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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-23 · Heft 12 (23.3.1917) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 12 (23.3.1917)
Date
1917-03-23
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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>37* *>-■*$»’SfSfs:*™ ** davon abhüngt. Was soll also durch die Feststellung des Glaubens der Bewerber herbeigeführt werden? Fürchtet man, daß Rhabarber eines dissidentischen oder jüdischen Apvthekenbesitzers weniger durchschlagend wirkt als der, der aus katholischen oder evangelischen Händen kommt? * Unser bayerischer Korrespondent L. F. schreibt uns über die Judendebatte im bayerischen Landtage (vgl. seine Berichte Nr. 9 und 10): Die ausgesprochen grundsätzliche Judenfeindschaft desUltramontanismus neben dem unversöhnlich haßerfüllten Antisemitismus des orthodor-lutherisch verbrämten Ultrakonservatismus bekundet deutlichst der inzwischen im Amtsblatt der König!. Bayerischen Regierung: „König!. Bayerischer Staatsänzeiger" Nr. 53 vom 4. März, S. 4, nachträglich abgedruckte Wortlaut der bezüglichen Ausführungen eines sehr angesehenen wirtschaftspolitischen Wortführers der Zentrumsfraktion, Oberzollrat Speck, des Mitberichterstatters des Finanzausschusses, vom 28. Februar: „Dem sogenannten Jndenerlaß, der bekanntlich auf einen Antrag der Zentrumsmitglieder des Ha u pta ussch nsseS zurückzufüh ren ist, haben irgendwelche antisemitische Tendenzen vollständig ferngelegen. Dieser Antrag war geradezu eine erlösende Tat im Hinblick darauf, welche Gerüchte durch die Lande gehen. Man wollte jetzt Klarheit und Wahrheit haben. Meiner Ansicht nach ist man aber auf halbem Wege stehen geblieben: man hätte das Ergebnis der Statistik auch veröffentlichen sollen." Das heißt allerdings reinen Wein eingeschenkt. Ferner: Das genannte offizielle Organ des ultramvntanen Ministeriums Hertling britdft die Eingangserklärung des Aussckmßreferenten, des volksparteilichen Veteranen, Geheimrat Prof. Günther, daß er alle ,.Antisemitika", die in der Debatte eine Rolle spielten, in seinem Bericht an das Plenum im Interesse des Burgfriedens nicht erwähnen werde, in der Form: „ersucht, ihn davon zu entbinden, in seinem Bericht an das Plenum alle Antisemitika zu erwähnen" — selbstredend ein gewaltiger Unterschied. Am nächsten Tage, 1. März, ließ der agrarische Zentrumsdemagogc Tr. Schlittenbauer in eben dieser Vollversammlung, wie von uns in Nr. 11 erwähnt, seinen schwächlichen antisemitischen Wihchen die Zügel schießen. Kriegsminister General v. -Hellingrath wurde in seiner mehrstündigen Auskunft am 8. März allen Einwürfen und Anfragen gerecht, ohne für die antisemitischen Angriffe eine Silbe Antwort zu finden. Da wandte sich selbigen Taas zur Abwehr der redeaewandte linksliberale Abgeordnete Kohl lRechtsanwalt in München) „ä n ß e r st scharf gegen die judenfeindlichen Bewegungen" (so laut einer parteilosen Zeitnngskorrespondenz vom 9. März). Diese letztere hochbedeutsame Rede eines vielerfahrenen Politikers, Mannes der Oeffentlichkeit und weltberufenen Juristen der Praris, dem ganz gewiß niemand iin geringsten irgendwelche Verbindlichkeit gegenüber Juden nachsagen kann, sind wir in der Lage, wortgetreu zu wiederholen: „Aber wenn verlangt wird, daß geistige Richtung und Anschauung vom Offiziersberuf ausgeschlossen werden darf, dann muß man auch dafür eintreten, daß auch Dissidenten und Juden Offiziere werden können. Der Antisemitismus wuchert jetzt ganz kolossal. Ich bin kein Philosemit und kein Antisemit, ich nehme den Juden einfach als Menschen und, wenn er ein Deutscher ist, als Deutschen. Vor dem Krieg haben die Antisemiten immer gesagt: Wir wollen keine jüdischen Offiziere. Die Folge war, daß der Jude nicht Offizier werden konnte: hatte er nur einen wohlwollenden Vorgesetzten und war der Jude ein tüchtiger Soldat, so sagte der Vorgesetzte wohl zu ihm: „Offizier können Sie nicht werden, wie die Verhältnisse einmal liegen, also schlagen Sie die Beamtenkarriere ein!" Daher kommt es, daß nun so viele Juden in den Proviamtämtern sitzen: Jetzt beklagen Sie (zu Zentrum und Konservativen gewendet) sich wieder darüber. Sie haben die Juden aber selbst hineingezwungen! Was der Abg e o r d n e t e B e ck h ü b e r di e I u d e n g e s a g t h a t, i st nicht zum Heile des Vaterlandes. Seine Ausführungen müssen den Keine der Zwietracht in das Heer hineintragen. Die jüdischen Soldaten haben ihr Blut und ihr Leben im Kampfe für das Vaterland ebenso geopfert wie die übrigen Soldaten, sie haben daher auch Anspruch auf Achtung. Auch viele jüdische Mütter und Väter beklagen den Tod ihres eigenen Sohnes, und es ist nicht christlich, nicht menschlich und nicht deutschen dieser Zeitdes allgemeinen Unglücks die bekümmerten Herzen von jüdischen Eltern in dieser Weise a n z u g r e i f e n. Mir sagte jüngst ein Jude: „Wir sind in einem geistigen Ghetto, und wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen: ich habe 19 Angehörige im Felde, und ich habe meinen Sohn verloren, was können denn wir dafür, wenn einzelne Juden sich so führen, daß alle anständigen Juden dies selbst mißbilligen?" Nach dem Kriege wollen wir Abrechnung halten mit denen, die in diesem Kriege sich an der Not des deutschen Volkes bereichert haben. Aber wir wollen dabei Vorgehen, ohne Rücksicht darauf, ob der Betreffende ein Christ oder ein Jude ist. Wenn wir allerdings beim Friedensschluß fremde Bestandteile in unser Volk aufnehmen wollen, und wir sind bisher nicht einmal mit den paar Juden fertig geworden, dann sieht es schlecht aus." Diese inhaltsreichen und mannhaften Ausführungen brachte nur die in ihren Parlamentsberichten meist verläßliche „München-Augsburger Abendzeitung" vor die Oeffentlichkeit, während die „Bayerische Staatszeitung" dafür wieder keinen Raum hatte. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" Nr. 136 vom 16. März bringen zur zahlenmäßigen Aufklärung über den Meinungsstreit betreffs der israelitischen Prüflinge beim letzten juristischen Staatskonkurs (der dem norddeutschen Reserendareramen entspricht) folgende statistischen Angaben am Ende der einschlägigen Sitzungsberichte: „Juden und juristischer Staatskonkurs. Im Finanzausschuß ba' bei den Beratungen der militärischen Fragen der Abgeordnete Becth (Kons.) sich unter anderem auch mit der Teilnahme der Juden am diesjährigen juristischen Staatskonkurs beschäftigt und dabei Zahlen angegeben, die, wie Abgeordneter Kohl (Lib.) dann in öffentlicher Sitzung auf Grund-amtlichen Materials feststellte, absolut falsch waren. Teilnehmer waren es 109, davon Kriegsteilnehmer 55, das ist die Hälfte: davon im Felde 18, das ist ein Sechstel. Nichtjnden waren es 84, davon Kriegsteilnehmer 39, also unter der Hälfte; im Felde standen 12, das ist ein Siebentel Juden waren es 25. davon Kriegsteilnehmer 16. also weit über die Hälfte, und iin Felde standen 6, das ist ein Viertel, gegenüber einem Siebentel Nichtjuden. — Durch diese Feststellungen des Abgeordneten Kohl sind die von gewisser Seite gegen die jüdischen Rechtspraktikanten und gegen ihre militärische Ehre gerichteten Angriffe somit auf das nachdrücklichste widerlegt worden." Sonstige wenig erfreuliche. Erörterungen seien hier übergangen. Dagegen nötigt uns ein breiter Angriff, den ein Leitartikel „Fälsche Behauptungen über die Verhältnisse iu Bayern" in Nr. 10 (8. März) der „Deutschen Israelitischen Zeitung" (Regensburg) auf unseren ersten Aufsatz („A. Z. d. I." Nr. 9) unternimmt, zu einigen Bemerkungen. Dieser „schärfste Protest" gegen meine Berichterstattung erlaubt sich am Schluß zu behaupten: „Die Ausführungen des Herrn L. F. sind in einem einzigen Punkte stichhaltig, der Artikel ist in jeder Hinsicht verfehlt", obwohl er keine . einzige der meinerseits ausgehobenen Debatteäußcrungen abzustreitcn oder zu mildern oder nur zu entschuldigen wagen kann. Bezüglich der Zentrumsvertreter bo Zk tu de mj Z« ter eir hö de: ba Uri gle zei ger sch trü äni Pu fest drr Er« Iu Ste nic k e i Ar der ten tetei solck -mg hin dies, Wir glrck gew sich Den Mü: wür wid meii ist n nich auch schei orth gut Spli 3 die i ich i dem den beric seine liche: E i n (z (Dral Hand schlos Wohl

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