Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1917)
- Date
- 1917-01-19
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 gab die Leichenfeier ein ontsprecheuldes Bild. Die gerännlig-e Halle des neuen Friedhofes konnte die Schar der Trauergäste kan::: fassen-. Der Turnvereill war nicht nur durch zahlreiche Mitglieder, sondern durch einen Ehre::al:sschnß mit nlnflortem Vereinsbanuer unter Führung von Turninspektor Hä üble irr vertreten. Sämtliche Gymnasien und Reatschulen sandten Abordnungen ans der Lehr-erscl'aft. Herr Rabbiner Dr. F r e u bc n t fr n I schilderte Charakter nnd Lebensaanst des Verelvkaten in seiner Trauerrede mit trefflichen Worten und warmem Empniwen. In der Schule wie xm vsselrttichell und im indischen Leben, so führte Dr. Freude nthal aus, hat Gmubrich mit deur gleichen Eifer, mit wannen: Herze:: und feinem Verständnis seine Pflicht erfüllt, und überall war seiner Arbeit Erfolg und Testen beschiodem Der Verstorbene liebte sei:r Vatertand :n:d sein Judentum mit gleich n.mrmem Herren und lvnßte aufrechtes Judentum :nit echter deutscher Gesimnrna in Einklang %u bringen. Herr Justizrat Held brachte den Dank der Geiit<ivtnd>everlixrHung dem vortrefflichen Rtitarbeiter um: Ausdruck, dessen reiches Wissen und klares Urteil sonwht iir den Beratuunm des Kolleachlms uüe in ben Ausschußüknnnen seder-eit zur Geltung kamen. Herr Justizrat Dr. Josephs that sprach im Namen der Vereinigung für das liberale Ivlidentun: Deutschlands solvie für die Nürirberger Ortsarnppe beut D ab in geschiedenen Dank und Anerkeuuuna ans, der gerade auf diesem Ce biete sich iu vorbildlicher Weise bewährte. Gmnbrich war Mitbegründer der liberalen Orgalrisation. deren Zukunft ihm in: Interesse der Fortentloickelnn-a des Ju-dentunls im modernen Sinne stanz besonders am Herzen lag. An der Bahre spräche:r ferner noch Herr Stadtru'arrer Lais erb ach für das Lehrerkollestül-m der Real- und Handels'ebranstalt Gombrich, Herr Hauvtmnnn d.. L. David Ob e r ndorser für die Verwaltung des Israelitischen Mädchenstifts, Herr Turninspektor Häublein für den Baäeri scheu Turn-erbund und den Turnverein Nürnberg, Herr Justizrat W i t t e l s h ö f e r (Fürths nir den Bayeriüben Laudesverein zur Unterstützung bedürftiger Gemens dein Herr Dr. Leon S o m u: e r für den Be rein „Badenia" sonne verschiedene Schüler und ein ehemaliger Absolvent als Vertreter ihrer Kaiiieraden. In unserer Geureiirde Nnrd Moritz Goinbrich fortllben als das Vorbild eures vortrefflichen Menschen, eines ante:: und n'kfrechten Inden, als ein Kämpfer und Arbeiter für alles Gute und Edle. Gkstkrreick-Anysrn.!T M. Wien, 12. Januar. Wie die österreichischen politischer Tagesbtätter melden, gehört der Präsident unserer Knltusgemeiride, Dr. Alfred Stern, zu den Persönlichkeiten, die bei denn nächsten Pairsschnb in das Herrenhaus gelangen. Tr. Stern, der am 29. Austust 1831 geboren ist. bekleidet das höchste Ehrenamt,, das unsere Gemeinde zu vergeben hat, bereits seit zwölf Jahren. Er gehört seit nahezu einem Menschenalter der Verwaltung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde an, in der er von 1897 bis 1904 das Amt des ersten Dizevräsid-elstel: bekleidete. Seine erste bedeutendere Arbeit im Dienste der Gemeinde mar die Ausarbeitung des neuen Statuts, das nach der Eingemeindung der Vororte den dadurch total veränderten Verhültuisseu gerecht tvnrde. Als Obmann des Rechtsausschnsses leitet Herr Dr. Stern auch das auf seinen Antrag vor zirka zehn Jahren begründete Stiftunstsamt. Während seiner Amtszeit wurde»-ein Knabeuwaisenhans, eine Mikwa, ein Erlveiterungsbau am Spital nnd zwei neue Vereinsteulpel iu Döbling und Margarethen ins Leben gerufen. Auch die Gründung der Neligiouslehrer-Bildnligsanstalt und die Eröffnung des Kaiserin-Elisabeth-Institnts für jüdische Krankenpsleger in neu fällt iu seine Präsidentenschaft. Dr. Steril ist ein vorzüglicher Organisator, dem ein kluger nüchterner Sinn die Tinge kühl erfassen lässt. Auch seine Gegner, die sich hauptsächlich in dem jüngeren Nachlvuchs der Gemeinde finden, erkennen seine Leistungen an. Das österreichische Herrenhaus würde in Tr. Stern einen tüchtigen Mitarbeiter gewinnen nnd die Jude::schaft Wiens die ihr gebührende repräsentative Vertretung in unserer ersten Kämmer finden. Von iflah und fern. Der Deut s ch - I s r a e l i t i s ch e G e m e i n d e b n u d veranstaltet eine Gedächtnisfeier für seinen verewigten Ehrenvorsitzenden, Professor Tr. Martin Philipp so n, am Sonntag, den 21. Januar 1917, niittags 12 Uhr, im Fest san k des Brüdervereins, K-urfür'stenstrasze 11.-/116. Die Gedächtnisrede hat Herr. Professor K a [ i f ch e >r übernommen. Eintrittskarten lvcrden auf Wunsch von: Bureau des Dentsch-Istaelitiichen Gerueiudebundes, Berlin, Steglitzer Straße 9, versandt. — Der Inhaber der Simons Apotheke, Georg C o h n, ist z:ln: stellvertretenden Handelsrichter betrit Landgericht I ernannt worden. — Der Rentier Louis Herrnberg und Frau Berta geb. Heinemann, Dortmunder Straße 11, begingen am 6. d. M. das schöne Fest der goldenen Hochzeit. - Im 100. Lebensjahre ist der frühere Gürtlermeister Moses Fürsten heim zwei Tage nach seinem 99. Geburtstage, am 7. d. M., als der älteste Insasse in der Akterversorgungsanstalt gestorbenlind auf bem alten Friedhofe in der Schönhauser Allee zur letzten Ruhe bestattet worden. - Direktor B -r c t o r I w i k l i tz, RiLtergutsbesitzer auf Jeschkendorf, ist uach längerem Leideir am 9. d. M. im 72. Lebelisjahre gestorben. Er war Direktor der Breslauer Spritsabrik A.-G., Vorsitzender des Aufsichtsrats der Berliner Spirituszentrale und der Zuckerfabrik Malisch sowie Mitglied anderer Allfsichtsräte, Mitglied des Bezirkseisenbahnrats nnd länger als 20 Jahre der Handetskannner, auch lange Jahre Handelsrichter. Seine Beisetzling erfolgte am 14. d. M. in Berlin-Weißensee. - Braumeister Grünfeld in Kattowitz wurde einstimmig zmn Stadtverordnetenvorsteher wiedergewählt, Kaufmann B o r i n s k i zum stellvertretenden Schriftführer. -- Aus Dresden wird uns geschrieben: Einen nellen schiveren Vertust hat unsere Gemeinde, iilsbesondere aber ihre loohttätigell Anstalten, erlitten, indem Frau Adele Samulon, die Gattin des Herrn Fabrikbesitzer Israel Samulon, nach nur kurzem Leiden Plötzlich entschlafen ist. Dem Kinderhort insbesondere war sie eine eifrige Förderin und Gönnerin. lvie sie überhaupt half, wo es. zu. helfen galt, und allzeit eine offene Haild hatte, lvo es hieß, auch schweigende Not zu lindern. — Das allgemein geachtete Salomon F r i e d m a u n f cf) e Ehepa a t in Jena beging vor kurzein die Feier des goldenen Ehejubilälnns im Kreise seiner Kinder nnd Enkelkinder. Ihre Körnglichen Hoheiten der Großherzog und die Frau Großherzogin verehrter: dem Jubelpaare ein Service, welches dlirch Lnndräbbiner Tr. Wiesen ül Eisenach nnt den besten Wünschen Ihrer Königlichen Hoheiten überreicht wlirde. - Ans München wird berichtet: Denn israelitischelv Festgottesdienste zur Feier des Allerhöchsten GeLllrtsfestes Seiner' Majestät des Königs wohnte eine große Anzahl Staatsbeamter israelitischer Religion in Aintstracht bei, an ihrer Spitze Herr Senatsprüsident am Oberlandgericht Eduard S i l b e r m a n u, der in einem Staatswaaen an der Synagoge vorfuhr. - Anläßlich des Geburtstages des Königs wurde Herrn Rabbiner Dr. Werner in München der Titel' eines Könialichen Professors verliehen. - - Der Kaiser von Oesterreich hat dem einer Honveddivision ctn der Js-onzofront zngeteikten Feldrabbiner Aron David T ent s ch für tapferes und aufopfernnasvolles Verhalten vor den: Feinde das goldene Verdienstkreuz mit der Kror:e an: Bande der Tapferkertsmedaille verlieben. — Oberrabbiner Jakob Hoffmann aus Nadautz wurde von: k. n. k. Militärkommando in Wien zur aktiven Dienstleistung als Feldrabbiner einberusen nnd mit der Leitung der neu kreierten k. u. k. israelitischen Militärseelsorge in St. Pölten betraut. Diese Er::ennuna. durch lvelche ein bekannter konservativer Rabbiner mit moderner Bildnna und hervorragender Beredsamkeit in den Dienst der iüdische:: Militärseelsorge tritt, wird namentlich in konservativreligiösen Kreisen lebhafte Befriedigung Hervorrufen. - Wie die Londoner „Zeit" uxitteilt, ftitb von einem Schiffe, das sich auf den: Wege von Norweger: nach Anwrika befand und eir:en englischen Hafen anlief, von der englischer: Polizei vier jüdische junae Leute ar:s Rußland, und zwar Rosen, Weißbaum, Sendoloski und Schwarz, ans Land gesetzt und nach London verbracht worden. Die jungen Leute hatten früher ihr Domizil in Londor: u.nd waren von den dortigen Behörden veranlaßt worden, nach Rußland zurückzukehren. Ihre Fahrt r:ach Arnerika roird nun vor: der: englischen Gerichten bezeichnenderweise als Fahnenflucht betrachtet. --- In einem Alter von 49 Jahren starb in London nach kurzer Krankheit Herr Solomon Ben-Elihu Rubeusteir:. Er starnnrte aus Rußlar:d, kam aber schor: als junger Alaun nach England. Im Jahre 1884 beschäftigte er sich schon mit den Arbeiten der Chowowe Zion nnd war danr: eir: treuer und energischer Arbeiter in Herzls Zeit. Zn Ehren seines Ander:ker:s far:d eine Trauerfeier statt, bei der die Herren Feldrnann und Nahmn Sokololv' Gedenkreden hielten. Derontwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich Mr den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau. Drnck nnd Verlag von Rudolf Masse.