Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1917)
- Date
- 1917-03-09
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Hilfskomitee mehr alä 21 000 0O0 Rubel verteilt. Folgende Betrüge wurden gesammelt: In Petersburg 1 765 000 Rubel, in der Provinz 1200 000 Rubel; aus Amerika ist dem Hilfskomitee der Betrag von 5 000 000 Rubel zur Verfügung gestellt worden, auS England und Afrika 800 000 Rubel. Außerdem erhielt das Komitee von den schottischen Christen in Dublin 150 000 Rubel. Im ganzen ist das Ausland am jüdischen Hilfswerk mit 8 000 000 Rubel beteiligt. Von der russischen Regierung ist der Betrag von 9 000 000 Rubel bewilligt worden. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß das jüdische Hilfswerk in Rußland das einzige ist, welches durch private Mittel und Spenden aufgebaut wurde/ im Gegensatz zu den Hilfsorganisationen der anderen in Rußland wohnenden Völker, die ihre Hilfsmittel ausschließlich von der Staatskasse erhielten. Im ganzen wurden infolge der kriegerischen Ereignisse von ihren ständigen Wohnorten 450 000 Juden vertrieben, darunter figurierten allein die Gouvernements Kowno und Kurland mit 160 000 Juden. In jüdischen Hilfskomitees wurden im ganzen registriert 238 000 jüdische Flüchtlinge. Der Unterschied zwischen den beiden letzten Zahlen ist dadurch zu erklären, daß jüdische Hilfskomitees nur diejenigen Flüchtlinge registrieren, denen von den Komitees tatsächlich materielle Hilfe geleistet wird. 34 Prozent der registrierten jüdischen Flüchtlinge sind Kinder. Bis zum schulpflichtigen Alter gab es 29 OO0 Kinder, über das schulpflichtige Alter hinaus 38 000. 11 Prozent der Flüchtlinge haben das sechzigste Jahr überschritten. Auf jede jüdische Ftüchtlingsfamilie entfallen 4,3 Personen; 28 Prozent der jüdischen Familien, also im ganzen 15 000 Familien, waren ohne Vater. Diese Zahlen bekunden, daß die jüdische Flüchtlingsmasse noch lange Zeit hilfsbedürftig sein wird. Von unumgänglicher Notwendigkeit ist es, die kulturellen Institutionen aufrecht zu erhalten, die durch verschiedene jüdische Organisationen zugunsten der Flüchtlinge ins Leben gerufen wurden. So hat z. B. die „Bildungsgesellschast" für die Flüchtlinge mehr als 200 Schulen eröffnet, in denen 3 2 O00 Kinder unterrichtet werden und Nahrung bekommen. Dieselbe Gesellschaft erhält eine Reihe von Kinderhorten, die 9000 Kindern Unterkunft gewähren. Für diese Zwecke sind noch große Summmen notwendig. Dabei muß beachtet werden, daß auch den zahlreichen jüdischen Kriegsinvaliden und den Familien gefallener jüdischer Soldaten Hilfe geleistet werden muß. Das jüdische Hilfskomitee bekommt von der von der Regierung eingesetzten speziellen Flüchtlingskommission 800 000 Rubel monatlich. Tie Ausgaben des Komitees belaufen sich aber auf 1 600 000 Rubel monatlich, so daß der fehlende Betrag von 800 000 Rubel durch private Mittel ausgetrieben werden muß. Der Vorsitzende appellierte an die Versammelten, alle Kräfte anzuspannen, um den Opfern des Krieges Hilfe Zu gewähren. Als bewährtes Mittel bezeichnete er die Selbstbesteilerirng, -die bis jetzt erfreuliche Resultate gezeigt hat. Von Mh und fern. ----- In dem am 12. März im Blüthner-Saale stattfindenden Konzert des „Vereins zur Pflege hebräischer Gesänge" gelangt u. a. außer Chorwerken von Rossi (aus dem Jahre 1630), Lewnndowski und Sulzer eine größere Komposition „Akdomuß" für Chor, Solo und Orgel von A. Kellermann zur Aufführung. Die Soli werden von Lotte Stein (Deutsches Opernhaus) und Will). Guttmann gesungen. Der Cellovirtuose Fel. Rvb. Mendelssohn bringt althebräische Melodien zürn Bortrag. Auch chassidische Gesänge und Hausmusik lverden zu Gehör gebracht. Karten zu 3, 2 und 1 Mark bei Bote u. Bock und Wertheim. - - Dem Stadtverordneten-Stellvertreter Geh. Jnstizrat Cassel ist die. Rote-Kreuz-Medaille verliehen, worden. -- Tie Beisetzung des im 69. Lebensjahre verstorbenen Kommerzienrats Robert Mannheimer erfolgte letzten Sonntag nachmittags auf dem jüdischen Friedhof in Weißenfee unter großer Beteiligung zahlreicher behördlicher und Jnteressentenvereinigungen, Rabbiner Dr. Marsch a u e r hielt die Gedächtnisrede. — Dem freiwilligen Krankenpfleger des Lazarettzuges „Kronprinzessin Cäcilie" Kurt .Fr i e Isländer, Sohn des Herrn Max Friedländer in Berlin- Wilmersdorf, ist die Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse verliehen worden.— Das eiserne Hochzeitsfest begingen am 28. Februar die Eheleute B e 11 h a und Hermann Moriz. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hat dem greisen Jubelpaar ein rBlumenarraugement übersandt und in einem warm gehaltenen Schreiben seine Glückwünsche übermittelt. Am Hochzeitstage besuchte Rabbiner Dr. Warf ch a u e r das Jubelpaar, um ihm auch mündlich die Anteilnahme unserer Gemeindebehörden aus Anlaß dieses seltenen Festes auszudrücken. — Dem bekannten Kliniker Geh. Rat Professor Dr. I. Boas ist der türkische Eiserne Halbmond verliehen worden. — Aus Breslau wird uns geschrieben: Am 1. Mürz war ein Vierteljahrhundert abgelaufen, seitdem der Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde Herr Professor Dr. G u t t m a n n sein Amt übernommen hat. Angesichts des Ernstes unserer Zeit hat der verehrte Jubilar sich an dem Gedenktage allen Ehrungen entzogen und denselben außerhalb seiner dankbaren Gemeinde verlebt. — Herrn Paul Laskar in Hamburg wurden aus Anlaß seines 60. Geburtstages von verschiedenen jüdischen Korporationen, bei deren Leitung er mitwirkt, Ehrungen erwiesen, so vom Israelitischen Humanitären Frauenverein, vor: der Kommission für Wohlfahrtswesen der Jüdischen Gemeinde und vom Hilfsverein der deutschen Juden. — Frau Dr. Martha Winter geb. Israel in Magdeburg ist durch Verleihung der Roten-Kreuz- Medaille 3. Klasse ausgezeichnet worden. — Am 15. Februar beging der Oberkantor der Münchener Synagogengemeinde Herr Professor Emanuel Kirschner seinen 60. Geburtstag. — Distriktsrabbiner Dr. Cohn (Burgpreppach), Rabbinersgattin Mathilde M eher (Regensburg) und Krankenpflegerin Herta Mannh cimc r aus Heidingsfeld wurden mit dem Ludwigskreuz ausgezeichnet. — Die Firma L e o n h a r d T i e tz in Düsseldorf stiftete 50 000 Mark für die Nationglstiftung. — Aus Steinfurt (Baden) wird berichtet: Unser langjähriges Shnagvgenratsmitglied Herr Leopold Weil von hier wurde zur letzten Ruhe auf denk Verbandsfriedhofe in Waibstadt bestattet. Herr Lehrer Hanauer von hier hielt die Trauerrede. Herr Bürgermeister und Reichstagsabgeordneter Rupp aus Reihen war mit vielen Bürgern erschienen, ebenso aus seinem Heimatsorte Bürgermeister und Gemeinderäte, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. — Aus Stuttgart, 13. Februar, berichtet der „Schwäb. Merkur": Ein besonderer Kriegsgottesdienst fand am Sonntagabend statt. Die kraftvolle Predigt hielt Oberkirchenrat Dr. Krone r. Der Organist Mammel, der die neue Orgel mit tiefem Kunstverständnis meistert, schuf in ergreifendem Vorspiel wehmutsvolle Stimmung, und der Chor brachte unter glanzvoller Mitwirkung von Fräulein Elise Zwickh das von seinem Dirigenten Kantor Tennenbaum komponierte „Es toben die Völker" sowie das altniederländische Volkslied „Wir treten znm Beten" ergreifend zun: Vortrag. Gebet für die Verstorbenen schloß den Gottesdienst. Die Spenden für Kriegshilse flössen reichlich. — Vom 21. bis 23. Januar tagte in Stockholm die zweite Jähreskonserenz der jüdischen Kriegs- Hilfsorganisationen. Der Oberrabbiner von Stockholm, Herr Dr. Ehrenpreis, führte den Vorsitz. Zur Konferenz entsandten sämtliche jüdische Hilfskomitees in Skandinavien Delegierte. An der Konferenz nahm eine große Zahl von Gästen teil; auch die einheimischen Juden beteiligten sich und stellten ihre Mithilfe in Aussicht. Auf der Konferenz wurde die Frage einer intensiveren Hilfsarbeit erörtert. Ein großes Programm für das kommende Jahr wurde festgelegt. Auf der Tagung selbst wurden 50 000 Kronen für Hilfszwecke gezeichnet. - - Hofrat Professor Dr. Wilhelm W i n t e r n i tz in Wien ist am 22. Februar früh gestorben. Professor Winternitz erhob durch seine Bemühungen und Arbeiten die Wasserheilkunde zu allgemeiner Anerkennung und zu einer eigenen Disziplin. Er war auch der Begründer der großen Kaltwasserheilanstalt in Kaltenleutgebeu. — Aus" Wien wird gemeldet: Der amerikanische Botschafter P e n f i e l d hat im Aufträge des Staatssekretärs Lansing die von einflußreichen israelitischen Wohltätigkeitsgesellschaften in New Port gesammelte Million Mark der Wiener Alliance Jsraelite übergeben, die zur Unterstützung galizischer Juden und jüdischer Flüchtlinge in den besetzten Gebieten bestimmt ist. 100 000 Mark sind zur Unterstützung von Juden iit den besetzten Gebieten von Rumänien und Serbien bestimmt. — Aus London wird über Amsterdam gemeldet, daß die Dienstpflicht für die russischen Juden in Englands nun folgendermaßen geregelt - worden ist: Russische Juden, die . seit fünf „Jahren in England wohnen, müssen im englischen Heere dienen. Sie werden, nachdem sie drei Monate Dienst getan haben, naturalisiert. Dienstverweigerung wird mit gewaltsamer Einstellung in die Armee bestraft. Deportationen nach Rußland sollen nicht mehr stattfinden. . Verantwortlicher Redakteur: Albe atz in Berlin-Pankow. FloraftraHe 58 ’ Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Derlin-Friedenan. Druck und Verlag von Rudolf Mvsie.