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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-16 · Heft 11 (16.3.1917) · p. Seite 128

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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Herzen glaubt, so wird matt gerecht; und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig" (Röm. 10, 10). Und gerade hiergegen scheint mir Der Ausspruch Simlais sich zu wenden, indem das Ziel seiner Predigt das Wort Amos' und Habakuks ist: „Suchet mich und lebet!" Nur wer in seinen Handlungen den Ewigen, den Einzigen Gott Israels, sucht, der lebt, der ist selig. „Der Gerechte, Fromme lebt in seinem Glauben, in seiner Treue". Nicht der Glaube allein macht immer jedermann selig, sondern nur den Gerechten und Frommen, welcher sich nicht bloß in der Gesinnung bewährt, sondern auch in der Ausübung der religiösen Gebote. Nicht durch den Glauben wird man gerecht und nicht durch das Bekenntnis mit dem Munde wird man selig, sondern wer gerecht und sromm ist in seinen Handlungen und in seinem Wandel, der wird selig mit seinem Glauben. — Es ist auch recht beachtenswert, daß Simlai sür das gesuchte Prinzip nicht einen Satz, sondern zwei Sätze beibringt, einen von Amos und einen von Habakuk. Er konnte sich doch, wenn er nur das Prinzip feststellen wollte, mit einem von beiden Sätzen begnügen. Aber, da er zwei und gerade diese zwei Sätze nahm, so kann es sicher beweisen, daß er damit die beiden Teile des Paulinischen Satzes treffen und sagen will: „Wer den Ewigen, den lebendigen Gott, in seinen Handlungen und in seinem Wandel sucht und erkennt, der lebt und wird selig; wer so gerecht und sromm ist, der lebt und wird selig durch seine Treue." Kaiattins im Wrlttnirg. Von I. Fei st. ^^^ie der Bälkanberichterstatter des „Nieuwe Rotterdänische Courant" mitzuteilen weiß, hat der Weltkrieg in Palästina große Umwälzungen im Verkehrswesen gebracht und dem Wohlstand des Landes nicht nur nicht geschadet, sondern ihn sogar bedeutend gefördert. Er schreibt über die Umwälzungen, die seit Beginn des Krieges in Palästina vor sich gegangen sind, folgendes: Was in der Sinaiwüste und in Südpalästina in den zwei letzten Jahren zustandegebracht und wie dadurch neues Leben in dieser Wüste geschaffen wurde, darüber darf jetzt einiges gesagt werden. Gegenden, wo früher niemand hinkam, sind mit einem Netz von Wegen überdeckt. Hunderte Kilometer Eisenbahn wurden angelegt. In verschiedenen Städten und Dörfern entstanden Fabriken und Werkstätten,- deren Arbeit dem Lande Wohlstand bringt. Die moralischen Wirkungen dieser Tätigkeit sind nicht minder zu schätzen als die materiellen, da die einheimische Bevölkerung die türkische Herrschaft jetzt mit ganz anderen Augen ansieht und ihr mehr Erkenntlichkeit und Anhänglichkeit entgegenbringt. Für Syrien, Palästina und den Sinai haben die zwei Kriegsjahre mehr genutzt als fünfzig Friedensjahre. Aus militärischen Gründen dürfen viele Orte und Zahlen noch nicht genannt werden. Doch kann man aus dem, was darüber mitgeteilt werden darf, schon ersehen, wieviel dauernde nützliche Arbeit hier zustandegekommen ist. Die Sinaiwüste ist auch heute noch eine Einöde, sie hat aber die schreckliche Einsamkeit und Leere verloren, welche sie so ungastlich und gefährlich machte. Von Jerusalem bis ungefähr 40 Kilometer vom Suezkanal führt eine Eisenbahn über El Chalil (Hebron), Berseba, El-Awga, gute 280 Kilometer lang. Außer dieser schwierigen Arbeit haben die türkischen Eisenbahngesellschasten unter deutscher Führung auch noch eine Verbindungslinie von der Hedschasbahn nach Jerusalem und von Maan nach der Bahn in der Richtung von Akaba gebaut und außerdem die Bahn vollendet, welche von Nazareth an der Haifa- Bahn nach Jerusalem geht und Palästina von Norden nach Süden durchquert. Auch Nebenbahnen wurden in der Sinaiwüste angelegt; während dort, wo der Eisenbahnbau zu schwierig oder zeitraubend war, gute Wege sür den Verkehr mit Frachtautos gebaut wurden. Durch dieses Eisenbahn- und Wegenetz können selbst von Konstantinopel aus in einer Woche bedeutende Truppen und sehr viel Kriegsgerät bis an den Suezkanal gebracht werden. Längs dieser Eisenbahn und der Wege wurden artesische Brunnen gebohrt, welche vollständig genügendes, gutes Wasser liefern. Bei jedem Brunnen sind Etappenorte und Niederlassungen entstanden, mit allem, was nötig ist, jede sogar mit einer Eisfabrik versehen, mit geräumigen, lustigen, kühlen Wohnungen, aus Stein erbaut. Wo kein Master erbohrt werden konnte, wird es durch unterirdische Röhrenleitungen vom nächsten Brunnen herangeleitet. Dort, wo Wasser im Ueberfluß ist, wurde schon mit der Bebauung des nächstgelegenen Landes begonnen und Bäume gepflanzt. Jede Etappe hat auch ihr vollständig eingerichtetes Krankenhaus, und in der Hauptniederlassung, mitten in der Wüste, ungefähr halbwegs zwischen der Grenze und dem Kanal, befindet sich ein großes Lazarett. Dort wohnen schon Tausende. Die verschiedensten Läden sind eröffnet, > des Nachts strahlt das elektrische Licht, auch gibt es schon einen Kinematographen, dieses unvermeidliche Produkt unserer modernen Kultur. Außer daß diese Arbeit die Kriegführung in der Wüste erst ernröglicht, hat sie auch einen besonders großen wirtschaftlichen Wert. Die öde Wüsten gewordenen Gebiete werden wieder bewohnbar und produktiv gemacht. Von Jerusalem über Hebron nach Berseba, 57 Kilometer, steht die Bahn auch dem gewöhnlichen Verkehr zur Verfügung. Ter Wert des Landes ist an dieser Bahn schon beträchtlich gestiegen. Von Jerusalem nach El-Chalil (Hebron) war das Land noch dünn bewohnt. Hebron selbst hatte 18 000 Einwohner und war arg zerfallen. Jetzt sind dort .ein Hauptetappenkommando, Fabriken und Werkstätten. Für die Offiziere, Truppen und Arbeiter ist ein ganz neues Stadtviertel entstanden; es herrscht dort eine Geschäftigkeit wie kaum in Hebrons besten Tagen. Noch stärker ist diese Veränderung in Berseba, 45 Kilometer südwestlich von Hebron. Dort gab es vor dem Bahnbau vier armselige Lehmhütten, in welchen vier Bedninensamilien lebten. Aus diesem Verfall ist der Ort wieder auferstanden, nachdem durch eine Betriebsverwaltung Werkstätten und Magazine sür die Wüstenbahn und den Autoverkehr errichtet und bei dem gereinigten und wiederhergestellten Brunnen eine Art Genesungsort und ein Lagerplatz für durchziehende Truppen eingerichtet worden sind. Nach Photographien muß es dort jetzt sehr schön aussehen und sehr gut auszuhalten sein. Der Wert des Landes in und um die Ruinenstadt steigt täglich, und auch weiter südlich, nach El- Awga, der ersten Oase in der Wüste, wird der Boden schon wieder bebaut, nachdem sich gezeigt hat, daß dort genügend Wasser hervorzubringen ist und sich unter der jahrhundertealten Sandlage fruchtbarer Boden befindet. So geht also gerade durch den schrecklichen Völkerkampf dieses vergessene und verlassene Eckchen der Erde besseren Tagen, ja wahrscheinlich dem Fortschrittund Wohlstand entgegen. Lin Kuriinkpiel mit hindkrnillen. Humoreske von M. Pulvermann. .(l.Forts.) ch war doch gestern in der Mikwe, und da habe ich auf » meinem Kopf — ein paar graue Haare bemerkt! Uscher, so wahr soll ich gesund bleiben, ich habe mich vor mir selber geschämt, und ich habe Gott, boruch hu,- im stillen

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