Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1917)
- Date
- 1917-03-02
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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-3 pflegung und sonstige Verwaltung gestiegen. An Kapitalzuwendungen, welche hinter dem Vorjahre bedeutend zurückstehen, gingen im Berichtsjahre nur 1500 Mark ein, und zwar sämtlich zur Erwerbung der „immerwährenden Mitgliedschaft" zu verzeichnen. Der Bericht verzeichnet dagegen eine Anzahl namhafte einmalige Schenkungen in Beträgen von 300, 200 und 100 Mark, auch einige Sachgeschenke sowie verschiedene Geschenke für die Haus'bücherei, die zurzeit 1434 Bände zählt. Die Betriebszeit der Anstalt währte im Berichtsjahr vom 13. Juni bis zum 10. Oktober. Zur Aufnahme lagen Gesuche von 1174 Personen vor, wovon nach eingehender Prüfung 506 berücksichtigt wurden. Von denselben sind jedoch nur 471 eingetreten, und zwar 189 männlichen und 282 weiblichen Geschlechts, darunter 277 Kinder. In -Freistellen waren 322 unbemittelte, in Zahlstellen 149 wirtschaftsschwache Personen aufgenommen. Zu den in Freistellen aufgenommenen Personen gehörten auch 10 Im Felde verwundete Soldaten, die uns auf Anerbieten der Verwaltung von der hiesigen Lazarettkommission zum Gebrauch einer Sol- und Seebadekur überwiesen wurden. Die Pfleglinge verteilten sich ihrer Herkunft nach in folgender Weise: 335 kamen aus Berlin: 47 aus der Provinz Posen; 36 aus der Provinz Schlesien; 23 aus der Provinz Pommern: 9 aus dem Königreich Sachsen; 6 aus der Provinz Ostpreußen: je 3 aus den Provinzen Westpreußen, Brandenburo und Hessen-Nassau: 2 aus der Provinz Sachsen und je 1 aus der Rbeinprovinz, der Provinz Hannover, dem Großherzogtum Sachsen-Weimar und dem Fürstentum Lippe. Nach dem Berichte des leitenden Arztes Herrn Sanitätsrat Dr. Heinricksdorff wurden von den Pfleglingen nach Beendigung ihrer Kur 215 als „geheilt", 243 als „gebessert" und nur 13 als „ungebeilt" entlassen. An Vervslegungstagen wurden für die Pfleglinae 12 643 und für das augestellte Personal 1817, im ganzen also 14 460 gezählt. — Augsburg, 23. Februar. Unter großer Beteiligung fand auf dem Israelitischen Friedhof die Beerdigung des Herrn Kommerzienrat Heinr. Landauer statt. Der Sarg, der mit kostbaren Kränzen, darunter dem von der Verwaltung der Israelitischen Kultusaemeinde und der Stadtverwaltung Augsburg gewidmeten, aeschmückt war, wurde vor der Ausleguungshalle ausgestellt, da diese für die grobe Zahl der Traueraäste nicht genügend Raum bot. Zur Trauerfeierlichkeit batten sich eingesunden die Mitglieder der städtischen Kollegien mit Oberbürgermeister Geh. Hofrat v. Wolfr a m und Bürgermeister Geh. Hofrat G e n t n e r , städtische Beamte, der Verwaltungskörper der Israelitischen Kültusgemeinde, Mitglieder der Handelskammer mit Geh. Kommerzienrat v. Schmid, der Aufsickstsrat und das Direktorium der Augsburger Feinsvinnerei, sonstiae Vertreter der Industrie- und Finanzkreise, die Beamten- und Arbeiterschaft der Firma Mechanische Weberei M. S. Landauer, eine Fahnenabordnung des Männergesanavereins ,,Liederkranz" Augsburg-Oberhausen und sehr viel sonstige Leidtragende aus Bürgerkreisen. Herr Distriktsrabbiner Dr. Grünfeld hielt die Gedächtnisrede am Sarge. Seine gehaltvollen, sehr herzlichen Ausführungen zeichneten Heinrich Landauer als einen wackeren, biederen Mann, der im engen Kreise der Familie wie im erweiterten des Berufs- und öffentlichen Lebens sich bewährte als eine vollwertige Persönlichkeit von ausgeprägter Eigenart, deren hervorstechendste Züge Güte, Milde und Besonnenheit waren. In Vertretung der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg, in der sich der Entschlafene durch 45jährige pflichttreueste und aufopfernde Mitarbeit die dankbare Verehrung der Gemeinde in hervorragendem Maße erwarb, sprach Dr. Eppstein tiefempfundene, rühmende Gedächtnisworte. Dem Dahingefchiedenen hat die Augsburger israelitische Kultusgemeinde namentlich auch viel zu danken für die Betätigung in Sache der Erstellung der neuen Synagoge. Im Buche seiner Glaubensgemeinde verdient Heinrich Landauer mit goldenen Lettern eingetragen zu sein. Saalmeister B o d e n m ü 11 c r legte den von der Arbeiterschaft gewidmeten Kranz nieder am Grabe des hochgeschätzten Arbeitgebers, der wie ein Vater liebevoll und treu für seine Untergebenen sorgte. Webermeister Gerber entbot die letzten dankbaren Grüße des Münnergesangvereins „Liederkranz" Augsburg-Oberhausen. Die Begräbnisstätte war sehr reich geschmückt mit Kränzen, darunter je einem vom Personal der Firma M. S. Landauer, vom Aufsichtsrat und Direktorium der Augsburger Feinspinnerei und dem Bürgerverein Augsburg. & Essen, 23. Februar. In unserer Gemeinde hat sich ein Ausschuß zur U n t e r st ü tz u n g der jüdischen F e l d - seelforge gebildet, welcher die Aufgabe hat, die jüdische Feldseelsorge im Bereiche der 11. Armee zu fördern und zu unterstützen. Den äußeren Anstoß zu dieser bedeutungsvollen Neugründung gab die Einberufung unseres zweiten Rabbiners,^ Herrn Dr. Lazarus, als Armeeseelsorger.. Der neue Ausschuß, der in einer stark besuchten Versammlung von Vertretern hiesiger jüdischer Wohltätigkeits- und Jugendvereine sowie des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur begründet wurde, hat einen geschäftsführenden Vorstand gewählt, der die erforderlichen Maßnahmen treffen soll, um dem neuen Feldrabbiner die materielle und ideale Unterstützung der Heimat für seine Arbeit im Felde zu verschaffen. Eine Liste, die in der erwähnten Versammlung zirkulierte, erbrachte ansehnliche Zeichnungen, die durch Herrn Rabbiner Dr. Lazarus unseren tapferen Feldgrauen als Liebesgaben der Heimat übermittelt werden sollen-. L. Frankfurt a. M., 23.. Februar. Der soeben erschienene 34. Jahresbericht des Israelitischen H i l f s v e r e i n s umfaßt die Zeit vom 1. Oktober 1915 bis 30. September 1916. Es wird festgestellt, daß der Wanderbettel durch Sperrung der Grenzen fast aufgehört hat und infolgedessen die vorhandenen Mittel hiesigen Bedürftigen und der Landbevölkerung zugewiesen werden konnten. Gut bewährt sich die Naturalienunterftützung, die jetzt allerdings immer schwieriger wird: erhebliche Kosten forderte die Unterbringung von Kindern in Wegestellen, sehr segensreich arbeiteten die Nebeneinrichtungen der israelitischen Wohlfahrtspflege. Unter den Spenden befindet sich wieder die Gabe -eines unbekannten Wohltäters, der dem Verein alljährlich 1000 Mark überweisen läßt, diesmal zur Beschaffung von Kartoffeln. Im übrigen spiegelt der Bericht den rühmlichst bekannten Wvhltätigkeitssinn der jüdischen Einwohnerschaft wider, der sich die Linderung der Kriegsnot zur wichtigsten Aufgabe macht und der auch auf nichtjüdischer Seite ungeteilte Bewunderung hervorruft. Die Spezialfonds verzeichnen Zuwendungen in Höhe von 24 760 Mark; die Einnahmen betrugen 91428 Mark. Den Behörden, Körperschaften, Vereinen, Mitarbeitern und Spendern wird der Dank des Vereins zum Ausdruck gebracht. Schweden. F. S. Stockholm, 23. Februar. Dem einen oder anderen Leser dieser Zeitung ist es vielleicht bekannt, daß nach den Satzungen der hiesigen Jüdischen Gemeinde eine Gemeindevertretung wie in den preußischen Gemeinden nicht existiert. Die wichtigen Fragen werden vielmehr nach erfolgter Durchberatung im Vorstande der G e - m e i n d e v e r s a m nt lung vorgelegt. Zur Teilttahme an deren Beratungen und Beschlüssen ist jedes steuerzahlende männliche sowohl wie weibliche Gemeindemitglied berechtigt. Jährlich finden zwei ordentliche Gemeindeversammlungen statt. Auf der letzten, die kürzlich stattfand, stand eine Anzahl interessanter Punkte zur Verhandlung. Zunächst bewilligte die Gemeinde, einer Anregung des Vorstandes folgend, sämtlichen Beamten mit Rücksicht auf die schwierigen Zeitverhültnisse eine Teuerungszulage von 10 Prozent des Gehalts, mit rückwirkender Kraft bis zum 1. Januar 1916. — Ein weiterer Punkt der Tagesordnung betraf die Annahme einer höchst eigenartigen Schenkung. Vor vielen Jahren wurde aus der hiesigen Synagoge eine wertvolle kupferne Armenbüchse gestohlen, lieber den Vorfall war schon sebr lange Gras gewachsen und die Büchse blieb verschollen. Da kaufte vor einigen Monaten der Handelsattache der hiesigen österreichisch-ungarischen Gesandtschaft Dr. Karl Bi t t n e r, ein eifriger Sammler antiker Gegenstände, u.a. eine kupferne „Urne". Diese wies eine verwischte Inschrift auf, die Herr Dr. B i t t n e r als hebräisch erkannte und entziffern ließ. Da stellte sich denn heraus, daß man es mit jener entwendeten Armenbüchse ztt tun hatte. Das Anerbieten der hiesigen Jüdischen Gemeinde, die Büchse durch Kauf wiederzuerwerben, schlug Herr Dr. B. aus. Vielmehr machte er das Stück der ehemaligen rechtmäßigen Eigentümerin zum Geschenk und stiftete zudem einen ersten Betrag für die Büchse. Fällt einem nicht das Kavent sua fata libelli ein? — Schließlich nahm die Versammlung eine Zuwendung von Lausend Kronen des Shnagogenvorstehers Isidor Adolf B o n n i e r an. Diese vergrößert eine Stiftung, die der Genannte, ein begeisterter Freund Huntanistischer Bildung, vor einigen Jahren zur Unterstützung jüdischer hnntanistischen Studien sich widmender junger Leute machte. Von Motz und jfkrn. — Den Charakter als Geheimer Sanitätsrat hat erhalten Dr. Maximilian Grass. Die Verleihung des Titels „Sanitätsrat" ist