Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1917)
- Date
- 1917-03-23
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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139 die silbernen Schekel und Halbschekel aus den Jahren 66 bis 70 v, Ehr. ryit den Inschriften „Jeruscholajim kedoscha" (das heilige Jerusalem) und „Cherut Zion" (Freiheit Zions). Den Sieg Roms und den Untergang des jüdischen Staates verherrlichen die römischen Golddenare und zahlreichen Silber- und Dronzemünzen der Kaiser Vespasian und Titus mit der Inschrift „Judaea capta" und der Darstellung einer gefangenen trauernden Jüdin unter einem Palmbaum. Noch einmal erhebt sich das kleine jüdische Land gegen das allmächtige Rom, und Barkochba läßt seine silbernen und bronzenen Denare und Tetradrachmen aus die Erlösung und Freiheit Israels und Jerusalems prägen, dann senkt sich in Leid und Tod der Vorhang über den letzten Rest jüdischen staatlichen Lebens. Die römischen kaiserlichen Münzen für die palästinensischen Städte und die Münzen, welche die autonomen Städte Palästinas selber prägten, illustrieren die Geschichte des Landes in den drei ersten nachchristlichen Jahrhunderten, während zum Schluß die Abteilung Varia uns noch einmal durch griechische und syrische Münzen zurück in die Zeit der seleuzidischen Herrscher und anderseits durch Kreuzfahrermünzen der christlichen Könige Jerusalems bis tief hinein in die Zeit des Mittelalters geleiten. So umfaßt unsere Münzensammlung einen Zeitraum von 14. Jahrhunderten aus der Geschichte des heiligen Landes und spendet reiche Belehrung einem jeden, der zu lesen und zu sinnen versteht. — Mit den jüdischen Münzen des Altertums äußerlich verwandt, wenn auch von ihnen in ihrem Wesen völlig verschieden sind die Medaillen — oder wie man sie neuerdings nennt — die Schaumünzen oder Denkmünzen des Judentums. Vom Anfänge des 16. Jahrhunderts führen sie uns bis in die Gegenwart des Weltkrieges und stellen in ihrer Gesamtheit einen Besitz dar, wie er sich sonst in keinem Museum, in keiner Kunstsammlung so vollständig findet. Diese Sammlung bildet unbestreitbar eine Sehenswürdigkeit. Ich konnte 'sie bereits nach verschiedenen Richtungen ergänzen und bin bestrebt, ihren Ausbau fortzusetzen. Daß die Medaillenkunde eine reichhaltige Quelle für die Geschichtskenntnis ist, hat man in neuerer Zeit gewürdigt; aber wer hätte geahnt, daß es so viele, so schöne Medaillen gibt, die aus alle möglichen Personen, Einrichtungen und Begebenheiten des Judentums geprägt worden sind! Die kleine Gruppe der Medaillen auf „Biblische Personen und Begebenheiten" kann uns natürlich nichts Neues lehren, aber einzelne Schaumünzen, wie die Joachimstaler des 16. Jahrhunderts, fesseln in hohem Grade unser künstlerisches Interesse. Dann aber kommt die lange Reihe der Medaillen, die auf Personen jüdischen Bekenntnisses und jüdischer Abstammung geprägt wurden. Um nur einige zu nennen: der Philosoph Moses Mendelssohn, der Philologe Theodor Gomperz, die Aerzte Karl Weigert, Paul Ehrlich und Siegmund Freud, die Politiker Gabriel Rießer, Adolph Cremieux, Ferdinand Lassalle und Karl Marx, der Philantrop Moses Montefivre, die Großindustriellen Ludwig Loewe und Wilhelm Herz, der Bankier Daniel Jtzig und die verschiedenen Rothschilds, die Dichter und Schriftsteller Ludwig Börne, Heinrich Heine, Salomon v. Mosenthal und Ludwig August Frankl v. Hochwart, die Komponisten Giacomo Meherbeer, Felix Mendelssohn-Bartholdh, Jacques Offenbach, Anton Rubinstein, Karl Goldmark und Ignaz Brüll, die Architekten Samuel Jesi, Max Fleischer und Oskar Marmorek, der Maler Jozef Israels, die Musiker und Sänger Giuditta Pasta, Joseph Joachim und Hermann Levi, die Schauspieler Elisa Rachel-Felix, Adolf v. Sonnenthal und Ludwig Barnay. Wohin wir schauen, wird unser Auge gefesselt, bald von der künstlerischen Ausführung der Porträts, bald von den Darstellungen oder Texten, welche die Bedeutung der Personen symbolisieren oder den Anlaß der Prägung erläutern. Meistenteils gibt die Feier eines Jubiläums die äußere Ursache zur Prägung. Das ist auch bei der nächsten Gruppe, den Schaumünzen auf Einrichtungen des Judentums, der Fall. Auf Synagogen, Schulen und Stiftungen wurden Medaillen geprägt. Häufig gab schon die Einweihung der Anstalten die Veranlassung zur Prägung. So haben die jüdischen Großgemeinden in München, Frankfurt a. M., Köln und Amsterdam, aber auch kleinere, wie Teplitz, Szegedin, Bordeaux und Vercelli, die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, die Errichtung und später die Jubiläen ihrer Synagogen durch Medaillen zu verewigen. So hat die jüdische Wilhelms-Schule in Breslau bereits 1791 und in neuerer Zeit die beiden jüdischen Realschulen in Frankfurt a. M. und sogar die Lämel- Realschule in Jerusalem Medaillen prägen lassen. Das gleiche haben milde Stiftungen wie das Israelitische Vorschußinstitut und das Heinesche Krankenhaus in Hamburg 1841 und später mehrere Waisenhäuser und Altersversorgungsanstalten in Deutschland und Holland getan. Bei einer solchen reichen Medaillenprägung auf Personen und Einrichtungen ist es selbstverständlich, daß auch einzelne leidvolle und freudige Ereignisse der Geschichte ihre Verewigung in Silber und Kupfer gesunden haben. Man klagte 1711 über den Brand der Judengasse in Frankfurt a. M., aber man jubelte auch 1745, als Maria Theresia ihr Edikt, durch das die Juden aus Böhmen verbannt werden sollten, wieder aufhob. Das Toleranzedikt Kaiser Josephs II. wurde 1782 durch die Medaille ebenso gefeiert wie 1808 die Emanzipation der Juden des Königreichs Westfalen und kurz vorher die denkwürdige Tagung des 1807 durch Napoleon nach Paris berufenen Großen Sanhedrin. Wir besitzen eine Medaille, welche die russischen Juden 1805 als Dank für die judenfreundliche Gesetzgebung Kaiser Alexanders I. prägen ließen, eine gleiche, die 1848 die italienischen Juden zu Ehren ihres Verteidigers Roberto de Azeglio stifteten, und eine dritte, welche von den amerikanischen Juden 1905 zur 250jährigen Feier der ersten Niederlassung von Juden in den Vereinigten Staaten ausging. So find aller Herren Länder vertreten, überall hat dankbare Empfindung sich in Metall verewigt. An den Schluß der Medaillensammlung, gleichsam als Anhang, wurden nichtjüdische Medaillen jüdischer Medailleure gestellt, denn seit dem 18. Jahrhundert haben sich Juden im Dienst der Medailleurkunst betätigt und auf diesem Gebiet Anerkennenswertes geleistet. Ich brauche aus dem 18. Jahrhundert nur die Schweriner Medailleure Philipp Aron, Abraham Aron und Meier Löser, die Berliner Hofmedailleure Jacob Abram und Abraham Abramson zu nennen, aus dem 19. Jahrhundert die Brüsseler Jakob, Karl und Leopold Wiener. — Bis ins Altertum zurück reicht die Beschäftigung der Juden mit der Kunst des Gravierens und Steinschneidens. In Deutschland gehörte die Gravierkunst zu den wenigen Gewerben, deren Ausübung den Juden gesetzlich gestattet war. In fast jeder größeren jüdischen Gemeinde gab es einen oder ernige jüdische Petschierer. Die Häufigkeit des Namens Steinschneider legt davon Zeugnis ab. Albert Wolf hat eine ganze Anzahl jüdischer Siegel und Stempel gesammelt. Am interessantestm wegen des jüdischen adligen Besitzers ist wohl das Silberplattpetschaft des Jakob Batsevi von Treuenberg in Prag aus dem Jahre 1623. Ueberhaupt ist aus Prag eine Reihe älterer Siegel vorhanden: das alte Gemeindesiegel aus Stahl mit der Inschrift „Ligillum antiquae communitatis Pragensium Judeorum", das Messingpetschaft des früheren Prager jüdischen Gerichts mit der Inschrift „Israelitische Oberjuristen in Prag", das Stahlpetschaft der dortigen jüdischen Fleischerzunft, das Messingpetschaft des israelitischen Knabenwaisenhauses usw. Aus den zur Siegelsammlung Wolfs hinzugekommenen Geschenken lind Ankäufen sei besonders das