Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1917)
- Date
- 1917-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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81 Jahrgang Nr. 5 Der Grmetndebote. Berlin, 2. Februar 1917 Vrttasr zur „Allsrmrtnen Leitung de-ß Judentums. ' ■ — - korrrlpanhknrm und Aschrichten. SeuMlsnd. ER. Berlin, 28. Januar. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung wurde vom Vorsitzenden, Direktor Dr. Minden, mit einem von der Versammlung stehend angehörten Nachruf für den.aus dem Felde der Ehre gefallenen Generalsekretär Dr. F r i e.d l ä n d e r eröffnet. Er sei einer der tüchtigsten Gemeindebeamten gewesen, eine sympathische Persönlichkeit. Sein Andenken wird stets hochgehalten werden. — Der Gemeindeverwaltung ist eine Anzahl von Zuwendungen gemacht worden, die einstimmig angenommen werden. Von Frau Anna Lissenheim 300 Mark zur Erhaltung zweier Gräber. Von den Erben des Stadtverordneten Max S a l i n ge r zur Unterstützung von Kriegswaisen 25 000 Mark. Von Ungenannt 20 000 Mark für das 2. Waisenhaus zur Ausnahme von acht Kriegswaisen. Von Herrn S. Karger 12 000 Mark zur Errichtung einer Zimmerstiftung in der Alterversorgungsanstalt. Von den Kindern des Herrn Emil Pincus am Tage seines 25jährigen Jubiläums in der Armenkommission 2000 Mark zur Kapitalerhöhung der Albert - Pincus - Stiftung. Von Frau Dora Werner 5000 Mark zum Erholungsaufenthalt für jüdische Mädchen. Von Herrn Dr. Franz F ü r st e n h e i m 10 0O0 Mark zur Unterstützung hilfsbedürftiger Ehepaare. Die Eheleute Alfred Hi rschfeld haben zur Errichtung einer Erna-Hirschfeld-Stiftung 18 000 für Unterstützung einer kranken Studentin gestiftet. Die Herren Heinrich u. Dr. Ludwig Lewinski 5000 Mark zur Errichtung einer Nathan-und-Therese-Lewinski-Stiftung für ehemalige Zöglinge des II. Waisenhauses. Herr Heinrich W o l f f s o h n überwies 300 Mark Kapitalserhöhung für die Direktor-Grunwald-Stistung, Herr Julius David 10 000 Mark zur Errichtung einer Julius-und- Regina-David-Stiftung für das II. Waisenhaus. Herr Justizrat Dr. Martin Seligsohn Kapitalserhöhung für die Martin-und-Rosa- Simon-Stiftung bei der Armenkommission. Frau Kommerzienrat Julius Goldschmidt stiftete 2000 Mark, Kapital und Zinsen sind zur Verteilung an Kriegswaisen bestimmt. — Es liegt ein Beschluß des Vorstandes vor. denjenigen Rabbinern der subventionierten Neligionsvereine, welche mindestens drei Jahre in Berlin im Amte sind, für die Dauer eines Jahres die widerrufliche Genehmigung zu erteilen, auf den Friedhöfen der Gemeinde im Ornat in den Fällen zu fungieren, in denen es sich um verstorbene Mitglieder der Vereine oder um deren Angehörige handelt. Die Zulassung von Ausnahmen zugunsten der noch nicht drei Jahre amtierenden Rabbiner bleibt der Entscheidung des Vorsitzenden überlassen. Der Referent Herr Professor Türk bemerkt dazu, daß derartige Beschränkungen nicht den Wünschen der Versammlung entsprechen. Die Zahl der Rabbiner könne nicht groß genug sein. Unsere Rabbiner seien mit Kasualien überlastet und könnten durchaus nicht so viel Seelsorge treiben, als sie selbst wünschten. Auch müsse die Kasualienfrage endlich einmal geregelt werden. Redner entwirft einige sehr interessante Skizzen über die Stellung, welche unsere Rabbiner in den Augen des Volkes haben. Die Rabbiner seien darüber sehr empört und wünschen eine Aenderung. Er bittet, statt mindestens drei Jahre die Worte zunächst z w e i I a h r e z u s e tz e n. Nachdem noch die Herren Siegfried Sachs und Kommerzienrat N e 11 e r gesprochen, erklärt Herr Kommerzienrat Eisner: Der Vorstand habe seine guten Gründe bei der Abfassung des Antrags gehabt, er habe aber schließlich nichts gegen die Abänderung, welche die Versammlung annimmt. — Die Satzungen der Stiftungskommission werden mit einigen Aenderungen genehmigt. — Herr Lewinski hatte bereits vor acht Jahren einen Antrag betreffend die Erhebung der Gemeindesteuern bei kleineren und mittleren Einkommen gestellt. Auf die Versicherung des Vorstandes, daß diese Angelegenheit einer späteren Zeit überlassen werden müsse, zieht Herr Lewinski seinen Antrag zurück. — Durch Gemeindebeschluß vom 21. Dezember 1915 und 16. Januar 1916 war beschlossen worden, an den hohen Feiertagen des Jahres 1916 noch einmal versuchsweise einen Jugendgottesdienst nach altem Ritus ..zu veranstalten. Das Ergebnis dieses Versuches ist noch kein befriedigendes. Am ersten Festtage waren nur etwa hundert Kinder anwesend, am Versöhnungstage etwa sechzig, am Vorabend etwa dreißig Kinder zugegen. Auch zirka dreißig Erwachsene besuchten den Gottesdienst. Diese geringe Beteiligung ist zu einem Teil auf die Beschränkung des Alters für den Eintritt bis zum 13. Lebensjahr zurückzusühren. Diese Einschränkung erscheint jedoch mit Rücksicht auf die Aenderung der Thoravorlesung, am Nachmittage des Versöhnungstages notwendig. Ein weiterer Uebelstand dürste wohl in der Wahl der Gegend liegen, da in der Nähe auch andere Jugendgottesdienste nach altem Ritus stattsinden. Es soll auch in diesem Jahre noch einmal versuchsweise ein solcher Jugendgottesdienst veranstaltet werden. In bezug auf die Thoravorlesung am Nachmittage des Jom Kippur teilte der Referent Herr L e w i n s k i mit, Herr Dr. Petuchowski habe erklärt, mit einer. Abänderung würde man einen Präzedenzfall schaffen, für den er keine Verantwortung tragen wolle; man könne die Vorlesung wohl benutzen, um die Kinder auf die Gefahren der Unsittlichkeit aufmerksam zu machen. Herr Lewiuski bittet, da in nächster Zeit die Zahl der konservativen Rabbiner vermehrt werde, es diesen zu überlassen, was sie tun wollen. —- In die Armeukommission wird Dr. S. Roth mann, in den Vorstand der Neuen Synagoge Herr Direktor Dr. Josef G u t in a n n gewählt. Herr Professor Blaschke bemerkt, im Ausschuß III sei der Wunsch ausgesprochen, daß die Direktoren unserer Schulen sowie andere Beamte in die Verwaltungskommifsionen gewühlt würden. Die Herren wären sehr gern dazu bereit.--Am 2. Mai 1916 hatte die Fürsorgekommission den Antrag gestellt, dem Mangel an Mitarbeitern durch Zuweisung einiger Mitglieder abznhelfen. Die Ehrenbeamtenkommission hat darauf folgende Herren vorgeschlagen, deren Wahl der Vorstand nun beschließt: Bernhard Schönberg, Landgerichtsrat Geheimer Justizrat Casper (Halle), Direktor Tr. Josef Gutmann, Louis Ascher, Louis Förster, Magnus Doeblin, Rabbiner Dr. Julius Galliner. — Genehmigt werden folgende Ausgaben: der Festgottesdienstkommission 785 Mark zur Gewährung von Sonderhonoraren an einzelne Mitglieder von Synagogenchören. 600 Mark dem Vorstand der Synagoge Rykestraße zur Reparatur des Gestühls. — An Stelle des Herrn Professor K a l i s ch e r, der sein Amt als Mitglied der Deputation zur Festsetzung des Ritus für die Synagoge Kottbuser Ufer uiedergelegt, wird Herr Emil Cohn und als Stellvertreter Herr Oskar Löwenberg gewählt. — Damit schließt die öffentliche Sitzung. In der heutigen geheimen Sitzung erfolgte die Wahl des Herrn Rabbiner Dr. Arthur L i e b e r m a n n zum Gemeinderabbiner der konservativen Richtung. 2/3 Berlin, 30. Januar. Die besonderen Schwierigkeiten, die den rituell lebenden Juden -aus vielen notwendigen behördlichen Maßnahmen ans dem Gebiete der Lebensmittelversorgung derzeit erwachsen, haben feit zwei Jahren zu mannigfachen Beschwerden. Verhandlungen und Anträgen geführt, die von den Behörden im Lande wie an der Zentralstelle überall wohlwollend geprüft und nach bestem Ermessen von Fall zu Fall beschieden wurden. Um für die Folge im Interesse aller Beteiligten einer unzweckmäßigen Zersplitterung und Kraftverschwendung auch auf diesem Gebiete zu begegnen, ist auf Grund der von orthodox-jüdischer Seite gegebenen Anregungen eine „ K r i e g s k o m m issio n fü r rituelle Le be n s m i tte l " mit den: Sitze in Berlin, Fr i e d r i ch st r a ß e 79 n, ins Leben gerufen worden. Der Kommission gehören Vertreter der vornehmlich beteiligten behördlichen Stellen, technische Sachverständige und Vertreter der rituell lebenden jüdischen Kreise an, so daß eine sachgemäße Behandlung der einschlägigen Fragen erwartet werden darf. Die Kommission hat zunächst versucht, die Frage der F e t t v e r s v r g u n g für die rituell lebende jüdische Bevölkerung in befriedigenderer Weise zu lösen, als dies bisher möglich war. Nähere Mitteilungen hierüber werden in Kürze erfolgen. &&& Berlin, 30. Januar. Ter Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 18. d. M. seine ordentliche Generalversammlung ab, die vom stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Jsmar Elbogen eröffnet und geleitet wurde. Er gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung der schweren Verluste, die der Verein im vergangenen Jahre durch das Hinscheiden seines ersten Vorsitzenden, des