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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-23 · Heft 8 (23.2.1917) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 8 (23.2.1917)
Date
1917-02-23
Page
Seite 92 (sequence 8)
Language
German
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Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums und des Kupferstichkabinetts, Geheimrat Professor Dr, Max I, Fried - l ä n d e r, Geheimrat Professor Dr. M enadier vom Münzkabinett des Kaiser-Friedrich-Museums, Professor Dr. Markowski, Direktor der Bildnissammlung der Nationalgalerie, Direktor Dr. Jessen vom Königlichen Kunstgewerbemuseum und andere. Die An sprach en, die bei der Feier gehalten wurden, ehrten den toten Stifter der Sammlung und gaben zugleich Gelegenheit zur Entwicklung des Arbeitsprogramms für dieses neueste Gemeindeinstitut, dessen sorgfältige Pflege und Ausgestaltung Kommerzienrat Eisner als Vorsitzender der Gemeinde feierlich gelobte. Die Reihe der Ansprachen eröffnete der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Bibliothekskommission, Geheimrat Profeffor Dr. Ludwig Geiger, der einen Ueberblick über die Geschichte der Sammlung und eine Würdigung ihres verstorbenen Schöpfers gab. Vor etwa 13 Jahren erhielt Geheimrat Geiger von privater Seite die Mitteilung, daß der bekannte Kunstfreund und Sammler jüdischer Altertümer, Rentier Albert Wolf in Dresden, geneigt sei, seine Sammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde zu vermachen. Als einzige Bedingung forderte Wolf, daß die Sammlung als einheitliches Ganzes bewahrt und aufgestellt und durch stete Neuerwerbungen weiter ausgebaut werde. Ein Besuch in Dresden, den Geheimrat Geiger auf Veranlassung der Gemeindebehörden im Juli 1904 ausführte, vermittelte die persönliche Bekanntschaft mit Albert Wolf, der, damals ein 74 jähriger, mit jugendlichem Eifer die von ihm angesammelten Schätze zeigte. Es wurde eine entsprechende Vereinbarung getroffen, so daß die Sammlung nach dem 1907 erfolgten Tode ihres Begründers in den Besitz der Jüdischen Gemeinde kam. Der Sammler, welcher diese Schätze zusammengetragen hatte, hatte für seine Aufgabe besondere Gaben mitgebracht. Neben der tiefen Liebe des echten Sammlers besaß er ein ausgezeichnetes Verständnis für sein Gebiet, das ihn Wertvolles von Wertlosem sicher unterscheiden ließ. Auch sein tiefreligiöser Sinn begünstigte seine Arbeit; ihm waren seine Erwerbungen nicht nur antike Sammelobjekte, sondern vor allem ehrwürdige Heiligtümer, an denen sein Blick mit Liebe hing. Sein Interessengebiet war weit gezogen. Er sammelte alte Drucke und Handschriften, Einblattdrucke, Broschüren und Gelegenheitsschriften, die, obwohl für den Tag bestimmt, dem Forscher wichtiges Material bieten. Besonders lockte ihn die Kunst. Er brachte eine Münzen- und Medaillensammlung von hohem Werte zusammen und sammelte gottesdienstliche Kunstgegenstände, wie Ghanukaleuchter, Thoraschmuck, Sederschüsseln und andere Produkte des jüdischen Kunstgewerbes. Allen diesen wertvollen Besitz übernahm die Jüdische Gemeinde, deren Behörden Anerkennung dafür verdienen, daß sie dies Geschenk nicht als totes Kapital bewahren, sondern als lebendiges Eigentum verwalten und mehren wollen. Dieser Dank gebührt auch dem Leiter der Kunstsammlung, Bibliothekar Dr. Stern, und seinen Mitarbeitern, wie allen, die an ihr mitgewirkt haben. Vor allem aber gebührt in dieser Stunde ein Dank dem hochherzigen Stifter, in dessen Sinne seine Schöpfung verwaltet und ausgebaut werden soll. Der heilige Eifer, mit dem er für seine Sammlung wirkte, soll in unserer Mitte lebendig bleiben! Nach dieser Eröffnungsrede sprach Bibliothekar Dr. S t e r n über die gegenwärtig im Müseumsraum ausgestellten Teile der Kunstsammlung, die infolge des Raummangels nur einen Ausschnitt aus der Fülle des vorhandenen Materials bieten kann. Da sind zunächst Altertümer aus palästinensischer Zeit ausgestellt, unter denen eine Götzenfigur aus Ton aus der Zeit des alten Königtums, eine Oellampe aus der Periode des zweiten Tempels, einige wertvolle Gläser und «Mdeves zu erwähnen ist. Hierher gehört auch die kostbare M ü n zensa mml u ng, die eine wertvolle Ergänzung der Sammlungen des Berliner Münzkabinetts und des Londoner British Museum bildet. Sie enthält die Bronzemünzen der hasmonäischen Fürsten und Könige, die römischen Münzen der Landpfleger und die berühmten jüdischen Aufstandsmünzen, die silbernen Schekel und Halbschekel der Jahre 66 und 70 v. Ehr. Dann folgen Barkochbas silberne und bronzene Denare und Tetradrachmen. Römische Münzen, die den Sieg Roms über Judäa verherrlichen, beschließen diesen Tell der Ausstellung. An sie reiht sich die Medaillensammlung an, die vom Anfang des 16. Jahrhunderts bis zur Gegenwart führt. Sie stellt einen Besitz dar, wie er sich in keinem Museum in gleicher Vollständigkeit findet. Hier gibt es Gruppen von Schaumünzen auf Personen jüdischen Glaubens und jüdischer Abstammung, während andere Medaillen Zeitereignisse behandeln, wie Jubiläen von Anstalten oder Gemeinden oder andere Begebniffe freudiger oder trauriger Natur. Die Siegelsammlung, die sich hier anschließt, enthält eine ganze Zahl historisch bedeutsamer Stücke. Die kunstgewerblichen Gegenstände sind meistens Kultusgeräte für Haus und Synagoge. Hier lenken Kidduschbecher, Sederschüsseln und Habdalabüchsen die Aufmerksamkeit auf sich; darunter ein Gewürztürmchen aus dem 17. Jahrhundert in Silberfiligran mit Türmchen, blasenden Musikanten und Fahnen, sowie ein einfacheres Stück, das aus Assuan in Aegypten stammt. Aus Italien und Polen kommen kostbare Chanukalampen des 16. bis 18. Jahrhunderts. Sie alle übertrifft an Größe und Massigkeit der aus dem Jahre 1713 stammende Chanukaleuchter aus Messing, der noch jetzt in der Alten Synagoge im Gebrauch ist und als Leihgabe die Sammlung ziert. Auch zwei kostbare T h orav o rh ä n g e sind Leihgaben der Alten Synagoge; der eine wurde 1764 zum 50. Jubiläum der Synagoge gestiftet, der andere ist eine Schenkung König Friedrich Wilhelms I. zur Einweihung des Gotteshauses. Dieser Vorhang wird merkwürdigerweise bald als Türkenfahne, bald als Geschenk des Alton Fritz bezeichnet. In Wirklichkeit ist es ein 1590 gewirkter Seidengobelin aus einem Jagdschloß, der von der Gemeinde mit einer Krone und einer hebräischen Inschrift verziert wurde. Schließlich enthält die Sammlung wertvolle illustrierte Handschriften und die umfangreiche Bildersammlung, von der als erster Teil Porträts jüdischer Persönlichkeiten gezeigt werden. Besonders zahlreich sind Mendelssohn-Bilder ausgestellt, unter denen sich ein im Besitz der Gemeinde befindliches Oelbild Mendelssohns befindet, das bisher für das Graffsche Originalbild gehalten wurde, nunmehr aber als das Frisch scheOriginal des bekannten Stiches von Müller erkannt wurde. Auch die Tassaertsche Mendelssohn-Büste hat in der Sammlung ihren Platz gefunden. In dieser kleinen Mendelssohn-Ausstellung liegt der Glanzpunkt der Ausstellung. — Möge der Geist Mendelssohns die Kunstsammlung und die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde erfüllen, damit sie im Mendelssohnschen Geiste zu einer Quelle des Lichtes und der Aufklärung werden! Als Vorsitzender der Gemeinde dankte Kommerzienrat Eisner den Erschienenen für ihre Teilnahme an der heutigen Feier, die mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse schlicht und im engsten Rahmen stattfinde. Er ergänzte die Ansprachen der Vorredner durch einige Ausführungen über das Schwesterinstitut der Kunstsammlung, die Bibliothek. Unter den Schöpfungen, die die Gemeinde in den letzten 20 Jahren ins Leben rief, nimmt die Bibliothek einen hervorragenden Platz ein. Nach dem Beschluß der Gemeindebehörden wurde keine ausschließlich wissenschaftliche und keine

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