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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-02 · Heft 5 (2.2.1917) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 5 (2.2.1917)
Date
1917-02-02
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 die architektonischen fehlt es mir überdies an dem richtigen Urteil. Das ist der große Uebelstand aus diesem Gebiete, daß die künstlerischen Fachmänner den literarischen Quellen fremd gegenüberstehen, während uns anderen das Verständnis für die architektonische Seite abgeht. Wenn ich gleichwohl diese Schrift anzeige, so geschieht es, um auf die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens hinzuweisen und dem Verfasser für die reiche Anregung und Belehrung zu danken. Lin Hynagosenbsu-Tagebuch sus dem 18. Jahrhundert. der Tempel hinter dem Hause — und wir haben uns jetztenti schlossen (mit Gottes Hilfe!) und haben schon bis heute viel Ausgaben gehabt, bis sie uns ermöglicht war (die Ausgabe),! daß wir uns ein herrliches, prachtvolles Gotteshaus bauen! wollten an dem Orte dieses Wohnhauses, an der Straße. j Wir müssen aber noch vieles verkaufen und kaufen (für i Geld), um uns diesen Platz nach allen Seiten zu erweitern;! denn es ist noch die Pflicht zu erfüllen — wenn Gott uns die Gnade schenkt, den Tempel zu erbauen —, neben einer Wohnung auch noch ein Gemeindehaus zu errichten (für zwei Lehrer und die Gemeindebeamten). Von Prof. Dr.-Jng. Alfred n den wenig beachteten, V weil bisher fast unbekannten jüdischen Altertümern des Marienbader Landbezirkes gehört eine Gruppe von Barock synago gen, deren Entdeckung, Vermessung undwissenschaftlicheBoarbeitung der Verfasser in seiner kürzlich erschienenen Arbeit^) behandelt hat. Der einzigartige Typus dieser in vortrefflicher Gewölbe- und Stucktechnik ausgeführten Bauten ergänzt die Kenntnis über die vielfach noch immer negierte bewußte Kunstübung der Juden und liefert den Beweis, daß sie dort, wo die Verhältnisse des Landes und ihrer Regierung sich tolerant erwiesen,ftets beachtenswerte Blüten gezeitigt hat. Von den sechs Synagogen dieses Typus ist die in Neu - zedlisch die interessanteste,weil sie diesen in seiner reichsten Entwicklungsform zeigt. Das starke Spuren des Verfalles zeigende Bauwerk ist seit Jahren unbenutzt. Die ehemals blühende Gemeinde ist aufgelöst und das Inventar des Baues, soweit es von Wert war, der benachbarten Judengemeinde in T a ch a n überwiesen worden. Der Verfasser hat, als er dieses Inventar der „Ruine" sichtete, die wertvollsten Stücke beim Neubau des Tachauer Tempels wieder verwendet. Unter den hier Vorgefundenen alten Stücken befindet sich > r o t t e (Posen). 2. Lhodorow (Galizien): Gstwand. auch das Gemeindebuch, das zu Beginn des Synagogenbaues lim Jahre 5548 bis 1788) angelegt wurde und (in hebräischer Sprache) mit nachstehender Einleitung beginnt: „Wenn Eure Kinder fragen sollten: „Wozu diese Arbeit und das Gotteshaus für Euch? Denn (siehe!) von Anfang an hatten wir nur von Brettern ein Haus und von Holz (war es), und hatte beengten Platz — und die Wände waren nahe daran, einzustürzen — und der Eingang zum Tempel führte durch das Haus des R. Israel Leeb — denn dessen Haus stand an der Straße und *) Vergleiche den Titel, der Schrift auf S. 52, Sp. 2 (Fußnote). Und es machte uns viel Mühe (Sorgen), bis wir zum Beschluß des Bauens kamen am Ende des Monats Club des Jahres 5548. Darum erneuerten wir dieses Buch, um deutlich anzugeben (an Angaben zum Baue dieses Tempels), ausführlich, damit alles sichtbar werde: die Einnahmen (auch) zu diesem Bau, und wie weit wir schon Einnahmen und Ausgaben hatten, auf das wir Rechnung ablegen können, und damit es auch sei zum Andenken für die Geschlechter, die nach uns kommen sollten (zum Guten). Und zum Verdienste dessen sollen wir würdig werden zum Baue unseres heiligen, herrlichen Gotteshauses, sehr bald und in unseren Tagen." Als der Verfasser dieses Textes das Buch begann, ahnte er wohl nicht, daß sich dieses, nebst den heilig gehaltenen Ritualgegenständen, schon nach 125 Jahren auf einem wüsten Trümmerhaufen finden werde, auf den der Regen durch die zerbrochenen Scheiben der hohen Fenster Niederschlagen konnte! Von besonderem Werte ist aber die Einlösung des Versprechens, ausführliche Angaben über den Bau und seine Kosten zu machen. Die Archive der meisten Kirchengemeinden sind seither in Bränden abhanden gekommen; was an alten Baurechnungen von Kirchen auf die Gegenwart überkommen ist, gehört zu den Seltenheiten. Die alten Judengemeinden aber, bei denen außer den Bränden noch viele andere Umstände sich für eine Verwahrung dieses wertvollen Aktenmaterials erschwerend erwiesen, besitzen meines Wissens selbst aus dieser so wenig zurückliegenden Zeit kein Analogon. Die scharfe Zergliederung der Baukostensummen, in Erwähnung aller Einzelheiten geben ein überaus schätzenswertes Material in baugeschichtlicher und bautechnischer Hinsicht und Raum für die Forschung auf verschiedenen Gebieten. Diese Baurechnung fei nachstehend im Wortlaute wiedergegeben:

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