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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-19 · Heft 3 (19.1.1917) · p. Seite 31

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 3 (19.1.1917)
Date
1917-01-19
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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begnügte. Landshuth war ein eifriger Sammler, dessen Kollektaneen noch heute in der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde aufbewahrt sind. Die ausgebreitete Sammlertätigkeit verhinderte Landshuth, der kein leichtflüssiger Schriftsteller war, an der Ausarbeitung der von ihm zusammengebrachten Materien, so daß er fast als einzige Frucht seiner Studien nur eine grundgelehrte „Geschichte des Berliner Rabbinats" von 1671 bis 1860 veröffentlichte. Ich habe bei der Ausarbeitung meiner „Geschichte der Juden in Berlin" die reichen Sammlungen des unterrichteten Mannes benutzt. Es war nicht leicht, mit dem eigenwilligen, methodisch ungeschulten, seine Schätze eifrig bewachenden und zugleich stark überschätzenden älteren Herrn, der einen viel älteren Eindruck machte, als seine Jahre voraussetzten, umzugehen; dieser Umgang wurde dadurch noch schwerer, daß er fast taub war, und am allerschwersten dadurch, daß er mich als einen Eindringling betrachtete, der ihm in sein Gehege käme, dem er die Fähigkeit nicht zutraute, die Arbeit so zu machen, wie er sie sich gedacht hatte. Heute, da 47 Jahre seit jenen Stunden vergangen sind, seien die Unannehmlichkeiten dieser gemeinsamen Arbeit vergessen und begraben und-die Erinnerungen an den wackeren eifrigen Gelehrten alten Schlages, dem trotz allen Eigensinns und Dünkels hauptsächlich an der Sache gelegen war und der mit unendlichem Fleiße und großer Liebe seine Schätze sammelte und hütete, mögen bestehen bleiben und dankbar ausgesprochen werden. Lrnst Julius firmats. der Sohn des in Nr. 30 gewürdigten Robert Remak, der tüchtige Sohn eines hochbedeutenden Vaters, war in Berlin am 26. Mai 1849 geboren und ist in Wiesbaden am 24. Mai 1911 gestorben. Er besuchte das Friedrich-Gymnasium in Berlin, siedelte nach dem Tode der Eltern — die Mutter war schon vor dem Vater gestorben — zu Verwandten in Breslau über und bestand daselbst am Maria-Magdalenen-Gymnasium das Abiturientenexamen. Er machte den Krieg von 1870 freiwillig als Unterarzt mit, nachdem er die Kriegsdoktorprüsung im 7. Semester bestanden hatte. Eine Differtation „Zur Pathogenese der Bleilähmungen" lieferte er 1875 als Assistent von Westphal in Berlin nach. Am 31. Juli 1877 habilitierte er sich an der Berliner Universität mit der Antrittsvorlesung „He ParaJysibus Plexus Brachialis". Im Jahre 1893 wurde er Titularprofessor, im Jahre 1902 außerordentlicher Professor und erhielt im Jahre 1910 den Titel eines Geheimen Medizinalrats. Remak bearbeitete in glücklicher Weise das von dem Vater geschaffene Gebiet. Bei ihm stand von Anfang an die Praxis neben der Theorie. Er ließ sich, nachdem er 1873—1875 in der Nervenklinik der Charitä Assistent von Westphal gewesen war, als Spezialarzt für Nervenkrankheiten und der Elektrotherapie in Berlin nieder. Seine praktische Tätigkeit, so ausgedehnt sie auch war, ließ ihm Muße zur Mitarbeit an vielen medizinischen Zeitschriften, in denen er viele Dutzende von Spezialaufsätzen veröffentlichte. Er war ein hervorragend tätiger Mitarbeiter an Eulenburgs medizinischer Realenzhklopädie. Von selbständigen Werken seien hauptsächlich zwei genannt: „Grundriß der Elektrodiagnostik" und „Elektrotherapie für Praktische Aerzte" 1895 und „Neuritis und Polyneuritis" in der Nothnagelschen Sammlung 3. Teil 3. Abteilung. Ich habe Remak sehr wohl gekannt. Er war ein hervorragender Arzt von außerordentlichem Fleiß und großer Gewissenhaftigkeit, ein frischer, angeregter Mann, eine gesellige Natur, ein Mann, der von den Fachgenossen hochgeschätzt, bei seinen Patienten beliebt war. Er lebte in dem angenehmsten Familienkreise und führte ein sorgenloses Leben. Er gehörte zu den Glücklichen, die kraft eigener Bedeutung nicht unter der Last eines großen Namens litten. Denn wenn er auch nicht die Genialität seines großen Vaters besaß, so war es ihm beschieden, auf dem von jenem erschlossenen Gebiete tätig zu sein, durch treffliche Untersuchungen die Forschungen jenes zu vertiefen und zu erweitern und sich als einen höchst würdigen Sohn seines großen Vaters zu bewähren. L. G. 3 Ernst Julius Remak geboren in Berlin am 26. Mai ^8*3, gestorben in Wiesbaden am 2\, Mai Lin Lrief M. Mosers. n der außerordentlich reichhaltigen Sammlung von Briefen, die in dem an dieser Stelle bereits einmal besprochenen Katalog der E. R. Lessingschen Handschriftensammlung aufbewahrt werden, befinden sich zahlreiche Briefe von, an und über Moses Mendelssohn. Der ganze Reichtum dieser Schriftstücke, soweit er unbekannt ist, soll in einer großen Mitteilung verwertet werden, die in dem diesjährigen „Jahrburch der jüdischen Geschichte und Literatur" abgedruckt zu werden bestimmt ist. Diese Mitteilung hätte ich noch umfangreicher gestalten können, wenn ich all die an Mendelssohn gerichteten Briese rein philosophischen Inhalts und sämtliche Notizen wiedergegeben hätte, die, lange nach Mendelssohns Tode geschrieben, das Fortleben seines Andenkens bekunden. Ich will nicht etwa all das in jener Abhandlung Fortgelassene an dieser Stelle nachtragen, behalte mir aber vor, in einem eigenen Artikel mit Vorlegung charakteristischer Proben den Nachweis zu führen, daß es notwendig und eine Ehrenpflicht für die deutschen Juden ist, die gesamte Korrespondenz Moses Mendelssohns, aus die wir in jeder Beziehung stolz sein können, in einer gereinigten Gestalt dem deutschen Publikum, nicht bloß den Juden, vorzulegen. Heute soll nur ein kleines, aber sehr wertvolles und für unsere Leser gewiß höchst interessantes Schriftstück mitgeteilt werden. Es ist ein Schreiben von M. Moser an David Friedländer vom 3. Juli 1821. M. Moser ist eine der sympathischsten Persönlichkeiten aus dem alten jüdischen Berlin. Er war Kaufmann, dabei aber ein geistig ungemein angeregter Mann, der sich viel mit philosophischen Studien abgab, der Heine materiell unterstützte, ihm aber auch vielfach aus seinen Kenntnissen spendete, zugleich ein Mann, der sich lebhaft für jüdische Angelegenheiten interessierte und dadurch mit Zunz und dessen Kreise in innige Verbindung trat. In seiner Jugend stand er durchaus unter Mendelssohns Einfluß. Diese seine Abhängigkeit und doch zugleich seine Selbständigkeit sprach er in dem genannten Schreiben aus. Der erste Teil des Schriftstückes gibt ein Urteil über die Mendelssohn-Jacobischen Streitigkeiten,

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