Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-26
- Page
- Seite 48 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Literarische Mitteilungen. ~ Lamms Jüdische Feldbücherei. Nr. 9. Israels j Kampfruf. Von Rabbiner Dr. A. Michalski. Verlag Louis Lamm. Berlin. Drei Abhandlungen werden in der kleinen Schrift zusammengestellt: Im Kampfe der Waffen, im Kampfe des Geistes, im Kampfe des Lebens. Es sind religiöse und geschichtliche Betrachtungen, Verherrlichungen des Schema Jisroel, nicht besonders tief, gewiß nicht neu. Mit manchen Gedichten bereichert, die wohl bekannt sind, eines von L. A. Frankl, ein anderes von Börries von Münchhausen. Die Gedichte liest man gern wieder, fragt sich aber freilich. Zu welchem Zwecke diese bekannten Verse neu gedruckt sind, und kann auch die euvas verwunderte Frage nicht unterdrücken, warum überhaupt das kleine Heft erschienen ist. L. G. G u st a v F r e y t a g als Poet u n d P o l i t i k e r. Bon Dr. Adolph Ko Hut. Berlin. Verlagsbuchhandlung Alfred Schall, Verein der Bücherfreunde. Wir können des überfleißigen Kohut Werke nicht sämtlich besprechen. Zumal wenn sie sich auf deutsche Schriftsteller im allgemeinen und nicht auf jüdische beziehen. Mit seinem Buch über Gustav Frey tag dürfen wir eine Ausnahme machen, da wir auch unsererseits den großen Patrioten und bedeutenden Schriftsteller geehrt haben. Es ist keine allgemeine Biographie, sondern ein Sammelwerk, entsprechend seinem Titel: Sammelwerk auch in dem Sinne, daß Kohnt weniger eine Darstellung als eine Aneinanderreihung von Aussprüchen Frehtags selbst gibt. JnföWdessen werden nur gelegentlich Beziehungen Freytags zu Juden Erörtert, z. B. zu Moritz Hartmann, S. 74. Aber Freytags freisinnige Ueberzeugung, seine Anschauung von dem Fortschritt der Menschheit lund mit diesem ist die würdige Behandlung der Indens unlöslich verknüpft) tritt in vielen der hier abgedruckten Aussprüche hervor. L. G. Walter H e h mann: Das T e m p e l w u n d e r 11 itb aude r e Novellen. 1916. München bei Georg Müller. Der früh verstorbene Walter Heymann hatte eine Anzahl Erzählungen veröffentlicht, die mm nach seinem Tode in einem Bändchen vereinigt worden sind. Da Heymann uns angehörte, so untre eine Anzeige des Büchleins auch dann gerechtfertigt, wenn die Geschichten keinerlei jüdischen Inhalt besäßen. Eine Erwähnung ist aber schon aus dem Grunde angemessen, weil die Hauptgeschichte, nach der das ganze Bändchen seinen Namen hat, durchaus jüdischen Inhalts ist: Das Tempelwunder nämlich besteht darin, daß der Priester Zacharias, der lange in kinderloser Ehe gelebt hat, einmal, während er im Tempeldienst beschäftigt ist, die Erscheinung eines Engels erhält und die Mitteilung, daß seine Frau einen Sohn, und zwar den Johannes gebären wird. Die etwas mystische Geschichte wird mit einer sehr ausführlichen Schilderung des jüdischen Tempels verbrämt und zeugt von eindringlichen Studien und der Fähigkeit des Verfassers, sich in die alte Zeit zu versetzen und den Leser durch seine Schilderungen zu fesseln. Die übrigen zahlreichen Erzählungen des Bandes — es sind nicht weniger als neun — sind von sehr verschiedener Art: Kindergeschichten, Skizzen, zum Teil aus der Heimat des Verfassers, alle gut geschaut und eigenartig dargestellt. Man bekommt von diesen fehr verschiedenartigen Novellen und Bildern den Eindruck, daß in dem früh verstorbenen Verfasser starke Phantasie herrschte, nebst lebendigem Erfassen der Wirklichkeit, und eine unleugbare Kunst der Darstellung. Ob er fähig gewesen wäre, ein wirklich großes dichterisches Werk zu schaffen, wage ich nach diesen Proben zwar nicht zu behaupten, immerhin bleibt der Verliest dieses hochbegabten Erzählers sehr zu beklagen. L. G. - Bolksbüch e r der Deutschen Dichter-Gedächtnis- Stiftung, Heft 42. Karl Emil Franzos: „Der Deutsche Teufel". Mit 7 Bildern von Ludwig Baerwald. Hamburg-Groß-Borstel, Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung. „Geschichten aus Halbasien." Von Karl Emil Franzos. Mit einer Einleitung von Dr. Ernst Schultze, einem Bilde des Verfassers und * Zeichnungen von Ludwig Baerwald. Hamburg-Groß-Borstel, Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung. Franzos' Werke sind nach seinem Tode viel populärer geworden als bei seinen Lebzeiten. Der Grund dieser ungewöhnlichen Erscheinung, ungewöhnlich, weil im allgemeinen die Werke beliebter Erzähler nach ihrem Ableben rasch veralten, liegt teilweise in äußerer; Umständen: der rührenden Pietät, mit der die Witwe des Verstorbenen, unsere verehrte Mitarbeiterin, Frau Ottilie Franzos, sich der geistigen Hinterlassenschaft des Verstorbenen annimmt, und in der Umsicht und Tatkraft, mit der die I. G. Cottasche Buchhandlung in Stuttgart, in deren Eigentum die sämtlichen Werke übergegangen sind, diese Arbeiten vertreibt. Aber auch innere Gründe wirken mit. Sie bestehen darin, daß seit dem Tode des ausgezeichneten Erzählers — fast 13 Jahre sind seit jenem Verlust, 28. Januar 1904, vergangen — sich das Interesse für jüdische Dinge ganz außerordentlich gesteigert hat, ferner darin, daß gerade der Osten, in welchem die meisten Franzosschen Erzählungen spielen, während des letzten Jahrzehnts die außerordentliche Ausmerksarnkeit der ganzen Kulturwelt erregt und das Bedürfnis gesteigert hat, die mannigfachen so verwickelten Zustände des Ostens an der Hand eines so kundigen Beurteilers kennen zu lernen. Die Erkenntnis dieser Notwendigkeit war wohl auch die Veranlassung zu dem Versuche des Herrn Ernst Schultze, des verdienstvollen Leiters der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung, zwei Hefte mit Franzosschen Erzählungen, jedes in 20 000 Exemplaren, das eine Volksbücher 42, das andere Hausbücherei 52 herauszugeben. Beide sind mit je einem Bilde von Franzos geschmückt, beide haben schlichte Vorreden des Herausgebers, die von dem Leben und von der Wesensart des Erzählers sachgemäß Kunde geben, beide sind auch mit Bildern von Ludwig Baerwald versehen, das eine mit 7, das andere mit 8, die ich nicht ganz verwerfen möchte, aber auch nicht loben kann. Manche davon sind mir zu konventionell, eines zu , Schiller in Barnow" erscheint mir wenigstens geradezu als Karikatur. Die Auswahl, die der Herausgeber, durch eine von der Witwe und von der Verlagshandtung erteilte Abdruckerlaubnis ermächtigt, getroffen hat, ist nicht übel. Das eine Heft enthält die Geschichte „Der deutsche Teufel", die Erzählung von einem wilden Racheengel, einem mediatisterten deutschen Fürsten, der auf eigene Hand Gerechtigkeit übt, Wohltaten spendet und schließlich, durch die glorreichen Ereignisse des Jahres 1870 von seinem Deutschenhaß abgebracht, sich durch die Kugel eines Deutschenfeindes töten läßt. Der Abdruck ist 'wohl durch patriotisches Interesse veranlaßt, interessiert unseren speziellen Leserkreis jedoch nur wegen einer Szene, in der jener Held einem armen Juden Ehrfurcht bezeugt. Die Geschichte wird auch durch eine Abbildung illustriert, die mir unter allen wohl als die beste erscheint. Dagegen sind die vier Erzählungen des zweiten Bändchens „Mein Onkel Bernhard", „Schiller in Barnow", „Der Geisterröter", „Der Bart des Abraham Weinkäfer" gerade für unsere Leser von der höchsten Bedeutung. Sie beweisen Franzos' Humor, seine Satire, seine Lust an Absonderlichem und Wunderbarem, sein inniges Mitleben mit deutschem Geiste, seine kunstvolle, packende, trotz des Verweilens bei demselben Gegenstände nie in Eintönigkeit sich verlierende Darstellung. Es ist daher mit großer Freude zu begrüßen, daß diese Geschichten, zu billigem Preise, in angemessener Ausstattung einem großen Publikum vorgeführt werden. Mögen sie dazu dienen, auch den Minderbemittelten die Kenntnis der Werke eines unserer trefflichsten Glaubensgenossen zu ermöglichen. L. G. Mcherrmlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Festschrift zur Feier des 50jährigen Bestehens der Annoneen- Expedition Rudolf Mosse. Zum 1. Januar 1917 gewidmet von den Geschäftsführern. Neue jüdische Monatshefte. 1. Jahrgang. Hefte 2, 3, 4, 5 und 6, vom 25. Oktober, 10. November, 25. November, 10. Dezember und 25. Dezember 1916. Zur Kriegsliteratur 1917. Gedenkrede auf weiland Se. Majestät den Kaiser von Oesterreich, Apostolischen König von Ungarn Franz Josef I., gehalten bei der Gedächtnisfeier am 17. Dezember 1916 im Israelitischen Tempel zu Hamburg von Dr. D. Leimdörfer, Rabbiner und Prediger zu Hamburg. Hamburg 1917, Conrad Kloßsche Buchhandlung, Dammtorstraße. 'Selbstbiographie von Josef Popper-Lynkeus. Mit dem Bildnis des Verfassers. Leipzig, Verlag Unesma G. m. b. H. Reymont: Lodz, das gelobte Land. Berechtigte Uebersetzung von A. v. Guttry. 6. Auflage. München 1916 bei Georg Müller.