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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-16 · Heft 11 (16.3.1917) · p. Seite 127

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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deren Gatte Herr Karl B a ch m a n n, assoziiert mit Herrn Julius Klopftock, nunmehr Inhaber der alten Firma L. M. Bamberger ist. Erwähnt sei noch, daß zur Nachkommenschaft Louis Bambergers fünf Enkel und vier Urenkel zählen, an denen er in inniger Liebe hing und oft und gern von ihnen sprach. Noch in einem letzten, am 15. Januar d. I. an mich gerichteten Briefe schrieb er mir: „Ein teures Enkelkind, auf das ich alle meine Hoffnung gesetzt habe, steht in täglichen schweren Kämpfen in Rumänien und Sie können sich denken, wie mir zumute ist." — Ueber die angesehene Stellung, die Louis Bamberger sowohl in Bank- und Jndustriekreisen als auch in der Berliner Jüdischen Gemeinde eingenommen hat, sei folgendes mitgeteilt: Er war viele Jahre Mitglied der Sachverständigenkommission und des Börsenkommifsariats der Berliner Fondsbörse und später als Sachverständiger zur ersten Börsenenquete berufen, die in der Reichsbanlk unter Leitung des Reichstagspräsidenten Exzellenz Koch ihre Sitzungen hatte. Er gehörte eine Zeitlang dem Aufsichtsvak der rumänischen Eisenbahnen an und wurde später in die Direktion delegiert, wirkte mit Erfolg als Mitglied des Aufsichtsrats der Ludwig Loeweschen Aktiengesellschaft, der alten Berliner Jmmobilien-Aktiengefellschaft und verwaltete zugleich verschiedene wohltätige Stiftungen, die in ihm einen eifrigen Förderer fanden. Seit 1860 war er Mitglied der Gesellschaft der Freunde, seit 1864 der Magine Reim. 1870 wurde er in den Vorstand der Alten Synagoge, 1874 in die Repräsentantenversammlung gewählt, der er bis 1887 angehörte. 1804 wurde er in den Vorstand der Jüdischen Gemeinde berufen, aus dem er 1899 infolge eines schweren Tranerfalles ausschied, ohne daß dadurch sein Interesse für alle Vorgänge und Strömlingen in der Gemeinde erkaltete. Er gehörte, den Traditionen seiner Familie getreu, der streng konservativen Richtung an, konnte sich aber nicht für die Neuorthodoxie begeistern, die Intoleranz und Rücksichtslosigkeit gegen andere Richtungen predigt. Er war als ehemaliger Schüler von Moritz Steinschneider ein Freund und Förderer jüdischer Gelehrsamkeit, kannte und liebte das Judentum und seine Wissenschaft und sprach von deren Repräsentanten, ganz gleich welcher religiösen Richtung sie angehörten, stets mit der größten Liebe und Verehrung. An ihm wie an seinen Vorfahren, die alle ein Alter von achtzig Jahren erreicht haben, hat sich das Wort der Heiligen Schrift (Proverbia 16, 31) bewährt: Eine schmückende Krone ist das Greisenalter, auf dem Wege der Liebe und Gerechtigkeit wird es gefunden. Line Kredjgt aus dem 5. Jahrhundert. Von Rabbiner Tr. Fried mann (Lublinitz). m es gleich vorweg zu sagen: ich meine die Predigt, welche R. Simlai gehalten hat, die nach b. Mackoth 23b etwa so lautet: „613 Gesetze (Gebote und Verbote) wurden dem Mose vom Sinai her verkündet. Da kam David und brachte sie auf 11 ... dann kam Jesaja und stellte sie auf 6 ... Dann kam Micha und verringerte sie auf 3 . . . Der spätere > Jesaja brachte sie dann auf 2 . . ., und Amos und Habakuk j stellten sie auf 1, und zwar Amos (5,3) auf das Wort: i „Suchet mich und lebet!", und Habakuk (2,4) auf den Satz: > „Der Gerechte, Fromme lebt in seinem Glauben, in seiner 1 Treue!" Welche Tendenz liegt wohl dieser Predigt zugrunde? Was; wollte R. Simlai mit dieser Predigt bezwecken? Nach der j Tradition (vgl. die Erklärung Raschis a. a. O.) wollte er dar-! tun, daß im Laufe der Zeiten und Geschlechter von Mose bis i Habakuk, im Lause von etwa 700 Jahren, die sittlichen Kräfte des Volkes immer mehr abgenommen hätten, immer schwächer geworden wären, so daß es unmöglich war, alle 613 Gesetze zu erfüllen, und man sich begnügen mußte, nur die hauptsächlichsten zu beachten. So sei es gekommen, daß schließlich nur ein einziges Gebot von Amos und Habakuk dem Volke zur Beobachtung gegeben wurde. Diese Erklärung kann nicht völlig Zusagen. Denn sonst hätten — nach Simlai — die Propheten die Thora Moses doch eigentlich ganz beseitigt und alle religiösen Gebote der schriftlichen und mündlichen Lehre gering geachtet. Und eine solche Geringschätzung von seiten der Propheten von David bis Habakuk ist ausgeschlossen. Ganz richtig äußert sich Moritz Lazarus in seiner „Ethik des Judentums" S. 108 folgendermaßen: „Das was R. Simlai gesucht und bei David und den Propheten gesunden hat, ist offenbar: er will den wahren Grund der ganzen mosaischen Gesetzgebung, ihr Prinzip, den eigentlichen Wert und das Ziel all dieser Gesetze erkennen, und er findet seine Frage in den zitierten Anssprüchen beantwortet; was in diesen gelehrt wird, drückt für ihn den Gleichwert aller anderen Gesetze aus." Wie mir scheint, war für Simlai eine ganz besondere Veranlassung in den Zcitanschauungen gegeben, ein solches Prinzip aufznstellen und schließlich mit dem Satze Haba-! kuks zu begründen. Es ist ja bekannt, daß Simlai mit Erfolg! gegen viele dogmatische Lehren des Christentums geeifert und! sie widerlegt hat. Darüber sagt I. H. Weiß in seiner „Geschichte j der jüdischen Tradition" (HI, 132): „R. Simlai war ein Wanj derrcdner, der viele Orte aufsuchte und in diesen auch mit! Lehrern des Christentums zusammentraf, welche gern mit den j Juden über religiöse Dinge disputierten. Doch Simlai war j so sehr gewandt und bibelfest, daß er iminer ihre Behauptungen auf Grund unserer Bibel einfach und siegreich widerlegte,! insbesondere das Dogma von der Trinität (jer. Bera-; choth 9,5. M. Bcr. r. P. 9)." Und da war ihm zweifellos wohl auch zur Kenntnis gej kommen das Wort des Paulus: „Der Glaube allein macht j selig" — der Glaube allein, neben dem die Ausübung der! religiösen Vorschriften überflüssig sei. „Denn so man von Louis Bamberger vor 30 Jahren.

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