Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-26
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 nicht nur in der bitteren Not des Augenblicks helfen, sondern auch dazu beitragen toirfy daß sich die Juden der Kriegszonen, wenn der Krieg vorüber ist, wieder ihre eigene Existenz aufbauen können." Von Osh und ffern. — «tabtrat L e o pvld Kali f ch, der auf eine 40jührige Tätigkeit in Ehrenämtern der Reichshauptstadt zurückblickeu kann, beging au: 20. d. M. seinen 75. Geburtstag. Der beliebte Jubilar betätigt sich auch seit vielen Jahren im Vorstände des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde und wirkt außerdem noch in anderen Verwaltungsstellen unserer Gemeinde. An seinem Ehrentage überbrachte ihln eine Abordnung des Krankenhansvorstandes die Glückwünsche dieser Körperschaft. Unter der großen Zahl der Gratulationen sind die des Oberbürgermeisters Exzellenz Wermuth, des Bürgermeisters Reicke, der beiden Stadtverordnetenvorsteher Michelet und Cassel, des Geheimrats Dr. Mosse und des Vereins Berliner Presse hervorzuheben. — Dem Stadtverordneten Stabsarzt Dr. Jsaac ist die Rote-Kreuz-Medaille 2. Klasse verliehen worden. — Der Jüdische Frauenbund hält am 28. d. "M. in Berlin seine fünfte Delegierten- und Mitgliederversammlung ab. Alls der Tagesordnung stehen außer den geschäftlichen Berichten der Vorstandsdamen Berichte der Kommissionen, Beratung der Geschäftsordllung und Satzungen. Die Bildung von Provinzialamb Landesvereineu ist beabsichtigt. Es folgen verschiedetle Ailträge, Wohlett (darunter der 1. Vorsitzenden) und Schlußansprache von Berta Pappen Helm. — Zum Rabbiner der orthodoxen Israelitischen ReligionsgeseUschaft Ad aß Jisroel in Königsberg i. Pr. ist Rabbiner Dr. I a k o b o w i tz in Randagg (Baden) gewählt lvorden. Gr hat an die Wahl die Bedingung geknüpft, daß sich die Religionsgesellschaft mit der Synagogengemeinde in allen Verwaltungsangelegenheiten vereinige. Ties soll geschehen. . Tr. med. Saft in. Thorn, Inhaber einer Privatklinik, hat 2000 Mark für wohltätige Zwecke gestiftet, und zwar 1000 Mark für die Kriegsküche, 500 Mark für Wöchnerinnen, deren Gatten iln Felde stehen, 500 Mark für das Säuglingsheim. - Aus Posen lvird uns geschrieben: Denn Kallfmann M o f e s in Brvmberg lvurdett ans Anlaß seiner fünfundzwanzigjährigen Zugehörigkeit zur Handelskammer die Glückwünsche der Kammermitglieder ausgesprochen, die dem Jubilar dllrch den Präsidenten der Handelskammer für den Regierungsbezirk Bromberg eine künstlerisch ausgeführte silberne Ehrentafel überreichten. In der ersten Sitzung im neuen Jahre lvurde Herr Geheimer Kommerziettrai £ o n i § A x o ll f ü h n zum Prüsidellten wiedergewählt, ebenso Kaufmann Moses zllm Schriftführer. — Die jüdische Gemeinde in Breslau hat dllrch den Tod des Herrn L u d w i g Sachs einen schmerzlichen Verlust erlitten. Er gehörte seit 1918 der Reprüsentanteuverfammlmlg und seit länger als einem Jahrzehnt dem Vorstand des Israelitischen Krauketthauses lind der Beerdigtmgsgesellschast all. Er gehörte ferner dem Borstallde des Liberalen Vereins der Synagogengenleinde an unb bekleidete auch verschiedene städtische Ehrenmnter. - Tie aus Aurich gebürtige, in Nelo Orleans verstorbene Allgllste -st o s e ll thal hat der israelitischen Gemeinde in Esens tetztwillig 2500 Dollar vermacht: die israelitische Gemeinde in Emden erhält für Wvhlfahrtszwecke 4000 Dollar. - In der Generalversammlttug der Baheriichett Rabbiner-Pelisions- und Relikteukasse, die am 8. Januar in Nürnberg stattfand, wurde auf Alltrag des Professors Rabbiner Dr. W e r n e r Distriktsrabbiner Dr. Stet n zum Vorsitzenden getvählt. An Stelle des ausgeschiedenen Dr. Kohn aus Ansbach, zurzeit in Warschau, wlirde Distriktsrabbiner Dr. W o i n b e r g in Reumartt zum Kassierer gewählt. - Alis Augsburg wird uns berichtet: Zliln Oberkantor der hiesigen israelitischell Kultusgemeiude wurde von den Genteindekörperschafteu einstimmig Herr Oberkantor Wilhelnt H e i - m a n n alls Broinberg gewählt. Derselbe tritt fein Amt mit Eröffnung der neuerbauten Syuagocw am 1. April d. I. an. Aus Mannheim wird uns geschrieben: Zur Erinnerlmg all feinen am 0 November v. I. für das Vaterland gefallenen Sohn Dr. Hugo Kaufmann hat unser Mitbürger Herr Max Kausmanu eine G e d ä ch t n i s st i f t ll n g errichtet. Das Kapital dreier Stiftung beträgt 25 000 Mark, die Erträge derselben sollen zur Unterstützung palästinensischer Juden verwendet werden. Eine genaue Zweckbeskimmung soll erst tiach dem Kriege erfolgen. - In Holland hat sich vor einiger Zeit ein „Hilfskomitee für die jüdischen Kriegsopfer" gebildet, dom die angesehensten Juden des Landes beigekreten sind. Vorsitzender ist der Oberrabbiner L. Wagenaar in Arnhem, Schriftsührer Herr Alfred Polak in Tilburg. In fast allen jüdischen Gemeinden des Landes haben sich Subkomitee.s gebildet, welche die Eins-ammlungeu betreiben. Diese Sammlungen haben bis jetzt zirka 65 000 Gulden holländischer Währung erbracht und sind noch nicht abgeschlossen. Die entkommenden Beträge sollen an die notleidende Bevölkerung in allen vom Kriege betroffenen Ländern verteilt werden. — Aus Wien wird gemeldet: Der Nobelpreisträger Univerfitätsdozent Dr. Robert Saran y, der vor kurzem als Austauschgefangener aus Rußland nach Wien zurückgekehrt ist und bei den letzten Professorernennungen übergangen wurde, erhielt einen Ruf an die schwedische Universität Upsala. Baranh nahm den Rns an. - Irr Venedig ist der Rabbiner Giuseppe Bassi im Alter von 52 Jahren gestorben. In Venedig geboren, war er schon mit 16 Jahren Religionslehrer der Gemeinde und vollendete daun seine talmudischen Studien. Er war ein begeisterter Verehrer der hebräischen Sprache und ließ einige Altdrucke, die in Venedig tut Mittelalter erschienen waren, irr neuer Auflage erstehen. — Auch in England, das so leichtfertig an die Aushungerung Deutschlands herangegangen ist, ist jetzt dank der bewunderungswerten Leistungen unserer U-Boote Schmalhans Küchenmeister. In London ist eine permanente Haushaltungsausstellung eröffnet, in der sich die Hausfrauen überzeugen können, wie man billig wirtschaften kann. Diese Ausstellung hat eine jüdische Unterabteilung, die rituell zubereitete Speisen vorführt und sich regen Zuspruches erfreut. Die englischen großen Zeitungen veröffentlichen jetzt neben den anderen populären Kochvorschriften auch Rezepte aus der jüdischen Küche. — Die hebräische Literatur tu Rußland erlitt einen schweren Vertust durch das Hiuscheiden des bekannten Schriftstellers I. B. Lew n er. Er machte sich besynders durch seine großangelegte Sammlung der jüdischen Sagen und Legenden sehr verdient. Er bekleidete in Lugansk das Amt eines KronraMners. — Unter den 07 Mitgliedern des jetzt znsamtnengetretenen Staatsrates im Königreich Polen befinden sich zwei Juden: Stanislaus Kemp-, ner und Kazimierz Nathansou. beide Führer der jüdischen Assimilanten. --- Die billige jüdische Küche in Lodz in der Gegend des Geyerschen Ringes kann jetzt auf eine zweijährige Tätigkeit zurückblicken. Während derZeit verabfolgte fte292187 bezahlte und 41884 unentgeltliche Mittagessen an Erwachsene sowie 8116 bezahlte und 20 867 unentgeltliche Mahlzeiten an Schulkinder. Zu den Mittageffeu wurden 92 286 Pfund Brot beigegeben. Die Ausgaben beliefen sich auf etwa 25 000 Rubel. - Wie der „Warschauer Tag" meldet, sind zahlreiche junge Warschauer Juden, die jüdische Schttlen in Palästina besuchen, in Offiziersschulen in Konstantinopel eingetreten und sind nun, nach Absolvierung derselben, an die Front beordert lvorden. - Zu Anfang des Monats Cheschwan wurden in Jerusalem sämtliche hebräische Schulen, die infolge der herrschenden Kinderkrankheiten eine Zeittang geschlossen waren, wieder eröffnet. Gleichzeitig begannen. auch die Abendkurse für Erwachsene wieder, die die Schüler des hebräischen Lehrerseminars uttentgeltlich leiten. — Aus New Bork lvird berichtet: Die beiden großen Verbände der rumänischen Juden in Amerika, der „Verband der rumänischen Juden" und die „Liga der Juden aus Rumänien", hielten in New Dort ihre Tagungen ab, auf beiten über die neugeschasfene Lage ihrer Brüder in Rumänien referiert wurde und die nötigen Schritte zur Einsetzung einer großzügigen Hilfsaktion beraten lvurden. Der „Verband der rumänischen Juden" beschloß, eilte allgemeine Beratung der rumänischen Juden in den Bereinigtett Staaten bis zutu 15. Dezember 1916 einzuberufen, um iut Zusammenhang mit der politischen Lage die Probleme der Emanzipation der rumänischen Juden zu erörtern. Ferner beschlossen beide Tagungen, ent Emigrationsbureau ins Leben zu rufen, das die bevorstehende Emigratiort der rumänischen Juden ttach Amerika zu fördern unb zu regulieren hat. Die Tagung der „Liga" lvühlte eine Kommission aus siebett Mitgliedern, die eine Verständigung der beiden jüdischrumänischen Organisationen' in Amerika und ein einheiMches Vorgehen der gesamten runtättischen Judenheit der Vereinigten Staaten zuguttsten ihrer kriegsnorleidenden und rechtlosen Brüder in Rumänien herbeiführen soll. — Eine Kabelmeldung aus New Hork berichtet, daß auf einem großen Meeting in NewWrk, mit dem die neue Aktion des Altterlkauisch-Jüdischen Hilfskomitees zur Aufbringung von 10 Millionen Dollar eiugeleitet lvurde, fast 3 Millionen, also fast ein Drittel der Gesamtsumme, gezeichnet lvurden. (Siehe die Korrespondenz New«?jork.) Verantwortlicher Redatteur: Albert KaH in Berlin-Pankow, Floraftratze 58 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau. Drink und Verlag von Nndolf Masse.