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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-23 · Heft 8 (23.2.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 8 (23.2.1917)
Date
1917-02-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Neuerung barstellen, welche vor dem 17. Jahrhundert in keiner Synagoge in Deutschland nachzuweisen sind, sondern in allen Fällen erst später angefügt wurden. Das ist auch bei der Altneuschul in Prag der Fall, die eines der schönsten Beispiele jener Periode darstellt, und bei deren Nachahmung, der Synagoge auf dem Kazmierz in Krakau. Alle diese Bauten gehören ebenso wie die gotischen Synagogen in Metz, Ruppach i. Elsaß, Passau und Fürth einer glücklichen Epoche an, die dem humanen Denken einzelner deutscher Kaiser ihr Entstehen verdanken. Die zweite Epoche jüdischer Kunstbauten ist von dieser glücklichen Zeit durch eine firnfhundertjäh rige Leidenszeit unserer Vorfahren getrennt. In kleinen böhmischen Orten fand Grotte Synagogen, die einen Uebergangstypus darstellen zwischen den alten Massivbauten und beit Polnischen Holzsynagogen. Einen Zweiten Typus stellen die Holzsynagogen in Polen dar, so z. B. die Gotteshäuser in Kurmk, in Jalonow, Lutomiersk u. a. Sehr interessant sind auch die Festungssynagogen Galiziens, von denen die auch im Innern schon ausgestaltete Synagoge in Zolkiew das beste Beispiel darstellt. Diese und andere galizische Synagogen sind mit feinstem Kunstsinn ausgestaltet: Schmiedearbeiten, Holzschnitzerei und Malerei haben in vereinter Anwendung vorzügliche Resultate hervorgebracht/ Rückwandernde Juden haben die Eigenart polnischer Shuagogenbauten dann wieder nach Deutschland mitgebracht, so daß zum Beispiel in Bayern Synagogen entstanden, die im Innern ganz den dekorativen Typus der polnischen, Synagogen darstellen. So hat der jüdische Kunsttrieb, je nach der Lage der Inden, nie geruht. Vielleicht verleiht ihm eine ruhige und glückliche Epoche nach dem Kriege wieder neuen Aufschwung. — Reicher Beifall lohnte den Redner für seine interessanten und belehrenden Ausführungen. &&& Berlin, 20. Februar: Von Herrn Bureauvorsteher Nathan Cohn (Berlin-Charlottenburg) erhalten wir folgende Zuschrift: Auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge steht zurzeit im Vordergründe des Interesses die Berufsberatung, wofür der Artikel: „Die Aussichten im Kaufmannsberuf" in Nr. 5 dieser Blätter zeugt, lieber diesen Gegenstand hielt auch am 1. d. M. Herr Rechtsanwalt Dr. Georg Baum in der Vertreterversammlung des „Verbandes für Jüdische Wohlsahrtspflege" einen Vortrag, der mannigfache Anreaungen bot. Es handelt sich: 1. um Berufsberatung der im Kriege Verletzten, die infolge ihrer Verletzungen genötigt sind, einen neuen Beruf zu ergreifen; 2. um die Berufsberatung junger Leute, die erst vor der Berufswahl stehen. Ich will nicht von all den verschiedenartigen Berufen sprechen, denen junge L"ute mit Erfolg zugeführt werden könnten, sondern will hauptsächlich auf den Teil der fachmännischen jüdischen Berufsberatung eingehen, die geeignete junge Leute auf d i e untere und m i t t l e r e B e a m t e n l a u f b a h n h i n w e i st und diese jungen Leute veranlaßt, sich der Beamtenlaufbahn zu widmen. Es ist dies ein Gebiet, auf dem sich nach meiner Ansicht schon längst unsere Glaubensgenossen in viel größerem Matze als bisher Hütten betätigen müssen. (Es gibt zurzeit in Deutschland nur etwa 500 Staats- und Kommunalbeamte jüdischen Glaubens.) Diesen Standpunkt habe ich bereits in einem Artikel im Sprechsaal der Nr. 19 des 76. Jahrganges der „Allgemeineil Zeitung des Judentums" von: 10. M a i 1912 vertreten. Ob bzw. inwieweit mein damals erteilter Rat befolgt worden ist, lützt sich bei dem bisherigen Mangel einschlägiger Statistik kaum feststellen. Doch dürfte dies besser werden, nachdem die jüdische Berufsberatung ins Leben gerufen wordenist, die sicher in der Lage sein wird, für die Zukunft geeignete Feststellungen zu machen. Es wäre sehr wünschenswert, wenn ein tüchtiger, jüdischer Beamtenstand sich mit der Zeit heranbilden würde, der sich in unteren und mittleren staatlichen, und kommunal e n A e m t e r n betätigt e. Es läge dies nicht nur im Interesse der Beteiligten, sondern auch im Interesse des Judentums, denn es würde auch ein Vorurteil aus der Welt geschafft werden, das noch in manchen Kreisen unserer Glaubensgenossen gegen den Beamtenstand besteht. Jüdische V e r w a l t u n g s b e a m t e gibt es bisher in der Hauptsache nur in den Verwaltungen der jüdischen Gemeinden, und hierfür kommt in erster Reihe die Gemeinde in Berlin in Betracht, da bei den anderen Gemeinden eine verhältnismäßig ganz geringe Anzahl von Beamten beschäftigt wird. Wenn auch diese Beamten in etwas besserem Ansehen, als früher stehen, so bleibt nach dieser Richtung hin leider noch vieles zu wünschen übrig. Zum Teil liegt das daran, daß bei der Anstellung noch immer nicht die richtige Auslese getroffen wird. Sobald der Beamte vor seiner Anstellung einer schärferen Prüfung in bezug <tttf seine Vorbildung und im Laufe der Dienstzeit in bezug auf das erworbene Wissen und auf seine Befähigung zum Avancement unterworfen werden wird, wie das in Staat und Kommune geschieht, wird stch auch die Durchschnittsqualität des Beamtenstandes hier bessern und dieser Stand sich eines guten Ansehens in weiteren Kreisen zu erfreuen haben. Es ist darum freudig zu begrüßen, daß die jüdische fachmännische Berufsberatung auch auf den Beamtenstand -ihr Augenmerk richtet und bestrebt ist, diesem ehrenwerten Stande geeignete Bewerber züzuführen. Muß stch der Beamtenstand auch gewisse Entsagungen hinsichtlich des Einkomniens auferlegen, so ist die Sicherung der Zukunft durch Ruhegehalt und Hirrterbliebenenversorgung als ein nicht gering zu veranschlagendes Aequivalent zu betrachten. Es waltet über auch für die jüdische Berufsberatung das Interesse ob, nicht nur auf die Vorzüge des Beamtenstandes hinzuweisen, sondern sie wird es selbstverständlich als ihre Aufgabe erfassen müssen, alte Vorurteile vieler unserer Glaubensgenossen gegen den Beamtenstand zu beseitigen, damit die jungen Anwärter sich mit Lust und Liebe diesem Betätigungsgebiete in weit größerer Anzahl als bisher zuwenden. E. M. Berlin, 20. Februar. Die Beerdigung des auf dem Felde der Ehre gefallenen Generalsekretärs der Jüdischen Gemeinde Dr. Moses Friedla.ender fand am 12. d. M. unter großer Beteiligung aus dem Friedhofe in Weißensee statt. Nach einem Eingangsliede, das der Chor der Alten Synagoge unter Leitung des Dirigenten Michaelis vortrug, hielt Rabbiner Dr. Warschauer die Gedächtnisrede. Der Ehrensriedhof, auf dem die Gemeinde ihre für das Vaterland gefallenen Söhne bestatten will, dehnt sich weit über die geplanten Grenzen aus. Unter den Opfern dieses Weltbrandes beklagen wir den Heimgang dieses Mannes mit besonderem Schmerz. Aus treujüdischem Hause stammend, hat er in allen Lebenslagen seine Treue zum Judentum betätigt. Mit ganzer Hingabe stellte er sich in den Dienst unserer Gemeinde, und mit derselben Hingabe folgte er dem Ruse des Vaterlandes. Sein Heimgang hat eine Lücke gerissen, die in weiten Kreisen schmerzlich empfunden wird. — Für den Vorstand der Jüdischen Gemeinde trat I u st i z r a t L i l i e n t h a l an die Bahre und gab der Liefen Trauer der Verwaltung Ausdruck. Der Tote war ein außergewöhnlicher Mensch, den tiefe Liebe zu seinem Glauben, seiner Gemeinschaft und zum Vaterlande erfüllte. Sein taktvolles, aufrechtes und gerades Wesen machte ihn seinen Vorgesetzten zu einem lieben Amtsgenossen. Sein Andenken wird gesegnet bleiben und Segen stiften in der Jüdischen Gemeinde. — Der nächste Redner, Realschuldirektor F e i l ch e n f e l d aus Fürth, gab der Trauer der Familie Ausdruck; für den Freundeskreis sprach Rabbiner Tr. Neu mark aus Duisburg warme Worte des Gedenkens. Für die zahlreich erschienene Beamtenschaft sprach der Vorsitzende des Beamtenvereins, Hauptbuchhalter Emil Goldstein, einige Abschiedsworte, worauf der Sekretär der Posener Jüdischen Gemeinde, I a c o b s o h n, der namens eines von Dr. Friedlaender gegründeten dortigen Vereins sprach, die Reihe der Ansprachen beschloß. Nach den üblichen Gebeten wurde der Sarg unter dem Vorantritt von Militärmusik nach dem Ehrenfelde für Kriegsgefüllene getragen und dort beigesetzt. Berlin, 20. Februar. Das diesjährige Konzert des Vereins zur Pflege hebräischer Gesänge (Dirigent Kapellmeister Albert Kellermann) findet am 12. März im Blüthner- Saale statt. Als Solisten wirken mit: Lotte Stein (Deutsches Opernhaus), Wilh. Guttmann, Fel. Rob. Mendelssohn. Der Reinertrag ist für das Mütter- und Kinderheim des Frauenvereins der Berliner Logen U. O. B. B. bestimmt. Karten zu 3, 2 und 1 Mark bei Bote u. Bock und A. Wertheim, E. M. Berlin, 20. Februar. Ein j ü dis che r Volk s I i e de r - abend im Klindworth-Scharwenka-Saal brachte eine Anzahl Komposition und Bearbeitungen jüdischer Volkslieder von dem Komponisten Ja not S. Ruskin, dessen bisher im Druck erschienene Kompositionen bereits die verdiente Beachtung gesunden haben. Der Abend bot eine Anzahl Vertonungen, die der Eigenart des Milieus, aus dem sie stammen, vorzüglich angepaßt sind; die eigenen Kompositionen sind erfindungsreich, die Bearbeitungen fein empfunden. Ruskins Musik hat eine eigene Note. Als vorzüglich gelungen sind z. B. die Lieder: „A nächtiger Tog", „Dos heilige Rikud'l", „Der Fuhrmann", „Der Schuster bei der Arbeit" anzusprechen, in denen ebenso wie in dem „Gebet" Text, Melodie und Begleitung ein stimmvolles Ganzes bilden. — Ms Solisten wirkten Leo Weiß mann, der ein vorzüglicher Interpret jüdischer Volkslieder geworden ist.

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