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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-12 · Heft 2 (12.1.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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81. Jahrgang Nr. 2 Der Gemeindevote. Berlin, 12. Januar 1917 Stilsge zur „Allgemeinen Zeitung dr§ Judentum-". Korrespondenzen und Machrichten. LruMlsnd. Berlin, 9. Januar. Der Vorstand der Berliner Jüdischen Genrein de hatte -an den Reichskanzler zu dessen 60. Geburtstage ein Glückwunschtelegramm gerichtet, das nachstehenden Wortlaut hat: „Euer Exzellenz entbieten wir zuin sechzigsten Geburtsfest ergebenst Glückwünsche. Aus vollem Herzen schließen. wir uns den Dankeskundgebungen an, die heute Euer Exzellenz, dem starken und' sicheren Lenker des Staatsschifses in sturmbewegter Zeit, aus allen Gauen des Reiches Zuströmen. Möge Euer Exzellenz großes Lebens werk bald durch einen siegreichen Frieden gekrönt werden. Ehrerbietigst Vorstand der Jüdischen Gemeinde." Vom Reichskanzler ist bei' den: Vorsitzenden des Gemeindevorstandes da s folgen de Dankschreiben eiin'gegangen: „Euer Hochwohlgeboren bitte 'ich, dem Vorstand der Jüdischen Gemeindefür die freundlichen Glückwünsche zu meinem 60. Geburtstage meinen 'aufrichtigsten Dank übermitteln zu wollen. In vorzüglicher Hochachtung gez.: Bethmann Hollweg." # & Berlin. 9. Januar. Der Bericht der Fürsorgekom Mission unserer Gemeinde enthält verschiedene Zahlen, die eine vorzügliche Erläuterung der. sozialen Tätigkeit unserer Gemeindebehörden geben. Die Kommission, die unter ihren 32 Mitgliedern auch sieben Damen zählt, hat in der Zeit vom 1. April 1915 bis zum 1. April 1916 im> ganzen 349 Fälle behandelt, von denen 191 Fülle Jugendliche betreffen, während in 158 Fällen Strafgefangene bzw. Unters uchungsgefangene oder deren Familien der Obhut der Kommission unterstanden. Ansgesamt haben die Mitglieder und die als „Pflegerinnen" bezeichneten Ehrendamen der Kommission rund 120 Pflegschaften ausgeübt. . Unter den Strafgefangenen, denen die Fürsorge des Kollegiums gewidmet war, befanden sich 155 Männer und nur drei Frauen; 68 Personen besaßen die Ortsangehörigkeit in Groß-Berlin, 105 von ihnen waren verheiratet. Die Familien der Gefangenen wurden mit Geld und Nahrungsmitteln usw. unterstützt; vor allem war die Kommission auch um Arbeitsvermittlung ] bemüht, die sie sowohl den Frauen der Gefangenen wie auch den ent-; lasierten Strafgefangenen in vielen Fällen durch, den Verein für! Arbeitsnachweis, begründet von den jüdischen Logen U. O. B. B.,! verschaffenkonnte. Von bcn verwahrlosten Jugendlichen wurde i eine Anzahl in Fürsorgeerziehung untergebracht, wobei' die Knaben j in Nepzin, die Mädchen in Köpenick in den vom Deutsch-Israelitischen i Gemeindebund' begründeten' und unterhaltenen Erziehungsanstalten - ausgenommen wurden. Die g c f ä h r d e t e n Z ö g li n g e der I Kommission wurden^ in Famtlienpflege und in Lehrstellenuntergebracht. Die Ausgaben der Fürsorgekommission belaufen sich insgesamt auf 27 770 Mark, von denen etwa 25 000 Mark von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin getragen werden. S£2 Berlin, 9. Januar. Von der Lehranstalt für Oie Wissenschaft des Ju dent ums, Arti l lerie str a ße 14, gelangen soeben die Prospekte über den dieswinterlichen M-o n t a g s- Vorlesungszyklus zur Versendung. Zum dritten Male während der Dauer des Krieges! War man im ersten- Jahre besonders daraus bedacht, die Vorträge den Zeitereignissen a-nzupafsen, so daß fast durchweg „Kriegsvorlesungen" gehalten wurden, so kam mein schon int zweiten Jahre sehr wesentlich davon ab und suchte, wie in den früheren Jahren, sich wieder in die Gefilde der reinen Kunist und Wissenschaft zu flüchten. Nach den glänzenden Erfolgen, die man damit erzielt hatte, glaubte man in diesem Jahre erst recht nicht von diesem Prinzip abweichen zu sollen. Nur ein einziger. Vortrag spielt, und auch dies mehr nebenbei, in die heutigen Zeitverhältnisse hinein, der von Rabbiner Dr. Wien e r (Stettin): „Soziale Aufgaben und Leistungen der politischen und religiösen Gemeinden." Allerdings ist dieses Thema besonders aktuell; denn noch nie sind Private und Gemeinden für die Dienste der Gesamtheit in einer Weise herangezogen worden wie gerade jetzt. Mit dem Vortrage dürfte wohl auch im gewissen Sinne eine Antrvort auf die „Judenzählnug" gegeben werden: denn aus dem Munde des Vortragenden werden wir ohne Zweifel zu erfahren bekommen, welche Anstrengungen gerade die jüdischen Gemeinden in der Erfüllung ihrer „Zivildienstpflicht" während der langen Dauer der Kriegszeit im Interesse des Vaterlandes gemacht haben. Einen großen Rannt nimmt diesmal im Rahmen der Montagsvorlesungen die Kunst ein. Ten einleitenden Vortrag hält Herr Regierungs- und Baurat Hasak über: „Der Tempel zu Jerusalem" (uttt Lichtbildern). Ter Vortragende, der auf diesem Gebiete selbständige und tiefgreifende Studien getrieben hat. wird also in der Lage sein, ans der Fülle seines Wissens zu schöpfen. Nicht weniger interessant dürfte auch der für den 5. Februar augesetzte Vortrag des Herrn Professor Dr.-Jng. Alfred Grotte (Posen): „Kultur und Kunst im Prager Ghetto" (mit Lichtbildern) sein. Frau Doris Wittner, die sich gerade in letzter Zeit ebenso als Dichterin wie als feinsinnige Schriftstellerin -hervorgetan hat. hat sich in liebenswürdiger Weise in den Dienst der guten Sache gestellt und sich bereit erklärt, am 19. Februar „Aus eigenen Werken" vorzulesen. In ein etwas ferneres Gebiet führt uns der Vortrag des Herrn Professor Dr. I. Horovih (Frankfurt a. M.) mit seinem Vortrag über „Bilduugsprobleme in Indien". Der Gelehrte lebte viele Jahre in Indien und kennt die dortigen Verhältnisse aus eigener Anschauung und eigenen Studien, so daß seine Darlegungen weitestes Interesse finden dürften. Den Zyklus schließt dann am 12. März Herr Geheimer Oberkonsistoi ialrat Probst Professor D. Tr. K awer a u mit seinem Bortrag: „Luthers Stellung zu Juden und Judentum". Die Luther- Forschung ist Geheimrat Kaweraus Spezialgebiet, und nur dürfen wohl annehmen, daß seine Darlegungen für die Hörer mehr als einen rein literarischen oder historischen Wert gewinnen werden. Die Montagsvorlesungen, die geistig eine Förderung der Wissenschaft bezwecken, stehen materiell im Dienste der Wohltätigkeit. Ein Grund mehr, daß die Veranstaltung sich des Interesses weitester Kreise erfreut. Die Vorlesungen finden in der Aula der Lehranstalt, Artilleriestrabe 14, Montags abends 8 U h r, statt. Einlaßkarten zu 5 Mark für den ganzen Zyklus, zu 1 Mark für eine Vorlesung sind zu haben beim Hofjuwelier Herrn Eugen Marcus, Unter den Linden 31, beim Sekretariat der Lehranstalt und am Eingang in den Saal. Berlin, 9. Januar. Ter Geheime Justizrat Rechtsanwalt Leonhard Friednnann ist nach langem Leiden im 61. Lebensjahre einem! Herzschläge erlegen. Friedmann erfreute sich als Mensch und als Anwalt uneingeschränkter Sympathien. Er galt als der hervorragendste Verteidiger vor den Berliner Strafgerichten. Das Vertrauen seiner Kollegen berief ihn schon vor Jahren in den Vorstand der Berliner Amwaltskammer. Seine wifsenschastliche Bedentnng fand ihre Anerkennung, als das Reichsjustizamt ihn in die Kommission zur Beratung des neuen Strafgesetzbuches berief. Er hat an ihren Verhandlungen den regsten Anteil 'genommen. Beim Abschluß ihrer Arbeiten wurde er zum Geheimen Justizrat ernannt. Fri-edmann hat sich erst in späteren Jahren der Jurisprudenz zngewandt; er war vorher mehrere Jahre künstlerisch tätig gewesen. Das lebhafte Interesse für künstlerische und wifsenschastliche Fragen wie auch für jüdische Angelegenheiten — er stand eine Zeitlang an der Spitze der Vereinigung zur Abwehr feindlicher Angriffe hat er sich auch bei aller Berufsarbeit bewahrt. Tie Einäscherung der Leiche fand gestern in dein Krematorium in der Gerichtstraße unter großer Beteiligung statt. ^2 Berlin-Stegtitz, 9. Januar. (Unlieb verspätet.) „Es soll das Licht der Lieb und Dankbarkeit — So rasch nicht wie die Weihfestkerzen schwinden, — Ein stetig Feuer glänzt es allezeit, - - Daß wir stets Mut zu neuem Schaffen finden." (Jenny Bergmann.) Diese schlichten Worte geben wohl die Gefühle aller Beteiligten treulich wieder, denen es vergönnt war, der ebenso stimmungsvollen wie schönen Channkaseier beizuwohnen, die am 23. Dezember, abends 6 Uhr, im festlich erleuchteten Vetsaale der jüdischen Blindenanstalt zu Steglitz, Wrangelstraße 6—7, stattfand, und zu welcher mehrere Vorstandsmitglieder, Ehrendamen, Freunde und Gönner der Anstalt nebst Angehörigen der Insassen sich eingesunden hatten. Die Feier begann mit dem Gesang des Liedes „Wie schön sind deine Zelte Jakobs". Hieran schloß sich der Abendgottesdienst mit Chorbegleitung (Anstaltschor). Das Harmoninnt spielte ein Insasse der Anstalt ntit künstlerischer Vollendung. Dann hielt Rabbiner

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