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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-09 · Heft 6 (9.2.1917) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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67 wie für die Christen; aber die letzteren, als die „weit größere Masse, müßten hier vorangehen und der erleuchteten Christen Pflicht müßte es fein, ihre Glaubensgenossen zur Duldung und zur Gerechtigkeit anzurufen, um bei den Juden die Freudigkeit des Wirkens für die gemeinsame Sache zu stärken und zu erhalten. Die KriegLlsgung des Lrntraloerrms Ükutlchkr Staatsbürger jüdllchrn Glaubens. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt am 4. d. M. im Kaisersaal des „Rheingoldes" in Berlin seine e r st e K r i e g s t a g u n g ab, zu der sich etwa 50 Vorstandsmitglieder und 120 Delegierte aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes eingefunden hatten. Die Tribünen waren von einem zahlreichen Publikum besetzt, das den Vorgängen im Saale interessiert folgte. Dre Versammlung wurde mit einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, des Justizra-ts Horwitz, eröffnet, der den Gefühlen der Treue für. Kaiser und Reich Ausdruck gab, die jeden deutschen Juden heule beseelen. Die Begeisterung, die unsere Jugend bei Kriegsbeginn zu den Jahnen eilen ließ, erfüllt auch die Daheimgebliebenen, die freudig an ihrer Stelle für Deutschlands Ehre und Größe wirken. Als Ausdruck dieser Gesinnung wurde unter begeisterter Zustimmung der Delegierten und Gäste beschlossen, folgendes Huldigungstelegramm an Seine Majestät den' Kaiser abzusenden: „Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät bringen die zu ihrer Hauptversammlung heute hier aus allen Teilen des Deutschen Reiches vereinigten Abgeordneten des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ihre Huldigung und das freudige Bekenntnis unverbrüchlicher Treue zu Kaiser und Reich dar. Wie die deutschen Juden in dem unserem Vaterlande ausgezwungenen Kampfe in hingebungsvoller Pflichterfüllung mit allen ihren Mitbürgern gewetteifert haben, werden sie niemals aufhören, für unser geliebtes Vaterland einzustehen mit Gut und Blut, mit Herz und Hand. Gott schütze und segne Eure Majestät und unsere unvergleichlichen Truppen zu Land und zu Wasser. Der Vorstand des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens." Nach dieser patriotischen Kundgebung gedachte der Vorsitzende der schweren Verluste, die der Centralverein durch das Ableben zahlreicher hervorragender Mitglieder des Vorstandes erlitten hat. Neben vielen Mitgliedern des Vorstandes, die er namentlich unter Hervorhebung ihrer besonderen Verdienste anführte, gedachte er der vielen Tausende, die als Opfer ihrer Hingabe für das Vaterland den Heldentod gefunden haben. Für die Dauer des Krieges ist der Kamps der deutschen Juden um ihr Recht zurückgetreten vor der allen gemeinsamen Sorge um das Vaterland. Auch die inneren Kämpfe in der deutschen Judenheit sind durch den Krieg unterbrochen. DieZionisten, mit denen der Verein vor dem Kriege manch harten Strauß auszufechten hatte, haben im Kriege ihre deutsche Pflicht daheim und im Felde in vollem Umfange erfüllt. Der Centralverein hofft, daß die Haltung der Zionisten es ihm ermöglicht, den Burgfrieden im Judentum auch über den Krieg hinaus zu bewahren. (Lebhafter Beifall.) Landtagsabgeordneter Geheimer Justizrat Cassel (lebhaft begrüßt) hielt hieraus das erste Referat der Tagung über „Die Juden im Heer e". Er betonte die engen Beziehungen zwischen dem Centralyerein und dem Verband der deutschen Juden, die den beiden Organisationen ein gemeinsames, kraftvolles Wirken für die Interessen des deutschen Judentums ermöglichten. Er gedachte der Blüte der jüdischen Jugend Deutschlands, die auf den Schlachtfeldern dieses Krieges verblutete, der die reisen Männer folgten, die alle freudig Gut und Blut dem Vaterlande weihten. Um den tapferen Kämpfern im Felde den Trost der Religion zu spenden, wurden Feldprediger entsandt, die weder Mühe noch Gefahren scheuten, um unseren Brüdern in ernsten Stunden zur Seite zu stehen. Auch durch die Uebersendung von Feldbibeln und Gebetbüchern wurde den religiösen Bedürfnissen unserer Kämpfer Rechnung getragen. Zu den ferneren Kriegsarbeiten der Verbände gehört die Bekämpfung der Hemmnisse, die anfänglich der Beförderung jüdischer Kriegsteilnehmer in den Weg gelegt wurden. Während es in Bayern schon vor dem Kriege jüdische Reserveoffiziere und im Kriege auch höhere Offiziere, wie Rittmeister, Majore, gab, mußte in Preußen und anderen Bundesstaaten erst durchgesetzt werden, daß für die Beförderung jüdischer Mannschaften die gleichen Grundsätze eingeführt wurden wie für die anderen Volksgenossen. Die Tätigkeit des Vereins erzielte den beachtenswerten- Erfolg, daß heute bereits etwa 850 Juden in preußischen, und weitere 400 in bayerischen Heeresteilen zu Offizieren befördert wurden, so daß die Zahl der jüdischen Offiziere jetzt etwa 1500 beträgt. Redner ging dann auf die von dem vorigen Kriegsminister Wild v. Hohenborn angeordnete Zählung der jüdischen Heerespflichten über, die große Erbitterung hervorrief. Es wird schwer sein, diese Beschimpfung des vaterländischen Sinnes des deutschen Judentums zu vergessen, doch soll alles Trennende zurückgestellt werden, bis nach dem siegreichen Ende dieses Krieges (lebhafter Beifall). Wir wollen nicht mit dem Vaterlande schmollen, sondern zeigen, daß wir uns mit ihm eins fühlen. Die Vereine haben alle Schritte getan, um Abhilfe zu schaffen. Der jetzige Kriegsminister v. Stein (vgl. oben S. 63. D. Red.) hat eine ergänzende Verfügung dahin getroffen, daß keineswegs die Behörden Gelegenheit nehmen sollten, Juden aus ihren bisher inneg-ehabten Stellungen zu entfernen, da für solche Maßnahmen nur sachliche Gründe in Frage kommen dürfen. Der Kriegsminister hat auch mit Bestimmtheit erklärt, daß alle begründeten Beschwerden über Sonderbehandlung von Juden aufs 'eingehendste geprüft werden, und daß gegebenenfalls Abhilfe geschaffen wird. In einem Schreiben an den stellvertretenden Vorsitzenden des Verbandes der deutschen Juden hat der Kriegsminister erklärt: „Jedenfalls habe ich festgestellt, daß das Verhalten der jüdischen Soldaten und Mitbürger während des Krieges keine Veranlassung zu der Anordnung meiner Herren Vorgänger gegeben hat und damit nicht in Beziehung gebracht werden kann." Es sind Klagen darüber laut geworden, daß der Verband nicht mehr durch Veröffentlichungen dafür gesorgt hat, daß das jüdische Publikum von diesen Schritten Wx den Behörden Kenntnis.erhalten hat. Diese Klagen sind unberechtigt, da nach Möglichkeit alles veröffentlicht wurde/ was für unser Publikum von Interesse war, so z. B. der Erlaß des Kriegsministers, dessen Abdruck allerdings bezeichnenderweise in manchen Teilen Deutschlands von der Zensur verboten wurde. Es ist zu hoffen, daß allmählich die schlimmen Folgen dieser Statistik verschwinden werden. Wenn einst nach dem Kampfe dem Vaterlande eine neue Blüte beschieden ist, wird hoffentlich die Gleichberechtigung der deutschen Juden als selbstverständliche Tatsache in den Herzen aller Deutschen wurzeln. (Lebhafter Beifall.) Nach einigen Dankesworten des Vorsitzenden erhält Herr Rabbiner Dr. Werner (München) das Wort zu einer Ergänzung dieser Ausführungen vom bayerischen Standpunkt. Er dankt dem Centralverein für seine Wirksamkeit für die Rechte der Juden, der besonders die Einführung geordneter Feldseelsorge auch in Bayern zu danken ist. Auch die bayerischen Juden stehen hellte unter dem Eindruck der Judenzählung, die gegen den Willen des bayerischen Kriegsministers vom preußischen Kri egs minister auch i n Bayern verlangt und ausgeführt wurde. Der bayerische Kriegs minister erklärte einer jüdischen Deputation, daß er weder katholische, evangelische oder jüdische Soldaten kenne, sondern nur Soldaten, die ihre Pflicht tun-. Der Centralverein habe sich in schwerer Zeit als verständnisvoller Führer der deutschen Juden bewiesen, der für die Besonnenheit, mit der er in dieser schwierigen Frage vorging. Dank und Vertrauen verdient. In der Zeit des erwachsenden Chauvinismus, der wir entgegengehen, wird er die wertvolle Waffe für uns sein, wenn wir nach dem Friedensschlüsse als Deutsche für unsere Rechte weiterkämpfen. (Lebhafter Beifall.) In der Diskussion dankt Rechtsanwalt Fried mann (Schöneberg) den Referenten für ihre Ausführungen, durch die Befürchtungen und Besorgnisse in weitesten Kreisen zerstört werden. Rabbiner Dr. Kälter (Danzig) gibt dem Danke der Delegierten an die Leitung Ausdruck, .deren Parole die Ortsgruppen willig folgten, auch wenn ihnen die Ziele und Absichten des Vorstandes nicht immer klar waren. Zwei Resolutionen, die den Protest der deutschen Juden über die Judenzählung zum Ausdruck bringen, werden nach kurzer Aussprache zurückgezogen. Nach einem Schlußworte tres Referenten folgt der Bericht des Rabbiners Dr. Goldmann (Oppeln) über die Aufgaben des Centralvereins vor u n d n ach dem K r ie ge. Diese Aufgaben zerfallen

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