Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1917)
- Date
- 1917-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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81. Jahrgang Nr. 1J Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentum-". Korrespondenzen und Agchrichten. Deutschland. Berlin, 6. März. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg hatte sich als Vorsitzender des Provinzialausschusses der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen, dem als Vertreter der jüdischen GeiMchkeit Rabbiner Tr. Rosen zweig (Berlin) angehört, an die Vertretungen der verschiedenen religiösen Gemeinschaften mit der Bitte gewendet, im Bereich ihres Kultusbezirkes eine Kollekte zum Besten der Natwnalstiftung zu veranstälten. In dem an die Indische Gemeinde zu Berlin als Vertreterin der jüdischen Gla'Ubensgem.einschast der Provinz Brandenburg ergangenen Schreiben wurde darauf hingewiesen, daß das Königliche Evangelische Konsistorium der Provinz Brandenburg und seine Eminenz der Fürstbischof von Breslau für alle evangelischen und katholischen Kirchen der Provinz Kirchenkollekten für den 18. und 25. Februar angeordnet hätten. In der Annahme, daß die jüdische Bevölkerung sich dieser patriotischen Maßnahme anschließen würde, regte der Oberpräsident an, derartige Kollekten im Anschluß an die Sabbatgottesdienste in den jüdischen Eemeitniden in der zweiten Hälfte des Monats Februar zu veranstalten. Da bekanntliich aus religiösen Gründen eine Geldsammlung am Sabbat unzulässig ist, beschloß die Berliner Gemeinde, von einer öffentlichen Sammlung abzusehen und der Nationälstistung 3000 Mark als Beitrag zu überweisen. Eine Mschrift des Schreibens des Oberpräsidenten und die Satzungen der Nationalstiftung wurden von der Berliner Gemeinde an sämtliche Gemeinden der Provinz Brandenburg versandt mit der Bitte, dieses vaterländische Liebeswerk nach Kräften zu fördern. — Als Zentralsammelstelle für die aus der Provinz Brandenburg eingehenden Beträge fungiert die Berliner Gemeinde. ~ Sfi Berlin, 6. Mürz. Kurz nach Kriegsausbruch hat eine Anzahl jüdischer Vereine u n d O r g a n i s a t i o n e n in Deutschland sich zusammengeschlossen, um die blühende jüdische Siedlung in Palästina, die Kolonisten und Arbeiter, die Handwerker und Lehrer, kurz, alle Elemente der jüdischen Bevölkerung, die der Ausbruch des Krieges in schwere Bedrängnis gestürzt hatte, zu stützen, vor denn Hunger zu retten und vor dem vollständigen Zusammenbruch zu bewahren. Das Hilfswerk für Palästina hat vor kurzem seinen letzten Rechenschaftsbericht, erstattet vom Vorsitzenden des Verteilungskomitees in Palästina, der Oesfentlichkeit übergeben. Es geht aus diesem Bericht hervor, daß die Tätigkeit des Hilfswerkes in systematischer Weise erfolgte, so daß sic den größtmöglichen Erfolg bringen konnte. Bis zum 1. Dezember! 1916 wurden ca. 200 000 Francs überwiesen. Bis zum 30. Juli 1916! wurden.hiervon über 100 000 Francs ausgegeben, davon ca. 80 000 Francs für Darlehen. Diese Darlehen wurden an die von der jüdischen Bevölkerung organisierten Darlehnskassen zur Förderung von Handwerk und Gewerbe, für Notstandsarbeiten, für Versorgung der Städte mit Weizen und Mehl, für Krankenkassen, als Darlehen an Schulen, landwirtschaftliche Gesellschaften, Arbeitergenossenschaften, Kolonien und landwirtschaftliche Betriebe, speziell auch zur Förderung von Gemüsekulturen gegeben. Dadurch wurde, so gut cs ging, für die Erhaltung der wirtschaftlichen Existenzen gesorgt. Selbstverständlich mußten auch Unterstützungen und Subventionen für Arme, für die Familien einbcrufener Soldaten, für Krankenhäuser, Küchen usw. gegeben werden. Der sehr aufschlußreiche Bericht konstatiert, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas bewiesen hat, daß sie die Hilfsgelder, die durch das Hilfswerk gesammelt wurden, in sozialer Organisation für die Bedürftigen, aber auch gleichzeitig zur Erhaltung geleisteter Arbeit und zum Aufbau der jüdischen Gemeinschaft verwenden kann. Infolge der langen Dauer des Krieges und besonders in Rücksicht auf die erschwerte Verbindung mit Amerika ist gerade jetzt eine Fortsetzung der systematischen Hilfstütigkeit für das Hilfswerk für Palästina erwünscht. Spenden werden an das Hilfswerk für Palästina, Postscheckkonto Nr. 4192, erbeten. Berlin, 6. März. Der Verein „Jüdische Lesehalle u ii b Bibliothek" hielt am 21. v. M. in seinen Leseräumen, Oranienburger Straße 58, seine diesjährige (23.) Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Max Ginsberg, eröffnete die Sitzung und gedachte zunächst der schweren Verluste, die der Verein durch den Heimgang seiner Vorstandsmitglieder, der Herren Professor Dr. Martin P h i l i p p s o n und Justizrat Dr. I g u a z Cohn, erlitten hat, deren Andenken die Anwesenden durch Erheben von ihren Plätzen ehrten. In eindrucksvollen Worten schilderte der Redner die unvergänglichen Verdienste der Verblichenen um das Judentum, sowie ihr besonderes Interesse für die Bestrebungen der Jüdischen Lesehalle und Bibliothek. Nach Eintritt in die Tagesordnung erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht. „Unser Verein", so führte er etwa aus, „hat auch im dritten Kriegsjahre, dem 22. Jahre seit seiner Begründung, seine Wirksamkeit aufrechterhalten können. In dieser schweren Zeit bedeutet schon die Erhaltung unserer Institution einen wertvollen Gewinn. Zeugt es doch von ihrer Lebenskraft und Daseinsberechtigung, toenn ihr Bestand von der Ungunst der Verhältnisse nicht betroffen worden ist. Mit Befriedigung dürfen wir feststellen, daß die Lesehalle und Bibliothek trotz einiger Ausfälle an Mitgliedsbeiträgen im Berichtsjahre Fortschritte geinacht hat. So haben die Bücherbestände einen weiteren Zuwachs erfahren, sie umfassen jetzt 9412 Bünde. Diese Bereicherung verdanken wir hochherzigen Spendern, in erster Reihe Herrn Geh. Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger, der unserer Bibliothek fortgesetzt wertvolle Zuwendungen macht. Auch die Anzahl der ausliegenden Zeitungen und Zeitschriften ist gegenüber dem Vorjahre um 16 gestiegen und beträgt 79. Die Zahl der Besucher belief sich im vergangenen Jahre auf 11100 Personen, j Dieses Ergebnis beweist, daß die Lesehalle trotz der schweren Zeit ihre hervorragende Bedeutung als Stätte der Bildung und Belehrung für weiteste Kreise behalten hat." Hierauf erstattete der Schatzmeister, Herr V e n a s L e v v , den Kassenbericht, der in Einnahme und Ausgabe mit 8923,12 Mark balanciert. Unter dankbarer Anerkennung seiner Mühewaltung wurde dem Schatzmeister einstimmig die Entlastung erteilt. Bei den sodann vollzogenen Vorstandswahlen wurden durch Zuruf die bisherigen Vorstandsmitglieder wredergewählt sowie die Herren Professor Dr. Eugen M i t t - woch, Justizrat Dr. Julius Magnus uitb Kaufmann Hugo B l a n k e n b u r g neu gewählt. Zum Schluß richtete der Vorsitzende folgende, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Worte an die Versammlung: „Mehr denn je heißt es jetzt, unsere Pflichten gegen unsere Glaubensgemeinschaft und die ihr dienenden Einrichtungen zu erfüllen! In der geistigen Rüstung liegt eine unerschöpfliche Quelle unserer Kraft. In den Zeiten harter Prüfungen vertieft sich in unserer Gemeinschaft die Erkenntnis von der bleibenden Bedeutung der sittlichen und literarischen Kulturwerte, die das Judentum in so reichem Maße hervorgebracht bat. Ihrer Verbreitung dient die Jüdische Lesehalle und Bibliothek. Sie bedarf zur Erfüllung ihrer Aufgabe der werktätigen Förderung durch alte und neue Freunde. Wir bitten, unsere Bücherbestände durch Bücherspenden zu vergrößern und uns neue Mitglieder zuzuführen, um die Jüdische Lesehalle und Bibliothek auch für die Zukunft sicher zu stellen." E. M. Berlin, 6. März. Auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee fand am Freitag, den 3. Mürz, mittags 12 Uhr, die Beisetzung des Gerichtsassessors Dr. Eduard Sachs statt, dessen Ableben wir bereits kurz gemeldet haben. Der Verstorbene, ein Enkel des verstorbenen Rabbiners Dr. Michael Sachs, war ein Sohn des langjährigen Mitgliedes der Repräsentautenversammlnug der Berliner Jüdischen Gemeinde und Vorstehers der Alten Synagoge Leonhard Sachs. Der Verstorbene gehörte dem Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums seit dem Jahre 1914 an. Er wirkte in diesem Amte mit dem ganzen traditionellen Interesse, das seine Familie der Wissenschaft des Judentunis entgegenbringt. Zu der Trauerfeier hatte ficf): eine zahlreiche Trauergemeinde eingefunden, in der die Hochfinanz und die Industrie zahlreich vertreten waren. Für die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums waren einige Mitglieder des .Kuratoriums und die Dozenten der Anstalt erschienen. Nach einem einleitenden Choral, den der Chor der Synagoge Lindenstraße unter Leitung seines Dirigenten, Kapellmeisters Saeuger, anstimmte, sprach Rabbiner Dr. Weiße die