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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-12 · Heft 2 (12.1.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 -- Dr. Weiße eine schlichte und ergreifende Ansprache. Der Herr Rabbiner legte seinen Worten den Spruch zugrunde: „Nicht durch Macht und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist spricht der Herr Zebaoth", und führte aus, daß nicht das materielle Licht, das Augenlicht, die Hauptsache sei, sondern das geistige Licht, das Licht, das aus der Seele, dem Herzen kommt und dem Menschen seinem Tun und Lauf, seiner Umgebung Glanz und Schimmer verleiht. Gr wies auf die Makkabäer hin, die, obwohl gering an Zahl, dank diesem edlen, inneren Lichte, ihrem Opfermute, ihrer Glaubeilsstärke, das Höchste vollbrachten. Nun wurden die Ehanukalichter augezündet, und jubelnd klang das uralte, herrliche ,,Moaus zur jeschuoßi" durch den weiten Raum. Gs folgten dann Deklamations- und musikalische Borträge. Eine Schülerin trug ein von der Insassin der Anstalt, Fräulein Jennh Bergmann, verfaßtes Gedicht sehr allsdrucksvoll vor. Es handelt von der herzlichen Dankbarkeit der Heiminsassen und ihrer Freude über das ihnen alljährlich wiederkehrende frohe Fest. Zwei Zöglinge brachten die Festouvertüre „Tempelweihe" von Sieler Bela lllld den Militärmarsch voll Schubert für Klavier, vierhändig, zu Gehör. Zlvei Insassen erfreuten uns durch die mustergültige Wiedergabe von Schumanns „Paradies und Peri" auf Flügel und Harmonium. Ten Abschluß der Bortrüge bildete das ansprechende und lieblich gesungene Duett von Mendelssohn „Ich harrete des Herrn". Zöglinge lind Pfleglinge wurden mm in das Klassenzimmer geführt, wo für jeden ein Korb mit allerlei nützlichen und schönen Dingen bereitstand, die mit Tank und Freude angenommen wurden. Im Speisesaal war die sehr gediegene und reichhaltige Ausstellllug von Blindenarbeiten jeder Art zusammengestellt. Biel Schönes war zll sehen und zu bewundern. Kunstvoll gestrickte Decken in den herrlichsten Mustern, Handtaschen, verschiedene Knüpfarbeiten, Nadelkissen, reizende Serviettenringe, gestrickte und gehäkelte Einsätze, Puppensachen bedeckten die Tafel. Die Bürsten lmd Besenwaren, von den blinden Pfleglingen der Anstalt gearbeitet, konnten sich, was musterhafte Ausführung und tadellose Oualitüt betraf, wohl sehen lassen. Es wurde viel gekauft und nachbeftellt, was wohl der beste Beweis für die Güte und Schönheit der ausgestellten Gegenstände war. Auch wurden namhafte Beträge von edlen Menschenfreunden für die Anstalt gespendet, so daß die dankbare Freude und Befriedigung bei allen Teilnehmern wohl eine allgemeine war. - Breslau, 5. Januar. Der am 31. Januar 1007 verstorbene Rentner Lvui s F r a e n f e l hatte letztwillig die Stadtgemeinde Breslau als Erbin unter der Bedingung eingesetzt, sein Vermögen unter dem Namen „Louis Fraenkelsche Stiftung zur Unterstützung jüdischer Bräute" zu verwalten und aus dessen Zinsen jährlich Zuwendungen in Höhe von je 100 Mark an arme jüdische hierorts wohnende Bräute nach standesamtlicher Trauung zu machen. Die Auswahl unter den Bewerberinnen hat der Borstand der Shnagogeugemeiude Breslau zu treffen. Die Stiftung ist im Jahre 1900 ins Leben getreten. Das Stiftungskapital betrug damals (Nennwert) 152 240 Mart: es beträgt jetzt 1X3 X70 Mark, hat sich also seitdem um 31 030 Mark vermehrt, und zwar um die Zinsen, die infolge des sehr niedrigen Unterstützungsbetrages von 100 Mark nicht zur Auszahlung gelangt sind. Der Magistrat war schon damals der Ansicht, daß ein Unterstützungsbetrag von nur 100 Mart nicht im Verhältnis zur Größe des Stiftungskapitals stehe: da aber der Stifter die Höhe der Unterstützung aus 10(> Mart festgesetzt hatte, mußten erst Erfahrungen über die Inanspruchnahme der Stiftung gesammelt werden, ehe an eine Erhöhung der Unterstützung gedacht werden konnte. Nach den bisherigen Erfahrungen kann jährlich mit der Unterstützung für zehn jüdische Bräute, also mit einer Iahresausgäbe von 1OOO Niart gerechnet werden. Zurzeit kommen an Zinsen auf jährlich G2xo Mark. Hiervon sind zunächst zudecken für drei Neutenel1rpfäilgerinlum 1700 Mart, so daß für die eigentlichen Stiftungszwecke 45XO Mark verfügbar sind. Wird wie bisher eine Unterstützung in Höhe von nur 1O0 Mart gezahlt, so bleiben jährlich 3580 Mark übrig, die wiederum zum Kapital zu schlagen sind. Der Erblasser ist offenbar der Meinung gelvesen, daß sich uni eine Unterstützung ans seiner Stiftung eine erheblich größere Anzahl jüdischer Bräute bewerben würde. Eine fortlaufende erhebliche Vermehrung des Stiftungskapitals durch Zuwachs nicht verbrauchter Stiftungszinsen hat sicherlich nicht im Sinne des Stifters gelegen. Auf Antrag des Vorstandes der Syuagogeugcmeiude hat der Magistrat daher beschlossen, den Unterst ü tz u ir g s b e t r a g i m E i n z e l f a I l,e z u e r h öhen , und zwar bis auf 5O0 Mark, so daß der Vorstand der Shnagogengemeinde in der Lage wäre, je nach Lage der Verhältnisse Unterstühungsbeträge dorr 100 bis 500 Mark zu bewilligen. Die Stadtverordnetenversammllmg soll dazu ihre Zustimmung geben. Weiter ist auch die Genehmigung der Staatsregierung zu diesem Beschlüsse erforderlich. m. Hamburg, 5. Januar. Ter Vorstand der Deutsch-Ji'raelitischcn Gemeinde hatte an die Vertreter der ihm unterstellten Institutionen, der Kultusverbände und an die Mitglieder des R'epräfentantenkollegimsts Einladungen ergehen lassen zwecks Teilnahme an der Weih e f e i e r des neuen Gemeindehauses. Der zweite Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Herr Dr. Max Cohen (M. d. B.), begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, unter denen sich auch mehrere Bürgerschastsmitglieder befanden, und betonte, daß der Vorstand angesichts der ernsten Zeit davor: Abstand genommen habe, eine Einweihungsfeier größeren Stils zu veranstalteil. Der Vorstand wolle nur denjenigen seinen Tank abstatten, die ihn durch ihre getreue Mitarbeit irr den verschiedenen Kommissionen und Wohlfahrtsanstalten sowohl in Friedenszeiten als auch besonders jetzt während des Krieges in seinen schweren Aufgaben unterstützten. Es gelte aber auch ferner allen denen zu danken, die durch ihre segensreiche Mitarbeit zur Errichtung dieses den Bedürfnissen der Neuzeit entsprechenden Hauses mit beigetragen haben, und denen, die durch Uebersendung von Geschenken für das Gemeindehaus des Vorstandes besonders gedacht haben. Nun sei es nach langen Bemühungen gelungen, hier inmitten der hamburgischen Stätten für Bildung und Wissenschaft und inmitten der Gotteshäuser und Schulen der Deutsch-Israelitischen Gemeinde eine bleibende Stätte für die ihrer harrenden Ausgaben zu errichten. Groß seien die Aufgaben, die zll erfüllen die Deutsch-Israelitische Gemeinde stets in inniger Verbindung mit dem deutscheil Vaterland bestrebt war. Aber auch die engere Arbeit innerhalb unfexex Vaterstadt ist sehr bedeutend, namentlich auf bcn Gebieten, denen die Gemeindebehörden von jeher ihre besondere Aufnlerksamkeit zugewandt haben. Es sind dies die Arluellpflege, der jetzt während des Krieges das Wvhlfährtswesen und die Kriegssürsorge eng verbunden silld. Weiter erstreckt sich die Fürsorge der Gemeinde auf das Schul- und Bildungswesen, die Waisenuud Krankenpflege. Der Vorstand glaubte, daß dieses Haus erst dann seine rechte Bedeutung erhalteil würde, wenn es von den berufenen geistlichen Vertretern der innerhalb der Gemeinde bestehenden Kultusverbände seine Weihe erhalten hat. Herr Oberrabbiner Dr. Spitz e r hob in seiner Weiherede hervor, das hier inmitten der Wirrnisse des Krieges Geschaffene würde zur friedlichen Arbeit innerhalb der Gemeinde, namentlich auf den Gebieten des Armenweseus, des Schulwesens lind des Gebietes der allgemein-jüdischen Interessen. Herr Rabbiner Dr. L e i m d ö r s e r von: Tempelverband betonte in seiner. Weiherede, anknüpfend an den 30. Psalm, narnentlich den doppelten Charakter des Deutschtums und des Judentums innerhalb der sämtlichen Wirksamkeitsgebiete der Gemeinde und schloß mit einem Gebet für Senat und Bürgerschaft, für die Genl-eindebehörden und die sämtlichen Illstitutioueu der Hamburger Gemeinde. Nach der Feier fand eine Besichtigung der sämtlichen Räume statt. Ter Umbau ist nach bett Plänen des Herrn Regierungsbanmeisters Friedh e i m erfolgt. g/3 Hannover 5. Januar. Am 17. v. s3Ji. fand die diesjährige Sitzung des Kuratoriums der I s r a e l i t i s ch e n E r z i e h u n g s - A u ft a l t z u A h l e ln statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende, Herr Iustizrat Dr. Bereu d, den verstorbenen Mitgliedern der Verwaltung, bem langjährigen und verdienstvollen Schatzmeister Herrn Gustav Cohen lind dem Kurator Herrn Siegfried Brünn sowie dem am Tage vor der Sitzung verstorbenen Herrn S. Vogelstein (Hannover), ehrende Worte treuen Gedenkens. Ferner gedachte er der drei neuerdings für das Vaterland aesalleuen ehemaligeil Zöglinge. Bei den hierauf stattfindenden Wehten wurden die nach der Amtsdauer ausscheideuden Kuratoriumsmitglieder durch Zuruf wiedergewählt. - Der Bericht des Vorstandes sowohl als auch die Rechnung des Jahres 1915 und der Borauschlag für 1917 wirrden genehmigt. Aus dem Jahresbericht selbst sei hier folgendes erwähnt: Ter Anstaltsbetrieb wurde in bisherigem Umfange nufrechterhalten. Das Müdcheuhaus dient noch immer als Lazarett: die Mädchen sind in einem andern Gebäude untergebracht. 13 Gürtnerlehrlinge kamen zur Entlassung und fanden gutbezahlte Stellungen. Von der: fünf zur Entlassung

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