Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1917)
- Date
- 1917-02-23
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 folgender Komitees: N o m i n i e r u n g S - K o mi t e e, Z eit- und Ort-Komitee, Wahl-Methoden-Komitee und Hilssa r b e i t 8 -- K o m i t e e. Die Nachmittagssitzung war den Berichten der verschiedenen Komitees gewidmet. Als erstes berichtete das Komitee, das die Frage der Zeit und des Ortes des Kongresses zu lösen hatte. Auf Grund dieses Berichtes wurde beschlossen: 1. daß der Kongreß in Washington abgehalten werde: 2. daß die Wahl von Delegierten zum Kongreß sofort beginnen solle, so daß die gewählten Deligierten sich bereit halten können, auf Grund einer kurzen Verständigung zum Kongreß zusammenzutreten. Die Namen und Adressen der gewählten Delegierten sind sofort nach ihrer Ernennung dem Administrations-Komitee mitzuteilen: 3. daß die Festsetzung des genauen Datums des Kongresses dem Administrations- Komitee überlassen werden solle, mit der Maßgabe jedoch, daß dieses Datum nicht später als auf den ersten Tag des Monats Mai 1917 falle, wenn nicht am oder vor dem 15. März 1917 das Administrations-Komitee durch zwei Drittel Stimmenmehrheit es für unzweckmäßig erklären sollte, den Kongreß vor dem 1. Mai 1917 einzuberufen. In diesem Falle soll das Exekutiv-Komitee am ersten Sonntag des April 1917 zusammentreten und das Datum des Kongresses endgültig festsetzen. Der Bericht, der vom „Constructive Relief Committee" (Hrlfsarbeits-Komitee) erstattet wurde rief eine Diskussion hervor, die sich im wesentlichen darum drehte, ob der Kongreß, der im übrigen in seiner Behandlung der wiederanfbauenden Hilfsarbeit unabhängig sein solle, sich in diesem Punkte mit den drei bestehenden jüdisch-amerikanischen Hilfskomitees in Verbindung setzen solle. Ein Antrag von Tr. Harry Friedenwald wurde schließlich angenommen, daß die Frage des ökonomischen Wiederaufbaues auf der Tagesordnung des Kongresses zu stehen habe und daß die Entscheidung über die Detail-Fragen dem Kongresse selbst überlassen werden solle. Auf der A b e n d s i tz u n g wurde der Bericht des „Wahl-Komitees" entgegengenommen. Das ganze Land soll in Kongreß-Distrikte eingeteilt werden und jeder Staat soll wenigstens eine Stimme haben. Jeder Jude oder jede Jüdin über 21 Jahren hat das Recht zu stimmen. Die Wahl von permanenten Beamten wurde zum Teil in der Nachmittags-, zum Teil in der Abendsitzung durchgeführt. Das Nominierungs-Komitee erstattete abends seinen Bericht. Die Majorität des Komitees war für Adolph Krause als permanentem Borsitzenden, während die Minorität die Ernennung von Louis Marshall eurpfahl. Herr Adolph Krause führte darauf folgendes aus: Obwohl er sich der großen Ehre bewußt sei, Präsident des Kongreß-Komitees zu sein, schlage er doch vor, falls sein befreundeter Rivale, Herr Marshall, mit ihm zusammen zurücktreten wolle, einen dritten Kandidaten zu wählen, dessen Wahl für alle annehmbar sei. Herr M a r s h a l l erklärte sich damit einverstanden. Tr. Stephen S. Wise schlug nunmehr Herrn Nathan Straus vor, Dr. I. L. Magnes nannte Judge Julian Mack. Aber ehe noch irgend jemand um das Wort bitten konnte, beantragte Judge Julian Mack selbst von der Rednertribüne herab die einstimmige Wahl von Herrn Nathan Straus, die nunmehr auch erfolgte. Als Vize-Präsidenten wurden, gewählt: Harry E u t l e r, Dr. Harry Friedenwald, Morris H i l g u i t, Professor Jsaac H o u r w i tz und Leon Sanders. Zum Schatzmeister wurde Adolph Lewisohn gewählt, zum Sekretär Bernhard G. Richards. Von Ksh und jfem. — Das Jüdische Genesungsheim in Lehnitz wird im März eröffnet. Für diesen Monat sind noch einige Plätze frei. Meldungen sind an das Bureau, Rosenstraße 2/4, umgehend zu richten. — Professor Dr. James Israel ist nach Berlin zurückgekehrt. Er wird seine Praxis demnächst wieder aufnehmen. — In den Beirat des Reichskommissars für Uebergangswirtschaft sind vom Vorstande des Verbandes des Einfuhrhandels in Berlin berufen worden: Fabrikbesitzer Heinrich Grünfeld, i. Fa. F. B. Grünseld, Geh. Kommerzienrat Kopetzky, Kommerzienrat Herz und Dr. James Simon. — Kammergerichtsreferendar Leutnant d. R. Dr. Hans M o s s e, der Sohn des Geh. Justizrats Prof. Dr. Albert Mosse, ist om 3. August v. I. an der Spitze seiner Kompagnie gefallen. — Aus Königsberg i. Pr. wird uns geschrieben: In dem Äericht über die jüdische Militärseelsorge in Ostpreußen in Nr. 6 dieses Blattes ist unter den Garnisonorten der Provinz die Gemeinde Allenstein versehentlich nicht aufgeführt worden. Auch dort hat regelmäßiger Militärgottesdienst stattgefunden und ist eine umfangreiche mtlitärseelsorgerische Tätigkeit durch den Gemeinderabbiner Herrn Dr. Olitzki ausgeübt worden. — Am 27. Februar sind fünfundzwanzig Jahre verfloss'en, seitdem Professor Dr. Jakob L e v y, der Verfasser des berühmten „Neuhebräischen und Chaldäischen Wörterbuchs über die Talmudim und Midraschim", in Breslau gestorben ist. — Der Hamburger Verein zur Unterstützung bedürftiger jüdischer Familien an Sabbat- und Festtagen hielt seine Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Plocki ab. Dieser hob beim Jahresbericht hervor,.daß der Verein trotz der Kriegszeit seine segensreiche Tätigkeit im verflossenen Jahre ausüben konnte. Es wurde eine große Anzahl von 'bedürftigen Familien mit Fleisch und Mehl versorgt. Der Fehlbetrag aus dem Jahre 1915 wurde durch das Wohlwollen einzelner Mitglieder nicht nur gedeckt, sondern es konnte noch ein erheblicher- Ueberschuß erzielt werden. Bei den Vorstandswahlen wurde Herr S. Plocki einstimmig zürn Vorsitzenden gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. — Die israelitische Kultusgemeinde Neumarkt (Oberpfalz) wählte als Nachfolger des verstorbenen verdienstvollen Hauptlehrers Oppenheimer sel. And. den Herrn Hauptlehrer Nußbaum in Altenmuhr zum Lehrer der israelitischen Volkssckiule und Kantor. — Am 21. v. M. ist in Bonn Dr. Emanuel E d e l st e i n im blühenden Alter von 44 Jahren verschieden. Er war Begründer und bis vor einigen Jahren erster Vorsitzender des dortigen Literaturvereins. — Der Armeerabbiner Dr. Klein ist bei Gelegenheit eines Besuches des Kaisers bei der betreffenden Armee diesem und dem Kronprinzen vorgestellt und von Seiner Majestät ins Gespräch gezogen worden. —- Der Kaiser von Oesterreich hat dem einem Jnfanteriedivisionskommando zugeteilten Feldrabbiner Aaron Deutsch in Anerkennung vorzüglicher und -aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration verliehen. — Mittels Verordnung des Kriegsministeriums wurden die israelitischen Seelsorger Dr. Phil. Emanuel Havas und Jakob Hoffmann zu ,Feldrabbinern i. d. R. des k. u. k. Heeres ernannt und ersterer beim Plahkommando in Wien, letzterer beim Stationskommando St. Pölten zur Dienstleistung eingestellt. — Hofrat Dr. Soma V i s o n t a i, seinerzeit ungarischer Reichstagsabgeordneter, Parlamentsreferent der Annexionsvorlage, wurde vom Kriegsminister für sämtliche Militärgerichtshöfe in Bosnien und der Herzegowina zürn Verteidiger ernannt. — Der Schriftsteller und Bildhauer Dr. Alfred Nossig (Berlin), welcher den türkischen Behörden eine von deutschen Freunden türkischer Kultur gespendete Orientbücherei nach Konstantinopel überbrachte und vom Sultan ernpfangen wurde, hielt unter dem Protektorat des Unterrichtsministers Schükri-Bei in der Universität einen Vortrag über die Wiedergeburt der Türkei, welchem Prinz Abdul Medschid, mehrere Minister sowie höhere türkische und deutsche Funktionäre beiwohnten. Hierauf fand im Kaiserlichen Museum die Feier der Uebergabe der Bibliothek statt. — Zur Konvention des „People *8 Relief C o mrnittee", die Ende November in Boston stattgefunden hatte, waren ungefähr 200 Delegierte erschienen, die 100 Vereine in den Vereinigten Staaten und Kanada repräsentierten. „People's Relief Committee" ist ein Jahr später als die zwei anderen Komitees, das „Amerikanisch-Jüdische" und das „Zentral-Hilfs- Komitee", begründet worden. Das Komitee hat in einundeinhalb Jahren 700 000 Dollar, also mehr als 10 Prozent der ganzen Summe, die von Amerika für die vom Kriege betroffenen Juden überhaupt überwiesen wurde, aufgebracht. Das „People's Relief Committee" wendet sich an alle Schichten der Bevölkerung und läßt jeden an dem Volkswerke Mitarbeiten. Die Konferenz war einberufen worden, um die bisherige Hilfsarbeit aller amerikanischjüdischen Hilfsvereine zu diskutieren, Propaganda, besonders unter den arbeitenden Klassen amerikanischer Juden, zu machen und neue Mittel aufzubringen, um die Kriegsnot in Rußland, Polen und Galizien zu lindern. Die Sitzung dauerte drei Tage und schloß mit einer öffentlichen Volksversammlung, zu der 5000 Menschen erschienen waren. 50 000 Dollar wurden auf diesem Meeting gezeichnet. Verantwortlicher Redakteur: AlbertKatz in Berlin-Pankow, Floraftratze 58 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junae, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.