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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-16 · Heft 11 (16.3.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 '; ' * hörte stehend den tiefempfundenen Nachruf, am Iiahtesbericht erwähnte der Vorsitzende, daß die KrieME cklch dE 8«^ nahmen insofern nicht ohne ungünstigen lÄnfluß MM M eAre. größere Anzahl von außerordentlichen Mitgliedern ihre Bertram nicht mehr leistete. Demgegenüber steht die erfreuliche Nachricht von vermehrten einmaligen Spenden, durch die der Ausfall gedeckt wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde insbesondere dem Oberkantor N e u st a d t für seine eifrige Tätigkeit im Interesse der Hilfskasse gedankt. Nach dem Kassenbericht und erteilter Entlastung erfolgte die Borstandswahl. Der Vorsitzende dankte mit warmen Worten dem Schatzmeister, Herrn Isaaksohn, und dem ersten Schriftführer, Oberkantor D a v i d s o h n , die ihre Aemter niederilegten und aus dem Vorstande ausschieden, für ihre überaus eifrige Tätigkeit, ebenso den anderen Vorstandsmitgliedern, mit denen er in sechsjähriger gemeinsamer Tätigkeit zum Wöhle des Hilfswerkes wirkte. Alsdann legte auch er das Amt des Vorsitzenden wegen Arbeitsüberlastung nieder. Neu gewählt wurden: zum ersten Vorsitzenden Herr Direktor Deutschland, zum Schatzmeister Herr Rochels o h n. Von außerordentlichen Mitgliedern wurden die Herren Direktor Seckel und Hugo Kaufmann gewählt. Von ordentlichen Mitgliedern die Herren Asch, W. Fried m ann, K i r s ch n e r, Klein, Neustadt und S t a b i n s k i. Hierauf ergriff Oberkantor Davidsobn das Wort und hob in längeren Ausführungen die Verdienste des scheidenden Vorsitzenden hervor. Er dankte Herrn Jonas nicht nur für seine Arbeit für die Kasse, sondern auch für sein starkes Interesse, das er dem Kantorenstand vom ersten Tage seines Wirkens an entgegenbrachte. Die Kasse ernannte ihn zu ihrem Ehrenmitglieder als äußeres Zeichen seiner Dankbarkeit überreichte ihm der Vorstand eine Beethoven-Büste, die in dem der Kunst geweihten Hause des Herrn I. ihren Platz finden möge. Herr Jonas dankte mit herzlichen Worten. Nach Erledigung der Vereinsarbeiten hielt Oberkantor Felir A s ch ein eingehendes Referat über „Die wirtschaftliche Lage der Kultusbeamten in Gegenwart und Zukunft". In allseitig erschöpfender, klarer und überzeugender Weise erörterte Referent die überaus traurige Laae der Kultusbeamten und deren Hinterbliebenen in kleinen Gemeinden, die sich in der jetzigen Kriegszeit noch ungleich schlimmer aestaltet habe. Die Gründlichkeit imb das Folgerichtige aller in dem Referate gemachten Ausführungen riefen den lauten Beifall der Versammlung bervor. Die Vorschläge, die er zur Bessergestaltuna der Verhältnisse machte, fanden ungeteilte Zustimmung und sollen unter Mitwirkung der Hilfskasse ihrer Verwirklichung entgegengeführt werden. Der Vorsitzende dankte dem Referenten in warmen Worten für seine Mühe. # # Berlin. 18. März. Ter von den Logen U. O. B. B. begründete Verein f ü r Arbeit s n a ch weis hielt am 28. v. Rt. seine diesjährige Geueralversannnlnng ab. Der Vorsitzende, Tr. Mar Ginsberg, gedachte in warrnen Worten der verstorbenen Mitetieder des Vereinsvorstandes: Siegfried Brüml, Justin rat Samuel Mever und Geheimrat Theodor Potsdamnier: von den Mitgliedern des Damenkomitees sind Frau Henriette Grützer und Frau Apt verschieden. Nach dem Geschäft s b e r i ch t, den der Vorsitzende erstattete, sind im Berichtsjahre 1582 Stellen vermittelt worden. Unter den Bewerbern befanden sich 486 Männer und 1696 Frauen. Verb ei ratet wareir 252 Bewerber, während 1330 Personen ledig waren. Ter größte Teil der Stellungsiuchenden besaß die deutsche Staatsangehörigkeit, an Ausländern waren 106 Oesterreicher, 214 Russen und 6 Runlänen zu verzeichnen. In 93 Fällen konnten Bewerbern Stellen nachgeNneselr l vor den. die ihnen die Beobachtung der Sabbatgesetze -ermöglichten. Tie Kriegszeit war auf den ArbeWmarkt undbannt ans die Tätigkeit des Vereins für Arbeitsnachweis von größter Bedeutung. Tie gewohnte Art der Arbeitsverinittelung war stark beschränkt, ein weiterer Rückgang ist mit dem Eintreten des vaterländifchen Hilfsdienstes zu erwarten. Jur engen Zirsammenarbeiten mit anderen berufenen jüdischen Organisationen, wie z. B. der Kriegshilfskolnmtssion der jüdischen Gemeinde, hat der Arbeitsnachweis nach Kräften zur Linderung der Kriegsnöte Leigetragen. In 29 Fällen konnten Kriegsbeschädigte in Stellung gebracht werden. 152 Kriegersrauen und 31 Krieaerwitweu wurde Beschäftigung nachg-ewiesen, 227 Bewerbern wurde in Aushilfsstelltt'Ugen vorübergehender Verdienst verschafft. In der Schreibstube des Vereins wurden 370 Aufträge erledigt und insgesamt etlva 255 060 Briefumschläge mit Aufschriften versehen. Die Eiiluahmen sind infolge der Verringerungder Beitrage von Logen nicht unerhMichzurückgegangen. An Subventionen erhielt bet Verein von der Berliner jüdischen Gemeinde 3000 Mark, von dea. Berliner Logen U. O. B. B. 1000 Mark und von der Großloge str DttHchdMd 300 Mark jährlich. Einen Beitrag, von 100 Mark lerstet HsrchMrüe fiir jüdische BeruMeratung!. Für Miete und Gehälter tvTdrde« eÜKL 1SM) Mark verausgabt. Ter Abschluß schließt in Einnahme und AusKÄbe mt 47188 Mark ab. — Auch für den Arbeitsnachweis heißt es. ebenso wie Kr andere sozialen und wirtschaftlichen- Hilfsorganisationen, sich Kr den Übergang zur Friedenswirtschaft zu rüsten. Die enge B.rbrrrdu«K trat bem Ausschuß für jüdische Berufsberatung eröffnet ihm ein nenes wWitzrK Arbeitsfeld. Berlin, 13. März. Das R abbrn erfeminLr zu Berlin steht vor der Verwirklichung neuer, bedeutendem Aufgaben, die zum Teil schon vor dem Kriege gelöst werden sollten, zum Teil erst in den letzten zwei Jahren entstanden sind. Neue Lehrkurse sollen eingerichtet und sonstige Gelegenheit zum Selbststudium geschaffen werden, neue Dozenten müssen ernannt werden. Für diese Zwecke sind der Anstalt in den letzten Wochen neben mehreren Legaten in Höbe von 2000 bis 5000 Mark und zweien von je 10 000-Mark, 100 000 Mark von den Inhabern der Firma Aron Hirsch u. S ob n, Ha lb er sta d t- B er li n , und 20 000 Mark von Herrn Bankier Max Jaffa zugegangen. Weitere Zuwendungen stehen zu erwarten. B. T. Berlin, 13. März. Tie künstlerisch und volkskundlich gleich fesselnde Veranstaltung „Ostjüdische Kirnst", die neulich hu Oberlichtsaal der Philharmonie stattfand, brachte aus dem reichen Schatze ostjüdifcher Volksdichtung, Literatur und Musik eine bunte Reihe von Einzelheiten verschiedenen Inhalts und Wertes. Melodien und Motive, die Robert Felix Mendelssohn für die Erfordernisse des Konzertvortrags her ge richtet hat und virtuos wiedergibt, zeigen dieselbe bald ergreifende, bald befremdliche Vermengung von. tiefer Melancholie und starker Lebenssehnsucht, die auch den Volksliedern und Gedichten das eigenartige Gepräge gibt. Jene kleinen Lieder, die von den Sorgen und Freuden, von der Banguis und Hoffnung des Unterdrückten in seinem engen, hart bedrohten Heim erzählen, wurden von dem stinnnkräftiaen Sänaer K i p it t s mit hinreichendem Pathos oder mit vergnüg km Witz zum Vortrag aebracht. Den schwierigsten Teil des Programms, die rednerische Gestaltung der modernen ostjüdilchen Lyrik, hatte Fräulein Anna Ernst übernommen. Ihre stark durchgeistigte, technisch vollendete Sprechkunst bewältigte die Schwierigkeiten, die die belehrende, zweiselvolle Grübelei dieser Gedanken-dichtnngen dem Bortraa entgegensetzt, auf das allerbeste. Auch der Dichter selbst, Herr S. Schnvur, erschien mit einigen seiner Arbeiten am Pult. Allen Vortragenden wurde reichster Beifall. 8. N. Osterode O.-Vr., 9. März. Am 1. d. M. waren es 25 Jahre geworden, daß bei Gelegenheit der Feier des 7. Adar unserer Ehelvra-Kadischa der nunmehr in Ruhe lebende Religionslehrer und Prediger Jacob Stur m a n i? den Verein für jüdisch" Geschichte und Literatur ins Leben rief. Nickst stillschweigend sollte dieser Tag trotz der unruhigen Weltlage vorüberaeben. Ist doch unser Verein einer der ältesten im ganzen Deutschen Reiche! Die Mitglieder der Cbewra- Kadffcha hielten wie alljährlich am 7. Adar des Morgens in der Svnagoge eine Bußandacht ab und abends 8 Ubr fand in einem Lokale eine Festversammlung statt. Das Festmahl mußte ausfallen. Herr Sturmann hielt einen Vortrag über Psalm 118. Vers 17, 18 und 21. Er schilderte die Tätiakeit des Vereins in dem äbgelaufenen Vierteljahrhundert, zeigte, wie nur unsere heilige Thora, welcke der am 7. Adar Heimgegangene unsterbliche Lehrer Mose uns brachte, und die Liebe Israels zum Leben das jüdische Volk die Jahrtausende erhalten hat. Er ermähnte die Versammlung, auszubarren, im Gottvertrauen, im angestauunten Glauben, Wohltätigkeit zu üben an Lebenden und Toten und unsere glorreiche Geicknckste zu erforschen. Mit Segenswünschen und der Bitte um Frieden schloß der Redner. Der erste Vorsteher unserer Svnaaogengemeinde. Herr L. Witten b e r g, welcher durch die aanzen 25 Jabre das Aust des Schriftführers versehen bat und außerdem ein Vierteljahrhundert Vorsteher in unserer Gemeinde ist, wurde von dem zweiten Vorsteher Herrn Friedländer dadurch geehrt, daß er ibm in einer Ansprache einen von seiten der Gemeinde gestifteten Klubsessel als Ehrengabe zustellte. Einige Gesangsvorträge, zu Gehör gebracht durch Herrn Kantor Joseph Hes, beendeten die schöne erhebende Feier.

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