Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Jogli) ist im Alter von 70 Jahren verschieden. Der Verstorbene gehörte zu den hervorragendsten Schöpfern der hebräischen Literatur der 80er Jahre. Seine Werke publizistisch-belletristischen Inhalts waren außerordentlich populär und zählen bis auf den heutigen Tag zu den besten Erzeugnissen der klassischen hebräischen Literatur. Seine erste Erzählung war „Schirat Hasamir" („Das Lied der Nachtigall"). Berühmt sind seine Erzählungen über die Erlebnisse jüdischer Soldaten im Russisch-Türkischen Kriege (1878), den er als Militärarzt mitgemacht hatte. Später erregten seine „Gesammelten Werke und Erzählungen" großes Aufsehen. In beit letzten Jahren widmete der Verstorbene sich fast ausschließlich der hebräisch-wissenschaftlichen Literatur, trat aber doch auch öfters mit Werken literarisch-poetischen Inhaltes hervor, die stets vom bebräisch-lesenden Publikum freudig ausgenommen wurden. Kürzlich konnte er sein Lebenswerk vollenden, „die Medizin im Talumd". Hervorragenden Anteil hat er an der Herausgabe des jüdisch-russischen Lexikons gehabt. Seine Memoiren, deren bevorstehendes Erscheinen er vor wenigen Wochen anläßlich seines mit großer Feierlichkeit begangenen 70. Geburtstages ankündigte, dürften demnächst das Licht der Welt erblicken. Dr. I. L. Katzenellensvhn nahm aktiven Anteil an allen bedeutenden jüdischen Gesellschaften, widmete aber doch sein größtes Interesse dem Hebräischen Sprachverband, dessen Vorsitzender er war. Auch als Arzt war Dr. Katzenelleusohn sehr angesehen nnb war der Leiter des Städtischen Alerander-Hospitales. Er erfreute sich in weiten jüdischen und nichtjüdischen Kreisen größter Persönlicher Popularität. Von Nah und ffrm. — Tie Eröffnung der „K u n st s a m ml u n g. d e r I ü d i s ch e lt Gemeinde (Wolfsche Stiftung)" findet kommenden Sonntag, am 19. Februar, im Sitzungssaale der Repräsentanten statt. Wegen des beschränkten Rau nies hat nur ein kleiner Kreis von geladenen Gästen Zutritt, Für das große Publikum wird die Kunstsammlung vom 21. Februar ab Mittwochs und Sonntags 10 bis 1 Uhr unentgeltlich geöffnet sein. - - Ter Berliner Frauenarzt Stabsarzt Tr. Rudolf Katz wurde durch Verleihung des Hamburgischen Hanseatenkrenzes allsgezeichnet. - - Dem Dentisten Hermann Katz in Berlin wurde von Seiner Majestät dem Kaiser von Oesterreich das „Silberne Ehrenzeichen vom Roten Kreuz mit Kriegsdekoration" (tarfrei) für freiwillige berufliche Tätigkeit seit Ausbruch des Krieges verliehen. — Dem Kriegsfreiwilligen Rudolf Spiegel wllrde die Rote-Kreuz-Medaille verliehen. — Kaufmann Paul M a r k u s e alls Berlin, ein ehemaliger Liegnitzer, schenkte der Synagogengemeinde Liegnitz 10 000 Mark für die Armen- und Grabpftege. — Aus Memel wird uns geschriebene Das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Bande ist dem Gerichtsassessor Cohn Hierselbst verliehen wordeil. Er war. als Ende März 1915 Memel zum zweiten Mal voll dell Russen von Tauroggelr aus bedroht wurde, als einziger Richter in Memel verbliebeil. Assessor Eohn ist einziger Sohn des Justizrats Herrn Georg Eohn in Tilsit. — Am 23. Januar blickte der Kranken- und Beerdigllngsverein in Nikolai (Oberschlesien) auf eine 60jährige Tätigkeit zurück. Vormittags 10 Uhr fand auf dem Friedhofe eine Seelenfeier statt. Ihn 1 Uhr wurden in der Synagoge Bllßgebete verrichtet. — Die Firma Rudolf Petersdorsf, Posen, Königsberg in Preußen und Breslau, hat dem gesalnten Personal llnd den von ihr unterstützten Kriegsfrauen ihrer Angestellten in allen drei Häusern in Anbetracht der herrschenden schweren Zeit eine Teuerungszulage von zirka dreißigtausend Mark gewährt. — Im Alter von 76 Jahren verschied in Schroda der Kaufmann Mar Mendel. Er war eine Reihe von Jahren Repräsentant der Synagogengemeinde und stets bemüht, deren Wohl zu fördern. Ein großes Trauergefolge gab ihm das Ehrengeleit. — Tie Goldene Hochzeit feierte am 11. d. M. das Louis Hirschsche Ehepaar in Breslau, Friedrich-Wilhelm-Strahe 25. Die Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. R o s e n t h a l. — Aus München werden folgende Ernennungen gemeldet: der bekannte Mathematiker ordentlicher Professor Tr. Mar Nöther (Erlangen) zum Geh. Hofrat, Tr. Paul Arndt, Kllnstmaler, Max O b e r m e h c r (München) zu Professoren, Lehrer Jakob P o s s e n h e i tu e r (Böchingen), Michael Rosenstiel (Mutterstadt), Benzion E l l i n g e r (Fürth), Moses Rüll (Nürnberg), Martin Estenfelder (Mürsbach) und Samuel M a s s e n b a ch e r (Niederwern) zu Hauptlehrern. — Der Königliche Senatspräsident am Oberlandesgericht München, Herr Eduard Sitb e r m nun, ist am 9. d. M. infolge Herzlähmnng verschieden. Der Entschlafene, der ein lebhaftes Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten bekundete, gehörte auch seit einer Reihe von Jahren dem Vorstande des Münchener Vereins für jüdische Geschichte und Literatur an, an dessen Arbeiten er regen Anteil nahm. -- Tie israelitische Gemeinde in Kassel beschloß den Bau eines großen Krankenhauses. Die Kosten find aus 300000 Mark veranschlagt. Mit dem Bau soll nach dem Kriege begonnen werden. — Der Handelsmann Moses Ekstein in Friedberg hat sieben Söhne sowie einen Schwiegersohn im Felde stehen. — Kommerzienrat Bernhard K a h n, Inhaber des Frankfurter Bankhauses Kahn ck Co. und Aufsichtsratsmitglied einer ganzen Reihe großer industrieller Unternehmungen, ist im Alter von 60 Jahren gestorben. — In Wien starb der hervorragende Pianist und Musikpädagoge Prof. Theodor P o l l a k. Er galt als feiner Chopinspieker und trat auch als Komponist mit Erfolg auf. Auch den jüdischen Liebesdiensten stellte er seine Kunst stets gern zur Verfügung. — Der Chefredakteur des jüdischen „Lemberger Tageblattes", Dr. Zwi Bickels, ist im Alter von erst 30 Jahren verschieden. In ihm verliert die Judenheit Galiziens einen starken Kämpfer für ihre gerechte Sache. — Aus Lemberg wird berichtet: Der verstorbene Rabbiner Dr. Caro bat seine reiche Bibliothek letztwillig der jüdischen Gemeinde vermacht, die nun zur Erweiterung und modernen Einrichtung der Gemeindebibliothek schritt. Die Eröffnung fand am 4. Januar statt, dem Jahrzeitstage Salomon B u b e r s , des Begründers der Bibliothek. Nach einer Ansprache des Vizepräsidenten Dr. Wasser hielt Rabbiner Dr. G u t t m a n n einen wissenschaftlichen Vortrag. Die Bibliothek enthält besondere Räume für Studenten. Bibliothekar ist Religionsprofessor Dr. Freund. — Ein bulgarisch-jüdisches Hospital haben die Juden in Sofia im Mittelpunkt der Stadt errichtet, das sie selbständig erhalten. Die Negierung hat der Gemeinde ihren Dank für ihre Opferbereitschaft ausgesprochen. — Der Oberstleutnant der Genietruppen G. C. F r a n ck im französischen Heer ist zum Obersten ernannt worden. Der Eskadronchef Lucien Braun, Enkel des verstorbenen Konsistorialrabbiners Salomon U l l m a n n , ist zum Oberstleutnant ernannt worden. — Wie jedes Jahr, so haben auch jetzt wieder die Brüder v. Rothschild 100 000 Francs dem Seinepräfekten für Armenunterstützung zukommen lassen. — In einer Rede anläßlich einer Vereinsfeierlichkeit in London, die vor einigen Wochen stattfand, sprach Z a n g w i l l in warmen Worten die Hoffnung ans, daß die Friedensbestrebungen Erfolg Haben werden. Sehr scharf wandte er sich gegen die Hetze, welche die „Times" gegen die Friedenskundgebung von Jacob Schiff beirieben hatten. „Die Juden — und nichts anderes hätte auch Schiff geleitet — seien des Blutvergießens müde und wünschen sehnlichst den Frieden herbet." Er sprach sein tiefstes Bedauern aus, daß ein jüdisches Blatt — die „Jewish Chronicle" — die böswillige Hetze gegen Schiff mitzumachen keine Bedenken gehabt hatte.— Aus Lodz wird gemeldet: Die Wahlen haben in den ersten fünf Kurien folgende Resultate ergeben: Im ganzen wurden 50 Ratsmänner gewählt, darunter 28 Juden, 13 Polen und 9 Deutsche. Der Erfolg ist darum nicht zu unterschätzen, weil sich unter den gewühlten Juden 22 Nationale befinden. Auch in der sechsten Kurie wurden drei Juden gewühlt. — Der Ausschuß zur Unterstützung verarmter jüdischer Kaufleirte beschloß die. Ausgabe neuer Coupons. zum Empfang von Darlehen. Der Ausschuß zahlt wöchentlich an 1100 Familien Unterstützungen in der Höhe von 4000 Rubel. — Das Lodzer Jüdischamerikanische Zentralhilfskomitee erhielt dieser Tage aus Amerika eine Zuwendung von 20 000 Mark, die unter die zahlreichen jüdischen Hilssverein verteilt wurden. —- Der frühere Botschafter der Bereinigten Staaten in Konstantinopel, Herr Henry Morgent h a u, ist mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet worden, die von der Bne Brith Loge in Amerika dem Mann verliehen.wird, der „während des letzten Jahres das meiste für das Judentum geleistet hat". Die Medaille wurde Herrn Morgenthau in Anwesenheit von ungefähr 400 Personen überreicht. Sie trägt die Inschrift: „Uebeweicht vom Execntiv-Conüt6 des U. O. B. B. Herrn Henry Morgenthau für Dienste für seine Glaubensgenossen." Herr Morgenthau dankte für die Auszeichnung, die außer ihm Exprästdent Taft und Dr. Adolf S t e r n aus Budapest tragen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58 Verantwortlich für den Anzeigenteil: M a x I ü n q e, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.