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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-09 · Heft 10 (9.3.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 10 (9.3.1917)
Date
1917-03-09
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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-8 dieser Leute hat dann noch der Weltkrieg eine Verschlimmerung ihrer Lage gebracht. Zuletzt wandte er flch dem modernen Judentum in Palästina zu. Zunächst den Juden, die in den europäisch geleiteten Hospitälern im Gesundheitsamt, in den Schulen, den Anstalten, die der Hilssverein der deutschen Juden ins Leben gerufen hat, usw. tätig find. Sodann berichtete er, daß seit 1883 im Heiligen Lande vierzig moderne ländliche jüdische Kolonien bestehen, die von etwa 8000 bis 10 000 Seelen bewohnt werden. Es war anfänglich sehr schwierig, die Einwandernden, meist Handwerker, Händler usw. aus Russisch-Polen, zu ländlichen Kolonisten zu erziehen; so waren auch die Erfolge, welche erzielt wurden, recht verschiedenartig. Die Landarbeit war anfangs sehr beschwerlich; mußte doch oft der versumpfte Boden unter schweren Opfern an Leib und Gesundheit erst ertragsfähig gemacht werden. Der Redner wandte sich dann den Hoffnungen zu, welche Juden wie Christen für die Zukunft des Heiligen Landes hegen. Der Traum des Zionismus ist es, hier einen neuen, modernen jüdischen Staat mit ausgebreitetem Handel und Industrie erstehen zu lassen. Demgegenüber meint Redner, daß zu einer raschen Ansiedlung von vielen Millionen im Lande, das nur die Größe der Provinz Sachsen habe, die Voraussetzungen fehlten. Etwa 2 bis 3 Millionen Menschen könnten sich hier erhalten, so daß die 34 Millionen Juden der Erde auch nicht annähernd im eigentlichen Palästina Platz finden würden. Der hauptsächlichste Einwand aber, den er gegen einen solchen Plan erhob, war der, daß Palästina als eine Stätte der Andacht, als Heiliges Land für Juden und Christen unter Erhaltung der erinnerungsreichen Orte in ihrem jetzigen Zustande bewahrt bleiben müsse. Er forderte eine Entwickelung innerhalb des Rahmens der gegebenen Verhältnisse, welche ohne Verwischung der natürlichen Eigenart des Landes vor sich gehen solle. Zu diesem Ziele müßten alle Kräfte der jüdischen, katholischen und evangelischen Gesellschaften, welche im Heiligen Lande arbeiten, Zusammenwirken, selbstredend im vollen Einverständnis der türkischen Negierung. Er entwarf im weiteren ein Bild, wie er sich die irdische Zukunft des Landes vorstelle. Daß eine solche Einigung aller Bekenntnisse zur Ausführung dieses Zukunftsprogramms möglich sei, so schloß der Redner, zeige das Zusammentreten des interkonfessionellen Ausschusses, welcher zu diesen seinen Vortragsabenden eingeladen habe. — Prof. Steuernagel dankte in einem kurzen Rückblick auf die drei Vorträge, die reich an Anregungen gewesen, dann Herrn Prof. Dalman für das Gebotene und lud dann die Versammelten zu einer freien Aussprache bei einem zwanglosen Zusammensein im „Franziskaner" ein. — Hamburg, 2. März. Das Israelitische Vorschuß-Institut in Hamburg blickte im vorigen Jahre auf ein hundertjähriges Bestehen zurück. Aus diesem Anlaß ist eine im Aufträge seiner Verwaltung von Syndikus Dr. N. M. Nathan bearbeitete Festschrift herausgegeben worden. Die Schrift enthält eine Geschickte des Vorschuß-Instituts, eine Statistik der Darlehen und Uebersicht über das Vermögen des Instituts in den Jahren 1816 bis 1915, statistische Untersuchungen über die Tätigkeit des Instituts in den Jahren 1906 bis 1915, Verzeichnisse der Geschenke, Vermächtnisse, Stiftungen, Vorsitzenden und Mitglieder der Verwaltung, eine Schilderung der Feier des 25jährigen Bestehens des Instituts, seine Statuten und Vordrucke, ein Verzeichnis der Vorschuß-Anstalten und -Stiftungen in Hamburg. J. A. Nürnberg 2. März. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Dr. med. Hugo Löw, Oberarzt in einem bayerischen Feldlazarett. Vizefeldwebel und, Offiziersaspirant Willy S ch o t t l a n d e r; es ist dies der dritte Sohn der Frau Elise Schottländer, welcher das Eiserne Kreuz erhält. Kaufmann August Mainzer, Leutnant, d. L. im 18. Reserveinfanterieregiment. S ch u l h ö s e r , Feldwebelleutnant beim Landsturmbataillon Nürnberg, welcher, obwohl derselbe über das militärdienstpflichtige Alter hinaus, sich bei Kriegsbeginn freiwillig meldete. Großkaufmann Siegfried U l l - mann, Mitinhaber der. Fa. Ullrnann & Engelmann (Fürth), Fabrikbesitzer. Unteroffizier Oskar M a r x (Fürth), Oberstabsarzt Dr. M. L. Meyer (Nürnberg) erhielten den bayerischen Militär- Verdienstorden 4. Klasse und die Herzogl. Meiningensche Verdienstmedaille für Kriegsverdienste. Max K a u f m a n n, Sohn des Bäckermeisters Eduard Kaufmann (Nürnberg), erhielt die preußische Rote-Kreuz-Medaille. 1 Würzburg, 2. März. Die Jsr aebit-ische Leh rerjbilbiirigSanftalt in Würzburg versendet den Rechenschaftsbericht für das zweiundfünfzigste Jahr ihres Bestehens (1915/16), dem wir die folgenden Mitteilungen entnehmen: Fast alle Schüler der sechsten Klasse sowie ein großer Teil der fünften Klasse stehen noch im Felde, mehrere von ihnen liegen teilweise schwer, teilweise leicht verwundet in verschiedenen Lazaretten. Tief zu beklagen hat die Anstalt den Tod eines braven, fleißigen, im Schul- und Militärleben besonders beliebten Schülers, Max Strauß aus Geroda, der vor einigen Monaten auf dem Felde der Ehre gefallen ist. Die Schüler haben sich bei den Zeichnungen auf die vierte und fünfte Kriegsanleihe nach Kräften beteiligt; das Zeichnungsergebnis überstieg 2000 Mark. Auch bei der Nagelung des „Deutschen Michel" war die Anstalt in entsprechender Weise vertreten. Bei der Sammlung von Lese- und Unterhaltungsstoffen für die Lazarette wurde durch die Anstalt eine große Anzahl Bücher zur Verfügung gestellt. Die Zahl aller seit dem Bestehen der Anstalt ausgebildeten und in die Praxis entlassenen Lehrer beträgt jetzt 431, die in den verschiedensten Gegenden Deutschlands und noch weiter hinaus erfolgreich wirken. Alljährlich werden von einigen der geistlichen Mitglieder des Kuratoriums Prüfungen aus der Religionsliteratur abgehalten. In diesem Jahre wurden von Herrn Distriktsrabbiner Dr. Stein in Schweinsurt und dem Vorstände der Anstalt eingehende Prüfungen vorgenommen, welche ein sehr gutes Resultat ergaben. Bei Beginn des laufenden Schuljahres (1916/17) nleldeten sich zum Eintritt in die vierte Klasse 4 Schüler ans der Präparandenschule zu Burgpreppach und 7 aus der zu Höchberg, welche nach den neuesten Prüfungsvorschriften 8 22 auf Grund ihres Klassenzeugnisses ausgenommen wurden, so daß die Anstalt bei Beginn des neuen Schuljahres 31 Zöglinge hatte, von denen 1 extern ist. Es stehen von den 31 Schülern int Zeitpunkte der Berichterstattung 6 im Felde. Grsterrrirh-Anggrn. , z. Prag, 2 März. Der hiesige Israelitische Faeitischveroi.it hielt im Hotel Bristol seine 21. Hauptversammlung unter dein Vorsite seines Präses, kaiserlichen Rates David Troller, ab. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Vorsitzenden verlas der Geschäftsleiter Oberlehrer Sigmund Springer den Tätigkeitsbericht, der wohl die günstige Entwicklung des Vereins konstatiert, aber einen bedeutenden Rückgang der Mitgliederzahl dartut, der durch Neuanwerbungen feiten© der Mitglieder wettgemacht werden muß. Gegenwärtig rverden 120 Mädchen, darunter 51 galiziscke Flüchtlingskinder, täglich ausaespeist. Das Erfordernis für die Ausspeisung im Vorjahre betrug 20194 Kronen 20 Heller. Alis Initiative der Präsidentin des Damenkontitees, Frau kaiserlicher Rat Fanny Troller, werden von einzelnen Damen dieses Komitees nnd einigen Ausschußmitgliedern 24 Mädchen auf Kosten derselben ausgespeist. Von den eingelaufenen 150 Gesuchen um Freiplätze mußten über 50 aus Rücksicht auf die finanziellen Mittel des Vereins leider abgewiesen werden. Der Oplatka-Fonds, der seitens des Vereins auf 800.0 Kronen ergänzt wurde, wird in diesem Jahre seine Wirksamkeit beginnen und wurde als bleibende Institution dem Verein einverleibt. Der Bericht dankt dem besonders rührigen Damenkomitee, den Speiseinspektoren und allen Gönnern und Freunden, insbesondere dem Herrn Albert Bobasch für seine gesammelten bedeutenden Spenden, weiter der Approvisionierungskommission der Stadt Prag, der Knltusgemeinde - Repräsentanz tl. a. nt. für die munifizenten Spenden und Unterstützungen zur Förderung des Vereins. Der Tätigkeits- sowie der vont Kassierer kaiserlichen Rat C. G. Fischmann vorgetragene Kassa- und Revisionsbericht wird mit Beifall genehmigt. Bei den hieraus vorgenommenen Wahlen wurden die ansscheidenden Mitglieder des Ausschusses wiedergewählt, ebenso das Damenkomitee. SutzlsnL. Z. Petersburg, int Februar. (Indirekt.) Am 25. Januar fand hier eine Massenversammlung der jüdischen Beitragszahler für das Hilfskomitee zugunsten der vom Kriege betroffenen Juden statt. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Sliosberg, erstattete Bericht über die Tätigkeit in den letzten 2Jahren. Wir entnehmen dem Bericht folgende interessanten Angaben: Seit seinem Bestehen hat das

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