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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-19 · Heft 3 (19.1.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 3 (19.1.1917)
Date
1917-01-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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- 3 tungen zusließen Lassen. Stets hat Hans v. Bleichroeder für Kunst und Wissenschaft eine freigebige Hand gehabt. Sein hervorragender Geschmack kam in verschiedenen Bauten, die er hatte ausführen lassen, zum Ausdruck. Zu nennen sind die drei Palais in Berlin, seine Villa in Paris und sein Schluß in Monte Carlo. Der Kaiser hat zum Ableben des Bankiers Hans v. Bleichroeder folgendes Beileidstelegramm -an den Sohn des Verstorbenen richten lassen: „Seine Majestäthaben die Nachricht vom Ableben Ihres Herr Vaters mrt aufrichtiger Teilnahme entgegengenommen und lassen den Hinterbliebenen Allerhöchst sein tiefempfundenes Beileid ausdrücken. Alls Allerhöchsten Befehl. Geh. Kabmettsrat v. Valentini." Ebenso haben Prinz Albert von Schleswig-Holstein, zahlreiche Mitglieder der Hofgesellschaft und andere Persönlichkeiten aus dem In- und Auslände Beileidstelegramme gesandt. Die Trauerfeier fand an: Sonntag um 12 Uhr im Trauerhau-se des Verstorbenen statt. Tüe Feier wurde mit einem Requiem eingeleitet, das der Rüdelsche Gesangverein vortrug. Am Sarge, der mit Blumenspenden, aus denen sich besonders der Kranz des Kaisers hervorhob, vollkommen bedeckt war, hielt Rabbiner Dr. Salomon Car leb a ch aus Lübeck die. Gedächtnisrede. Er wies besonders aus die großen Verdienste hin, die sich der Verstorbene um das deutsche Wirtschaftsleben, um zahlreiche wohltätige Stiftungen, deren Protektor er war, erworben hat. Der Gesang, „Was Gott tut, das ist wohlgetan" schloß die erhebende Feier. Dann wurde der Sarg nach dem Erbbegräbnis der Familie Bleichroeder auf dem Zentralfriedhos in Friedrichsselde übergeführt, wo der Prokurist und langjährige Mitarbeiter der Firma Bleichroeder, Herr Guttmann, noch einmal in einer kurzen Ansprache des Verstorbenen gedachte. Bei der Trauerfeier waren neben zahlreichen Mitgliedern der Hochfinanz und des Handels Prinz Adalbert von Schleswig-Holstein, Fürst zu Fürstenberg, Fürst zu Salm-Horstmar, Prinz Halim, der türkische Botschafter Hakki-Pascha, der amerikanische Botschafter Gerard, die Tochter des bulgarischen Ministerpräsidenten Radoslawow, Staatssekretär Dr. Lisco, Vizepräsident Gehennrat Paasche, der Präsident der Berliner Handelskammer Franz v. Mendelssohn u. v. a. anwesend.?. Königsberg i. Pr., 12. Januar. Am 1. d. M. ist der Senior der ostpreußischen jüdischen Religionslehrer, Prediger Sturmann (Osterode), in den Ruhestand getreten. 78 Jahre alt, 69 Jahre im Amtsdienst, davon 52 in seiner jetzigen Gemeinde, hat er seine Lebensaufgabe im reichen Maße erfüllt und die Ruhezeit, die ihm Gottes Gnade noch lange schenken möge, wohl verdient. Die Gemeinde Osterode hat ihm die Abschiedsstunde von seinem stets mit Liebe und Hingabe verwalteten Amte ehrenvoll gestaltet und ihm eine auskömmliche Pension gewährt. Die glückliche Geistesfrische, die unseren Sturmann noch in seinen hohen Jahren auszeichnet, gestattet ihm, die vielen Ehrenämter, die er im Lehrerverein, im Shnagogenverbande und in verschiedenen Vereinen seiner Gemeinde inne hat, auch weiter zu bekleiden, und so dürfen wir seinen Amtsabgang nur als einen Uebergang zu noch ausgedehnter Betätigung im freiwilligen Ehrendienst des Judentums und seiner Berufsgemeinschaft betrachten und wünschen ihm dabei noch viele Jahre gesegneten, ihn beglückenden Wirkens. — Kolb erg, 12. Januar. Am 10. Januar 1892 trat Sanitätsrat Dr. H e i n r i ch s d o r s f in die Verwaltung des hiesigen Jüdischen Kurhospitals als Arzt der Anstalt ein. Ein Vierteljahrhundert übt er mit größter Hingabe und Pflichteifer trotz seiner ausgedehnten allgemeinen Praxis diese ehrenamtliche Tätigkeit im Kurhospital und feit einer Reihe von Jahren auch als Vorsitzender des Vorstandes aus. Dieses Jubiläum feierten Vorstand und Kuratorium der Anstalt am vergangenen Dienstag dem Ernst der Zeit entsprechend durch eine würdige und feierliche Festsitzung, zu der sich der gesamte Vorstand und der erste Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde Stadtrat Albert Moses mit ihren Damen einfanden. Ter stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes Kaufmann Beer begrüßte den Jubilar und die übrigen Festteilnehmer mit herzlichen Worten. Sodann hielt Rabbiner Dr. Goldschmidt, der ja als Mitbegründer und Leiter der Anstalt die großen Verdienste des Jubilars am besten zu würdigen versteht, die Festrede. Er schilderte die Entwickelung des Jüdischen Kurhospitals von. seinen kleinen Anfängen an und besonders seit dem Jahre 1892, wo in einem Sommer nur 126 Pfleglinge ausgenommen werden konnten, bis zur jetzigen Blüte, wo das Hans in einem Monat die gleiche Anzahl Gäste beherbergt und insgesamt in einer Saison 541 Personen gastliche Ausnahme gewährt. An dieser ganzen Entwickelung hat Sanitätsrat Dr. Heinrichsdorff durch Rat und Tat mitgewirkt. Im ganzen wurden in den letzten 25 Jahren 8500 Patienten, darunter 4366 Kinder, verpflegt, die von Dr. Heinrichsdorff behandelt wurden, und zwar mit glücklicher Hand, wie der Redner hervorhob. Der Redner brachte dann den Tank der vielen tausend Kranken, die aus mittellosen und wirtschastsschwachen Volkskreisn sich zusammensetzen und die in dem Hause Genesung oder wenigstens Besserung von ihrem Leiden erlangt haben, mit herzlichen Worten zum Ausdruck. Den Dank des Vorstandes und des Kuratoriums, welche dem Jubilar für seine rastlose, segensreiche Tätigkeit die höchste Anerkennung zollen, stattete er darauf ab und überreichte als äußeres Zeichen des Dankes im Namen des Vorstandes eine von dem Hause gespendete kunstvolle Marmorschale mit Bronzefiguren uitb int Namen des Kuratoriums ein wundervolles Kunstwerk aus edelstem Marmor, die Büste einer holländischen Frau. Mit dem Wunsche, daß der Jirbilar noch recht, recht lange in Frische und Gesundheit seine Kraft in den Dienst der Anstalt stellen tnöge, schloß der Redner. Das Kuratorium hatte noch eine Adresse entsandt, in der Dr. Heinrichsdorffs Wirksamkeit an der Anstalt mit warmen Worten gerühmt wird, weil er nicht nur als hervorragender Arzt den Pfleglingen des Hauses stets Hilfe geleistet, sondern ihnen auch tuen schlich imuter nahe gestanden hat. Tiefgerührt dankte darauf Dr. Heinrichsdorff in längerer Rede für die Ehrung, die ihm zuteil geworden sei. Die guten Erfolge seien nicht allein sein Verdienst, sondern der guten Einrichtung des Hauses, das eine Musteranstalt darstellt. Er rühmte den Vorstand, der jederzeit bereitwillig seine Forderungen für die Interessen der Pfleglinge erfüllte, dankte ihm und besonders dem Rabbiner Tr. Goldschmidt, welcher ihn als Arzt an die Anstalt gebracht und stets durch Ratschläge unterstützt habe. <yg Magdeburg, 12. Januar. Es verdient dankbar anerkannt zu werden, daß in dieser Zeit die Körperschaften unserer G e m e i n d e die vor fünfzehn Jahren geschaffene Pensionsordnung für die Beamten der Shnagogengetneinde einer Revision unterworfen und sie den staatlichen Bestimmungen gemäß angepaßt haben. Der das Ruhegehalt regelnde § 2 lautet nunmehr wie folgt: Das Ruhegehalt beträgt, wenn die Versetzung in den Ruhestand nach vollendetem 10., jedoch vor vollendetem 11. Dienstjahre eintritt: 20/ho; es steigt mit jedem weiter zurückgelegten Dienstjahre bis zum vollendeten 35. Dienstjahre um 1lm, also bis zu 45/«o. Darüber hinaus findet eine! Steigerung nicht statt. Freie Dienstwohnung und Wohnungsgeldzuschuß werden nach ihrem aus dem Haushaltsplan ersichtlichen Werte bei der Berechnung des Ruhegehalts mit zugrunde gelegt. .7. A. Nürnberg, 12. Januar. Einen schweren Verlust hat die Jüdische Gemeinde und die Stadt Nürnberg durch den Tod des Jnstitut'direktors Moritz Gom brich erfahren. welcher am 5. d. M. infolge eines Herzschlages -im 71. Lebensj.ah.re verschied. Irr nuferem engeren und weiteren Vater lande hatte der Verklärte eine Unmenge von guten Freien dorr sowohl ans seiner Schulwie aus seiner öffcntliehen Tätigkeit, und überall war der vortreffliche Mann MieM und verehrt. In allen Kreisen, in jüdischen sowohl als auch in christlichen, schätzte man sein Wissen, seine Gewandtheit, leine rastlose Tätigkeit im Dienste des öffentlichen, sozialen und jüdischen Lebens. Zn diesen Eigenschaften gesellen sich eine entsprechende äußere Persönlichkeit und liobenstvürdige Urngangsforlnetl, so daß das Haus des * Genannten unter Mitwirkung einer gleichaesi-nnten Gattin jederzeit die Stätte herzlicher Gastf.reundschaft eines großen Fretlttdeskreis.es war. Gombrich war das älteste Mitglied der israelischen Kultus- . Verwaltung, in welcher er das Aiitt des zweiten Vorstandes seit vielen Jahren bekleidete. Er war erster Vorstand des Vereins für die liberalen Interessen des Judentums, erster Vorstand des Israelitischen Mäd-chenstifts sonne rtoch in einer Reihe anderer Vereine -im Vorstände oder im Ausschüsse in vorderster Reihe tätig. Jedes Antt, das Gombrich übernahm, füllte er unter Hingabe seiner ganzen Persönlichkeit mit tmernlüdlichent Fleiße mld starkem Temperament aus. Das bayerische Tmrmvrsen hatte in ihm einen besonders rührigen Mitarbeiter lind Berater: er war viele Jahre Schatzmeister des Bayerischen Tnruerbundes und wurde in dieser Eigenschaft auch wiederholt vom König Ludwig in And lenz eutpsangen. Beim 75 jährigen Jubiläum des Nürnberger Turnvereins hielt Gombrich die Festrede. Wie allgemein die Verehrung für Gombrich war, davon

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