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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-26 · Heft 4 (26.1.1917) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 4 (26.1.1917)
Date
1917-01-26
Page
Seite 43 (sequence 7)
Language
German
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43 Strafbestimmungen" begründete er seine Befürchtung vor bösen Folgeerscheinungen allzu freiheithemmender Anordnungen. Ein ganzer Mann, von frischem Leben durchdrungen, ist von uns gegangen. Uns bleibt die Trauer und der Trost der Erinnerung, der gerade an dieser Stelle am Platz. War er doch unser! I Leonhard Medmann j geb. 27. März 1856, gest. 3. Januar 1917. r besuchte das Magdalenen-Gymnasium in Breslau, bestand mit 16 lA Jahren das Abiturientenexamen und studierte dann mehrere Semester Philologie auf der Breslauer Universität. Er gab das Studium auf, um seiner tiefen Neigung zur Musik zu folgen, machte eifrige Studien an der Berliner Hochschule für Musik, bestand nach zirka sechs Jahren sein Examen und war darauf zwei Jahre an der Oper in Königsberg und Mainz. Während seiner Bühnentätigkeit kam er zu der Ueberzeugung, daß diese Laufbahn seinem Innersten widerstrebte. Cr entschloß sich daher mit 27 Jahren, nochmals aus die Universität zu gehen und sich der Jurisprudenz zu widmen. Nach Abschluß seiner Studien wählte er den Beruf eines Rechtsanwalts und wurde einer der angesehensten und meistbeschäftigten Anwälte in Berlin, der unter seinen Berufsgenossen eine ungewöhnliche, hervorragende Stellung einnahm. Die Achtung, die er bei seinen Kollegen besaß, zeigte sich darin, daß er in den Vorstand der Anwaltskammer gewählt wurde, ein Amt, das er etwa zehn Jahre bekleidete. Welche Bedeutung er durch seine wissenschaftlichen Arbeiten bei der Regierung genoß, wurde dadurch offenbar, daß er als einziger deutscher Anwalt in die Strafgesetzkommission berufen wurde. Diese außerordentliche Ehrung verdankte er außer seiner Straspraxis den zahlreichen bedeutsamen Abhandlungen, die er in dieser Richtung veröffentlichte. Friedmann war nicht nur ein hervorragender Anwalt und ein angesehener Mann der Wissenschaft, sondern ein vortrefflicher Mensch, ein liebender Gatte, ein ausgezeichneter Vater. Er gehörte zu denen, aus die unsere Gemeinschaft stolz sein darf, und deren Andenken weit über die Stadt, in der er gewirkt, und den Kreis, in dem er gelebt hat, fortbestehen wird. Leider war die letzte Zeit seines Lebens durch schwere Krankheit getrübt, der er endlich am 3. Januar d. I. erlegen ist. L. G. Jüdische und biblische Dramen. Besprochen von Ludwig Geiger. erschiedene Dramen, ältere und neuere, teils biblischen, teils jüdischen Inhalts liegen mir vor, sowohl von jüdischen als von christlichen Autoren herrührend, die hier zusammengefaßt und besprochen werden sollen. Ein älteres Werk eines ganz verschollenen Dichters stehe voran, das zwar nicht seines inneren Wertes wegen, aber vermöge seines Autors Interesse hat. Es führt uns zu einem Manne, von dessen Arbeiten und Bestrebungen jüngst in diesen Blättern mehrfach die Rede war, nämlich Leopold Zunz. Zu Zunz' Freunden gehörte ein deutscher Dichter jüdischen Glaubens L. M. B ü s ch e n t h a l. Er ist von Zunz durch eine i begeisterte Biographie geehrt worden. Zu seinen Werken, von j denen vielleicht in anderem Zusammenhänge geredet werden soll, gehört ein vor fast 100 Jahren erschienenes Drama: „ Salomo "h. Schon seine Widmung ist interessant. Sie lautet: „Dem Herrn Jesaja Jacob Levy in Berlin und dem : Herrn Dr. David Günzberg in Breslau." Der erste der hier! Genannten war ein damals bekannter reicher Berliner, der zweite eine Zeitlang Reformprediger in Berlin, der später als! Privatmann in der Hauptstadt Schlesiens lebte. Der Inhalt des etwas verworrenen Dramas ist ungefähr folgender: Sunem, der Sohn des Vizekanzlers Abinadab, hat die Königin, Salomos Gattin, eine Tochter Pharaos, die selbst noch dem ‘ Heidentum ergeben ist und den Gatten vermocht hatte, fremden Göttern Altäre zn errichten, von einem Sturz gerettet und! wird von ihr mit Liebesglut verfolgt, während er Thamar, die Tochter des Kanzlers Abujah, liebt und von ihr wiedergeliebt wird. Sunem wird von dem König zum Siegelbewahrer ernannt, aber in demselben Augenblick erscheint hinter ihm der Todesengel, der ihm auf den folgenden Tag seinen Tod verkündet. Aus diesem Grunde wird er vom König auf einen Tag in die Wüste verbannt. Sein plötzlicher Abschied, der von ihm durch einen Brief an die Seinigen angekündigt wird, erregt bei der Braut, Bater und Schwiegervater großes Entsetzen; die Königin, die durch eine Vertraute von Sunems Verlobung Kunde erhalten hat und diese Verbindung mit aller Macht hindern will, erhält Thamars Besuch, die durch das Verdorren eines ihr von dem Geliebten geschenkten Myrtenbäumchens in die größte Aufregung versetzt ist, und wird von menschlichem Mitgefühl für die Klagende erfüllt, die den Tod ihres Verlobten für sicher hält. Dieser ist nun wirklich in jener fernen Gegend, in die Sunem von Salomo verwiesen worden, erfolgt, wie Salomo, an seiner Hand den Siegelring tragend, in seinem Zaubergemach erfährt und durch den Todesengel bestätigt erhält. Das Volk beschuldigt den König des Mordes, die Verwandten sind in furchtbarer Aufregung, Thamar selbst legt Hand an sich. Daraus folgt eine Leichenfeier der früh Verstorbenen, und nachdem Salomo bei dieser eine große Rede gehalten und mit seinem Ringe die Verstorbenen beschworen, worauf sie ihm pünktlich gehorchen und als Schatten in einer Wolke daherschwebend ihm eine Blumenkrone auss Haupt setzen, schließt das Drama. Man sieht: das Werk ist ein gänzlich undramatisches Stück, in dem von Entwicklung und von Durchbildung der Charaktere keine Rede ist. Auch der Titel „Der Siegelring des Salomo" ist ganz äußerlich. Denn dieser Siegelring, der zwar bei der Geisterbeschwörung und bei der Totenfeier eine gewisse Rolle spielt, gibt dem Drama nicht die Signatur. Die Schuld, die Salomo auf sich ladet, bleibt ungesühnt; die verbrecherische l) „Der Siegelring des Salomo" Romantisches Trauerspiel in 5 Aufzügen nach einer Tradition von L. M. Büschenthal. Berlin 1820. Verlag für Literatur und Kunst. Geh.Justizrat Dr. Leonhard Lriedmann.

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