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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-19 · Heft 3 (19.1.1917) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 3 (19.1.1917)
Date
1917-01-19
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 Fällen somit alle Bedenken gegen die hier vorgeschlagene Regelung fort, so bleibt lediglich übrig: einmal die Forderung einer folgerichtigen Ausgestaltung der dem jüdischen Religionsunterricht durch das Gesetz angewiesenen Stellung und zweitens das Interesse des Staates an der Beseitigung eines Zustandes, dessen Fortbestand auch für ihn in hohem Maße bedenklich sein inuß. Denn einer Staatsregierung, welche grundsätzlich in dem Religionsunterricht ein unerläßliches Element der Erziehung und Charakterbildung sieht, kann es unmöglich gleichgültig sein, ob diesen Grundsätzen zuwider ein Teil der Jugend als religiöse Nihilisten auswächst. Wollte sie dem ruhig zusehen, so käme sie mit sich selbst in einen Widerspruch, der innerhalb jeder gesunden Staatsverwaltung unerträglich ist. Sie wird sich daher der Notwendigkeit nicht verschließen können, mit ihrer bisherigen Praxis zu brechen und zu einer konsequenten, die bisherigen Widersprüche beseitigenden, innerlich befriedigenden Lösung der Frage, soweit dies an ihr liegt, die Hand zu bieten. Sir Woche. Berlin, den 16. Januar 1917. ie man auch über den Ursprung des gewaltigen Krieges denken mag, daran kann gar kein Zweifel sein, daß seine Fortdauer Alleinschuld der wider uns verbündeten Mächte ist. Dieser Satz wird am deutlichsten durch einige Sätze aus der von Deutschland an die Neutralen gerichteten Note, die folgendermaßen lauten: Deutschland und seine Verbündeten, die zur Verteidigung ihrer Freiheit und ihres Daseins zu den Waffen greifen mußten, betrachten dieses ihr Kriegsziel als erreicht. Dagegen haben die feindlichen Machte sich immer weiter von der Verwirklichung ihrer Pläne entfernt, die nach den Erklärungen ihrer verantwortlichen Staatsmänner unter anderem auf die Eroberung Elsaß-Lothringens und mehrerer preußischer Provinzen, die Erniedrigung und Verminderung der österreichisch-ungarischen Monarchie, die Aufteilung der Türkei und die Verstümmelung Bulgariens gerichtet sind. Angesichts solcher Kriegsziele wirkt das Verlangen nach Sühne, Wiedergutmachung und Bürgschaft im Munde der Gegner überraschend. Die Gegner bezeichnen den Friedensvorschlag der vier verbündeten Mächte als Kriegsmanöver. Deutschland und seine Bundesgenossen müssen auf das nachdrücklichste Verwahrung dagegen einlegen, daß ihre Beweggründe, die sie' offen dargelegt haben, aus diese Weise gefälscht werden. Ihre Ueberzeugung war, daß ein gerechter und für alle Kriegführenden annehmbarer Friede möglich sei, daß er durch unmittelbaren mündlichen Gedankenaustausch herbeigeführt werden könne und daß deshalb weiteres Blutvergießen nicht zu verantworten sei. Die ohne Vorbehalt ausgesprochene Bereitschaft, beim Eintritt in die Verhandlungen ihre Friedensvorschläge bekanntzugeben, widerlegt jeden Zweifel au ihrer Aufrichtigkeit. Die Gegner, in deren Hand es lag, das Angebot auf seinen Gehalt zu prüfen, haben weder die Prüfung versucht noch Gegenvorschläge gemacht. Statt dessen erklärten sie einen Frieden für unmöglich, solange nicht die Wiederherstellung der verletzten Rechte und Freiheiten, die Anerkennung des Grundsatzes der Nationalitäten und der freien Existenz der kleinen Staaten gewährleistet sei. Die Aufrichtigkeit, die der Gegner dem Vorschlag der vier verbündeten Mächte abspricht, wird die Welt diesen Forderungen nicht zubilligen können, wenn sie sich das Geschick des irischen Volkes, die Vernichtung der Freiheit und Unabhängigkeit der Burenrepubliken, die Unterwerfung Nordafrikas durch England, Frankreich und Italien, die Unterdrückung der russischen Fremdvölker und schließlich die ohne Vorgang in der Geschichte dastehende Vergewaltigung Griechenlands vor Augen hält. Die Note schließt, nachdem sie gezeigt hat, wie die wider uns verbündeten Mächte ihrerseits überall das Recht mit Füßen getreten haben und Deutschland wegen seiner Kriegführung mit Belgien und wegen seiner Behandlung der belgischen Bevölkerung ungerecht verleumdet hatten, mit folgenden Sätzen: Deutschland und seine Bundesgenossen haben einen ehrlichen Versuch gemacht, den Krieg zu beendigen und eine Verständigung der Kämpfenden anzubahnen. Die kaiserliche Regierung stellt fest, daß es lediglich von dem Entschluß ihrer Gegner abhing, ob der Weg zum Frieden betreten werden sollte oder nicht. Die feindlichen Regierungen haben es abgelehnt, diesen Weg zu gehen: auf sie füllt die volle Verantwortung für den Fortgang des Blutvergießens. Die vier verbündeten Mächte aber werden den Kampf in ruhiger Zuversicht und im Vertrauen auf ihr gutes Recht weiterführen, bis ein Friede erstritten ist, der ihren eigenen Völkern Ehre, Dasein und Entwicklungsfreiheit verbürgt, allen Staaten des europäischen Kontinents aber die Wohltat schenkt, in gegenseitiger Achtung und Gleichberechtigung gemeinsam an der Löstlng der großen Kulturprobleme 311 arbeiten. Unmittelbar nachdem diese Note des deutschen Reichskanzlers bekanntgeworden war, wurde die der Ententemächte an Wilson veröffentlicht. Aus dieser geht hervor, daß die Entente sich in hohlen Worten von aller Schuld freisprechen will; das Bedeutsamste aber in dieser Auseinandersetzung sind die Darlegungen über die Kriegsziele. Die betreffenden Stellen lauten: äie Alliierten können auf diese Forderung ohne Schwierigkeit antworten. Ihre .Kriegsziele sind wohl bekannt, sie haben sie mehrfach in den Erklärungen der Oberhäupter der verschiedenen Regierungen dargelegt. Diese Ziele werden in den Einzelheiten mit allen Kompensationen und gerechtfertigten Entschädigungen für den erlittenen Schaden erst in der Stunde der Verhandlungen auseinaudergesetzt werden. Aber die zivilisierte Welt weiß, daß sie alles Notwendige einschließen und in erster Linie die Wiederherstellung Belgiens, Serbiens u ub Montenegros, die ihnen geschuldeten Entschädigungen, die Räumung der besetzten Gebiete von Frankreich, Rußland und Rumänien mit den gerechten Wiedergutmachungen. die Reorganisation Europas, Bürgschaft für ein dauerndes Regime, das sowohl auf der Achtung der Nationalität und der Rechte aller kleinen und großen Völker begründet ist wie auf territorialen Abkommen und internationalen Regelungen, welche geeignet sind, die Land- und Seegrenzen gegen ungerechtfertigte Angriffe zu schützen, die Zurückgabe der Provinzen und Gebiete, die früher den Alliierten durch Gewalt oder gegen den Willen ihrer Bevölkerung entrissen worden sind, die Befreiung der Italiener, Slawen, Rumänen, Tschechen und Slowaken von der Fremdherrschaft, die Befreiung der Bevölkerungen, welche der blutigen Tyrannei der Türkei! unterworfen sind, und die Entfernung des vsmanischen Reiches ans Europa, well es zweifellos der westlichen Zivilisation fremd ist. Gegenüber solchen geradezu empörendeu Forderungen hat der Deutsche Kaiser die Empfindungen des gesamten deutschen Volkes in seiner Ansprache au das deutsche Volk vom 12. Januar ansgedrückt, in der es heißt: „Hellflannnende Entrüstung und heiliger Zorn werden jedes deutschen Mannes und Weibes Kraft verdoppeln, gleichviel ob sie dem Kampf der Arbeit oder dem opferbereitere Dulden geweiht ist. Der Gott, der diesen herrlichen Geist der Freiheit in nuferes tapferen Volkes Herzen gepflanzt hat, wird uns und unseren trerren, sturmerprobten Verbündeten auch den vollen Sieg über alle feindliche Machtgier und Verfolgungswut geben." Ans allen diesen Dokumenten, aus denen deutlich hervorgeht, daß Deutschland ans dieser Grundlage keinen Frieden schließen kann, sollten, so müßte man meinen, nun den Neutralen endlich die Augen geöffnet werden. Sie müßten über die eigentlichen Friedensstörer und Kriegshetzer, über die Fortsetzer des unglaublichen Bültvergießens genugsam aufgeklärt sein. Aber es ist zu fürchten, daß durch alle diese offenkundigen Beweise der Haß gegen Deutschland auch in den neutralen Mächten nicht erlöschen wird. Nun heißt es freilich, der Präsident Wilson bereite eine neue Friedensnole vor. Ob sein Einfluß stark genug sein wird, die bisher hervorgetretenen unvereinbaren Gegensätze irgendwie zu versöhnen, läßt sich nicht sagen; immerhin ist es gilt, daß durch den fortlaufenden

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