Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1917)
- Date
- 1917-02-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Professors Tr. Martin Philippson, sowie des Vorstandsmitgliedes Rabbiner Tr. Josef Eschelbacher und des langjährigen Revisors Willibald Loewenthal erlitten, und würdigte in einem tiefempfundenen, von der Versammlung stehend angehörten Nachrufe die großen Verdienste der Verklärten um die Bestrebungen des Vereins, der ihnen ein treues Gedenken über das Grab hinaus bewahren werde. Sodann berichtete er über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahre, verwies auf die unermüdliche Propaganda des Herrn Venas Levh, die auch in dieser schweren Zeit gute Erfolge gezeitigt habe, und rühmte das rege Interesse der Mitglieder an den Vorträgen des Vereins, der, nunmehr auf ein 25jähriges Bestehen zurückblickend, auch künftig den voll seinen Begründern erlvünschten Zielen uachstreben lverde. An den Bericht schloß sich eine längere Aussprache, wobei aus der Mitte der Versamnrlllng mannigfache Anregungen für die Leitung des Jahrbuches und die fernere Ausgestaltung der Vereinstätigkeit gegeben und dem Vorstande zur näheren Erlvägung anhei.mgestellt lourderi. Auf Antrag des Vorstandes erfolgte dann die Ernennung des Professors Dr. Martin Philippson Zum Ehrenmitaliede des Vereins. Hierauf erstattete Herr Benas Levh als Schatzmeister den Kassenbericht: Tie Einnahmen betrugen 14 278,39 Mark, die Allsgaben 13 928,75 Mark, der Kassenbestand 349,64 Mark. Auf Antrag der Revisionskommission erfolgte dann einstimmig die Entlastung des Schatzmeisters, dein zugleich der Vorsitzende für seine vorzügliche Verwaltung des Vereinsvermögens den Dank der Versammlung zum Ausdruck brachte. Bei den sodanri vollzogenen Wahlen wurden durch Zuruf in besonderen Wahlgängen Herr Dozent Tr. Jsmar Elb o g en zum ersten und Herr Chefredakteur I. Land au zum zlveiten Vorsitzenden gewühlt. Ebenfalls durch Zllruf erfolgte die Wiederwahl der übrigen Vorstandsmitglieder sowie der Revisiollskommisston, bestehend aus den Herren Gustav S P i e w k o w s k i und Derthold Kirstein an Stelle der verstorbenen Willibald Loewenthal, während die Herren Rabbiner Tr. Weiße und Dr. Berg m a n n mittels geheimer Abstinunung in den Vorstand neu gewählt wurden. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete die Festsetzung des Haushaltes für das Jahr 1917 mit 14 500 Mark und die Bewilligung verschiedener Subventionen. 22 Berlin, 30. Januar. Am 17. d. M. wurde in der Urnenballe des Städtischen Friedhofs zu Friedenau die Asche der an den Folgen der Überanstrengung im Lazarettdienst verstorbenen H i l f s s ch w e st e r Doris B a d t beigesetzt. Herr Rabbiner Dr. Hochfeld hob in seiner Gedächtnisrede hervor, daß der Tod im Lazärettdienst dem Heldentode im Felde gleichstehe. Ter Feier wohnte eine sehr große Anzahl von verwundeten Kriegern aus dem Lazarett, in welchem die Dahingeschiedene gepflegt hatte, ferner der Kaiserliche Kommissar für die Krankenpflege und eine Vertreterin des Vaterländischen Frauenvereins bei. Die Verewigte war eine Tochter des vor langen Jahren in Berlin tätigen Sanitätsrats Dr. SamuelBadt itrib eine Enkelin des I a c o b S ch m u e l B a d t . welcher im Jahre 1838 als erster Jude in Bromberg das Staatsbürgerrecht der alten preußischen Provinzen durch Ministerialreskript erhalten hat. E. M. Berlin, 30. Januar. Am 25. d. M. verstarb hier der langjährige Sekretär des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Herr A l P h o n s e L c v y. Levh, der am 19. November 1838 in Dresden geboren war, hat ein Alter von 78 Jahren erreicht. Bis zmn Jahre 1912 bekleidete er das Amt des Generalsekretärs des Zentralvereins, dessen Organ „I m Deutschen Reich" er bis zum September 1916 leitete. Von seinen Eltern für den Kaufmannsstand bestinunt, widmete er sich neben seinem Berufe auf Veranlassung seines Onkels, des Dresdener Oberrabbiners Dr. Landau, wissen - schaftlichen Studien. Als Schriftsteller hat Levh teils unter seinem Rainen, teils unter den Pseudonymen Ernst Mauere r und A l p h o n f e 9R ü Iler eine Anzahl von Büchern ans den verschiedensten Wissensgebieten geschrieben; auch als Uebersetzer aus dem Französischen hat er sich betätigt. Von seinen jüdischen Schriften ist eine „Geschichte der Inden in Sachsen" (1901) zu erwahnen. Viele Aufsätze von ihm finden sich in der von ihm so lange geleiteten Zeitschrift „Im Deutschen Reich". Levh hat auch die erste Ausgabe der Gesammelten Schriften' von E m i l Lehmann besorgt, dessen Bekenntnis; „Wir fordern nur Gerechtigkeit — treu deutsch und jüdisch allezeit!" in vollem Sinne auch als Lebensregel Alphonse Levys angesehen werden darf. # # Bervin, 30. Januar. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin ist von einem neuen.schweren Verluste betwsfen worden. Der Generalsekretär Dr. Phil. Moses Fried! aender ist in Frankreich auf dem Felde der Ehre gellen. Dr. Friedlaender bekleidete das Amt des Generalsekretärs seit dem 1. April 1909. Er erfreute sich der größten Hochachtung und Wertschätzung bei den Mitgliedern der Gemeindeverwaltung. Dr. Friedlaender, der am 1. Februar 1874 in Posen geboren war, studierte in Berlin und Gießen Philosophie, Geschichte und Orientalia und promovierte mit einer Arbeit zur altisraelitischen Geschichte. Von 1903 bis 1907 bekleidete er das Sekretariat des deutschen Bureaus der Alliance Jsra-ölite Universelle; daneben war er als Religionslehrer an den Anstalten der jüdischen Gemeinde tätig. Von 1900 bis 1901 und wiederum von 1902 bis 1903 war er als Erzieher im Reichenheimschen Waisenhause angestellt. Außerdem war Dr. Friedlaender Sekretär und Bibliothekar an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. & & Berlin, 30. Januar. Durch das am 26. d. M. erfolgte Ableben des Königlich Preußischen Geheimen Kommissionsrats Theodor P o t s d a m m e r hat eine Anzahl hiesiger Wohlfahrtsorganisationen und das Arm-knwesen unserer Gemeinde einen schmerzlichen Verlust erlitten. Geheimrat Potsdammer, der am 1. Februar 1849 zu Lissa in Posen geboren war, hat ein Alter von 68 Jahren erreicht. Seit etwa zehn Jahren betätigte er sich mit großem Eifer als Mitglied der Armenkommission, 1913 trat er in den Vorstand der Synagoge Lindenstraße ein, die er auch in* der Kommission für die festgottesdienstlichen und musikalischen Angelegenheiten vertrat; 1916 wurde er in die Stiftungskommission berufen. Sein Hauptarbeitsgebiet lvar jedoch der von den Berliner Logen II. O. B. B. begründete Verein für Arbeitsnachweis, dem er seine ganze Kraft widmete. 2/D Königsberg i. Pr., 26. Januar. Die großen Sorgen und Aufregungen, denen unsere oftpreußischen jüdischen Beamten durch den lr iederholten Einsall der Russell tu unser Land aus,gesetzt waren, konnten sie nicht abhalten, ihre ganze Kraft denr öffentlichen Wohle und int besonderen auch den jüdischelt Kriegshilfszwecken zur Verfügung zu stellen. So wurde in unserer Provinz, noch bevor jemand an den Ausbruch von Streitigkeiten in der Militärseelsorge dachte, gerade auf diesem Gebiete von ihnen Hervorragendes geleistet. Und die Streitigkettelt selbst haben die praktische Ausübung der Militärseelsorge. glücklicherweise in keiner Weise zu 'beeiltträchtigen vermocht. Gleich zu Beginn des Krieges übten im Aufträge und mit Genehmigung der Militärbehörden außer den Herren Rabbinern die Kultusbeamten Sturtn-anu-Ostevode, Kroner-Bartensteirt, Davidsohn-Rastenburg, Fein-Lyck, Taub-Sensburg, Kutner-Lötzen, Jungmann-Jnsterburg und Kahn- Mentel (letzterer nach dem Tode des Herrn Rabbiner Dr. Stein) die Nkilitürseelsorge aus. Später wurden auch die Herren Jasfs-Gumbtnlten, Badler-Wormditt,' Rosenberg-Johannisburg, Spieldoch-Neidenbnra, Pessen-Soldau und Wolkowski-Königsberg damit betraut. Sältttliche Militärseelsoraer entfalteten eine überaus segensreiche Tätigkeit, und viele jüdische Heeresangehörige haben ihnen ihren Dank durch Zuschriften aus dent Felde und aus der Heimat zmn Ausdruck gebracht. Die Seelsorge erstreckte sich auf die jüdischen Hoeresangehörigen, 'die Insassen der Lazarette und auf die Kriegs- und Zivilgefangenen. — Vor den Vereidigungen fand überall eine religiöse Vorbereitung statt. In den nteisten Fällen folgte unmittelbar darauf die Vereidigung selbst irt der Synagoge. Vor d e m A u s - rücken ins Feld wurde den Soldaten Mut und Hoffnung zugesprochen und ihnen ans Herz gelegt, daß sie sich vor dem Feinde nicht nur als Deutsche, sondern auch als Juden in Treue, Pflichterfüllung und todesmutiger Hingabe zu bewähren hätten. In den größeren Garnisonen Kölligsberg, Memel, Tilsit, Insterburg, Lyck, Osterode und Soldau fanden regelmäßig alle vier Wochen Militärg o 11esdienste in Verbindung mit dein Gememdegottesdienste statt. In allen Fällen erhielten die jüdischen Soldaten auf Wunsch des betreffenden Seelsorgers, soweit es der Dienst nur irgend gestattete, Erlaubnis zum Besuch der Gemeindegottesdienste. Zur Feier des G e b u r s t a g e s des K ai se r s und bei anderen allgemeinen patriotischen Gedenktagen lvuvden überall Festgottesdienste mit Ansprachen abgehalten. Ein besonderes Verdienst erwarben sich unsere als Mikitärseelsorger tätigen Rabbiner und Kultusbeamten noch durch ihre Bemühung nm f e st l i ch e Bespei s u n g der jüdischen Soldaten u n d G e fa n ge n o n an den jü bischen Feier - tagen. Besonderer Tank gebührt dabei auch den Gemeinden, welche oft große Opfer dafür brachten, um unsvren jüdischen Soldaten