Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-26
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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—42 - der Jugend, der er sein Streben geweiht, als freier Mann, als Kämpfender und Sieger. Köhne ist in Danzig am 22. Mai 1856 als Sohn eines großzügigen Kaufmanns geboren. Bald verlegten die Eltern ihren Wohnsitz nach der Reichshauptstadt, wo der Erziehung der Kinder das Beste geboten ward. Eine hin und wieder schwankende Gesundheit beschattete des Schülers Werdegang, ohne irgendwie störend eingreisen zu können. An der Hand einer tapferen, einer hochverehrten Mutter lernte er es, jedem Ungemach sittliche Ruhe und die Musik als ausübender Geiger entgegenzusetzen. Hat doch alles Lebendige der Feinde viel. Sich ihrer zu erwehren ward der Menschheit das Geschenk der Künste. Früh eignete sich.der junge Mann eine ästhetische Lebensauffassung an, die bei längerem Aufenthalt im Süden noch verstärkende Akzente gesunden. Er studierte in Leipzig und Heidelberg, ging ins Ausland, bewegte sich in London in geistig fortgeschrittenen Kreisen und legte so den Keim zu einer Universalität, die der herangereifte Mann des Deutschtums, der begeisterten Vaterlandsliebe bis vor Ausbruch des Völkerringens fast wie eine Verpflichtung empfand. Bon Kindheit an war ihm „der wackren Freunde seltner Schatz" zu eigen, und als er unter einem Glückstern die hochherzige Wegegenossin gefunden, da schuf er der ausblühendeu Jugend am eignen Herd jene gesellige Heiterkeit, die sich noch stets als dauernde Kraftquelle erwiesen. Der Mann, der bis zum letzten Augenblick seines arbeitsreichen Daseins die vielgestaltigen Aemter mit strenger Gewissenhaftigkeit verwaltete, hielt jederzeit dem Frohsinn Tür und Tor offen. Er besaß das heilige Lachen, das Lachen, das aus wahrhaft gütigem Herzen kommt. Schlagfertig im Wechselwort, war er ein raschgewandter Tischredner, ein kluger Sprecher aus zahlreichen Kongressen, wo er die scharfen Waffen des Geistes stets bei der Hand hatte, ein liebenswürdig belehrender Aufklärer vor einem Publikum von Laien. Kein Wunder, erkennung den Kindern als höchstes Kleinod erschien, kein Wunder, daß die Tochter, die das Band der Ehe knüpfen wollte, Erhebung aus des Vaters segnendem Worte suchte. Unzerstörbar bleibt den Intimen des Hauses der Eindruck dieser Feier. Mit einfachem, zu Herzen gehenden Zuspruch fragte der sichtlich bewegte Vater in fast biblischer Plastik sein blühendes ältestes Kind: „Willst du mit diesem Manne ziehn?" Und sie antwortete: „Ja, ich will mit ihm gehen." Persönlichkeiten von solch ethischer Kraft gestalten ihr Haus zum Tempel, über dessen Allerheiligstem sie als Priester wachen. Vor allem im Judentum. Gott ließ durch Moses seinem Volk verkünden: Ihr sollt allesamt sein ein Reich der Priester und ein heilig Volk! Das treue Beharren im Glauben seiner Väter betrachtete Kühne als Selbstverständlichkeit. Bei der Zumutung, um irgendeines Vorteils seiner Karriere wegen überzutreten, konnte er zornig auffahren. Gerade diese Haltung, dieses unbeirrte Schreiten hat ihm die Achtung der Besten seiner Zeit, jeglicher Richtung und jeglicher Konfession eingetragen. Ein Vertreter der Rasse von unantastbarem Charakter, von höchster verfeinerter Kultur! „Der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott, er wird dich nicht lassen noch verderben, wird auch nicht vergessen des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat." Im Sinne dieses Bibelworts wuchs seine Nachkommenschaft heran. Als Amtsrichter in einer kleinen Industriestadt trat er in engen Konnex mit der arbeitenden Bevölkerung. Jenen, die auf der Schattenseite deS Lebens geboren, vor allen den.Unmündigen und Waisen, wandte er den gütigen Blick zu. Er wurde in Berlin ein vorbildlicher Vormundschaftsrichter. Die amerikanische Einrichtung der Jugendgerichtshöse suchte er mit Eifer und Konsequenz in Deutschland einzuführen. Er setzte seinen glücklichen Gedanken durch, und es war ihm vergönnt, im Frühjahr 1909 als Vorsitzender den ersten Deutschen Jugendgerichtstag zu eröffnen. Köhne hat die Anforderungen an die junge Generation in der neu angebrochenen Zeit als ein Hellsichtiger erfaßt. Er hat danach gestrebt, andere Formen dafür zu finden. Auch die wirtschaftliche Bedeutung der selbständig gewordenen Frau ist ihm nicht entgangen. Die fachwissenschaftliche Literatur bereicherte er um manch vielbeachteten Beitrag. Ich nenne nur seinen Entwurf zu einen, Reichsgesetz betreffend die Ahndung und Verfolgung strafbarer Handlungen jugendlicher Personen, in welchem er seine wahrhaft humanen Grundsätze niederlegte. Vielen Organisationen am sozialem Gebiet weihte er seine Hilfe, vor allem der Deutsche» Zentrale für Jugendfürsorge, der er noch mit erbleichende» Lippen gedachte. Als das Vaterland in Gefahr, entflammte sein Herz für de» Lpfersinn und die entschlossene Tapferkeit des deutsche» Volkes. Mit Stolz sah er den einzigen Sohn, die Schwiegersöhne ins Feld ziehen. Das Eiserne Kreuz auf der Brust, standen diese Feldgrauen an der Bahre des Ent-, schlafen en. Die zunehmende Kriminalität der Jugendlichen im'Kriege betrübte ihn, doch war der unbeugsame Richter, der jede wirkliche Rohheit mit Strenge verfolgte, ein entschiedener Gegner neuer Strafbestimmungen. Sowohl in einer Diskussto» der Juristischen Gesellschaft als in einem Aufsatz der „Deutsche» Amtsgerichtsrat Paul Röhne sch- Januar 7. daß des Vaters An-!