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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-23 · Heft 8 (23.2.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 8 (23.2.1917)
Date
1917-02-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Stera Goldber'g-Konewskh und der Komponist; Äs Dio,lin° vi-rtüostn -gefiel Gerda Z eHl len k a. Die Begleitung ruhte bei Ludwig Mendel s o h n m erprobten Händen. L. Königsberg i.Pr., 16.Februar. Im Jüdischen Jugendb un d hielt Herr Feldrabbiner Dr. Sö n d e r l i n g (Hamburg) einen Vortrag, den er „Aus dem Tagebuche eines Feldgeistlichen" bezeichnete. Er übermittelte die Grüße unserer feldgrauen Glaubensgenossen, die ihm zugerufen: „Du gehst in die Heimat, grüße die Heimat!", und schilderte dann in ergreifender Weisewie unsere Soldaten im Felde ihre religiösen Feste feierten, die in der Monotonie ihres Daseins wirkliche Feiertage wären. Als Dr. Sonderling 1916 nach Mitau kam, fand er die Synagoge verrammelt. Er ließ das Tor aufbrechen und fand die Gebetbücher aufgeschlagen vor den Sitzen, aber die Beter waren vertrieben. Und doch gelang es ihm, das Pasfahfest dort in festtäglicher Stimmung zu feiern. Kaum war es bekannt geworden, daß das Fest gefeiert werden sollte, als 850 Mann nach Mitau kamen, wie es im Alten Testament heißt: „Die Lenden gegürtet, die Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand." Auch gefangene Russen fanden sich auf dem Durchmarsch ein, und sie alle füllten die Synagoge bis zum letzten Platz. Später wurden sie in einer Baracke des Verpflegungsamtes zum Sederabend bewirtet, ebenso wie am folgenden Tage. Hamburger Freunde hatten 400 Flaschen Wein gestiftet: die silbernen Leuchter, die die Tische zierten, hatten baltische Edelleute geliehen. — Und weiter blätterte Dr. Sonderling in feinem Tagebuch und erzählte von einem Wochenfest in einem kleinen Waldlager an der Düna. Auf dem einzigen Betplatz erhob sich ein Altar mit dem Bilde des Stifters einer anderen Religion. „Zu Füßen des Altars stellte ich die Thorarolle und las meiner kleinen Gemeinde den Wochenabschnitt." — Am ergreifendsten aber gestaltete sich die Feier der höchsten jüdischen Feiertage Roschbaschana und Jom Kippur. An fünf Stellen im Osten wurden Gottesdienste abgehalten. Zu dem Gottesdienst in Mitau war eine ganze jüdische Armee, geführt von einem strammen Feldwebel, erschienen. In zwei Synagogen wurde Gottesdienst abaehalten für die Deutschen und die russischen gefangenen Juden. Den ganzen Tag hindurch verließ kein Soldat den Tempel; man sah jedem die Freude an, das größte Fest so feiern zu können. Später fand eine große Bewirtung statt, zu der auch wieder Hamburger Freunde Wein beigesteuert batten. Unvergeßlich wird dem Redner auck die Feier des Chanukafestes in einem tiefverschneiten Walde des Ostens bleiben, an der er unter dem Donner der russischen Geschütze seiner andächtigen Gemeinde die Cbanukalichter anzündete und sie ermahnte, recht leite zu sein, uni nicht den Feind aufmerksam zu machen. — Zum Schluß schilderte Dr. Sonderling noch die litauischen Juden, deren sittliche Kraft und Stärke im Ertragen von Leiden aller Art. Wie er sie und sie ibn liebgewonnen und er sich in der kleinsten Gemeinde wie zu Hause befunden habe. Möge eine Folge dieses Krieges sein, daß zwischen den deutschen Juden und ihren Stammesgenosfen im Osten sich ein besseres Verhältnis anbahne und sie einander näher kennen und besser verstehen lernen! QJ) Marienwerder, 16. Februar. Der 11. d. M. war für unsere Gemeinde ein Festtag. Der Kultusbeamte Herr Altona feierte sein 50. Dienst- und Ortsjubiläum und gleichzeitig seine goldene Hochzeit, umringt von Kindern, Kindeskindern und zahlreichen Freunden. Um 11 Uhr fand in der Synagoge, die offizielle Feier statt, bei der Herr Lehrer Rosenberg den kantoralen Teil übernahm. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Loevy aus Graudenz. In der mit Blumen reich geschmückten Wobnung des Jubelpaares sprach dann Herr Fabian die Glückwünsche des Gemeindevorstandes, Herr Flatauer jun. diejenigen der Repräsentanten aus. Die Gemeinde überreichte ein namhaftes Geldgeschenk und zwei schöne Klubsessel. Darauf sprach Herr Lehrer und Prediger Rosenberg als Amtsgenosse und Frau Fabian namens der Chewra Kadischa, der Herr Altona ebenfalls ein halbes Jahrhundert nach Kräften gedient hat. Zuletzt überbrachte Herr Lehrer Mannheim (Graudenz) die Wünsche des Vereins jüdischer Lehrer und Kantoren Westpreußens in einer herzlich gehaltenen Ansprache. Alle Reden atmeten Liebe und Verehrung. Das Fest verlief würdig und für Gemeinde und Beamten gleich ehrend. Frankfurt a. M., 16. Februar. Ueber das Thema „Ein Tag in Babylon" sprach im hiesigen Verein für Geographie und Statistik Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Delitzsch (Berlin). Als Zeitpunkt dieser antiken „Gesellschaftsreise" im modernen Gewände werde das Jahr 568 vor unserer Zeitrechnung festgesetzt, also ein Zeitpunkt achtzehn Jahre nach der Zerstörung Jerusalems und acht Jahre vor dem Tode Nebukadnezars. Die Wanderung begann von dem jetzt viel genannten Kut-el-Amara aus, unterhalb Bagdad, durch herrliche Palmenwälder, paradiesische Gegenden und fruchtbare Gefilde. Nunmehr begann durch farbenprächtiges Bild und belebendes Wort die einst so mächtige, märchenhaft schöne und gigantische Hauptstadt des Chaldäerreiches vor Auge und Geist der Anwesenden aus den Trümmern wieder empor zu steigen: Zunächst die gewaltigen Ringmauern, von denen die eine allein 1000 Türme zählte, dann die Wälle und Gräben der Niesenfestung, deren Größenverhältnisse selbst uns, die wir doch in der Zeitepoche des Gewaltigen leben, kaum faßbar erscheinen. Sodann betraten wir das Innere der Stadt: zunächst ein Labyrinth enger Gassen, der Sitz, der kleinen Handelswelt, das „Basarviertel". Wir bewegen uns in der bunt zusammengedrängten, lärmenden, feilschenden Menge, wir hörten das „baylonische Sprachgewirr", worunter gewiß ein sehrgroßer Teil Hebräisch zu vernehmen war, und bewunderten die Schätze des Orients, nicht zum wenigsten die prachtvollen Edelsteine und sonstigen Schmucksachen in vollendet künstlerischer Verarbeitung. Dann besuchten wir die Häuser der Großkaufleute, die Paläste, Brücken usw. Wissen wir auch, daß Delitzsch einen großen Teil der ethischen Werte, die unsere Bibel enthält, dem Babylonier Hamurabi zuschreibt, wie sie Harnack im umgekehrten Verfahren in eine viel spätere, in die christliche Zeit legen möchte, so ist es doch nicht uninteressant gewesen, dem großen Forscher auf seinen Fahrten nach dem alten Babylon zu folgen. Gkltprrkick-BnMM. J. D. Krakau, 16. Februar. Am 28. v. M. wurde in Rzeszow in Anwesenheit der Spitzen der Militär- und Zivilbehörden unter Teilnahme vieler angesehener Bürger das Kriegswaisenhaus für israelitische Kinder feierlich eröffnet. Es w'aren anwesend: der Stadtkommandant Oberst Schüler, der Präsident des Kreisgerichts Hosrat D o b r o w o l s k i, Bezirksmarschall Dr. K r o g u l s k i und der Delegat der Landeszentrale für Rettung der israelitischen Kriegswaisen Dr. Rafael Landau. Nach der Einweihung durch Rabbiner Herrn Lew in rief der Obmann des Rzeszower Rettungskomitees Dr. Reich ein dreifaches Hoch auf Seine Majestät den Kaiser aus, das die Anwesenden mit Begeisterung wiederholten. Sodann ergriff das Wort der Delegat Dr. Rafael Landau und schilderte in einer schwungvollen, von den schönsten Ideen getragenen Rede, die mit großem Beifall ausgenommen wurde, die Tätigkeit unserer Regierung auf dem Gebiete der Kriegswaisenfürsorge. besonders die hervorragenden Verdienste des Stattbaltereireferenten Hofrat Brückner und des Wiener Vereins zur Rettung der verlassenen Kinder Galiziens, der hierzulande eine segensreiche Tätiakeit entwickelt. Redner drückte die Hoffnung ans, daß die Anstaltszöglinge zu, edl-m und nützlichen Bürgern des Landesstaats erzogen werden. Zum Schluß wurde ein in herzlichen Worten abgefaßtes Telegramm an Hofrat B r ü ck n e r und Hofrat Sare abgesandt. Amerika. Z* New Aork, im Januar. Der 25. Dezember 1916 ist für die Geschichte der Juden Amerikas ein historischer Tag. Zwei Jahre dauerte es, bevor die erste Konferenz des Kongreß-Organisierungskomitees zusammentreten konnte, die alle Parteien im Judentum vertrat. Colonel Cutter, einer derjenigen, die am meisten dazu getan haben, den Ausgleich herbeizuführen, eröffnete die Sitzung und bat Herrn Rabbiner Dr. H. Pereira Mendes, ein Gebet zu sprechen. Darauf wurden die Namen der Deligierten verlesen, die mit wenigen Ausnahmen erschienen waren. Die Morgensitzung galt hauptsächlich der Wahl des vorläufigen Präsidenten für das neue Komitee. Als erster Redner sprach Judge W. Mack, der die Wahl von Louis Marsball, dem Vorsitzenden des Amerikanisch-Jüdischen Komitees, vorschlug. Diese Nominierung wurde von Jacob Penkin unterstützt. Professor Kallen schlug Adolph Krause, den Grand Master des Independent Order B'nai B'rith, vor. Als Vorsitzender des einzigen jüdischen internationalen Ordens, dessen Aufgabe es sei, Frieden und Harmonie innerhalb des Judentums zu verbreiten, gebühre der Vorsitz im Kongretzkomitee dem Präsidenten dieses Ordens. Judge Hugo Pam unterstützte diesen Antrag. — In namentlicher Abstimmung wurde Herr Adolph Krause (49 Stimmen) gegen Herrn Louis Marshall (45 Stimmen) gewühlt. Zum provisorischen Sekretär wurde Bernhard G. Richards ernannt. Sodann erfolgte die Wahl

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