionelle Melodien für das Wochenfest, die Kellermann mit seinem Eulpsiuden wiedergegeben hat. Die Melodie ist eine jubelnde Pfingstkantate, und stellt eine erfreuliche Bereicherung unserer fhnagogalen Musik dar. (Eine andere Komposition Kellermanns für das Wochenfest, „Os schesch m'oh", bringt ebenfalls eine heiter bewegte Weise. Von den Kellermannschen Melodien ist noch die zuletzt zu Gehör gebrachte Hausmusik für Chor zu erwähnen: über die Kompositionen Sulzers und Lewandowskis etwas anzuführen, erübrigt sich hier. Sehr hohe Anforderungen an den Chor stellte 'eine Komposition Salomon Rossis, eines jüdischen italienischen Mllsikers des 16. Jahrhunderts, die im Bach-Stil gehalten ist. Die Leistlingen des auf 90 Personen verstärkten Chores-verdienen Anerkennung; er war stimmlich und vertraglich seinen Aufgaben durchaus gewachsen. In Fräulein L o t t e S t e i n vom Charlottenburger Opernhaus (Sopran) lmd Wilhelm Guttmann (Bariton) waren hervorragende Solisten gewonnen, die großen Beifall bei denr zahlreichen Publikum fanden. Eine begeisterte Aufnahme fand auch Felix Robert M e n d e l s o h n, dessen glänzende Technik und feinsinniges Empfinden hervorzuheben sind. Die Orgel war den Meisterhänden Walter Fischers von der Kaiser-Wilhelm-Gedächnis-Kirche anvertraut. Der Leiter der vorzüglich gelungenen Veranstaltung, Kapellmeister Albert Kellermann, verdient als Komponist wie als Dirigient den ihnr zuteil gewordenen reichen Beifall.

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