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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-16 · Heft 11 (16.3.1917) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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lassen sie hier folgen: „Der Verband jüdischer Orthodoxen Polens richtet an den polnischen Staatsrat eine Adresse, worin es heißt: „Ter hundertjährige Traum Polens ist jetzt als erste Frucht des Weltkrieges verwirklicht. Die jüdischen Orthodoxen begrüßen den provisorischen Staatsrat als die Verkörperung eines unabhängigen Polens. Die jüdischen Orthodoxen flehen als fromme Anhänger der jüdischen Religion, als getreue Bürger des polnischen Staates zu Gott: möge er die Tätigkeit des Staatsrates segnen." Diese Adresse wurde durch eine Abordnung dem Kronmarschall überreicht, welcher die Abordnung freundlichst empfing und sodann die Adresse der letzten Vollsitzung des Staatsrates vorlegte. Die Adresse wurde vom Kronmarschall freundlich beantwortet." * Als Nachtrag zu der Judendebatte im bayerischen Landtag wird uns von unserem bayerischen Korrespondenten L. F. folgendes geschrieben. Wir können es leider erst jetzt bringen, da es für die vorige Nummer zu spät in unsere Hände gelangte. Endlich in ihrer Nummer 52 vom 3. März, Seite 6, kommt die offizielle „Bayerische S t >a a t s z e i t it n g" dazu, die Fortsetzung ihres Berichts über die Finanzausschußbera-tungen vom 27. Februar nachzutragen. Darin erscheint die ang-ezogene wüste Stelle ht der Rede des rabiaten Antisemiten Abg. Deckst in solaender bebcnflicf) abgeblaßten Fassung: „Bezüglich der Judenstatistik hat die Presse meine Aeußerungen entweder unterdrückt oder entstellt wiedergegeben. Die Judenfrage ist sehr wichtig. Ich habe auch anerkannt, daß es tapfere Juden gibt. Zu wünschen ist Fortsetzung der Judenstatistik und Veröffentlichung ihrer Ergebnisse. Verwahrung mutz eingelegt werden gegen die Aufforderung des Jüdischen Zentralvereins zu statistischen Ausnahmen über Verfehlungen aus den Kreisen der Landwirtschaft gegen die Kriegswuchergesetze." Was der Abg. Oswald gesagt haben soll, lautet u.ach dem Amtsblatt wie folgt: „Die Juden sta tisti k hat meines Erachtens den Zweck, der in weiten Kreisen des Volkes bestehenden Meinung entgegenzutreten, als ob die Juden bei Einstellung ins Heer nicht im entsprechenden Maße herangezogen werden würden. Wenn durch diese Statistik die Frage geklart werden kann, so ist es nicht 3mit Nachteil, sondern zum Vorteil." S o freilich lesen sich die Ausführungen des stockkonservativen und ultramontanen Antisemiten weit, harmloser als in den „Münchener Neuesten Nachrichten" und der nationalliberalen „Pfälzischen Rundschau"! Anderseits ist hier in der „Bayerische Staatszeitung" die ausführliche Rede des (inksliberalen Abgeordneten Kohl arg zusammengeschnitten und damit auch dessen kräftige Forderung „Toleranz auch für die Dissidenten und Juden!", welche durch jndenfeindliche Stellungnahme der zwei Vorrredner herausgefordert worden war, u n ter den T i sch f n (len, während der u n m i t t e l b a r d a vor stehende Satz: „Tie Zugehörigkeit zu einer katholischen Studentenverbindung ist auch draußen im Felde kein Grund für die Nichtbeförderung zum Offizier" nicht gestrichen ist. Es war angebracht und lehrreich, diese tendenziöse Haltung des offiziellen Reporters wiederum festzunageln, wie schon in unserem ersten Bericht. So etwas war früher, ehe die bayerische Staatsregierung dieses eigens durch das ultramontane Ministerium geschaffene Presseorgan besaß, in München nicht Mode der offiziösen Journalistik. Aber eben die allmächtige Zentrumspartei selbst befördert diese judenfeindliche Stimmung. In der Sitzung der Münchener Abgeordnetenkamm.er vom 1. März, wo mm deren Plenum sich weiter über kriegswirtschaftliche Fragen unterhielt, begann einer der heutigen jüngeren Wortführer des bayerischen Zentrums, Abg. Dr. Schlittenbauer, (bis 1916 Gymnasialprofessor, vor einem Jahrzehnt noch Hauslehrer bei einem orthodox-jüdischen Kommerzienrat), seine weitläufig angelegte Rede mit dein scheinbar idealpatviotischon Erguß: „Der Geist des Mammonismus, der sich in der ganzen kriegswirtschaftlichen Organisation breitmacht, herrscht bei unseren Feinden ebenso wie bei uns, er ist die eigentliche Ursache dieses schrecklichen Krieges, und wenn Deutschland einer besseren Zukunft entgegengehen will, muß es sich von diesem Geist mehr abkehren als bisher." Aber wenige Minuten später rief der Redner aus: „Wir. müssen deshalb von der Regierung aufs entschiedenste fordern .... daß den bundesstaatlichen Zentralbehörden und Regierungen ihre vollen Befugnisse wiedergegeben werden, damit sie nicht mehr bloße Vollzugsorgane für irgend einen Handelsmannsind. Heu t e hat der Herr Sali Oppenheimer oder Jacques Maier mehr Vollzugsgewalt als die preußische Staats-. regierung. Wir müssen doch so aus dem Krieg hervorgehen, daß -das Leben noch lebenswert ist." * Die preußischen Lcmdtagsverhandlungen gaben in der Berichtswoche keinen Anlaß, über Juden zu sprechen, doch steht die nachstehende Notiz mit den inneren preußischen Verhältnissen in Zusammenhang und soll daher hier eingeschoben werden: Der Regierungspräsident von Oppeln hatte eine Bekanntmachung erlassen, in der vor dem Masseneinkauf von Lichten durch „in- und ausländische Juden" zum Zwecke wucherischer Preisverteuerung gewarnt wurde. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sich deswegen mit einer Beschwerde an den Minister des Innern gewandt. Der Minister v. Loebell hat darauf folgende Antwort erteilt: „Auf die Eingabe vom 23. Januar erwidere ich ergebenst, daß ich den Herrn Regierungspräsidenten in Oppeln bereits darauf hingewiesen habe, daß die Warnung im Amtsblatt vom 16. Dezember 1916 sachlich zwar berechtigt war, der Ausdruck „in- und ausländische Juden" jedoch besser vermieden worden wäre. Tenn er ist, wenn auch unbeabsichtigt, in dieser Allgemeinheit geeignet, von den beteiligten Kreisen als eine Herabsetzung der Juden als solche aufgefaßt zu werden." -- Außerdem soll der Herr Minister in einer Kommissionssitzung des Hauses der Abgeordneten vom 23. Januar 1917 erklärt haben, er bedauere, daß in die Bekanntmachung hineingesetzt sei, die Händler seien Inden. * Die nachstehenden Notizen entlehne ich verschiedenen Zeitungen. Zunächst seien zwei Berichte mitgeteilt, die einer Aufbewahrung wert sind; beide sind der Wiener Zeitung „Die Zeit" entnommen. Sie lauten: Begrüßung jüdischer Gemeinderäte durch einen Bischof. Aus Krakau wird berichtet: der „Kuryer Eodziennh" meldet aus Ploct in Polen: Anläßlich der Eröffnungssitzung des Gemeinderates m Plock richtete der hiesige Bischof an den Gemeinderat ein herzliches Begrüßungsschreiben, in dem er sich insbesondere auch an die jüdischen Mitglieder des Gemeinderates wendete und an sie unter anderem die Worte richtete: „Euch, meine Herren Vertreter der jüdischen Gemeinde, die seit vielen Jahrhunderten mit uns gemeinsam lebt, sende ich meinen Segen mit dem aufrichtigen Wunsche, daß ihr ehemöglichst eure Rechte erhält, und daß ihr auch fernerhin für das Wiederausblühen unterer teuren Stadt Plock mitarbeitet." Ein jüdischer Kongreß in Amerika. Aus Warschau wird berichtet: Das „Jüdische Lodzer Tageblatt" meldet, daß in Amerika demnächst ein Kongreß amerikanischer Juden tagen wird, dem die Aufgabe obliegt, die Mittel zum Aufbau von Baulichkeiten jüdischer Besitzer an der Ostfront aufzubringen. Der Kongreß soll ein Komitee einsehen, das Sammlungen einzuleiten hat, um die für diesen Zweck erforderlichen Mittel in der Höhe von 30 Millionen Dollars aufzubringen. Aus diesem Fonds sollen dann an die jüdischen Grundbesitzer und Gemeinden Darlehen zu einem niederen Zinsfuß gewährt werden. Von dem Sammlungsergebnis sollen 20 Prozent für Zwecke der Ansiedlung von Juden in Palästina und der Rest des Fonds für den Wiederaufbau zerstörter Objekte jüdischer Besitzer an der Ostfront verwendet werden. * Die „Königsberger Hartungsche Zeitung" schreibt: lieber die Lungenschwindsucht bei den Juden hat S. Kreinermann im „Korrespondenzblatt für Schweizer Aerzte" (Nr. 49, 1915) eine interessante Untersuchung angestellt. Er weist darin neben anderen Erklärungsgründen, die für die bekannte Widerstandsfähigkeit der Juden gegenüber dieser Krankheit geltend gemacht werden, darauf hin, daß manche Forscher die Ursache oder doch eine wichtige Ursache dieser Erscheinung in der großen Mäßigkeit der Juden im Alkoholgenuß sehen. „Die schädliche Wirkung des Alkoholismus auf die Tuberkulose", schreibt er, „ist schon längst bekannt. Besonders har man sich mit dieser Frage in den letzten Jahren beschäftigt. Von dein Nefe (191 ml weir und in d sond stati an $ bei 1 rufs Beok G. v Doch meist im 3 trem Mini seine <Ber> von 2 kürzt Ei schein Na un fände v>ubei niete Nein ft na trag Iran Blüte Me ihr, bra Glr Kin sein wir M< ließen. leuchte tum ci D lange fine j über ivreur Aas ,'iunj fug u -Wann die \ die MM

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