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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-19 · Heft 3 (19.1.1917) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 3 (19.1.1917)
Date
1917-01-19
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
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Fortbildung in der Pateiigemeinde imterzubriiigen und in Fürsorge zu halten. Letzteres würde eine vorzügliche bedeutsame Aufgabe der Patenvereine bilden können, denen es wohl nicht schwer fallen dürfte, solche Paten kind er bei guten jüdischen Familien kostenlos für einige Zeit in Pflege unterzubringen. Indem man solch begabte jüdische Kinder minderbemittelter Eltern aris Kleingemeinden zu einer höheren Schulbildung und zu besserem Fortkommen verhilst, arbeitet man zugleich an der durch die Kriegsverluste für uns d o p P e lt w i ch t i g e nA uf g a b e: r genügenden intelligenten jüdischen Nachwuchs zu sorgen. Neben der Borsorge für die Erhaltung des Mitg l i e d e r b e st a n d e s der Kriegssilialgemeinden können die Patengemeinden auch bedeutsame Hilfe leisten zur Vermehrung der B e v ö l k e r u n g s z a h l ihrer Kriegsfilialen durch Ansiedelung von jüdischen Kriegsinvaliden als Kleingewerbetreibende, Kleinbauern und Handwerker. Die Bestrebungen der Behörden in dieser Hinsicht speziell für Ostpreußen wären ideell und materiell zu unterstützen. Der Ausbildung (Berussübcrleitung) der übernommenen Personen wäre in den ersten Jahren besondere Sorgfalt zuzuwenden, ihre selbständige Niederlassung mit besonderen Mitteln und durch Zuweisung von Arbeitsgelegenheiten zu fördern, die Betriebe selbst durch sachersahrene Männer längere Zeit zu überwachen und in der Leitung zu beraten, kurz alles durch besondere persönliche Fürsorge zu unterstützen, was zum Gelingen dieses schwierigen, aber wichtigsten allgemeinen Problems volkswirtschaftlicher Kriegsinvalidenfürsorge speziell für Ostpreußen beitragen kann, und wodurch unser jüdisches Patenschaftswerk harmonisch und bedeutsam an die Be st re b ungen der patenschastlichen allgemeinen Ostpreußenhilfe angeschlossen w ü rd e. fggnjg|gf B&f, Der verlorene Sohn. Von Joseph Patai. Erzählung aus dem Zeitalter der Teilung Polens. Einzig berechtigte Uebersetzung aus dem Magyarischen von Dr. A d o l p h K o h u t. (2. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) er Knecht erwiderte nichts; doch der Knabe fuhr fort, ' stürmisch weiter in ihn zu dringen. „Sieh mal, Vojtek," sagte er, „seither bedauerte ich es sehr, daß du meinetwegen bestraft wurdest. Ich hätte dich so gern um Verzeihung gebeten. Ich sagte allen Lakaien, daß sie sich von dem Kuchen was nehmen sollten, und auch dein Enkel sollte etwas bekommen. Auch bat ich Väterchen, daß er meine alten Kleider und Schuhe immrv.dem Gregor schenke . . ." „Ja, der junge Herr hat ein gutes Herz," unterbrach ihn bewegt der alte Diener. „Man sieht daraus, daß Sie nicht der Sohn eines Junkers sind." „Aber das will ich ja eben von dir erfahren, wer mein Vater war? Du bist der älteste Diener hier im Schloß und auch der beste. Ich bin überzeugt, daß du alles weißt, und ich schwöre dir bei Gott und allen Heiligen, daß ich niemand verraten werde, was du nur immer mir sagst." Zwei Tränen perlten dem Alten über das gefurchte, braune Gesicht. „Schwören Sie noch einmal, junger Herr, daß Sie mich nicht verraten werden. Sehen Sie, ich werde ja nicht mehr lange leben; aber ich.möchte doch nicht im Kerker sterben. Lieber will ich auf dem Felde säen und Pflügen und arbeiten bis an mein seliges Ende. Wenn aber der gnädige Herr erführe, daß ich zum jungen Herrn geplaudert habe, so weiß ich nicht, was mit mir geschehen würde." „Ich schwöre, daß er es nie erfahren soll," wiederholte Jeromos leidenschaftlich. Vojtek strich seinen dichten, grauen Schnurrbart, und auf seine Pflugschar sich stützend begann er: „Nun, die Wahrheit muß heraus: der Vater des jungen Herrn war ein Jude." Jeromos begann zu taumeln, aber er nahm sich rasch zusammen, damit er alles erfahre, und der Alte fuhr in mitleidigem Tone fort: „Er war hier Pächter bei dem gnädigen Herrn." „Und wann ist er gestorben?" „Ja, das ist schon sehr lange her, doch ich will weiter erzählen, weil ich nun schon einmal begonnen habe. Vor etwa zwölf Jahren, es war gerade die Zeit der Kartoffelernte, zogen die Kosaken hier vorbei und verfolgten die Juden. Der Vater des jungen Herrn befand sich damals gerade auf dem Markte, und als er nach Hause kam, fand er seine Frau und seine beiden Knaben im Blute vor. Das ganze Haus war ausgeraubt. Die Augen Jeromos" füllten sich mit Tränen. „Die beiden Kinder starben, aber die Mutter des jungen Herrn erholte sich bald wieder. Ihre Wunden heilten, und bald darauf konnte sie auch wieder arbeiten. Aber als die Zeit kam, wo die Herbstpacht zu zahlen war, gingen Ihre Eltern zum Herrn Grafen und baten ihn, Rücksicht mit chnen zu nehmen und ihnen die Pacht in Anbetracht ihres großen Unglücks bis zum Frühling stunden zu wollen. Der gnädige Herr, der ein sehr frommer und gottesfürchtiger Mann ist, hätte damals sehr gern aus jedem Juden einen griechischorthodoxen Christen gemacht. Er sagte, es sei gut, er wolle ihnen sogar die Pacht für das ganze Jahr erlassen, aber unter der Bedingung, daß sie sich taufen ließen. Aber die Juden, will sagen, die Eltern des jungen Herrn, erwiderten darauf, daß sie lieber sterben wollten, als ihren Glauben verraten. „Nun, dann sollt ihr sterben," sagte der gnädige Herr und befahl, daß beide in das Kellergesängnis geworfen werden sollten. In jener Nacht hatte ich gerade die Wache im Schloß. Ich ging aus und ab und machte die Runde um das ganze Gebäude. Die ganze Nacht lang hörte ich aus dem Keller herauf das Stöhnen eines Weibes und das Beten eines Mannes. Das Gebet war so traurig wie dasjenige, das der Herr Pfarrer bei der Beerdigung spricht. Niemals hatte ich eine so entsetzliche Wache wie damals. Und war doch schon so oft um das Schloß patrouilliert und hatte doch während meiner Soldatenzeit so manches Traurige vor mir gesehen! Ich dachte es mir gleich, was da vor sich gehe, und am Morgen erzählte man sich denn auch im Schloß, daß in der Nacht ein Knabe im Kerker zur Welt gekommen, und daß die Mutter gestorben wäre." Jeromos begann zu schluchzen, und der Alte sah ihn teilnahmsvoll an. Er war untröstlich, daß er dem guten Knaben einen solchen Kummer bereiten mußte. „Und wo ist meine arme Mutter begraben worden?" fragte Jeromos leise. „Das weiß ich wirklich selbst nicht. Die Juden von Lublin hörten von der Sache und kamen her, bezahlten dem gnädigen Herrn die Pacht und führten die Leiche nach Lublin. Dort ist sie. vermutlich bestattet werden."

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