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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-23 · Heft 12 (23.3.1917) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 12 (23.3.1917)
Date
1917-03-23
Page
Seite 138 (sequence 6)
Language
German
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?WWN 138-— Bundesgenossen zur Bteuschlichkeit zu bringen, sondern wenn Rußland sich aus eigener Kraft zu einer Umgestaltung der Verhältnisse erheben würde. * Wir schließen mit einem Bericht über einen Vortrag, den unser Mitarbeiter Julius Hirsch in Köln in dem dortigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur über die „neuesten Veränderungen der jüdischen Wirtschaftslage" gehalten hat. Dieser Bericht lautet nach dem „Kölner Stadtanzeiger" folgendermaßen: Die Wirtschaftslage des jüdischen Stammes in Westeuropa ist im letzten Menschenalter so günstig gewesen, lvie wohl kaum je zuvor. Die Ursache dieser Erscheinung liegt in der regellosen Unordnung des Wirtschaftslebens, die für alle kaufmännisch veranlagten Persönlichkeiten besonders gute Aussichten geboten hat. Es fragt sich, ob in der lauesten Entwicklung Tendenzen liegen, die diese günstige Lage unterbinden können. Ans drei Entwicklimg-sricht11ngen der modernen Wirtschaft hat man hauptsächlich einen Niedergang der jüdischen Wirtschaftslage erkennen trollen: aus dem Entstehen des Großbetriebes, aus der Kartellierung und aus dem Staatsbetriebe, dein sogenannten Staats-Sozialismus. Ties wirkt auf die jüdische Wirtschaftslage in West- und Mittel-Europa sehr verschiedenartig. Unbedingt schädlich wirkt der Staatsbetrieb; denn, da der Jude überall eine Minderheit bildet, der Staatsbetrieb aber stets in den Händen der Mehrheit liegt, so wird durch das Vordringen dieses Betriebes die Lage des Juden zweifellos ungünstiger. Anders schon beim Kartell; dieses legt zwar manches kausmälnrische Talent lahm, gibt jedoch der organisatorischen und zumal der juristischen Befähigung großen Spielraum, und es hat deshalb den Juden bisher zweifellos mehr gefördert, als gehemmt. Dasselbe gilt vom Großbetrieb; auch er legt dem Bestände ganzer Handels- und Gewerbezweige Hindernisse in den Weg, aber innerhalb der Großbetriebe selber werden kaustnännische und organisatorische Fähigkeiten nur um so notwendiger, und so sind aus vielen Gebieten, zumal gerade auch im Detailhandel, jüdische Kauflente die Organisatoren des Großbetriebes selber Moor den. Diese organisatorische Fähigkeit ist gerade int Kriege für die deutsche Nation von erheblichem Werte gewesen; denn gewichtige Teile der deutschen Kriegswirtschaft sind von jüdischen Organisatoren mit errichtet worden. Es sei verwiesen auf die Verdienste von Riester für die finanzielle Mobilmachung, auf die von Nathen.au für die Mobilmachung der Rohstoffe, auf Ballin und mehrere andere in der Organisation der Ernährungsw i rtschaft. Während so das Bild der Wirtschaftslage der Juden im Westen recht günstig erscheint, ist cs im Osten, wo zwischen dem Baltischen und dem Schwarzen Meere ein breiter mit Juden dicht besiedelter Landgürtcl sich hinzieht, weit ungünstiger bestellt. Tort hat sich eine Notlage herausgebildet, die sowohl aus der ungemein starken Vermehrung der dort wohnenden Ost-Juden herrührt, lvie auch aus den Beschränkungen im Wohnsitze und in der Gewerbesreiheit, denen diese Massen im Osten unterworfen sind. Infolgedessen sind von ihnen große Teile in immer tiefere Armut gekommen, insbesondere die Handwerkermassen, die in Zahl von mehr als einer halben Million Köpfen allein im russischen Gebiete erwerbstätig sind. Für diese Handwerkernmssen bedeutete das Auftreten der Industrie ein schweres Schicksal; durch diese wurden sie zu Hausindustriellen, und da sie für die immer stärker vordringende Fabrik kein geeignetes Arbeitermaterial darstellen, wurden diese Handwerkermassen zur Auswanderung gezwungen. lieber eine Million jüdischer Handwerker und Heimarbeiter ist seit einem Menschenalter in die Neue Welt gezogen. Ten übrigen schiert, besonders soweit sie Kauflente waren, die fortschreitende Industrialisierung des russischen Westens günstige Aussichten zu eröffnen. Unter den ganzen jüdischen Auswanderern waren nur 4 bis 5 vom Hundert Kaufleute. Diese beginnende Hebung des jüdischen Stammes im Osten hat der Krieg zerstört. Mitten durch den „Judengürtel" sind die Heere Hill lind her gewogt, und jetzt noch geht die Feuerlinie mitten hindurch, jedoch so, daß die größere Hälfte der Ost-Juden nun aus unserer Seite dieser Linie wohnt. Nun lvar aber die ganze Existenz dieser Massen auf die Verbindung mit dem Osten aufgebaut, und mit der Lösung dieser Verbindung ist ein ungeheures Glend die Folge gewesen. Wenn nach dem Kriege diese Verburdung nicht wieder hergestellt wird, so bedeutet dies eilte dauernde Brollosmachung dieser Massen. Daraus ergeben sich für die deutschen Juden zwei. Ausgaben. Die eine, auf politischem Gebiete, laßt sich erst Lei der Besprechung der Friedensbedingungen diskutieren. Die andere liegt in der Gegenwart. Sie besteht darin, daß man diesen notgedrungen lllüßiggehenden Massen neue Arbeitsmöglichkeiten erschließen soll. Insbesondere entspricht eine Kleinindustrie, etwa für Holzbearbeitung, für lvelche das Rohmaterial in unbegrenztem Maße zur Verfügung steht, den Arbeitsgewohnheiten dieser' Massen durchaus: auch andere Kleinindustrien könnten dort begründet werden und sowohl für die Gegenwart lvie für die Ankunft der plötzlich gleichsam entwurzelten Massen einen neuen wirtschaftlichen und sittlichen Halt geben. Man darf es nicht mit Almosen genug sein lassen, denn diese bedeuten bei der ungemein großen Zahl — über die Hälfte der Oft-Juden auf unserer Seite der Feuerlinie hat weder Einkommen noch Vermögen mehr — nur wenig. Organisatorische Tätigkeit zwecks Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten für diese Massen ist sehr viel wichtiger. Sie Nusttelluns der Lunttlammlung der Jüdischen Gemeinde?u Serlin. Aus dem am Eröffnungstage erstatteten Bericht von M o r i tz S t e r n. us der großen Fülle wertvollen Materials, das unsere 4V Sammlung umfaßt, kann infolge der beschränkten Räume nur ein Ausschnitt geboten werden: eine Ausstellung, die ich aus der Schenkung Albert Wolfs, aus gemachten Ankäufen und aus Leihgaben der Gemeinde unter Hinzuziehung einiger Bibliothekschätze') zusammenstellte. Ein sogenannter „Führer durch die Ausstellung" wird hoffentlich bald die nötige Orientierung gewähren. Für heute mag der folgende Ueberblick eine Art Ersatz bieten. Altertümer aus Palästina finden sich in europäischen Museen nur wenig. Sie sind lediglich Ausgrabungen zu verdanken. Wolf gelang es, einige zu erwerben, die uns in das altpalästinensische Privatleben einen Einblick gewähren. An den Kultus der älteren Königszeit erinnert uns der Form nach eine Götzenfigur (Astarte) aus Ton, wenngleich sie selber erst aus der Zeit der Makkabäer stammen mag. Den darauf folgenden Zeitraum, da der zweite Tempel noch stand, läßt ein Oellämpchen, gleichfalls uns Ton, vor unserem geistigen Auge wieder erstehen. Das Inventar palästinensischer Häuser der römischen Periode lassen uns verschiedene wertvolle Gläser, ein Goldkettchen, ein kleiner Löwe aus Bronze und anderes erkennen. In das öffentliche Leben des jüdi^hen Staates versetzt uns die kostbare Münzensammlung, die Wolf nach und nach zusammengebracht hat. Sie ist ein vorzügliches Anschäuungs- und Lehrmittel für unsere Laien, aber auch eine wertvolle Fundgrube für die archäologische Wissenschaft; denn sie bildet eine Ergänzung zu den Sammlungen des Berliner Münzkabinetts und des Londoner British Museum. Finden sich doch in unserer Sammlung Stücke, die weder bei de Saulcy noch bei Hill verzeichnet sind! Da erscheinen sie fast alle vor unseren Augen, die Bronzemünzen der hasmonäischen Fürsten und Könige: Simon Makkabi, Johannes Hyrkan, Juda Aristobul, Alexander Jannäus und Antigonus; der herodäischen Herrscher Herodes I., Herodes Archelaus, Herodes Antipas, Agrippa I. und II., die römischen Münzen der Landpfleger, und vor allem die berühmten jüdischen Aufstandsmünzen, ') Es sind selteneBücher (5 hebräische Inkunabeln, 8 Schristten zum Reuchlin-Pfesferkorn-Streit, 2 Schriften Reuchlins über hebräische Grammatik und Akzente (hebräische Bibel 1517]), illustrierte Drucke (deutsche Bibel 1483, Pessach-Haggadas 1629/30 u. a.) und Lichtdrucke von Bibel- und Talmudhandschriften usiv. ausgestellt. di 70 he S lic W sck tr> he ur Ul ur B, Di St sti de: Sc un He chr Mi ein hei der wa schi nei Bo Ge ein Kn un! na< Au Qu gett Me uni uni abe Jal Int die star Phi per. Fre dinl fivr der die Sal war sohr Gol Rei Mu Her v. ( wir! führ Tex den

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