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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-12 · Heft 2 (12.1.1917) · p. Seite 17

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
Seite 17 (sequence 5)
Language
German
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<daß der Verband der Deutschen Juden keine grundsätzlichen Bedenken Hegen den Entwurf habe, jedoch zunächst die Klärung der finanziellen Fragen für erforderlich halte. Es ist zu hoffen, daß der Entwurf Gesetz werden kann und Gesetz wird; das Gesetz würde dazu beitragen, die Not unter unseren ostpreußischen Glaubensgenossen, die schwer unter dem Einfall der Russen gelitten haben, zu lindern. * Die „Frankfurter Zeitung" enthielt nachstehende Nachricht: Ein neues Dokument zur „Freizügigkeit" der russischen Juden. Folgendes russische Dokument wird uns zur Verfügung gestellt: Ministerium des Innern. Kanzlei des Moskauer Stadthauptes. Paßabteilung. 9. (22.) November 1916. Nr. 156 936. An den Vorsitzenden der Moskauer Jüdischen Gesellschaft zur Untsspstützung der Kriegsopfer. Die Kanzlei teilt Ihnen hierdurch aus Befehl des Stadthauptes mit, daß gemäß der Anordnung des Departements für allgemeine Angelegenheiten.beim Ministerium des Innern vom 2. September 1916 (Nr. 27 081) die der Jüdischen Gesellschaft am 16. September 1916 (Nr. 30 274) erteilte Befugnis, für einzelne, jedesmal zu nennende jüdische K r i e g s s l ü ch t l i n g e , die auf Munitionsfabriken und anderen Kriegsbedarfsünternehmungen beschäftigt sind, Bittgesuche hinsichtlich der Gewährung des Aufenthaltsrechts in Moskau einzureichen — gegenwärtig aufgehoben wird. Diesem wird hinzugefügt, daß die Beschäftigung der jüdischen Kriegsflüchtlinge, die auf Fabriken als Arbeiter, Werkmeister oder Fachmänner angemeldet sind, nachgeprüst werden wird; diejenigen, die sich mit ihrer Arbeit nicht befassen, sind aus der hiesigen Residenz sofort auszuweisen. Die Verwaltung der Kanzlei: (Unterschrift). Derartige Barbareien haben wir in Deutschland nicht zu belichten, auch nicht zu befürchten. Aber den Wunsch wollen wir zum Schluß nicht unterdrücken, daß in Deutschland jedes antisemitische Gelüste baldigst schwinde. Für die schwere Zeit, die uns bevorsteht, ist unbedingte Einheit aller Kräfte nötig. Wir deutsche Juden wollen unsere Pflicht freudig erfüllen, aber man verbittere uns diese Freudigkeit nicht durch Verhetzungen und Beschimpfungen, sondern gewähre uns jenes Recht, das uns das Gesetz zubilligt und auf das wir einen vollgültigen Anspruch haben. * Der „Oesterreichischen Wochenschrift" entnehmen wir folgendem bemerkenswerten Artikel: Aus der Thronfolgerzeit unseres Kaisers. Unter der Ueberschrift „König Karl IV. und die Juden" schreibt „Egyenlöfeg" u. a.: * „Als er noch Thronfolger war, hatte König Karl IV. auf den verk schiedenen Kriegsschauplätzen vielmals Gelegenheit, den Heldenmut jüdischer Soldaten zu belohnen. Bon ungefähr zweihundert solchen Fällen hat' die Kriegschronik unseres Blattes, die jedoch schon wegen der Natur der Sache keinen Anspruch aus Vollkommenheit haben kann, Kenntnis, in denen der gewesene Anwärter der ungarischen Krone jüdische Soldaten auf den Kriegsschauplätzen persönlich dekoriert hat. Als die markantesten seien die folgenden Fälle hervorgehoben: Im Juni 1915 gratulierte er an der italienischen Front dem Militärarzt Dr. Sigmund Stern zu seiner Tapferkeitsmedaille in besonders warmen Worten. Am 25. September 1915 heftete der damalige Thronfolger dem Fähnrich Andreas V e r t e s die große, dem Fähnrich Eugen Gutmann die kleine und dem Fähnrich Arpad Engel die bronzene Tapferkeitsmedaille persönlich an die Brust. Nachdem er ihnen die Hand gereicht hatte, erkundigte er sich der Reihe nach nach ihrem bürgerlichen Berufe, durch welche Waffentat sie zur Auszeichnung gelangten, und sprach dann zu jedem einzelnen: „Sie haben sich sehr wacker, sehr tapfer benommen!" Am 16. Oktober 1915 heftete er dem Fähnrich Andor A b r a h a m in einem Honved- Infanterieregiment die Tapferkeitsmedaille 2. Klaffe mit folgenden Worten an die Brust: „Ich freue mich sehr, daß ich diese schöne Auszeichnung dem Herrn Fähnrich an die Brust heften konnte. Sie haben sich tapfer benommen, Ihre Aufgabe schön durchgesührt. Ich gratuliere und bin sehr zufrieden." Dann reichte er ihm die Hand. Am 12. Oktober 1915 heftete er dem Oberleutnant Arpad W e i s z auf dem nördlichen Kriegsschauplätze eigenhändig das Liguum lauäis an die Brust und sprach, während er ihm wiederholt die Hand drückte: „Auf Allerhöchsten Befehl drücke ich Ihnen für Ihre heldenmütige Tat meine höchste Anerkennung aus. Ihre Dienstleistung war von großer Bedeutung." Den Oberleutnant Paul^Losonczi eines Honved- Jnfanterieregiments zeichnet er aus Anlaß seiner Dekorierung mit dem Signum laudis mit einer Ansprache aus und gestattete, daß diese Szene photographiert werde. Eine Reproduktion der Photographie erschien seinerzeit im „Eghenlvseg". Losonczi, der nachher auch das Militärverdienstkreuz 3. Klasse erhalten hatte, ist am 11. Januar 1916 gefallen. Auch ungarische Rabbiner hatten im Lause des Krieges die besonders hohe Ehre, vom Thronfolger ins Gespräch gezogen zu werden. Dem Marmaros-Szigeter sephardischen Oberrabbiner Dr. Samuel Danzig gegenüber, welchen der König am 28. Dezember 1914 mit einer Anrede auszeichnete, gab er seinen: Beileid für die gefallenen Mitglieder der Marmaroser Kultusgemeinde Ausdruck. Einen Tag später spendete er in Huszt dem Rabbiner I. G r u n w a l d, der die unendlich traurige Lage der Juden im Marmaroser Komitat schilderte, die gütigen Trostworte: „Hoffen wir, es wird alles wieder gut, sehr gut werden!" In den letztvergangenen Wochen wurde dem Thronfolger bei feinem Besuche der Siebenbürger Front der Marosvasarhelyer Oberrabbiner Dr. Franz Löwy vorgestellt. Er erkundigte sich bei ihm nach dem Schicksal der jüdischen Flüchtlinge. Beidemselben Anlässe wurden ihm die Oberrabbiner der Klausenburger und der Großwardeiner Nekrologengemeinde, Tr. Matthias Eisler und Dr. Leopold Kecskemeti, vorgestellt. Zur Zeit seines Aufentihaltes in Galizien, im ersten Viertel des vorigen Jahres, machten Deputationen vieler galizischen Kultusgemeinden ihre Aufwartung beim Thronfolger. Für jede dieser Abordnungen' hatte er ein ermunterndes Wort, einen denkwürdigen Ausspruch." Earl MberfeM Der Dichter von Breslau. Von (> leinens Berg. ls ich am fünften Februar dieses Jahres in einen Blumenladen trat, um eine Spende für den Ehrentag eines hochverdienten Mannes zu erstehen, brachte der Gärtner einen prächtig blühenden Apfelbaum herbei und sprach: „Ich biete Ihnen hier etwas besonders Schönes, nicht wahr, das soll für Carl Biberfeld?" Und er schmunzelte vergnügt: „Ich mußte heut meinen halben Laden für ihn hergeben!" Daraus bestieg ich mit dem Baum einen Wagen und gab das Ziel meiner Fahrt an: Ohlau-Ufer-" „38, zu Carl Biberseld geht das," sagte der Kutscher, „ich weiß schont, ich Hab heute eene ganze Haspel vull schont nausgefahren." „Kennen Sie denn Carl Biberfeld?" fragte ich amüsiert. „Na ob," erwiderte der „Droschker" stolz, „meine Ale und ich, wir freun sich schont die ganze Woche auf sein Getichte in der Morgenzeitung." Carl Biberfeld ist des Landes Dichter schlechtweg; es gibt keinen Breslauer, ja kaum einen Schlesier, der nicht seine Verse schon einmal gelesen, gehört, gesungen oder gesagt hätte — einer offiziellen Feier zu Ehren irgendeines großen, bedeutsamen Geschehens in der alten Wratislavia ohne einen Prolog von ihm würde die rechte Weihe fehlen; und wenn Goethe einmal sagte, daß jedes gute Gedicht ein Gelegenheitsgedicht ist, so sind Biberfelds Gelegenheitsgedichte zumeist sehr gute Gedichte, da ihnen sehr schätzenswerte literarische Tugenden zu eigen: Formvollendung, Klangschönheit und Geist von jenem Geiste, der die Dinge immer auf eine neue Art belebt l) Vgl. den Artikel in Nr. 35 (1916). D i e R e d a k t i o n.

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