Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1917)
- Date
- 1917-03-23
- Page
- Seite 140 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3229286-3229298--72980-3285435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
140 Messingpetschaft des früheren jüdischen Gerichts in Altona hervorgehoben. Jüdische Goldschmiede hat eS fast in allen Ländern und zu allen Zeiten gegeben, doch bleibt eS fraglich, ob die goldenen Eheringe aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, welche die Sammlung Wolfs birgt, von Juden oder Christen herrühren. Jedenfalls sind diese Schmuckstücke mit ihren Verzierungen und aufgesetzten Tempelchen ein kostbares Inventar, auf dem unser Blick mit berechtigtem Wohlgefallen ruhen darf. Silberschmiedearbeit und Gravierkunst vereinigt zeigen sich uns in den beiden großen Bechern der Berliner Chewra Kadischa. Geheimrat Geiger hat 1871 in seiner „Geschichte der! lernen will, muh unsere Gotteshäuser aufsuchen Und die dort nn Gebrauch befindlichen.Kultusgeräte betrachten. Noch sind : diese Dinge nicht lediglich Museumsobjekte. Darum ist unsere Sammlung in dieser Hinsicht nur klein. Es kommen für sie; nur solche Stücke in Betracht, die wegen ihres Alters dem Ge-! brauche entzogen sind oder bei dem Wechsel der Formen außer : Gebrauch kamen, oder nur noch geschichtlich oder kunstgewerb-; lich interessieren. Doch soll es zu den Aufgaben unserer Sammlung gehören, hervorragende shnagogale Kunstschätze, zu deren I Würdigung es in den Gotteshäusern an Zeit und Gelegenheit fohlt, im Saale unserer Kunstsammlung in der Form von; Leihgaben einem weiteren Kreise bekanntzumachen. Unter den -MM Vorraum der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Pkot y- Mana<nr*kv, Benin. Juden in Berlin" gelegentlich mitgeteilt, daß als Stister der Beerdigungsgesellschaft Gemilus chassodim verschiedene Personen auf einem wahrscheinlich 1726 angesertigten, noch vorhandenen Becher genannt sind. Alle Nachforschungen nach diesem Becher blieben vergebens, bis meine Bemühungen, unsere Kunstsammlung durch alte Kultusgeräte der Berliner Synagogen zu ergänzen, eine freudige Ueberraschung brachten. In einem Schrank der Neuen Synagoge fand sich der gesuchte Becher, und nicht nur dieser aus dem Jahre 1734, sondern noch ein zweiter aus dem Jahre 1777, große Vereinsbecher aus schwerem Silber, an deren Außenwänden viele Schilde mit den eingravierten Namen der Gründer und Mitglieder angebracht sind: beide jetzt Prunkstücke unserer Sammlung. Die vom jüdischen Kunstgewerbe vorzugsweise gefertigten Gegenstände sind diejenigen, die dem Judentum ureigen sind: die Kultusgeräte für Synagoge und Haus. Wer sie kennenausgestellten Kultusgeräten lenken die Becher, Büchsen, Kannen, Teller, Leuchter, Vorhänge und Wimpeln unsere Aufmerksamkeit auf sich. Besonders kunstvoll ist ein Gewürztürmchen aus dem 17. Jahrhundert in Silberfiligran, zweigeschossig mit einem Helm aufgebaut, mit sechs Musikantcnsiguren, mit Fähnchen und Rosetten. Aelter, aber einfacher und wegen seines Herkunftsortes charakteristisch ist ein flaches, viereckiges, silbernes Gewürzkästchen, das aus Assuan in Aegypten stammt. Aus Italien und Polen kommen sieben kostbare Chanukalampen des 16. bis 18. Jahrhunderts in Silber, Bronze, Messing und Holz, ein jedes Stück mit charakteristischer Eigenart. An Größe und Gewicht übertrifft alle der Chanukaleuchter aus Messing, der noch jetzt hier in der Alten Synagoge im Gebrauch ist und 1713 von dem ersten Vorsteher der Gemeinde. Aaron Isaak und seiner Frau, für die damals neu gebaute Synagoge gestiftet wurde. Ein imposantes Stück der