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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-02 · Heft 5 (2.2.1917) · p. Seite 53

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 5 (2.2.1917)
Date
1917-02-02
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 Von Grotte abgebildeten Schrein meiner Heimatsstadt Schildberg von Jugend auf kenne. Zu hoher künstlerischer Entwicklung gelangte in Polen der Bau der Holzsynagogen (S. 49 ff.), die meist wahrscheinlich auch von jüdischen Handwerkern ausgeführt wurden. Sie überraschen ferner durch ihre reiche Ausschmückung mit künstlerisch wertvollen Malereien. „Decken und Wände sind mit Rankenornamenten, Sprüchen und dazwischengestreuten tierischen und menschlichen Figuren völlig überzogen, etwa in der Art maurischer Malerei, doch durchaus originell und charakteristisch." Die Holzsynagogen sind durch den Typ der Holzkirchen in den Dörfern beeinflußt worden; wer Gelegenheit hatte, in Lziesczowa (Oberschlesien) die durch die Opferwilligkeit des dortigen Pfarrers erhaltene Holzsynagoge und daneben die im gleichen Stile gebaute Kirche zu sehen, kann daran nicht zweifeln. Sie erhielten aber, da sie die umliegenden Häuser überragen mußten, eine eigentümliche Schmuckform des Daches. In den Holzsynagogen sind zu unterscheiden ausgesprochen zentrale Anlagen, wie in der ausführlich beschriebenen Synagoge in Kurnik (S. 56 ff.) und vielen aniderwärts abgebibdeten Bauten Kongreßpolens und Galiziens, sowie Langhaus typen, die man von Chodorow in Galizien bis Cziesczowa verfolgen kann. Besondere Beachtung verdient, daß dieser Typ durch jüdische Baumeister, die aus Polen auswanderten, wieder nach Bayern übertragen wurde und sich mit allen charakteristischen Merkmalen in Bechhoven, Horb und anderen kleinen Gemeinden Frankens wiederfindet. — Im nordwestlichen Teil Böhmens entsteht nach den bekannten Vertreibungsedikten Maria Theresias von 1744 eine ganze Reihe neuer Gemeinden, die sich Synagogen errichten. Für deren Stil, wird die Synagoge in Kuttenplan (S. 68) vorbildlich, die höchst wahrscheinlich einzig darin besteht, daß der dortige Grundherr Graf Berchem, der eine beträchtliche Rente für den jeweiligen Rabbiner stiftete, sich 1851 auf der Estrade einen Patronatssitz errichten ließ. Die Bedeutung des Kuttenplaner Gotteshauses liegt in der Grundriß- und Gewölbeform, in der beabsichtigten Betonung des Almemors, einem Hochstreben von jener Stelle aus, die den Mittelpunkt des Gotteshauses bildet. Auch in der Anwendung der süddeutschen Varockformen auf die Innenarchitektur von Synagogen liegt hier ein bedeutungsvolles Moment. Das Gewölbe ist das der gleichzeitigen Kirchenbauten, das zunächst von den Architekten restlos übertragen wird, so daß nicht einmal die Ausstellung der heiligen Lade Berücksichtigung findet. Und selbst die Laden entsprechen ganz und gar den damals in Böhmen beliebten holzgeschnitzten Jesuitenalläreu. Dieser zuerst völlig im Kirchlichen steckende Typus zeigt fortschreitende Vervollkommnung in Königswart und vor allem in Neuzedlisch, wo der Neubau ebenfalls eine Holzsynagoge •w'.'-it ■ ■ ■ .. H. M mam. i. Rurnik. ersetzte. Etwas abweichende, aber ebenfalls unter Einfluß barocker Kirchenbauten stehende Anlage zeigen die Synagogen in Dürrmaul bei Marienbad und Klein-Schüttüber sowie in Petschau und Ronsperg; sie verraten alle mehr oder minder direkten Zusammenhang mit Kuttenplan, dürften aber auch Anregung von Polen erhalten haben. In Libin und Lichtenstadt besteht die Synagoge aus einem rechteckigen Raume, der mit einer mittleren Flachkuppel und je anschließender westlicher und östlicher flacher Tonne überdeckt ist; Galerie und das Aeußere sind organisch aus dem Grundriß entwickelt. Eine Eigentümlichkeit Böhmens sind die Dorfsynagogen, wie sie sich in Schönwald, Purschau usw. erhalten haben, bei denen die Verbindung von Betraum und Rabbinerwohnung charakteristisch ist; der Betraum ist meist im Obergeschoß oder, wo, wie in Königsberg a. E. und in Ciech, die Synagoge am höchsten Punkte des Dorfes angelegt ist, zur ebenen Erde. In diesen Gebäuden, die mit geringen Mitteln errichtet werden mußten, wird die Decke als flache Brettertonne mit Deckleisten über den Fugen ausgebildet, ein Motiv, das unter ähnlichen Bedingungen späterhin in Ost und West Anwendung findet. Die Juden der Oberpfalz standen mit denen des benachbarten Teils von Böhmen in enger Verbindung, tatsächlich dürfte die Synagoge in Floß (Bayern) von dorther beeinflußt sein. Charakteristisch für den pfälzischen Typus (S. 94 ff.) ist aber der Einbau umlaufender Emporen, die auf Holzstützen ruhen und ein einfaches, aber in reifen Formen ausgesägtes Holzgitterwerk durchgebildetes, aus Brettern oberhalb der Brüstung aufweisen (Floß, Sulzbach, Sulzbürg). Die 1826 erbaute Synagoge in Sulzbach trägt der Neuzeit Rechnung, indem sie eine auch architektonisch bemerkenswerte Kanzel und eine Sängerempore sowie an Stelle der alten „losen Sitzplätze" festgefügte Holzpodien enthält, daneben aber das Almemor nach dem alten Bauschema beibehält. Auch dadurch ist dieses Gotteshaus beachtenswert, daß es, wie einige andere in Süddeutschland, einen sogenannten Chuppastern oder Hochzeitsstein ausbewahrt, unter dem Trauungen stattfinden. Die Ergebnisse des Buches dürfen wir dahin zusammenfassen: daß der Synagogenbau stets als Kunstbau aufgefaßt, wenn auch nicht immer mit gleichem Verständnis ausgeführt wurde; daß der Synagogenbau stets durch den Stil der Monumentalbauten in der Umgebung beeinflußt wurde, wenn nicht besondere Umstände die Uebertragung eines Stils aus der Ferne veranlaßten. Sehr zu billigen ist der Wunsch des , Verfassers nach einem Synagogenstil für unsere Zeit — das von Professor Körner geschaffene Meisterwerk in Essen scheint ihm unbekannt geblieben zu sein —, wenn auch seine Forderung in den Einzelheiten für historisch schlecht begründet erklärt werden muß. Auf Einzelheiten einzugehen, müssen wir uns versagen, obwohl sie vielfach von großem Interesse sind; über

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