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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-16 · Heft 11 (16.3.1917) · p. Seite 125

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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3eituf- ,®ic chnu ß in imb, eiten : soll i für onen jüdi »eren ollen stino ijektc nanu eine Seren : der rrans :sache oholf die Z ha: : de:u Referenten ctuf dem Internationalen Tuberkulose-Kongreß in Rom (1912) wurde besonders darauf yingewiesen, daß Bertillon mit großer Energie die Lehre von dem schädlichen Einfluß des Branntweinmißbrauchs und seinen Beziehungen zur Tuberkulose in Wort und Schrift vertreten hat. Die nördlichen Departements Frankreichs, in denen ein starker Branntweinmißbrauch getrieben wird, sind besonders von der Phthisie (Schwindsucht) heimgesucht. Auch nach den statistischen Erhebungen von Dr. Ogleer erreichte die Sterblichkeit an Lungentuberkulose in England ihren Höhepunkt bei den Berufen, bei denen Alkoholmißbrauch vorherrscht und gewissermaßen ein Berufsübel ist (Kellner, Brauer, Gastwirte usw.). Eine sehr interessante Beobachtung machte auch der bekannte Basler Physiologe G. v. Bunge. Nach dem Ergebnis seiner Untersuchungen verliert die Tochter eines Trinkers die Fähigkeit, ihr Kind zu stillen, und zwar meist für alle kommenden Generationen. Die Mäßigkeit der Juden int Alkoholgenuß ist fast in allen Ländern bewiesen. Delirium tremens (Säuferwahn) gehört bei den Juden zu den Seltenheiten. Minor berichtet, daß er unter mehreren tausend Alkoholikern in seiner Poliklinik nie einen Juden gesehen habe, und Professor Strauß (Berlin) hat auf seiner Abteilung in über fünf Jahren keinen Fall von Delirium tremens beobachtet." Dr. F. * Der „Straßburger Post" entnehmen wir'den nachstehenden kurzen Artikel: Die Stellung der Rabbiner zur Frau. Es gibt Vorurteile, gegen welche jedes Ankämpfen vergeblich erscheint und gegen deren Geltendmachung trotzdem immer wieder im Ruinen der Wahrheit Einspruch erhoben werden muß. Das gilt besonders auch dann, wenn es sich um eine Frage aus dem Gebiete des Judentums handelt. Die schiefen Urteile, die so oft auf diesem Geriete gefällt werden, entspringen fast ausnahmslos einer vorgefaßten Meinung und einem beklagenswerten Mangel an Sachkenntnis. So 'st nach dem Bericht in der „Straßburger Post" Nr. 138 in bcm Vortrag von Fräulein Liz. Barth die „rabbinische Nichtachtung der Frau" erwähnt gewesen. Es sei daher im folgenden eine kleine Vlütenlese rabbinischer Aussprüche über Frau und Ehe gegeben. Der Mann, der keine Frau nimmt, verdient nicht den Namen Mensch, denn es heißt: Gott schuf Adam und Eva und nannte ihren (gemeinsamen) Namen Mensch. „Sein Haus" d. h. in der Schrift: Seine Frau. Wer ein braves Weib heiratet: Elias küßt und der Hochheilige liebt ihn. Wer ohne Weib bleibt, bleibt ohne Freude, ohne Segen, ohne Glück, ohne Frieden. Wer nur des Geldes wegen heiratet, bekommt nichtsnutzige Kinder. Wer seine Frau liebt wie seinen eigenen Leib und mehr als seinen eigenen Leib ehrt, von dem heißt es (im Buch Hiob): Du wirst es erfahren, daß Friede ist in deinem Zelte. Ist deine Frau klein, so bücke dich und flüstre ihr ins Ohr. Mann und Frau — die göttliche Herrlichkeit ruht zwischen ihnen. Ich denke, diese talmudischen Probebeispiele, die sich noch häufen I ließen, genügen, um die rabbinische „Nichtachtung der Frau" zu be- I leuchten. Die rabbinische Auffassung beruht ganz auf der altbiblischen I ''Wertschätzung des Weibes. Die hohe Stellung der Frau im Judentum: ausführlich zu erläutern, würde hier zu weit führen. Dr. Emil Levh, Oberrabbiner. Lun? und Hamburg 1818. Von Ludwig Geiger. Thema „Zunz und Hamburg" ist ein sehr weit- 1^/ schichtiges, und der künftige Biograph Zunzens (wie lange werden wir noch aus einen solchen warten müssen!) hätte leine große Aufgabe. Zunz hat selbst einmal in einer Klage [übet seine Berliner Einsamkeit das Wort gebraucht: Meine freunde leben in Wolsenbüttel, Hamburg, Dresden und Prag. [Aas Hamburg speziell betrifft, so waren die Beziehungen, die llunz mit dort wohnenden Männern und Frauen unterhielt, »iig und zahlreich. Hier kommen zunächst außer dem Prediger ptannheimer, der ja nur kurze Zeit in Hamburg wirkte, die Familie Wolf (Wohlwill) und Kley in Betracht; Ine Frau des bekannten Predigers Eduard Kley hat mit Frau. Adelheid einen sehr lebhaften Briefwechsel unterhalten. Nicht minder lebhaft war die Korrespondenz, die Frau Adelheid, aber auch Zunz selbst mit der wenig bekannten Rahel db Castro führte. Außer der genannten Rahel kommt auch ihre Schwester Esther, deren Brüder und deren Vater in Betracht. Für Zunz selbst sind außer manchen jüdischen Gelehrten, zu denen auch Leopold Dukes gehört, der sich längere Zeit in Hamburg aufhielt, drei Männer sehr verschiedener Art wichtig. Der erste ist der Historiker und Bibliothekar M. Ist er, ein naher Verwandter des Ehrenbergschen Hauses, mit dem Zunz aufs intimste verbunden war. Der mit ihm geführte Briefwechsel, der, zwar nicht vollständig erhalten, fast die ganze Lebenszeit des Berliner Gelehrten durchzieht, ist von mir bearbeitet und wird hoffentlich nach Beendigung des Krieges erscheinen. Der zweite der mit Zunz eng Verbundenen ist der bedeutende jüdische Gelehrte H. I. Michael, der bedeutende Sammler, dessen Bücher- und Handschriftcnschätze von Zunz ausgiebig benutzt wurden; nach dem Tode des Sammlers bemühte sich Zunz freilich vergeblich um den Ankauf seiner Bibliothek durch den preußischen Staat (vgl. „Monatsfchrist" 1916, S. 329 bis 334). Der dritte Hamburger, mit dem Zunz eng liiert war, ist der Arzt und Philosoph S t e i n h e i m. Die an ihn gerichteten Briefe des großen Forschers scheinen verloren; Auszüge daraus, aber nicht vollständig, sind in dem „Briefbuch" vorhanden. Die Briefe von Steinheim werden in dem Handschriftenschatze der Zunz-Stiftung aufbewahrt'). Als vierten Hamburger, der dem Berliner Ehepaar nahestand, kann man Gabriel R i e ß e r bezeichnen, der während seines Berliner Aufenthaltes viel bei Zunzens verkehrte, für seine Zeitschrift „Der Jude" den Berliner Forscher als Mitarbeiter wünschte und, wenigstens gelegentlich, Briefe mit ihm wechselte. (Einige Schreiben von Rießer sind von mir vor vielen Jahren in der „Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland", Band 5, abgedruckt.) Neben diesen Hauptkorrespondenten könnten noch viele Männer und Frauen genannt werden, die, so oft das Berliner Ehepaar in Hamburg weilte, ihm freundlich entgegenkamen und auch nicht selten briefliche Sendungen nach Berlin gelangen ließen. Gewissermaßen gehört auch Heines in diese Reihe, denn er lebte jahrelang in Hamburg und hielt, ohne einen lebhaften Briefwechsel mit Zunz zu führen, stets die Verbindung mit ihm aufrecht, unterließ es auch nicht, in seinen an Berliner Freunde gerichteten Episteln Grüße an Zunz zu senden. So interessant nun auch alle diese Verbindungen sind, so soll von ihnen an dieser Stelle keine Rede sein; hier sollen vielmehr nur zwei Briefe folgen, deren Kenntnis ich Herrn Rabbiner Dr. Leimdörfer in Hamburg verdanke. Sie beziehen-sich beide auf die Predigerstelle am Hamburger- Tempel und sind in zwiefacher Weise sehr bedeutsam. Die eine ist, daß Zunz sich aufs allerlebhafteste für die Anfänge der Reform des Gottesdienstes in Deutschland inter- ') Auszüge aus diesen Briefen werden, in der Einleitung und in den Anmerkungen der von mir beabsichtigten großen Publikation der Zunz-Briese mitgeteilt werden. Schon jetzt möchte ich aber andeuten, daß es mir gelungen ist, eine erhebliche Anzahl von Stellen über Steinheim zu finden, die ich in diesen Blättern zu veröffentlichen gedenke. Sie finden sich in den Briefen von Rosa Maria Afsing in Hamburg an ihren Bruder Varnhagen und in dessen Antworten sowie in der Korrespondenz zwischen Rosa Maria und ihrem Gatten, I. D. Asstng, während der Reisen der elfteren nach Süddeutschland 1833 und 1835. Es mag schon jetzt darauf hingewiesen werden, daß jener Afsing (ursprünglich Asfur), der dem Judentum entstammte, ein ärztlicher Kollege Steinheims und mit ihm sehr befreundet war. -’) Auch eine ganze Anzahl Notizen über Heine, die den in der Anmerkung 1 genannten Quellen entnommen sind, sollen gelegentlich in diesen Blättern verwertet werden.

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