Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1917)
- Date
- 1917-03-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 ist das Bedürfnis, individuelle Hilfe zu bringen, die mehr leisten kann als die Mindestleistungen, zu denen der Staat verpflichtet und generell bereit ist. Die jüdische Hilfsarbeit hält sich von der Gleichmacherei fern, sie wägt die Bedürsnisie der verschiedenen Lebenskreise der von ihr Unterstützten ab und bewahrt ihre Pflegebefohlenen nach Möglichkeit vor der Deklassierung, denn stützen, nicht unterstützen ist das Wesen jüdischer Hilfsarbeit. Die Pflichtarbeit des Staates und die freie Hilfe der religiösen Gemeinschaften sollen in gegenseitiger Ergänzung den Bedürftigen Hilfe und Aufrichtung bringen. Berlin, 27. Februar. Der Geschäftsverkehr mit dem Königreich Polen entwickelt sich in erfreulicher Weise von Tag zu Tag mehr. Das wichtigste und durchaus unentbehrliche Hilfsmittel zu seiner Belebung ist das im Verlage von Rudolf M o s s e (Abt. Adreßbuch), Berlin SW 19, erschienene zweisprachige Adreßbuch „Polen — Polska". — Dasselbe enthält auf 1150 Seiten für den billigen Preis von 10,60 Mark in übersichtlicher Anordnung über 70 000 Adressen aus 6000 Orten, daneben zahlreiche Illustrationen, Landkarten und Stadtpläne. Nicht nur die Adressen sämtlicher Kaufleute, Industriellen und Handwerker bringt das Buch, sondern auch alle Gutsbesitzer des Landes; es enthält außer dem Adressenverzeichnis ein Branchenverzeichnis, ein Ortsregister und einen wertvollen volkswirtschaftlichen Teil. — Wie maßgebende Stellen das Buch beurteilen, zeigen die folgenden Zuschriften: Der Herr Generalgouverneur Exzellenz v. Beseler schreibt: „Ich hoffe, daß das vortrefflich ungeordnete Buch weite Verbreitung finden und großen Nutzen stiften werde." — Der Herr Vcrwaltungschef bei dem Generalgouvernement Warschau schreibt: „Es ist überraschend, in welch kurzer Zeit es Ihnen gelungen ist, ein so umfassendes und wertvolles Nachschlagewerk zu schaffen, dessen Erscheinen alle Beteiligten freudig begrüßen werden. Durch die gefällige Form, die übersichtliche Anordnung und den reichen Inhalt wird das Buch sicherlich zur Erleichterung der künftigen, hoffentlich recht umfangreichen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Polen beitragen." — Der Herr Polizeipräsident von Warschau rühmt „die übersichtliche Anordnung und den reichen Inhalt". — Der Herr Handelsreferent des k. u. k. Ministeriums in Warschau schrieb: „Es freut uns. Sie zu dieser ausgezeichneten Arbeit beglückwünschen zu dürfen. Ungeachtet der gegenwärtigen schwierigen Verhältnisse haben Sie damit ein Werk geschaffen, das in bezug aus Vollständigkeit und fachmännische Bearbeitung des Materials nichts zu wünschen übrig läßt. Für die am Wirtschaftsleben des Königreichs Polen interessierten Kreise Oesterreich-Ungarns wird es einen ebenso wertvollen wie unentbehrlichen Behelf bilden." v M. Berlin, 27. Februar. Der am Sonntag, den 4. März, im Oberlichtsaal der Philharmonie stattfindende „Abend ostjüdischer Kunst" verspricht namentlich infolge der bereits gesicherten Teilnahme des Mitgliedes der Warschauer Residenzoper ymb anerkannt hervorragenden indischen Liedersängers des Ostens M. K i p n i s ein iüdisch^künstlerisches Ereignis dieser Wintersaison zu werden. Alle Freunde jüdischer Volksmusik und des jüdischen Volksliedes dürfen dem erstmaligen Berliner Austreten des großen jüdischen Liederküustlers Polens, der eben auf einer Tournee in seinem Heimatland von Triumph zu Triumph schritt, mit berechtigter Spannung entgegensetzen. Kivnis verbindet in unvergleichlicher Weise eine vollendete moderne Technik mit einer ungetrübten jüdischen GefnUsinnigkeit. Außer dem Warschauer Gaste, der eine Reihe jüdischer Volkslieder zu Gehör bringen wird, liest A h n i Ernst (von: Theater in der Königgrätzer Straße) Uebertragungen aus der jüdischen und hebräischen modernen Literatur, während der bekannte Eellovirtuose F e l i r R o b e r t Mendelssohn eigens für den 2lbeud bearbeitete „Ehassidische Motive" vortragen wird. Im Mittelpunkt des Abends steht der jungjüdische Dichter S. Schneur, der in westjüdischen Kreisen noch wenig bekannte kraftvolle Lhriker, der ans eigenen Werken in Poesie und Prosa vorlesen wird. Eintrittskarten (nur noch in beschränkter Anzahl) zu 2, 3 und 5 Mark sind bei Bote u. Bock (Leipziger Straße 37 und Tauentzienstraße 7), bei der Zionistischen Bereinigung Ar Deutschland (Sächsische Straße 8), beim „Verein Perez" und im „Jüdischen Vvlksheim" (Dragonerstraße 22) sowie in der „Jüdischen Lesehalle" (Oranienburger Straße 58), in der Buchhandlung Kadimah (Oranienburger Straße 26) und an der Mendkasie zu haben. W. Posen, 23. Februar. Der Verwaltungsbericht des Jüdischen Kranken- und S i e ch e n h a u s e s (Roßsche Stiftung) zu Posen für das Verwaltungsjahr 1915/16 enthält u. a. folgende Angaben: Es wurden im Berichtsjahre 556 Patienten behandelt, von welchen der inneren Station 422, der chirurgischen 134 angehörten. Sie verteilen sich auf die erste und zweite Klasse mit 283, auf die dritte Klasse mit 87 und aus die vierte Klasse mit 186 Personen. Die Zahl der gesamten Verpflegungstage betrug 17 804. Von den Verpslegungstagen der vierten Klasse wurden berechnet tarifmäßig 4905, zu ermäßigtem Satze 617; auf Kosten der Städtischen Armenverwaltung 639, unentgeltlich 814. Die Gesamtverpflegungstage verteilen sich auf Kranke aus der Stadt Posen mit 11 254, des auswärtigen Inlandes, zumeist der Provinz Posen, mit 6001, aus Rußland mit 549. Von den behandelten Kranken waren 333 Juden, 223 Nichtjuden. Entlassen wurden 438, gestorben sind 51. — Das Siechenhaus beherbergte vier Frauen mit zusammen 1460 Verpflegungstagen. Insgesamt betrugen im Berichtsjahre die Ausgaben 140 388,83 Mark, die Einnahmen 136 385,29 Mark, so daß aus Gemeindemitteln ein Zuschuß von 4003,54 Mark geleistet worden ist. — Leitende Aerzte der Anstalt sind für die innere Station Sanitätsrat Dr. Caro, für die chirurgische Station Sanitätsrat R o s e n st e i n; den ärztlichen Dienst im Hause versieht der praktische Arzt Dr. Neumark. E. M. Kottbus, 23. Februar. In unserem schönen Gotteshaus fand am letzten Sonntag ein geistliches Nachmittagskonzert zum Besten der Kriegsfürsorge statt, das sich eines großen Besuches zu erfreuen hatte. Ter Berliner Chordirigent Herr Willi Durra, der augenblicklich als Soldat in Kottbus in Garnison steht, brachte mit unserem Shnagogenchor, der durch einige Berliner Kräfte verstärkt war, religiöse Musik zu Gehör. Das geschickt gewählte Programm brachte wirkungsvolle Tonwerke von Lewandowski, Joseph Drechsler ilnd Salomon Naumann als Chorvortrüge. Als Solistin sang Frau Paula W e i n b a u m (Berlin) (Alt) Schuberts „Allmacht" und Reimanns „Geistliches Abendlied" mit großer Innigkeit, während Leo Gollau in, ein bekannter Berliner Tenor, andere geistliche Weisen vortrug. In einem shnagogalen Wechselgesang führte Kantor Schatz die Solopartien vorzüglich aus. Die Begleitung besorgte der ständige Organist unserer Gemeinde, Herr Alfred Schreiber, indes Herr Pecher als Präludium altjüdische Weisen auf dem Harmonium vortrug. — Das Konzert war im künstlerischen Sinne ein guter Erfolg; auch der materielle Ertrag, der sich auf etwa 1200 Mark beziffert, ist bemerkenswert. &&& Kolberg, 23. Februar. Das Jüdische Kurhospital versendet soeben den Verwaltungsbericht für das Jahr 1916, dem wir folgende Mitteilungen entnehmen: Nach Schluß der vorjährigen Betriebszeit wurde zunächst wiederum das Haus zu einem Reservelazarett eingerichtet und nahm im Laufe des Winters mehrere hundert verwundete Krieger gastlich auf, um sie zum überwiegenden Teil wiedergenesen, sei es als kriegs-, sei es als garnisondienstfähig, zu entlassen. Am 1. Mar wurde vertragsmäßig das Neservelazarett wieder aufgelöst, um das Haus seiner eigentlichen Aufgabe zurückzugeben. Aber auch während der ganzen Betriebszeit, solange die Pforten des Hauses bestimmungsgemäß geöffnet waren, galt unser Wirken nicht minder der Kriegsfürsorge, Indern zahlreiche Waisen, deren Väter, und zahlreiche Witwen, deren Ehemänner auf dem Felde der Ebre den Heldentod gestorben waren, ganz besonders in erster Linie bei uns Aufnahme fanden. Ebenso wurden zahlreiche Frauen und Kinder, deren Männer und Väter im Felde stehen, von rrns zum Bebufe einer Sol- und Seebadekur verpflegt. Daß die Verwalturrg des Hauses irn Berichtsjahre durch die überaus schwierigen Ernährungsverhältnisse und die überaus große Teuerung sämtlicher Lebensmittel nicht leicht war, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Um so mehr erfüllt es uns mit großer Genugtuung, daß es uns gelungen ist, auch über diese, wie es schien, fast unüberwindlichen Schwierigkeiten trotz der spärlicher fließenden Einnahmequelle der freiwilligen Beiträge hinwegzukommen und im großen und ganzen nicht ungünstig unsere Arbeit diesmal abzuschließen. Aus dem Kassen- und Vermöaensbericht ist zu ersehen, daß die Einnahmen und Aushaben mit 51 685,82 Mark balancieren. Die Ausgaben sind scheinbar gegen das Vorjahr trotz der überaus großen Teuerung nur um 1200 Mark gewachsen. Ta aber im Vorjahre für Neubauten und Neuanschaffungen ungefähr 5500 Mark anfgewendet worden sind, während in diesem Jahr gerade diese beiden Positionen fast ganz verschwindende Zahlen aufweisen, so sind tatsächlich die Ausgaben unter dem Einfluß der wirtschaftlichen Teuerung um fast 6600 Mark für die Ver-