Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1917)
- Date
- 1917-01-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 behältlich der Genehmigung der Repräsentantenversammlung erfolgt. Die Rabbinerwahlkommission ist eifrig bestrebt, weitere Vorschläge zu unterbreiten. Betreffend die Shnagogenbauten muß ich erwähnen, daß wir zehn Synagogen besitzen mit 15 426 Plätzen. Wenn es auch nach der Natur des Besuches unseres Gottesdienstes ein Ding der Unmöglichkeit ist und gar nicht in unserer Absicht liegt, so viele Synagogen \n schaffen, daß alle diejenigen, die einen Gottesdienst besuchen wollen, in einer Synagoge Aufnahme finden sollen, erachten wir es doch als unerläßliche Pflicht, wenigstens in den Hanptzentren Berlins Synagogen zu errichten, um beit Bednrstiissen der Gomeindemitglieder Rechnung zu tragen. Demzufolge ist ein Bauplatz in der Prinzregentenstraße gekauft worden. Mit dem Banen aber werden wir warten, bis wir rnhige Zeiten haben. Eine Frage ist die Anlage eines j neuen Friedhofes. Tie Verhältnisse haben sich derart zugespitzt, die Todesfälle sind so zahlreich, daß es kaum noch möglich ist, die Beerdiguuceu ordnungsmäßig durchzuführen. Wir sind eifrig | bestrebt, dir geeignetes Gelände zu finb-cn, und hoffen. Ihnen in nicht allzuferner Zeit einen Vorschlag zu machen. Die übrigen Punkte des alten Programms: Errichtung einer neuen Altersversorgungsanstalt, wichtige Statutenänderung, das Wahlrecht, müssen bis auf ruhige Zeiteu zurückgestellt werden. Es liegt uns anr Herzen, die Bestimmungen über das Wahlrecht zum Abschluß zu bringen. An uns sind direkte Anträge gestellt worden, wir sollten die Repräsentantenwahlen verschieben, weil sie keinen richtigen Ausdruck des Gemeindelebens darstellten. Wir haben diese Anträge ablehnen müssen, abgesehen von den rechtlichen Gründen schon deswegen, weil die Zahl der Repräsentanten und Stellvertreter derart zusammengeschmolzen ist, daß wir sorgen mußten, ein vollständiges Kollegium zu schaffen.! Der Gemeindevorstand wird wie stets das eifrige Bestreben haben,! gute Beziehungen zu Ihrer Versammlung zu Pflegen, denn er sieht! darin das beste Mittel, für das Wohl und Gedeihen der Gemeinde; zu wirken. Ich zweifle nicht, daß Sie, meine Herren, von gleichen j Gesinnungen beseelt sind. Wir wünschen Ihnen zu Ihrer Tätigkeit! alles Glück und Segen. 'Tie werden mir jetzt durch, Handschlag die Beri pf'tichtuna bekräftigen, daß Sie Ihr Amt stets und gewissenhaft aus-; zuüben willens sind." - An die Berpstichtnng schlossen sich die Neuwahlen! zum Bureau der Versammlung. Zum ersten Vorsitzenden wird ehtj stimmig Herr Direktor Tr. Georg M i n d e n wiedergewühlt, der sich i zur Annahme des Amtes bereit erklärte. Er dankte Herrn Professor Dr. Kalischer für die seiner Geschäftsführung gewidmete An-! erkeunnng und verwies auf die Fülle von Aufgaben, die der Vor- - sitzende beS Gemeindevorstaudes in seinen Ausführungen geschildert hat. Die schwere Situation des Vaterlandes ist ein Anlaß, um so treuer für das Wohl der Gemeinde zrr arbeiten. — Jur weiteren Verlauf der Wahlhandlung loird Herr Aron H i r s ch zum ersten Stellvertreter des Vorsitzenden, zum zweiten Stellvertreter des Vorsitzenden | Herr Professor Dr. Sigismund B laschte gewählt. Das Amt des! ersten Schriftführers wird Herrn Professor Tr. Moritz T ü r k, des Stellvertreters des Schriftführers Herrn Oskar Loewenberg übertragen. In den Ausschuß I werden abgevrdnet die Mitglieder Hugo B l a n f e u b u r g , Oskar L o e iu e n b erg, Dr. 3Di«r Ginsberg . Verth old K i r st ein, Venas L e v y, Kat. Gewerberat Emil P l o t k e, Kommerzienrat Gerson S i m o n , Stadtältestcr Dr. Max Weigert. Samuel Weite. Der Ausschuß II setzt sich aus folgenden acht Herren zusammen: Engen E a s p a r y , Emil Co h n , Dr. Max G i n s b e r g. Aron H i r s ch . Berthold K i r st ein, Adolf L e w i n s k i, Siegfried Sachs und Samuel Weile. Den Ausschuß III bilden die Mitglieder Professor Dr. Sigismund B l a sch ke, Emil Cohn, Dr. Mar G i n s b e r g , Aron H i r s ch , Professor Dr. Salomon Kali s che r , Dr. Isidor L e v y , Oskar L o e )v enbe r g , Adolf Lewi n s k i, Direktor Dr. Georg M i n d e n . Emil P i u c u s , Oskar T i e tz und Professor Dr. Moritz T ü r k. Zuletzt wird die Revisionskommission gewählt, in welche die Herren Adolf Oe \v i n f f i, Aron Hirs ri), Siegfried S n ch s , Kommerzienrat Gerson Simon und Oskar T i e tz abgeordnet werden. — Rach einer längeren Aussprache loird der Beginn der Sitzungen für die Wintermonate aus WA Uhr festgesetzt. Nach einer Debatte über die Zusammensetzung einer gemischten Deputation zur nochmaligen Durchberatung des Ritus für die Synagoge Kottbuser Ufer wird die erste Sitzung des Jahres 1617 vom Vorsitzenden geschlossen. yvy Berlin, 16. Januar. Am 9. d. M. ist Geh. Kommerzienrat Edmund Helsft, der Seniorchef des alten Bankhauses L. Helsft ü. Co., Vizepräsident der' Aeltesten der Kcrufmamrschast, Hofbmckier des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz, im 81. Lebensjahre gestovben. Der Grobherzog von Atecklenburig-Stvelitz sandte an den Sohn -des Ver.storbeu.en «ein Telegramm: folgenden Inhalts: „Jum, Ableben Ihres -Herrn Vaters spreche ich Ihnen mein herzlichstes Beileid aus. Ich lverde die Dienste, die Ihr Herr Väter mir und meinem Hause geleistet hat, niemals vergessen." Staatsminister v. Loebell sandte ebenfalls eine sehr herzlich gehaltene Beileidsdepesche, ebenso liefen von zahlreichen Großbankendes Reiches und von Mitgliedern der Hochfinanz und des Handels Beileidskundgebungen ein. Dir Trauerfeier fand am 12. b. M. im Heime des Verstorbenen, Unter den Linden, stakt. Es wohnten ihr unter anderem bei: Generaloberst v. P l essen, der im Aufträge des Kaisers erschienen war, der persönliche Adjutant des Großherzogs von M-ecklenbnrg-Strelitz Gras H ahn, Staatsininister v. L o e b e l l, Untierstaatssekretär G öppe r t. Reichstagspräsident Tr. Kaempf, Präsident der Reichsbank Häven stein und Vizepräsident des Reichsbankdirektoriunis v. Gl ase nap p , der Präsident der Handelskammer Franz v. Men - d e l s s o h n, Generalleutnant v. H o b e, Kommerzienrat Ludwig Born, Bankdirektor Nt om m sen , Professor Werner Som ba r t, die Geheimen Kommerzienräte Eduard Si mon , Ko petzki und Herz. Ferner waren zahlreiche Mitglieder der Finanzlrelt. Vertreter von Bankinstituten und Abordnungen von kauf in ä uni scheu Vereineir zugegen. Die Trauerrede hielt Prediger Dr. r\ e IT f i von der Jüdischen Reformgemeinde. Reichstagspräsideni Dr. Kaempf nahm dann in einer ergreifenden Ansprache Abschied von dem Verewigten: er feierte ihn als Vorbild eines echten Berliner K'rnnnnims von altem Schrot und Korn. Nach der Trauerfeiier fand die Ueberführnug nach dem städtischen Zentralsriedhof in Friedrichs felde statt. &&& Berlin, 16. Januar. Mit dem am 11. d. M. erfolgten Tode des Seniordbefs des Bankhauses S. Bleichroeder, Konunerzien r-ck Hans v. Bleichroeder, ist ein inhaltsreiches Leben zum Abschluß gekommen. Am 13. Februar 1853 wurde Hans v. Bleich roeder als der älteste Sohn Gerson Bleichroeders geboren. Die damals politisch beweate Zeit machte auf den Heranwachsenden den tiefsten Eindruck. Sein Vater, Gerson Bleichroeder, war bekanntlich der Berater Bismarcks. Tie Rolle, die Gerson Bleichroeder als der Bankier Kaiser Wilhelms I. und als finanzieller Mitarbeiter Bismarcks beim Friedensschlnß von 1871 zusammen mit deni kürzlich verstorbenen damaligen Grafen Guido Henckel spielte, hat geschichtliche Bedeutung. Schon 1881 trat Hans v. Bleichroeder als T-eilbaber in die von seinem Großvater Samuel Bleichroeder gegründete Firma ein. Nach dem Tode von Gerson Bleichroeder, demim Jahre 1872 der erbliche Adel verliehen worden war, wurde Hans der Seniorchef des Welthauses. Bis zu seinem Tode hat Hans v. Bleichroeder ununterbrochen die Leitung feines Bankunternehmens in den wänden gehabt. Trotzdem er auch in letzter Zeit kränkelte, galt doch bis zur letzten Minute seine unermüdliche Sorge seiner Firma. Ans seiner Ehe mit Maria v. Bleichroeder, geborenen Brebeck, stammen zwei Söhne: Hans, der durch mehrere wissenschaftliche Arbeiten be kannt ist, und Werner Rudolf, der als Reserveoffizier in einem Kavallerieregiment den jetzigen Feldzug mitgemacht hat. Werner v. Bleichroeder loird auch in Kürze als der Nachfolger feines Vaters die Leitung des Bankhauses übernehmen. Hans v. Bleichroeder hat viel im Ausland gelebt, besonders in Paris hatte er einmal einem längeren- Aufenthalt genommen. In den letzten 26 Jahren hat er jedoch sehr selten Berlin verlassen. Er, dessen Haus stets der Mittelpunkt eines regen Gesellschaftslebens lvar, mußte sich infolge seines Leidens ans deni öffentlichen Leben zurückziehen. Man kann ihn mit Recht als einen der lvohltätigsteir Menschen Berlins bezeichnen: Süts lvar er doch bemüht, bei allen Spenden soweit wie möglich ungenannt zu bleiben. Bon seinen größeren Stiftungen ist vor allein jene zn nennen, die er der von seinem Vater gegründeten Lungen Heilstätte Pelzig zn ihrem Ausbau zu fließen ließ. Anläßlich seines sechzigsten Geburtstages lvendete er der Königlichen Universitätsklinik eine Millionenspende zn. Besonders rühmlich bekannt ist jedoch die Fürsorge, die er den Ferienkolonien angedeihen ließ. Auch jetzt im Kriege hat er namhafte Summen den vielen Wohlfahrtsoinrich-