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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-12 · Heft 2 (12.1.1917) · p. Seite 16

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 in die Erhabenheit und in die Fülle des idealen Gehaltes unserer Weisen, unserer Forscher und Dichter im Mittelalter und in der neuen Zeit unsere Jugend zu glaubensstarken Männern und Frauen machen: glaubensstark, eben weil sie sich nicht auf die einseitige Kenntnis beschränken, sondern durch das Eindringen in andere Meinungen den Vorzug ihres angestammten Glaubens erkannt haben. Und gerade aus diesem Grunde treten wir ein für die Pflege der Wissenschaft. Wir fordern, daß die Wissenschaft des Judentums Berücksichtigung finde, und wir würden, gerade vom liberalen Standpunkte aus, es gern sehen, wenn die großen Gemeinden, besonders die Jüdische Gemeinde Berlin, die mit großen Mitteln eine Bibliothek begründet hat und eine bedeutende Unterstützung der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums gewährt, noch weit mehr als bisher von dem Bewußtsein durchdrungen wäre, daß gerade dieses Wirken für den geistigen Fortschritt eine ihrer Hauptaufgaben, ja eigentlicher Lebensnerv sei. Darum muß es eine Aufgabe unserer Zeitung sein, die Wisienschaft zu pflegen — und ihr zu dienen. In dieser langen Kriegszeit scheint es freilich manchmal, als wenn wir diese Pflicht zwar nicht völlig vergäßen, aber ihr einigermaßen untreu würden; indessen das Aktuelle wiegt in diesen Zeiten so mächtig vor, daß manche Wochen, ja Monate hindurch das eigentlich Wissenschaftliche in den Hintergrund gedrängt werden muß. Sobald aber ruhigere Zeiten kommen, wird den wissenschaftlichen Untersuchungen wieder ein breiterer Platz eingeräumt werden. Dies muß geschehen in der Ueberzeugung, daß es hauptsächlich die Wissenschaft war, die das Judentum durch Jahrtausende geführt hat, daß sie ihm seine Berechtigung und Stellung auch in der Zukunft gewähren kann, sodann aber in der Erkenntnis, daß mit der Wissenschaft die Reform, die Freiheit unlöslich verbunden ist. Für diese Erkenntnis rufen wir als Zeugen Leopold Zunz an, der in seinem epochemachenden Werke 1832 die Worte brauchte: „Geht doch die wahre Reform unter den Juden ihren Gang, von Feinden und Bekehrern aller Art zwar gestört, aber nicht zerstört." Und die Bemerkung: „Der entzündete Funke erlischt nicht wieder; ihn können Verfolgungen nur zu lichten Flammen anblasen: denn unwiderruflich wie der Sieg der Freiheit und der Zivilisation, der bürgerlichen Gleichstellung der Juden und ihrer wissenschaftlichen Kultur i st die Reform und der Triumph des diese Reform offenbar machenden Worte s." Mit solchen Gesinnungen treten wir, trotz der schweren Zeiten freudig gestimmt, zielsicher und siegesbewußt in den neuen Jahrgang ein. Die Woche. Berlin, den 9. Januar 1917. ie offizielle Mitteilung über den Inhalt der Antwortnote der Entente liegt nun vor und entspricht so ziemlich den früher bekänntgewordenen offiziösen Nachrichten. Die Bedingungen sind für jeden ehrliebenden Deutschen unannehmbar. Sie verlangen nämlich vor der Einsetzung einer Friedenskommission: die Räumung Belgiens, Serbiens, Rumäniens, Montenegros und Frankreichs, ferner die Rückgabe von Elsaß-Lothringen und die Umgestaltung der europäischen Karte auf Grundlage des Nationalitätenprinzips. Die letztere würde einschließen: eine Rückgabe der Dänisch sprechenden Teile an Dänemark, eine Trennung der Polnisch sprechenden Teile von Oesterreich und eine vollkommene Vernichtung Oesterreichs. Noch schlimmer sind die von den gegnerisWi^IöttmrgLlls: geäußerten Forderungen, die Wohl dem MstttichpWt feindkichei-, RbgiekMM MtfPi^chsii/MelenMtzden sich nicht, von einer Lostrennung der linksrheinischen Provinzen von Deutschland zu reden und die Entschädigung von 200 Milliarden seitens Deutschlands zu verlangen. Diese letzteren Bedingungen sind derart, daß sie überhaupt nicht diskutiert werden können, aber auch schon die ersteren sind so, daß es unbegreiflich erscheint, wie man solches von einer überall siegreich vorschreitenden Macht zu verlangen wagt. Daher bleibt den Deutschen und ihren -Verbündeten nichts anderes übrig, als was der deutsche Reichskanzler, in die Worte zusammenfaßte: Entschlossenheit und Siegeswille und noch engeres Aneinanderrücken Deutschlands und seiner Verbündeten. Wir haben unsere Friedensbereitschaft erklärt; diese Erklärung ist höhnisch zurückgewiesen worden. Die Gegner wollen den Krieg, sie wollen nicht an das Schlimme denken, das ihnen droht; mögen sie in ihr Verderben rennen! Unsere Zeitungen haben alle die Prophezeiungen zusammengestellt, die bei der Kriegserklärung Rumäniens verkündigt wurden, und gezeigt, wie alles ganz anders kam; selbst französische Zeitungen haben zu Neujahr 1917 sich ein Vergnügen daraus gemacht, die pomphaften Voraussagungen von einer Niederwerfung Deutschlands im Jahre 1916, die zu Neujahr 1916 in die Welt hinausgeschrien wurden, zu wiederholen. Wir leben der festen Ueberzeugung, daß auch die Großsprechereien der Feinde, die nun wieder laut werden, sich als hohle Reden erweisen werden. So kommt es gegen unseren Willen zu einer letzten fürchterlichen Abrechnung. Bleibt uns aber, wie wir fest vertrauen, der Sieg, dann werden unsere Feinde es büßen müssen. Büßen auch für die nichtswürdigen Aeußerungen ihrer Presse, die es fortwährend wagt, von Deutschland nicht als von einer großen, sondern von einer vör brecherischen Macht zu sprechen. Gibt es noch Gerechtigkeit in der Welt und diesen Glauben wollen wir uns nicht entwinden lassen —, so müssen alle die, die an unserer Ehrlichkeit und an unserem Recht zu zweifeln sich erkühnten, gezüchtigt und derartig gestraft werden, daß sie für Generationen die Möglichkeit verlieren, mit Deutschland anzubinden. Das Wort des Dichters: „In Staub mit allen Feinden Brandenburgs", das sich seit anderthalb Jahrhunderten bewährt hat, möge uns vorantönen als frohe Verheißung. * Vom Verbände der Deutschen Juden wird uns geschrieben: £ Am 26. November 1916 ist in einer Sitzung des Großem, Ausschusses des Verbandes, welche aus allen Teilen Deutschs landszahlreich besucht war, u. a. über einen Antrag de. Provinzialverbandes der ostpreußischen Synagogengemeinden beraten worden, welcher den Entwurf eines Gesetzes, betreffend Bildung einer Provinzialgemeinde für Ostpreußen zum Gegenstand Hatte. Infolge des Russeneinfalls sind die meisten jüdischen Gemeinden in Ostpreußen nicht mehr in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen, und zwar sowohl aus finanziellen Gründen als auch, weil die Mitgliederzahl gesunken ist. Es hat sich daher als erforderlich herausgestellt, die Gemeinden zu einer Provinzialgemeinde zusammenzuschließen, welche für den Gottesdienst und den Unterricht sorgt, wo es nottut, und für die Aufrechterhältung des Gemeindelebens in den einzelnen Gemeinden tätig ist und eine gerechte Verteilung der finanziellen Lasten durchführt. Der ostpreußische Provinzialverband hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, llnd diesen Entwurf dem Verband der Deutschen Juden mit der Bitte um Aeußerung übersandt. Gemäß dem Anträge des Geschäftsführenden Ausschusses wurde nach eingehender Beratung beschlossen, dem ostpreußischen Provinzialverband mitznteilen.

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