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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-23 · Heft 8 (23.2.1917) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 8 (23.2.1917)
Date
1917-02-23
Page
Seite 91 (sequence 7)
Language
German
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Müßte dvch jede Petition von neuem geprüft und recherchiert werden. Die Ehrenbeamten, die in den Sitzungen der Kriegshilfskommission über diese Petitionen zu beraten und zu bestimmen hatten, haben eine ungeheure Arbeit zu leisten gehabt. Nicht minder groß und anerkennenswert ist dasjenige, was die vielen Helfer und Helferinnen durch ihre Recherchen getan haben und es ist erfreulich, daß jeder an seinem Teil in dieser Organisation getn mitgewirkt hat, um das schwierige Werk der Kriegshilfe zu bewältigen. Es sind bis jetzt von der Hauptabteilung der Kriegshilfskommission 417 600 Mark an Unterstützungen ausgegeben worden. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hat sich dreimal mit dringenden Aufrufen an die begüterten Glaubensgenossen gewandt und diese Aufrufe sind nicht ungehört verhallt. Es sind 260 000 Mark an freiwilligen Spenden eingegangen, die in der Kriegshilfskommission verwendet worden sind. Der Vorstand selbst hat 160 000 Mark außerdem bewilligt. Je länger der Krieg dauert, desto schwieriger ist es natürlich, bei den immer weiter vermehrten Ansprüchen an die Kriegshilsskommission und bei den nicht entsprechend größeren, freiwilligen Eingängen die gleich hohen Unterstützungen zu bewilligen wie früher, denn auch die anderen Wohlfahrtseinrichtungen der Jüdischen Gemeinde sind durch den Krieg ebenfalls schwer belastet worden. Besonders die Armenkommission hat mit den ihr sonst bewilligten Beträgen nicht auskommen können. Die Gemeinde hat einen Extrazuschuß von 48 000 Mark geben müssen, und auch die Waisenkommission hat eine Extrabeihilse von 20 000 Mark erhalten. Bis zum 1. April des vorigen Jahres hat die Gemeinde 900 000 Mark infolge des Krieges extra verausgabt, und diese Summe dürfte bis heute auf über 1% Million angewachsen sein. Wenn es nun der Hauptabteilung obliegt, die Unterstützungsbeiträge richtig zu verteilen und für die Verwundeten, die in 180 Lazaretten hier untergebracht sind, zu sorgen, so hat die Abteilung „F" für Frauen und Kinder mehr die praktische Ausübung der Wohltätigkeit zu bewerkstelligen. Die Aufgaben, die der Abteilung „F" zugefallen sind, sind überaus mannigfaltig. Sie hatte für Nahrungsbeschaffung Sorge zu tragen, sie hatte den Frauen und Mädchen Beschäftigung nachzuweisen und ihnen vor allen Dingen die Möglichkeit zu geben, daß sie, da ihnen der Ernährer fehlte, sich selbst erhalten können. Die Frauenabteilung hat ihre Aufgabe in großzügiger Weise erfaßt und. durchgeführt. Auch sie hat die unbedingt notwendige Organisation geschaffen, um den vielen Ansprüchen, die an sie gestellt worden sind, zu genügen. Sie hat 12 Unterkommissionen gebildet, die sich über ganz Berlin erstrecken, und vermöge dieser Organisation hat sie 6109 Familien mit 48 914 Köpfen mit Lebensmitteln, Gemüsescheinen, Brotmarken, Milchmarken, Kohlenscheinen und Speisemarken sowie Kartoffeln und Gemüse versehen können. Die Bürgerküche, die sie eingerichtet hat und in der 8100 Portionen Essen ausgegeben worden sind, hat sie eingehen lassen müssen. Bei der Schwierigkeit der Beschaffung der Lebensmittel ist es nicht möglich gewesen, die Bürgerküche aufrecht zu erhalten. Die hervorragendste Leistung der Abteilung „F" besteht aber darin, daß sie den Frauen und Mädchen Näh- und Strickarbeiten verschafft hat. Aus kleinen Anfängen hat sich ein regelmäßiger, gutgeleiteter Betrieb entwickelt. Durch die Anknüpfung von Verbindungen mit der Heeresverwaltung wurden der Komnission größere Aufträge zugewiesen, und sie hat die Nähstube laufend und ausreichend beschäftigen können. Es ist eine anerkennenswerte Leistung in dieser Zeit, 448 Frauen beschäftigt und ihnen 79 000 Mark an Löhnen verschafft zu haben. Um aber immer weiteren Kreisen von Frauen die Fähigkeit zu geben, Näharbeiten auszuführen, ist die Nählehrstube eingerichtet worden und die Kurse, die dort unter sachkundiger Leitung gegeben worden sind, haben eine Anzahl von Frauen und Mädchen, die früher nicht in der Lage gewesen sind, diese Arbeiten zu verrichten, in den Stand gesetzt, ihren Lebensunterhalt hierdurch zu verdienen. Es sind mehr als 60 Schülerinnen im Nähen ausgebildet worden, und es ist gelangen, ihnen in großen Wäschefabriken Stellung zu verschaffen. Außerdem aber konnten an 400 Frauen durch die Arbeits- Vermittlungsstelle der Abteilung „F" untergebracht werden, so daß auch für viele Frauen und Mädchen, die des Nähens unkundig waren, gesorgt werden konnte. 180 Frauen wurden mit Stricken beschäftigt und von ihnen sind 27 000 Paar Strümpfe fertiggestellt worden. Die Abteilung „F" hatte es neben dieser Fürsorge für die Frauen und Mädchen übernommen, für die Bekleidung der Armen Einrichtungen zu schaffen. Sie hat die Kleiderkammer eingerichtet, und es ist ihr gelungen, eine große Anzahl von Kleidungsstücken und Stiefeln zusammenzubringen und hiermit 6329 Personen, zu bekleiden. Zu Chanuka sind 107 Kinder mit Kleidung versehen worden. Die Abteilung „F" hat es sich angelegen sein lassen, zur Deckung ihrer Geldgebührnisse ebenfalls Sammlungen vorzunehmen, und sie hat den größten Teil, den sie für ihre Betriebe notwendig hatte, auf diese Weise erhalten. Der Abteilung „M" ist besonders in der ersten Zeit des Krieges eine größere Aufgabe zugefallen. Als nach Ausbruch des Krieges Handel und Wandel stockten, war eine große Mutlosigkeit in den kaufmännischen Kreisen eingetreten. Der Krieg war so überraschend gekommen, daß jeder Betrieb plötzlich stockte. Die Kaufleute glaubten ihre Geschäfte nicht mehr fcrtführen zu können; die Fabriken standen still, den Arbeitern und den jungen Leuten wurden die Stellungen gekündigt. In dieser Zeit meldeten sich bei der Gemeinde Hunderte von Stellungsuchenden. Da aber glücklicherweise die Periode der Mutlosigkeit nur eine kurze war, ist es auch gelungen, einen großen Teil dieser Stellungsuchenden unterzubringen. Es sind von der Abteilung „M" mit Hilfe des Vereins für Arbeitsnachweis über 700 Männern Stellungen verschafft worden. Das segensreiche Wirken der Kriegshilfskommission beweist, daß es in unserer Gemeinde immer noch eine große Anzahl von Männern und Frauen gibt, die sich selbstlos in den Dienst der Gemeinde stellen und ihr gern behilflich sind, die Ausgaben zu erfüllen, die ihr in dieser schweren Zeit zugefallen sind. Auch nach der hoffentlich nicht zu fernen Beendigung des Weltkrieges wird die Kriegshilsskommission der Jüdischen Gemeinde weiter ihres Amtes walten müssen, um mitzuhelfen, die durch den Krieg schwer betroffenen jüdischen Familien und Soldaten weiter zu versorgen. Darum ist es nötig, daß alle unsere besser situierten Glaubensgenossen die Kriegshilfskommission durch Zuwendung größerer Geldbeträge auch ferner unterstützen, damit sie in der Lage ist, den Armen und Bedürftigen auch in Zukunft ausreichend zu Helsen! Die Lrökknung Lrr Lunltlsmmlung der Welchen Gemeinde Molklche Stiktuns). m Sonntag, den 18. Februar, hatte sich im Sitzungssaal der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde eine erlesene Gesellschaft zur feierlichen Eröffnung des neuesten Gemeindeinstituts, der K u n st s a m m l u n g, eingefunden, welche aus einer Stiftung des Dresdner Sammlers Albert Wolf hervorgegangen ist. Mit Rücksicht auf die Kriegszeit war der Kreis der geladenen Gäste eng gezogen; so waren außer den beiden Gemeindekörperschaften nur die Bibliothekskommission, die Familie des Stifters und eine Anzahl Berliner Fachgelehrter geladen worden, darunter der

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