Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 16, Februar 1917 81. Jahrgang Nr. 7 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung de- Judentum-". korrekpml>rn?kn und Aschrichtm. LruMlanL. E. R. Berlin, 11. Februar. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung verlief ohne erhebliche Erörterungen. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilte der Vorsitzende Herr Direktor Dr. Minden mit, daß die Beerdigung des Generalsekretärs Dr. Friedländer am 12. d. M. von der neuen Halle in Weihmsee stattsindet. — Ueber die Ersatzwahl für den verstorbenen Willibald Qoewenthal wird irr geheimer Sitzung verhandelt werden. Dankend angenommen wird die Zuwendung des Herrn Albert M ü l - den er für das Krankenhaus und der Frau Minna Fi e g el an die Altersversorgungsanstalt. — Von Herrn Professor T ü r k ist ein Antrag cingegangen, die in den geheimen Sitzungen beschlossenen Anstellungen von Gemeindebeamten im Gemeindeblatt zu veröffentlichen. Herr Professor Türk erklärt, daß sich dies auf Rabbiner, Lehrer und höhere Verwaltungsbeamte beziehe. In welcher Form das geschehen solle, möge dem Vorstand überlassen bleiben. Die Versammlung stimmt dem Antrag zu. — An Stelle des Herrn Max Mecklenburg, der seinerzeit durch Gemeindebeschluß zum Mitglied der Zentrale für die Wohltätigkeitsanstalten gewühlt worden war und dieses Amt niedergelegt hat, wird Herr Tr. Alfred Deutsch, Aschaffenburger Straße 10, gewählt. - lieber den j Rechnungsabschluß der Armenkommission referiert Herr Emil Cohn: „Der Abschluß 1915/16 schließt gegen den Voranschlag mit einem Minderbrauch von 3892,23 Mark, so daß der wirkliche Gemeindezuschuß 187 408,85 Mark beträgt. Es wurden mehr eingenommen aus Zinsen des eisernen Fonds 2436,12 Mark, aus Geschenken zu laufenden Ausgaben 7206,54 Mark, Rückzahlung einer I laufenden Unterstützung 5628,22 Mark, Zinsen von Stiftungen! 19 942,84 Mark, Geschenke mit besonderer Bestimmung 3739,06 Mark, j 6 Synagogenbüchsen 1227,04 Mark, für verschämte Arme 18 233,55 ■ Mark, Geschenke 6239,26 Mark, Zinsen des eisernen Fonds 470,80 j Mark. Ziehen wir von den Mehreinnahmen die Mehrausgaben ab, j so bleibt ein Minderverbrauch gegen den Voranschlag von 3892,23! Mark. Rechnen wir zu dem Verbrauch des Gemeindezuschusses ' (187 408,85 Mark) die sonstigen Einnahmen (178 331 Mark) zu, so hat! die Armenkommission verausgabt 365 740,23 Mark, eine Sunune, auf! die unsere Gemeinde stolz sein kann. Aus dem Bericht der Armen-! kommission möchte ich noch folgendes erwähnen: In den Abtei.luli'aen! im Fonds für verschämte Arme wurden 10 734 schriftliche Gesuche behandelt gegen 12 818 1914/15. Hierzu kommen noch die an der Tageskasse berücksichtigten 952 Personen. Auch tm Berichtsjahr fand wieder ein ausgedehnter Verkehr mit dem Ortsarmenverband und anderen Wohlfahrtseinrichtungen statt, wodurch geeignete jüdische Bedürftige 'laufende oder einmalige Unterstützungen erhielten. Wie bisher wurden auf unsere Empfehlung von der städtischen Stittungskommission unterstützt 23 Personen aus der Leßmann-Stiftung mit je 180 Mark, 82 aus der. Wilhelm Levin-Stiftung zu je 50 Mark. Die Hauptstiftungskasse des Magistrats Berlin überwies 6165,20 Mark. In dem Verein Arbeitsnachweis in Weißensee konnten ebenso wie in früheren Jahren auf unsere Empfehlung geeignete Personen Beschäftigung finden. Die einmaligen Unterstützungen sind um zirka 22 000 Mark gegen das Vorjahr zurückgegangen. Tie Armenkommission meint, daß die günstige Gestaltung sich daraus ergibt, daß eine große Reihe gewerblicher und industrieller Betriebe im verflossenen Jahre außerordentlich beschäftigt war und sich in vielen Füllen sonst unterstützungsbedürftige Personen lohnende Arbeit verschaffen konnten. Das gleiche gi-lk für die geringeren Ausgaben des Fonds für verschämte Arme." Reicher Beifall lohnte den Referenten bei seiner Bitte um Entlastung, die einstimmig erfolgte. —- Herr Dr. Ginsberg hält es für wünschenswert, daß den Mitgliedern der Nepräsentantenversammlung die Rechnungsabschlüße der Verwaltungskommissionen zugesandt wer- Üen. Von feiten des Vorstandes erklärt Herr B a d t, für jede Anregung in dieser Angelegenheit dankbar 51t sein. Alle Anregungen zu berücksichtigen sei zwar nicht leicht, das mögliche soll aber geschehen. Ein Ausweis für jede bezahlte Rechnung sei stets vorhanden. Herr Justizrat Breslauer bemerkt, durch Krankheit des leider verstorbenen HerrnJnstizrat Aieyer fei vieles in Stockung geraten. Auch fehle im Bureau Personal. Wti der Zeit werde Versäumtes nachgeholt werden. Damit schließt die öffentliche Sitzung. In der heutigen geheimen Sitzung erfolgte die Wahl des Herrn Rabbiner Dr. Löwenthal in Hamburg zum Gemeinderabbiner der konservativen Richtung. ### Berlin, 13. Februar. Am Sonntag, beu 18. d. M., vormittags 10 Uhr pünktlich, findet im Gotteshause der Jüdischen Reformgelneinde die feierliche Amtseinführung des neueil Predigers Rabbiner Dr. F. Coblenz statt. Der Zutritt zum Gotteshanse ist bei dieser Feier nur gegen besondere Eintrittskarte gestattet. Soweit noch Karten zur Verfügung stehen, können sie auch von Nichtm gliedern kostenlos in Anspruch genommen werden. Bestellungell nimmt das Bureau der Jüdischen Reformgemeinde, Johsannisstraße 16, schriftlich oder telephonisch (Telephon Norden 5150) entgegen. E. M. Berlin, 13. Februar. Die Kunst im Prager Ghetto behandelte ein Vortrag von Professor Dr. Grotte im Rahinen der Montagsvorlesungen an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Nach einem kurzen Ueberblick über die Geschichte der Jllden in Böhmen lvandte sich der Redner den einzelnen jüdischen Kulturdenkmälern zu. An erster Stelle ist die Alt-Neu-Synagoge zu nennen, deren Bau in die zlveite Hälfte des 13. Jahrhunderts fällt. Daß dieses Gotteshaus ohne zerstörende Renovationen bis in die heutige Zeit unverändert blieb, verdankt es den Rabbinern, die jede Aenderung an dem Bau verboten, weil seine Wände geweiht warell von dein Blut der Märtyrer, die hier im Jahre 1389 fielen. Tie Synagoge erfreute sich von ben ältesten Zeiten bis auf den heutigen Tag der größten Ehrfurcht auch unter dem Pöbel. Tas Tympanon des Eingangsportals, einen Lebensbaum mit den jüdischen Emblemen des Weins darstellend, ist irrtümlich als Werk eines jüdischen Künstlers allgesprochen worden, obwohl sich ähnliche Motive auch in einer Allzahl von Kirchen befinden. Eine Eigenti'uulichkeit der Synagoge ist die fünfte Rippe in dem Kreuzgewölbe, die offenbar die Kreuzform verdeckeil soll. Das Rathaus stammt aus dein Jahre 1566; der Baumeister Josef Schlesinger aus Breslau war kein Jude. Es hat eine merkwürdige barocke Hanbe, das Dach trägt als Krönung einen Davidsstern mit dem Wappen, das Kaiser Ferdinand doll Jllden verlieh. Aus neuem* Zeit stammt die von Meist gestiftete Synagoge, die ein silbernes Thoraschild besitzt, welches auf eillem Mittelfeld den siebeliarnligen Leuchter, in den beiden Seitenfeldern den Hohenpriester im Ornat und Judith mit dem Haupte des Holofernes in erhabener Arbeit darstellt, ein merkwürdiges Stück, da jüdische Kunst Menschendarstellungen sonst nicht verwendete. Von besonderem Interesse ift der alte Prager Friedhof, der aus dem Jahre 900 bis 1000 stammen dürfte. Hier ruht der hohe Rabbi Löw: sein mit einein hausartigen Stein geschmücktes Grab umgeben die Gräber von zehn seiner Schüler, ähnlich wie das Hillels, llm das 35 seiner Schüler ruhen sollen. Auch Meisls Grab hat diese Hausform. An merkwürdigen Persönlichkeiten ruhen hier noch Händel Basevi, deren Grabstein das Wappen der Familie und eine lange Inschrift trägt, die ihre Tugenden preist, ferner der Prager Chronist Zema ch G a n s, ein geborener Westfale, der in Prag wirkte und starb. Alkch David O p P e n h e i m e r, der Landesrabbiner von Böhmen, ruht hier, dessen berühmte Bücherei auserlesene Schätze enthielt, die sie heute zu einer Zierde der Oxforder Bibliothek machen. Weiter sind zu erwähnen ein Schüler Galilüis, Ben Jehuda und außer ihnen viele andere, denen die Zeit und das Jlldentum Bedeutendes verdanken. Auf zahlreichen Lichtbildern zeigte der Vortragende die von ihn: geschilderten Kunstwerke und die engen Gassen des alten Prager Ghettos, dessen Geist nach seinem Wunsche die alten Zeiten überdauern möge. Der gehaltvolle Vortrag fand lebhaften Beifall. ### Berlin, 13, Februar. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Bataillonsarzt Dr. Georg Friedländer, Kanonier Leo V l u h m, Kriegsfreiwilliger Unteroffizier Werner Mecklenburg,. Armierungssoldat Hans Pickardt, Kanonier Ferry Lew in, Feldunterarzt Max I a c 0 b y , Fritz Schönheirner, Gefreiter Cand. chem. Alfred Krön er, Bataillonsarzt Dr. Salo Berg-