Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-26
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 r. Breslarr, 21. Januar. Frau Else Fürst geb. Sachs in Breslau hat der Stadtgemeinde Breslau ein Kapital von 200 000 Mark zur Errichtung folgender drei Stiftungen überwiesen: a) 50 000 Mark zu einer Salo und Anna Ungerschen Stiftung für bedürftige Angestellte der Stroh- und Filzhutfabrikation, b) 100 000 Mark zu einer Salo Ungerschen Stiftung für junge Kaufleute, e) 60 000 Mark zu einer Anna Ungerschen Stiftung für Studierende der Musik, insbesondere der Gesangskunst. Die Stadtgemeinde Breslau hat die Zuwendung angenommen und die landesherrliche Genehmigung zur Annahme erhalten.!8. L. Aus Westfalen, 19. Januar. In den nächsten Tagen verläßt Herr Rabbiner Dr. Coblenz in Bielefeld unsere Provinz, um einem Rufe an die Reformgemeinde in Berlin Folge zu leisten. Der Verband der Synagogengemeinden Westfalens hat es sich nicht nehmen lassen, dem um die Förderung der jüdischen Gemeindeinterefsen in der Provinz hochverdienten Mann besondere Ehren zu erweisen. Der Verbandsausschuß ernannte ihn einstimmig zum Ehrenmitglied und gab ihm in einer künstlerisch ausgestatteten Urkunde von dieser Ernennung Kenntnis. Auch schenkte der Verband dem Scheidenden eine wertvolle Bronze. Die Lehrer der Provinz haben ein von den Vorsitzenden sämtlicher westfälischen Bezirksvereine und dem Vorsitzenden des rheinisch-westfälischen Hauvtvereins unterzeichnetes besonders herzlich gehaltenes Schreiben an Dr. Coblenz gerichtet, in dem sie ihm den Dank der Lehrerschaft für alles aussvrechen, was er für das Gemeindeleben und insbesondere für Schule und Lehrer getan hat. Nur mit Bedauern sieht man ibn aüs der Provinz scheiden. Sein Wirken in Westfalen wird nicht vergessen werden. rn. Bamberg, 19. Jamrar. Unter ungewöhnlich starker Beteiligung aller Kreise der Stadt wurde am 15. d. M. «eine der edelsten! Frauen hiesiger Gem.ein-de, Frau Lina Mahler, zm Grabe getragen. Eine Reise zu ihren Kindern in Cöpenick-Berlin, bei denen sie Erholung suchte, sollte ihre letzte Reise gewesen sein. In von Herzen kommender Grabrede schilderte Herr Rabbiner Dr. E ck st e i n, wie das ganze Lebender Entschlafenen in dem Dienste allgemeiner Nächstenliebe vestanden. Als Aub^ckiußmitgilied in allen Wobltätigkoitsvereinen der Gemeinde war die Entschlafene derartig selbstlos und htngebungsvoll tätig, daß der Herr Rabbiner Dr. Eckstein die alte Bezeichnung „M ' s i r a s hannetesch" auf sie und ihre Tätigkeit anwandte. Daß ihr Hinscheiden ni-ckt nur -eine Lücke her vor ruße, sondern daß die Entschlafene fast unersetzlich sei, betonte im Namen der Gemeinde Bambera und aller Wohltätiakeitsvereinie der Kultrrsgemeinde der zweite Redner.an der Bahre, das Vorstandsmitglied Herr Hofbankior Julius Wassermann. „Wir beklagen in der Verlebten die Fürsorgerin unserer Armen und Kranken, die mit feinfühlender Hand überall einzuareisen wußte, wo Unterstützung und Wohltätigkeit am Platze waren. Sie war in des Wortes wirklichster Bedeutung die Mutter unserer Armen, und die Lücke durch ihr Hinscheiden in unserer Armenpflege wird vielleicht nie auszufüllen sein. Das Andenken an die edle Frau , wird irr der Gemeinde stets in hohen Ehren gehalten werden, und der Name Lina Mahler wird in der jüdischen Armenpflege unserer Gemeindeein unvergessener bleiben." In der ersten Sitzung der städtischen Kriegssürsorge widmete auch Herr Geistlicher Rat Erster Stadtpfarrer Hönning e r der Entschlafenen Worte ehrenden Andenkens und tiefsten Tankes über das Grab hinaus. Ehre ihrem Andenken! — Mrankfrrrt a. M., 19. Januar. Im Rahmen einer größeren Veranstaltung der Ortsgruppe Frankfurt des Jüdischen Frauenbundes sprach am Montag abend in der Frankfurt- Loge Frau M. Frankl (Berlin) über „Arbeit statt Almosen". Die Rednerin betonte die Notwendigkeit einer Umwandlung der! traditionellen jüdischen Wholtätigkeit, wie sie sich auf dem Religions-! und Sittengesetz aufbaut, in eine Wohlfahrtspflege, die der Aufi fasfung unserer Zeit vom sozialen. Wirken entspricht. Nicht be-; dingungsloses Schenken, sondern durchdachtes, das Grundübel der; Armut beseitigendes, pflegliches Handeln muß oberstes Prinzip der j gebotenen Nächstenliebe sein. So erfordert der moderne soziale Geist! auch die Abkehr von der Heimlichkeit des Gebens, die leicht geeignet j ist, gewerbsmäßiges Bettlertum zu züchten. Arbeit, nicht Almosen j bildet die beste Waffe gegen Armut und Hinabgleiten in körperliche! und sittliche Not. So muß denn auch der Begriff „passende" Arbeit < pflege wird vielleicht nie auszufüllen sein. Das Andenken an die edle eine geforderte Arbeit, die seine geistigen und körperlichen Kräfte nicht übersteigt, sein Menschentum weniger schädigt als bedingungsloses Hinnehmen von Geschenken, das ihn zum Almosenempsänger macht. Besonderer Wert soll auf die Erziehung der Jugend zur Arbeit gelegt werden. Nur dem, der in der Ehrfurcht vor der Arbeit auswächst, kann sie Stütze und Lebensnotwendigkeit werden. Auch alte Leute, schwangere Frauen und andere Erwerbsbeschränkte soll man nach Maßgabe ihrer Kräfte zur Arbeit anhalten. Zum Schluß verwies die Rednerin auf die Wirksamkeit verschiedener Einrichtungen der Berliner jüdischen Wohlfahrtspflege, die alle auf dem Prinzip der Gegenleistung beruhen und ausgezeichnte Erfolge erzielen. An den Vortrag schloß sich eine Aussprache, die sich in der Hauptsache mit der Zentralisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege und deren Anschluß an bestehende paritätische Fürsorgeeinrichtungen ftatrrilta. Z. New im Dezember. Anläßlich des 60. Geburtstages von Justice Louis D. B r a n d e i s wurde ihm eine Adresse überreicht, die von 3000 Personen unterzeichnet ist und folgenden Wortlaut hat: „Dem hochgeehrten Louis D. Brandeis zu seinem sechzigsten Geburtstag am 13. November 1916, dessen Herz ganz mit amerikanischen und jüdischen Idealen erfüllt ist, dem unermüdlichen Arbeiter, der seine Ideale in Taten umsetzt. Ein Dankeszeugnis für seine Arbeit zum Wohle des jüdischen Volkes, ein Tribut der Liebe und Treue zu unserem Führer." Diese Adresse wurde ihm feierlich in der „Aeolian Hall" übergeben. Männer und Frauen aus allen Teilen der Bereinigten Staaten waren als Delegierte erschienen. Dr. Stephen S. Wi se führte den Vorsitz und folgende Herren hielten Ansprachen: Professor Richard Gottheil, Professor Harry Friedenwald, Dr. D. de Sola Pool, Jacob de Haas und Miß Henrietta Szold. - Darauf sprach Justice Brandeis seinen Dank aus und führte aus, wie er zum Zionismus kam und was ihm heute diese Bewegung ist. Zu Ehren von Justice Brandeis ist ein Fonds geschaffen worden, dessen Zweck von Herrn Brandeis selbst bestimmt werden wird. —- Durch die Wahl von 70 Mitgliedern seitens der „Konferenz amerikanisch-jüdischer Organisationen" in das allgemeine Erecntiv Committee von 140 Vertretern, die den Kongreß zu organisieren und einzuberufen haben, ist der Streit um den amerikanisch-jüdischen Kongreß endgültig beigelegt. Definitive Beschlüsse hinsichtlich des Termins der- Einberufung sind in den nächsten Wochen zu erwarten. — Unter den vielen jüdisch-n-atroirnlen Jugendvereinen Amerikas hat die „Doung Men's Hebrew and Kindred Association" die größte Bedeutung. In allen Staaten Amerikas hat der Verband Ortsgruppen, und überall verfolgt er das Prinzip, seine Mitglieder jüdisch zu erziehen. Die hebräische Sprache wird gepflegt, es gibt Kurse für Anfänger und literarische Kurse für diejenigen, die gut Hebräisch sprechen können. Vom 10. bis 12. November fand in New Port eine Zusammenkunft aller Ortsgruppen statt, bei der die speziellen Fragen der Naturalisation der Eingewanderten, der Heranziehung weiterer jüdischer Kreise zur Mitarbeit, die religiösen Aufgaben, die Propagandatätigkeit unter den jüdischen Soldaten des Heeres nnd der Marine usw. beraten wurden. Zur Konferenz waren viele führende Juden eingeladen. Unter anderen sprach Felix Marburg über die Notwendigkeit, die Jugend so zu erziehen, daß man sie für verantwortliche Posten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft verwerten könne. Judge Irving Lehman sprach über den Wandel in der amerikanisch-jüdischen Lebensphilosophie innerhalb der letzten dreißig Jahre. - In atuerikauisckchüdi scheu Kreisen betrachtet man die Verwirklichung des von Dr. Magnes in einer großen Volksversammlung näher aufgeführten Projektes der Millionenanleihe mit Optimismus, nachdem auch das Joint Distribution Committee sich für die Anleihe ausgesprochen hat. Der Präsident Herr Louis Marshall äußerte folgendes: „Dr. Magnes' Plan für die endgültige Lösung des Problemes betreffs der Zukunft der leidenden Juden in den Kriegszonen hat meine vollkommene Billigung. Im gegebenen Zeitpunkte werden wir uns den Details des Planes widmen. Heute jedoch müssen alle vor allem der Hunderttausende denken, die ohne Kleider sind, die hungern, und die von uns erwarten, daß wir ihnen sofort Hilfe bringen sollen. Das Joint Distribution Committee will daher während des Jahres 1917 für augenblickliche Hilfeleistung 10 000 000 Dollars aufbringen. Dieser Aktion werden wir alle unsere Energie widmen müssen, aber ich bin überzeugt, daß das jüdische Volk in Amerika seinen Brüdern