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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-09 · Heft 10 (9.3.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 10 (9.3.1917)
Date
1917-03-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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traditionellen Gebete. Die hervorragenden menschlichen Eigenschaften des Verstorbenen würdigte dessen Onkel, Stadtverordneter Hermann, der seine strenge Pflichttreue und seinen starken Familiensinn hervorhob. — Nochmaliger Chorgesang beschloß die Trauerfeier, worauf der Sarg in der Familiengruft beigesetzt wurde. E. M. Berlin, 7. März. „Die Bedeutung der religiösen Idee für das Leben" bildete das Thema eines Vortrages, den Rechtsanwalt M. L e w i n s k i am 22. v. M. im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt. Der Redner gab in gedrängter Kürze einen umfaffenben Ueberblick über die Geschichte der religiösen Idee vom primitiven Fetischismus bis zum reinen Monotheismus des Judentums. Im Anfänge der Religionen herrschte der Fetisch, der aus der Zeit der absoluten Machtlosigkeit des Individuums gegenüber der Naturgewalt stammt. Dauerndes, Gefahren überstehendes Sein fand der Urmensch nur bei den unbeseelten Dingen seiner Umgebung; der Stein, der Feuer und Erdbeben überdauert hat, wurde ihm Träger einer Macht, die ihm geeignet schien, von ihrer Lebenskraft auch ihrem Freunde und Bewunderer mitzuteilen. Aus diesem Fetischglauben, der auf dem Vertrauen zur Dauer des Fetisches beruht, entstanden die Urformen der Religion. Vom Fetischismus führte der Weg zur Verehrung der Naturkräfte,-die nach ewigen Gesehen walten. Die Verehrung der Gestirne bedeutet deshalb einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung der Religion. Allmählich suchte die Menschheit hinter den Naturkräften nach treibenden Mächten persönlicher Art, und so entstanden etwa die griechischen und römischen Göttersysteme, deren Götter selbständige Individuen mit menschlichen Schicksalen und Empfindungen werden. Sie sind aber von den Naturkräften losgelöst und wirken deshalb kühl und unwirklich; sie bilden einen eigenen Staat, der zur Welt der Menschen nur leere Beziehungen hat. Anders ist die Götterwelt der Semiten. Hier gehören die Götter stets zu den Dingen dieser Welt. Sie waren Könige, die ihr Volk regierten. Mit einem Volke ging auch dessen Gott unter. Es ist das unermeßliche Verdienst des Judentums, daß die Gottheit nicht das vergängliche Symbol der Staatsgewalt blieb, sondern daß der Wille der Gottheit als ein ewiges Gesetz der ganzen Welt erkannt wurde. Im harmonischen Einklang mit dem Wesen Gottes ist die jüdische Moral. Sie lehrt Unterwerfung gegen das ewige Gesetz. Die Gerechtigkeit ist die Summe aller Tugenden; die Gerechtigkeit trägt zur Verwirklichung des göttlichen Weltplanes bei. Die Religion des Judentums, die sich zur Höhe der reinen Lehre der Propheten entwickelte, wird nach der Ueberzeugung des Vortragenden auch in Zukunft von hoher Bedeutung für die Entwicklung der Menschheit sein. Dem inhaltsreichen Vortrag folgte ein sehr interessiertes Publikum. E. M. Berlin, 6. März. In der Montagsvorlesung in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums am 19. Februar trug Frau Doris Witt n e r aus eigenen Werken vor. Mit vorzüglich geschulter Stimme las sie eine Novelle „Jüdische Hände" aus den Tagen des Titus Vespasianus und seiner schönen Geliebten Berenice. Jüdische Hände sind es, die rastlos am Flavischen Amphitheater bauen, die sich betend zum Himmel heben, in rasendem Zorn gegen den römischen Zwingherrn ballen oder heiße Heimwehtränen aus den Augen wischen. Diese jüdischen Hände sind drohend gegen Berenice erhoben, solange sie fern von ihrem Volke an der Seite des Cäsaren lebt, und sie strecken sich ihr grüßend entgegen, als sie, von Titus aus Gründen der Staatsklugheit verstoßen, ihre Hände suchend nach der namenlosen Menge ausstreckt, die ihres Blutes ist. Das Zeitkolorit ist gut getroffen, die Gestalten scharf gezeichnet, die Sprache fließend. Die Novelle darf Zu unseren besten jüdischen historischen Erzählungen gerechnet werden. Das zahlreiche Publikum kargte nicht mit dem wohlverdienten Beifall. Berlin, 6. März. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Vizewachtmeister Richard Jonas, Feldarzt Dr. Gustav Bamberg, Feldoberapotheker Leopold F r e u d e n t h a l, Vizefeldwebel H u r w i tz , Landsturmmann Salo Steuer, Unterosfizier Rudi K r 0 t 0 s ch i n , Landsturmmann Erich Hirs ch, Sohn des Kaufmanns Herrn Jacob Hirsch, Richthosenstraße 30 zu Berlin. Die gleiche Auszeichnung erhielten: Unteroffiz-ier Otto.Weil (Hoppstädten), Musketier Paul Schweitzer (Barmen), Emil Marx lKöln), Landstiirminaiin Ernst Bärwald (Halle), Unteroffizier - .. F **» - - - - * . * , -- t : Max Iac 0 bsoh n (Belgard a. P.). Gefreiter Albert S p r i n z (Hohensalza), Unteroffizier David t.?a j e rka (Krojanke), Max H a m el (Rawitsch), .Albert Eh r li ch' (Plauen), Unteroffizier Stud. jur. Ludwig G 0 l d w a s s e r (Leipzig), Krankenträger Samuel Falk (Sennfeld i. B.), Unteroffizier Dr. Jonh Schneider (Straßburg r. E.), Mär Berg (Beuthen), Herbert O r b a ch, Rudolf R 0 g 0 - s i n s k i (Breslau), Ernst Sachs (Gleiwitz), Max Süß m a n n (Görlitz), Unteroffizier Alex Becker (Elbing), Feldwebel Jacob C 0 h n (Briefen), Unteroffizier Gustav Jacob (Schmiegel), Max M a n - k i e w i c z (Schocken), Gefreiter Leo L e v h (Elberfeld), die Brüder Gefreiter Fritz und Dragoner August Wohlgemuth (Saalfeld i. Ostpr.), Kriegsfreiwilliger Paul Brauer (Rakel), KrieMrei- 'lvillige'r Unteroffizier Max Kiewe, Unteroffizier Eduard Cohn (Gollub), Lehrer und Kantor Jacob Körber (Pudewitz), Musketier Alfons H i r s ch e l, Gefreiter Alfred L e v y, Artillerist Max Meier (Hamburg), Gefreiter Eduard Herz, Unteroffizier Leo Loeb (Worms), Unteroffizier Erich Wechselmann, Richard Brinu i tz e r, Otto Weber, Siegfried Jonas/ Wolfgang Kölker, Max P e s e (Breslau), Fritz A dler, Ernst Michaelis (Hindenburg), Simon Ernst G 0 ldschmidt, Gefreiter Carl R h e i n st e i n , Stabsarzt Dr. Alfred Bischofs Werder, Feldzahnarzt Berthold Strauß, Gefreiter Richard Auerbach (Frankfurt a. M.), Gefreiter Sally Seldis (Fanten), Kriegsfreiwilliger Curt Rector (Gleiwitz), Kriegsfreiwilliger Max Falk, Wehrmann James L i f s a u e r (Lübeck), Ernst G ü n> z b u r g e r (Emmendingen), Bertold Bonnern (Saarbrücken), Leutnant Kaufmann Eugen Fuchs (Karlsruhe i. B.), Musketier Ludwig Jäcoby (Mannheim), Kanonier Benno Behr (Hannover), Bataillonsarzt Dr. Friedrich Simon (M.-Gladbach), Unteroffizier Ludwig L ö w e n b erg (Paderborn), Unteroffizier Fritz Sch erbet, Sohn des Sanitätsrats Dr. Scherbe! (Lissa i. P.), Unteroffizier Fritz H e r r m a n n , Sohn des Synagogenvorsteh-ers Herrn S. Herrmann (Luckenwalde). Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielten: Hauptmann d. Res. Dr. Phil. Georg Meyer (Berlin), Sohn des verstorbenen Landesrabbwers Dr. Meyer in Hannover, Leutnant d. R. Referendar Ernst Sondhe-imer (Darnrstadt), Bataillonsarzt Dr. Rosenblätt (Mainz). E. M. Königsberg i. Pr., 2. März. Der Jahresbericht des hiesigen evangelischen „Krankenhauses zur Barmherzigkeit" widmet der Kriegstätigkeit seiner Schwestern eine ausführliche Würdigung. Wir entnehmen dem Bericht nachstehende, auch für jüdische Leser interessante Ausführungen: „In Johannisburg erfuhren wir, daß ein kleines Häuflein von Schwestern 30 Kilometer weit in Kolno jenseits der Grenze arbeitet. Darum wurde der Wagen noch schnell dorthin gelenkt. Die Straße jenseits der Grenze war recht schlecht; aber der Besuch lohnte sich doch, weil die vereinsamten Schwestern sich sehr darüber freuten. Die eine Schwester arbeitete in einem Lazarett, das in der Synagoge des Ortes eingerichtet war, und es berührte doch sehr eigentümlich, in diesem Heiligtume die Krankenbetten zu sehen und den Platz des Vorlesers mit allerlei medizinischen Geräten bedeckt zu sehen. Aber das Verhalten der Verwundeten entsprach durchaus der Würde «des Ortes." — An einer anderen Stelle des Berichtes heißt es: „Lieblich und erquickend ist eine Geschichte aus Suwalki, die uns die Schwestern aus dieser Zeit erzählten. Als nach Einrichtung der Arbeit noch kein Geistlicher vorhanden war, da hatte sich der fromme Rabbi des Ortes der Verwundeten und Sterbenden treulich angenommen. Weil er aber nur im Alten Testament Bescheid wußte, so ließ er sich das heilige Vaterunser aufschreiben und lernte es und las es den Schwestern vor, ob er auch alles richtig ausspreche. Dann hat er es den Leidenden und Sterbenden nach seinem Trostworte zum Schlüsse gebetet, um ihnen auch ihr heiliges Gebet zu übermitteln. Diese Hilfe und Weitherzigkeit soll ihm unvergeßlich sein." — Breslau, 2. März. Das Thema „Juden und die Zukunft des Heiligen Landes" behandelte der dritte Vortrag, den Professor Dal man aus Jerusalem neulich vor einer großen Zuhörerschaft in der Universität hielt. Er zeigte Zunächst die Reste des Tempels und alter Synagogen ans den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt und schilderte dann das Leben der jüdischen Kolonien, die im Mittelalter gegründet worden sind. Eine wehmütige Traurigkeit ist heute noch über das traumhafte Leben der Nachkommen dieser Kolonisten aus dem Mittelalter, die jetzt fast alle in den Städten leben, ausgebreitet. Für viele

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