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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-09 · Heft 6 (9.2.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 selten. — Heber die Wirksamkeit der jüdischen Vereine während der Kriegszeit sprach Justizrat BernhardBreslauer. Von 88 Vereinen, an die eine Umfrage über ihre Tätigkeit im Kriege gerichtet wurde, sind 55 Antworten eingegangen. 28 Vereine find in ihrer Arbeit durch den Krieg nicht wesentlich beeinflußt worden, 2 haben ihre Tätigkeit eingestellt; 21 haben berichtet, daß der Krieg ihnen neue große Aufgaben erschlossen hat. So hat die Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes ein Abendheim für Arbeiterinnen gegründet und ein Heim mit 12 Betten für durchreisende Mädchen eingerichtet. Das Kranken heim der Adaß- I i s r o e l - G e m e i n d e hat ebenso wie das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde eine Anzahl Soldaten unentgeltlich ausgenommen, während die Frauengruppe für das orthodoxe Judentum eine Kriegsspeisehalle begründete und sich der Gefangenenfürsorge widmete. Große Verdienste erwarben sich auch der Verein für Arbeitsnachlveis, das K u r h o s p i t a l in K o l b e r g und der Verein für jüdische Krankens ch w e st e r rt, der 14 Schwestern im Heeresdienst hat, während zehn in Berlin Verwundete Pflegen. Besondere Anerkennung verdient das Wirken des Jüdischen V o l k s v e r e i n s, der zeitweise in 9 Herbergen bis Zu 1000 Personen pro Tag aufnahm und bis zum 1. August 1916 550 000 Speiseportionen abgab. Im Verlaufe seiner interessanten Ausführungen regte der Redner die Fusion kleinerer Vereine zu leistungsfähigen Verbänden an und wies darauf hin, daß unsere Wohlfahrtspflege noch Lücken aufweist, die durch Vereine, welche sich der Geisteskranken, der Lungenkranken und der Krüppel annehmen, ausgesüllt werden müssen. In der Diskussion regte Sanitätsrat Dr. F e i l ch e n f e l d die Einrichtung eines Wohlfahrtsamtes unter Leitung eines Berufsbeamten an, das durch die Zusammenfassung aller Organisationen die Leistungen unserer Liebestätigkeit vertiefen könnte. Herr Sallh K i r s ch st e i n forderte eine rituelle Speiseanstalt, während Herr Pincus bat, die Versammlung häufiger einzüberufen und dadurch Gelegenheit zu eingehender Besprechung der Anregungen zu geben. Mit einem Schlußwort des Referenten wird die Tagung geschlossen. Das von Herrn Benas L e v h angekündigte Referat: ,.Die Kriegshilfskonunission der Jüdischen Gemeinde" fiel mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde aus. E. M. Berlin, 6. Februar. Der Jüdische Frauenbund hielt hier am Sonntag, den 28. Januar, seine fünfte Delegierten- und Mitgliederversammlung ab. Die Eröffnungsansprache hielt die stellvertretende Vorsitzende Fräulein S i d o n i e Werner (Hamburg). Sie betonte, daß diese Zeit der seelischen und wirtschaftlichen Not sür die Frauen eine Zeit des Aufstiegs bedeutet, weil die soziale Wertung der Frau gewachsen ist. Frau Henriette May (Berlins erstattete den Verwaltungsbericht, nach welchem der Bund zurzeit in 215 Vereinen und 10 Ortsgruppen 44 000 Mitglieder umfaßt. Im Kassenbericht, den Frau Dr. Frankl (Berlin) erstattet, ist eine aufsteigende Tendenz zu bemerken. Von den einzelnen Ortsgruppen werden Sonderberichte erstattet, aus denen die umfangreiche soziale Fürsorgetätigkeit hervorgeht, die in den Gruppen des Vereins geleistet wird. Frau Horchheimer erstattet den Bericht über das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg, der sehr beifällig ausgenommen wird. Mit Beratungen über Satzungssragen schließen die Vormittagsverhandlunaen. Die Nachinittagsntzungen waren durch die Besprechung von Anträgen der einzelner: Ortsgruppen ausgefüllt, die sämtlich nach kurzer Diskllssion zur Annahme gelangten. Nach den sodann vollzogenen Wahlen sprach die zur ersten Vorsitzenden wiedergewählte Gründerin des Frauenbundes Berta Pappenheim (Frankfurt a. M.) über „Die Aufgaben der n ä ch st e n Z e i t". Ihre Ausführungen gipfelten in der von uns in der vorigen Nummer an anderer Stelle unseres Blattes wiederaegebenen Resolution gegen die Judenzählung. Nach einem Schlußwort von Sidonie Werner wurde der Frauentag gegen Vi8 Uhr abends geschloffen. E. M. Berlin. 6. Februar. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 25. v. M. Herr Justizrat I u l i u s Mag n u s über „I üdis ch e D i chter i nt Weltkr lege". Der Redner betonte, daß die deutschen Juden neben ihrem Anteil, den sie als gute Deutsche an den Leiden des Vaterlandes nehmen, noch einen besonderen Kampf gegen Neid und Mißgunst ihrer Mitwelt auszukämpfen-haben, die sich heute vielfach ein wissenschaftliches Mäntelchen umlegen. In die Legende, daß die Juden niemals in das wahre Wesen des deutschen Geistes und der 'deutschen Dichter eindringen werden, haben die jüdischen Dichter dieses Weltkrieges Bresche geschlagen. Sie beweisen, daß wir wurzelechte Zweige ldes großen deutschen Baumes find. Was die Herzen der Deutschen unserer Tage bewegt, klingt in den Liedern unserer jüdischen Dichter wieder, die das deutsche Herz erheben und uns mit Zuversicht erfüllen. Zu den meistgesungenen Weisen im Weltkriege gehört das Niederländische Dankgebet, das seit 1893 eines der Lieblingslieder unseres Kaisers bildet. Die wenigsten wissen, daß der markige Text „Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten'" von einem Glaubensgenossen, dem Wiener Literaten Joseph Wehl, herrührt. Auch das Flaggenlied uüserer Marine „Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot", mit dem die Mannschaft unseres Kreuzers „Iltis" in den Tod ging, hat einen jüdischen Verfasser, den Berliner Schriftsteller Robert Linderer. Während diese beiden Lieder vor dem Kriege erstanden, hat der Weltkrieg viele jüdische Dichter zu vaterländischen Gesängen begeistert. Der Redner erwähnte Lissauers Haßgesang an England, über den zwar die Meinungen geteilt seien, der aber bei feiner Entstehung der Empfindung weitester Kreise so sehr entsprach, daß der Kronprinz von Bayern als Führer der gegen die englischen Truppen kämpfenden Armee ihn in Hunderttausend von Exemplaren in seinem Heere verbreiten ließ. An erster Stelle sind unter den Dichtern des Weltkrieges LeoSternb e r g zu nennen, der von na-tional-istischen Zeitungen geradezu als Skalde des deutschen Ringens bezeichnet ist, und Walter Hehm a n n, der Sänger Ostpreußens, der wie kein zweiter es verstanden hat, das Wesen der trüben, schwermütigen ostpreußischen Landschaft wiederzugeben. Weiter erwähnte der Redner den jungen Breslauer Studenten L u d w i g F r a n z M e y e r und gedachte besonders ausführlich Hugo Zuckermanns, des früh verblaßten, hoffnungsvollen österreichischen Dichters. Ter Vortrag wurde durch Rezitationen aus den Werken der angeführten Schriftsteller ergänzt. Die zahlreich erschienene Zuhörerschaft spendete den: Vortragenden lebhaften Beifall. 4fr 4fr Berlin, 6. Februar. Au: 28. vorigen Monats wurde der Generalsekretär des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Alphonse Le vH a-us dem Friedhose in Weißensee beerdigt. Bei der Trauerfeier, die durch Harmoniumspiel und Choraesang eingeleitet wurde, hielt Rabbiner Dr. Paul Rieger (Brauuschweig), ein Nesse des Verstorbenen, die Gedächtnisrede. Namens des Zentralvereins gedachte Justizrat H o r w i tz in warmen Worten der Verdienste, die sich der Heimgegangene um den Zentralverein erworben hatte: er rühmte seine Tatkraft, Sachlichkeit und Bescheidenheit. Nachdem noch ein Logenbruder des Verstorbenen gesprochen hatte, wurde der Sarg unter den Tönen des Choraesanges „Es ist bestimmt in Gottes Rat" zur letzten Ruhe getragen. 4fr$4fr Berlin, 6. -Februar. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Gefreiter Arthur Waeger, Sohn des Inspizienten der jüdischen Gemeinde, Herrn M. Waeger: Gefreiter Georg Levintha l; Unteroffizier Erich Muskat: Gefreiter Gustav Stern : Einjährig-Freiwilliger Unteroffizier Siegfried Marcus e; Erich dl l e r a n d e r : Kriegsfreiwilliger Wilhelm Ste r n; Gefreiter Fritz Sommerfeld: Gefreiter Lewinsohn: Unteroffizier Julius Eisenstein; Gefreiter Franz F r a e n k e l; Oberapotheker Max Ritter: Gefreiter Rudolf Holz: Grenadier Kurt Joseph: Gefreiter Kanonier cand. chem. Alfred Krön er, Sohn des Herrn Hugo Kroner; Kriegsfreiwilliger Gefreiter Arthur Brodtmann; Unteroffizier Alfred Himmelweit; Gefreiter Hermann L e w i n : Ersatzreservist Ernst C o m p a r t; Gefreiter Leopold Gans; Hermann Lichten stein (Groß-Berlin). Die gleiche Auszeichnung erhielten: Einjährig-Kriegsfreiwilliger Gefreiter Leo No kl er (Posen); Kaufmann Sigismund B rieger (Hohensalza): - Einjährig-Kriegsfreiwilliger Unteroffizier Alfred M a tz d o r f , Sohn des Kaufmanns Herrn Hugo Matzdors (Posen): Musketier Sallh Alexander (Crone an der Brahe); Feldrabbiner Dr. Salomonski (Frankfurt a. O.); Gefreiter Alfred Cohn, Sohn des Herrn H. Cohn (Essen a. d. Ruhr): Vizewachtmeister Bruno Cohn (Reichenbach); Infanterist Siegfried Weichfeldbaum (Adelsberg); Hermann Horn (Krefeld); Unteroffizier Herbert Schlesinger (Liegnitz); Unteroffiziere Georg und Walter I a c o b s o h n (Langfuhr); Unteroffizier Ingenieur Max S ü ß k i n d; Unteroffizier Herbert

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