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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-16 · Heft 7 (16.2.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 7 (16.2.1917)
Date
1917-02-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Bettina, einer Töchter des seeligen Rabbiners Dr. Leopold Stein, eine gleichgesinnte Lebensgenossin gefunden hatte, so daß sein glückliches, harmonisches, häusliches Leben den reichen Segen der jüdischen Familie voll und ganz in die Erscheinung treten ließ. Leider war es dem Verewigten nicht mehr beschieden, an der bevorstehenden Einweihung der neuen Synagoge teil- Zunehtnen, zu deren Ausschmückung er großherzig eine große Stiftung gemacht hatte. Seitens der Verwaltung der Kultusgemeinde wurden ihm bei verschiedenen Anlässen Ehrungen zuteil, welche dem Danke für seine vieljährigen Verdienste Ausdruck verleihen sollten; er war Inhaber der silbernen Medaille für fünfundzwanzigjähriges verdienstvolles Wirken in der Gemeinde und wurde bei seinem vor wenig Monaten erfolgten Austritte aus der Gemeindeverwaltung zu deren Ehrenmitglied ernannt. Sein Name wird für alle Zeiten mit der Geschichte der Augsburger- Gemeinde verknüpft bleiben und in hohen Ehren fortleben. L. Mainz, 9. Februar. Die Frage der Befreiung der jüdischen ges-etzestreuen Geschäftsinhaber von der vollständigen Sonntagsruhe hat nunmehr auch verschiedene Mainzer Körperschaften beschäftigt. Die Großherzogliche Handelskammer Mainz gab ihr Gutachten dahin ab, daß im Falle der Einführung der völligen Sonntagsruhe dem Wunsche der israelitischen Geschäftsinhaber, die am Samstag schließen, stattgegeben werden könne, am Sonntag ihr Personal zwei Stunden arbeiten zu lassen, jedoch nur im inneren Geschäftsbetrieb, nicht im offenen Laden. Am 24. v. M. befaßte sich auch die Mainzer Stadtverordnetenverfammlung mit dein Gegenstände, den Herr Stadtverordneter, Bankier Eduard S i m o n , selbst ein gesetzestreuer Glaubensgenosse, nach allen Seiten hin klar beleuchtete. Er kam zu dem Schlüsse, daß es für die orthodoxen Geschäftsinhaber ganz undenkbar sei, daß sie in gegenwärtig schwerer Zeit von Freitag nachmittag bis Montag früh ihre Bureaus schließen sollten, und er wünsche, daß den israelitischen gesetzestreuen Grohgeschäften gestattet werde, ihr israelitisches Personal Sonntags von 8 bis 934 Uhr für die dringendste Posterledigung zu beschäftigen. Der Referent zu diesem Punkte der Tagesordnung bezog sich auf die Entscheidung des Bayerischen Oberlandesgerichts, nach der festgestellt sei, daß nach deutschein Reichsgesetz nur für ganze Gewerbe, nicht aber für einzelne Personenkreise Ausnahmen von: Sonntagsruhegesetz zulässig seien; er glaube daher, so sympathisch ihm als strenggläubigem Katholik die Wünsche der frommen Juden seien, daß ihnen in diesem Falle doch nicht geholfen werden könne. Geheimer, Justizrat und Landtagsabgeordneter Tr. Ad. I. Schmitt, gleichfalls Mitglied der Zentrumspartei, ineint, daß, wenn reichsgesetzliche Schwierigkeiten im Wege stünden, diese ja durch Anträge beim Reichstage beseitigt werden könnten. Stadtverordneter und Landtagsabgeordneter Adelung (Soz.) meint, daß dem Wunsche der orthodoxen Juden stattgegeben lverden müsse, nur dürften dann die jungen Leute nach Sabbatausgang in der Nacht nicht stundenlang beschäftigt werden. Auch für die Konditoren und Blumenhändler, die durch die völlige Sonntagsruhe schwer geschädigt seien, müßten Ausnahmen gefunden werden. Schließlich wurde ein Antrag des Stadtverordneten Rechtsanwalt Leopold May er, Mitglied des Vorstandes der israelitischen Hauptgemeinde, angenommen, nach dem die völlige Sonntagsruhe zwar beschlossen werden solle, daß aber gesucht werde, eine Form zu finden, um den Schwierigkeiten der orthodoxen Juden zu begegnen. Demnach wird die völlige Sonntagsruhe in Mainz eingeführt, wenn Wiesbaden und einige andere Nachbarstädte sie ebenfalls einführen. Marburg, 9. Februar. Unter großer Beteiligung fand vergangenen Montag nachmittag die Beerdigung des Bezirksrabbiners Dr. Leo Munk statt. Voran ging eine Trauerfeier in der Synagoge, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Zahlreiche Rabbiner, Vertreter von Gemeinden, Behörden und Vereinen waren erschienen. Es sprachen die Herren Provinzialrabbiner Dr. B a tu - berget (Hanau), Dr. Schlesinger (Marburg), Herr Eichelberg im Auftrag des Provinzialvorsteheramts, Lehrer Strauß für die Gemeinde, Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer (Berlin) für die traditionell-gesetzestreue Nabbinervereinigung, Oppenheimer (Treysa) für die Lehrer des Bezirks, Rabbiner Dr. Nobel (Frankfurt) für den Deutschen Nabbinerverbaud, Justizrat Dr. Blau (Frankfurt) für den Verband der Deutschen Juden und den Deutsch-israelitischen Gemeindebund, Herr Jakob S. Posen (Frankfurt) im .Auftrag des Kuratoriums des Rabbinerseminars, dem Munk angehörte, und des Ritualausschusses der jüdischen Gemeinden, Rabbiner Dr. H o r o v i tz (Frankfurt) im Auftrag der Frankfurt-Loge, der Großloge des Unabhängigen Ordens Bne Brith und des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands, zum Schluß Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld (Gießen). An der Vorhalle des Friedhofes sprachen noch Provinzialrabbiner Dr. C a h n (Fulda), Rabbiner Dr. Esra Münk (Berlin) und Dr. Meier Munk, zwei Brüder des Verklärten. Dr. Leo Munk war der älteste Sohn des bekannten Altona-er Rabbinatsassessors und Klausrabbiners: seine Mutter war eine Schwester des verstorbenen Rabbiners Dr. Israel Hildesheimer. Luxemburg. — Luxemburg, 8. Februar. Vor überfülltem Saale hielt neulich im Lokale der ^ssoemtion Oeneralo lies Liuäianis Luxembourgeois Herr Großrabbiner Dr. Fuchs einen Vortrag über das Thema: Ein Abschnitt aus altorientalischem Recht. Der Redner verstand es in meisterhafter Weise seine Zuhörerschaft, die beinahe ausschließlich aus Juristen und Gerichtsherren bestand, für sein Thema zu fesseln. Er ließ der Reihe nach das altbabhlonische Recht, das -althebräische Recht, den Talmud in Dokumenten und Auszügen erstehen, zeigte nach, welch hohe Stufe das Recht, besonders vom sozialen Standpunkte aus, bereits bei diesen Völkern erreicht hatte, verglich die Institutionen von damals mit der heutigen modernen Rechtspflege. Es war erstaunlich, welche Fülle vor» treuen Gesichtspunkten der Redner aus diesem Gebiet gewinnen konnte. Dabei berief er sich größtenteils aus eigene, persönliche Forschungen, deren Wert atn besten dadurch bewiesen wird, daß durch sie der ebenso bescheidene als tüchtige Gelehrte in der Welt der alten Sprachen- und Rechtsforschung heute einen anerkannten Ruf genießt. Ist er doch geschätzter Mitarbeiter an den größten internationalen Revuen für Sprachenforschung und für vergleichende Rechtskunde. Es war das erste Mal, daß Herr Dr. Fuchs hier in Luxemburg mit einem Vortrag aus seinen eigenen Forschungen an die Oesfentlichkeit trat. Die rege Anteilnahme der interessierten Kreise hat bewiesen, tvie auch in kleinem Lande man gediegene Gelehrtenarbeit zu schätzen weiß. Ter Wunsch, den Herr S i v er i n g mit dem Danke der Versammlung am Schlüsse des Vortrags nusdrückte, Herr Dr. Fuchs möge bald weiteres aus seinen wissenschaftlichen Arbeiten vortragen, war allen Anwesenden aus dem Herzen gesprochen. Frankreich. Z. Paris, int Februar. Der rühmlichst bekannte Orientalist Professor I v s e p h H a l e v y ist hier im hohen Atter von 90 Jahren verschieden. Im Jahre 1827 in Adrianvpel geboren, hat er während seines Lebens mit seinem Forschungsgeiste im emsigen Streben und Schaffen viel für die Wissenschaft, namentlich für semitische Sprachen, geleistet. Besonders bekannt machte ihn seine Reise nach Abessynien im Jahre 1868, die er auf Veranlassung der „Alliance israelite universelle" zu den Maschas unternahm. Im Aufträge der Pariser Akademie bereiste er 1869—70 Jemen, mit die säbäischeu Inschriften zu erforschen. Er hatte sehr große Erfolge auf dieser Reise. Er veröffentlichte nach seiner Rückkehr die erste säbäische Grammatik, eine Sprache, die nahe mit der Sprache der Mischna verwandt ist. Seine in geographisch-ethnographischer Hinsicht sehr ertragreiche Reise hat er in zahlreichen Werken geschildert. Er war auch ans dem Gebiete der Assyriologie ein sehr bekannter Forscher. Viel betätigte sich Halovy in der modernen Bibelkritik. 1893 gründete er eine wissenschaftliche Revue, worin er seine Studien über orientalische Epigraphik und Geschichte niederlegte. Zahlreiche bedeutende Arbeiten hat er hier veröffentlicht. Seit 1899 war Halevy Professor an der Hochschule in Paris. Er las über äthiopische, säbäische, auch ungarische Sprache. Seine Schüler hingen sehr an ihrem Meister. Auch am Rabbinerseminar und der Allianceschute hielt er Vorlesungen. Er liebte vor allem die hebräische Sprache und Literatur und hat in dieser Gedichte verfaßt. Er übersetzte auch die Gebete der Maschas ins Hebräische, die zum Teil in deutscher Uebertragung von Albert Katz in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienen sind. Ter Heimgang dieses großen Gelehrten bedeutet für die Wissenschaft, besonders für die semitische Philologie, einen großen Verlust. KliMnÄ. Z. Petersburg, im Februar. Der berühmte hebräische Schriftsteller und bekannte Arzt Dr. I. L. Katzen c l l e n sahn (Bnki ben

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