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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-05 · Heft 1 (5.1.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Mft'and in MjMnLer/'''-WeisL'. hie Versammelten ' aftf ' öie de^tung des Eides hinzuweisen und ermahnte sie zur Treue gegen VM^ren. obersten Krreg'shetrn,' Mw Gehorsam gegen' die Vorgesetzten und zum einträglichen Verhallen gegen die Kameraden/ Mit Erteilung des Priestersegens und dem Gebete für Kaiser und Reich endete" die eindrucksvolle Militärfeier. Jedem Soldaten wrtrde hernach ein Büchlein, enthaltend die Hauptsächlichsten'Gebete, Überreicht, — Die Firma Gebrüder Lesser hat Herrn Oberbürgermeister Dr. 'WÄms für seinen Spendenfonds den Betrag von 1000'Mark zur Verfügung gestellt. Die Her rem Kaufmann Sigismund B i b o und Rechtsanwalt Bibo in Bentschen haben anläßlich des Ablebens ihrer Mutter dem Herrn Oberbürgermeister Dr. Wilms für die Armen der Stadt Posen 300 Mark überreicht. , S£2 Frankfurt n. M., 29. Dezembern Bon der Z en t r a l e s ü r MaZzothdersorgirngj G.m.b.H. in Frankfurt a. M. erhalten wir amt der Bitte ittti Verösfentlichung nachstehende Zuschrift: Da .aus. dem Publikunr fortgesetzt zahlreiche Anfragen über einzelne Zweifelsälle bei der diesjährigen Mazzoth-versoMmg-a:r uns gelangen, so dürfte es im allgemeinen Interesse liegen, die an die Synagogengemeindelr gegebenen Anweisungen der Oefsentlichkeit bekanntzllge'b-en: Anweisung zur Ausstelllmg von Bezuigsscheinerr für Mazzoth durch die Genleindevorstände. Antrag. 1. Jedes Gemeindemitglied hat das Recht, unter Erfüllung der vorgeschriebe neu Bedingungen die Ausstellung eines Bezugsscheines für sich und seine Haushaltungsangehörigen beim Gemeindevorstand zu beantragen. Der Gemeindevorstand bestimmt, ob her Antrag mündlich oder schriftlich zu erfolgen hat. Dem Anträge ist innerhalb einer Arist von 14, Tagen stattzugeben. 2. Dem Anträge ist der Brotausweis (Lebensmittelkarte usw.) oder eine andere amtliche Urkunde beizufügen, aus der sich die Zahl der in Betracht kommenden Haushaltungsangehörigen ergibt. A u s s e r t i g u n g. 1. Ter Bezrrgsschein ist ordnungsgemäß zu unterzeichnen. 2. Die Ausfüllung des . im Besitze der Gemeinde verbleibenden Abschnittes ist nicht zu übersehen, da die Gemeinde verpflichtet ist, ein genaues Verzeichnis der ausgestellten Bezugsscheine mit Nanren, Ou-antum und Nummer dem zuständigen Kommunalverband auf "Erfordern auszufolgen. Bezu gsberechtrgüng. Nicht jüdisches Dienstpersonal, das während des ganzen Jahres und auch während der Osterfeiertage im- Hanse verpflegt wird, zählt zu den Haushaltn-ngsa ngehörigen. Das gleiche gilt für Pensionäre, Zimmerherren usw., die ihre volle Verpflegung im Hause empfangen. Jnr Felde oder inauswärtige n G a r n i - s o n e n befindliche Familienangehörige werden z u m H a u s h a l t c gerechnet, falls der Haushal-tungsvorstand glaubhaft macht, daß er die betreffenden Heeresangehörigen für die ganze . Dauer des Pessachsestes — sei es an den Standorten, sei es auf Heimaturlaub — mit Mazoth versorgen wird. Für diese Heeresangehörigen sind besondere Bezugsscheine, jedoch auf dem gewöhnlichen Vordruck, unter Angabe des Namens und des Truppenteiles des. zu Versorgenden auszustellen. Ein Verzeichnis der auf diese Weise für Heeresangehörige ausgestellten Bezugsscheine hat der Gemeindevorstand auf Verla n gen der „Zentrale f ü r M a z o t h Vers o r g u n g G. m. b. HD, Frankfurt a. M., Schützenstraße 14, bis späte sie ris 28. Februar 1917 einzureichen. Auswärtige Familienangehörige, die nicht im Heeresdienste stehen, erhalten, .auch,'wenn sie zum Osterfeste heimzukehren beabsichtigen, ihren .Bezugsschein an ihrem derzeitigen Wohnorte von der für diesen Wohnort zuständigen Gemeinde. Die Ausstellung Von'Bezugsscheinen Mf eine -geringere Zahl von Personen, als der Haushalt Mitglieder zählt, ist nur dann zulässig, wenn ein berechtigter Grund dafür vor- .liegt, z. P. wenn ein Teil der Haushaltungsmitglieder sich des Brotgenusses am Feste grundsätzlich enthält. Dagegen soll imvaterländischen Interesse dem kleiner Mazzothmengen durch solche Haushaltungen, die nicht auf ihre sämtlichen Brotkarten zu verzichten beabsichtigen, kein Vorschub geleistet werden. Hotels und Anstalten. Hotels, Gasthöse, Pensionen, Krankenhäuser und ähnliche Anstalten mit wechselnder Frequenz erhalten Mazzothbezugsscheine ans Grund'ihrer B ro tbez u g s s chei ne oder, falls solche nicht vorhanden, ans Grund amtlichen Nachweises oder amtlicher Auskunft über "die ihnen wöchentlich zustehende Brot menge. Enthält der Brotschein bzw. der Brottieferungsnachweis keine Angabe über die der Bepechmmg des wöchentlichen Brotquantuws zugrunde gel-egte. dn r chschnittlich'e Zahl der Gäste, bzw. A n sta l t s i u s a s s e n , so ist durch Rückfrage beini Konnmrnalverband zimächst die Personenzisfer zu ermitteLn. Der Gemeindevorstand stellt alsdann einen Mazzothbezugsscheiir m gleicher Weise aus. als ob es sich nur eine Priva-thaushaltüng handelte. L2 Metz, 29. Dezember Am 14. d. M. fand die Beisetzung des am 22. Oktober vor Verdun gefallenen lvnd in die Heimat überfährten Referendars Julius David, Leutnant d. L. des 4. lothringischen Feldartillerie-Regiments Nr. 70, Sohn des seligen Herrn August David, Mitglied des israelitischen Konsistoriums, unter der Beteiligung der ganzen Gemeinde und vieler Vertreter juristischer Kreise statt. Die Kommandantur hatte die Leichenparade gestellt, so daß die Trauerseier zu einer höchst imposanten. sich gestaltete. Am Grabe ergriff Oberrabiner Tr. Netter das Wort zu einer höchst ergreifenden Trauerrede, in der er dem aus Pommern herbei ge eilten Bruder und den Schwägern, die die Familie vertraten, sowie auch der abwesenden Mutter und den Schwestern Trost und Mut zusprach. Er führte it. a. noch folgendes aus, wie der tapfere -Held, beit h>eute die Heimat ehren null, ihm -irr rmauslöschl'icher Verehrung! undvoller Anerkennung für das, was er geleistet, den unverwelklichen Kranz der Liebe darreichend, zu denen gehörte, die an sich zunächst die höchsten Anforderuirgen stellterr, bevor sie mit denselben an andere her an - traten, wie er den Mannschaften^ die er zu befehligen hatte, stets voranmarschierte, voll Kühnheit und Entschlossenheit, so daß er es erreichte, wasihm, dem hochstreberrden jungen Manne. als et nein Soh'ne Israels in denholden Frredensjahren nicht gelingen lbollte und was für ihn ans dem Felde der Ehre, für den tapferen und mutigen Kämpfer nicht ansbleiben konnte, nämlich die von ihm als eine Ehre seines Stammes ersehnte Beförderung zum Offizier im deutschen Heere. Der sein ganzes Wesen charakterisierende Idealismus habe in ihm eine hochflammendevaterländische Begeisterung großgezogen, die in den 27 vollen Monaten nicht erkaltete und von der äußerlich schon das Eiserne Kreuz zeigte, das die Brust des trefflichen Kriegers zierte. Aus diesem idealen Sinn entsprang ferner seine herzerfreuende Anhänglichkeit nicht mrr zu seinem irdischen., sondern zu seineingeistigen Vaterlande, sein lebendiger Kult für den alten Vaterglanben, dem er sein Herz gegeben, als er, je reifer er wurde, desto m-eh-r, erkannte, wie ungerecht so niauchnml die Welt mit ihm verfährt. Und weil er nach all dem, was er erlebt, befirrchten mußte, daß der alte Gtaubenskanlpf, den Israel zu führen habe, niemals, anfhören werde, schloß er sich jener Belvegung an, die vor allem in dein Bestreben gipfelt, jüdisches Selbstbewußtsein großznziehen, auf. daß jung und alt, groß und klein sich wieder voller Begeisterung um die alte Makkabäerfahne schare, der er so treu gedient, im Gegensatz zu so manchen Assimilanten, die in vornehmer Zurückgezogenheit sich von uns fernhalten, als ob sie sich der ehrwürdigen Mutter schämten, weil sie alt geworden. ..Ich will bei meinem Stamme bleiben," so rief er seiner allen Glaubensgemeinde zu, wie jene Sulamith in der Bibel. „Dir gehöre ich an, o Gemeinde Israel, dir sei meine beste Kraft, mein Leben und mein Streben geweiht! Deine Ehre ist die meinige, dein Ruhm der unsrige, deine Zukunft die Zukunft der Weltkultur!" Dies waren seine jugendlichen Träume, als das große Wecken kam und ans einmal der Ruf des Königs an sein Volk erging. Jetzt hielt er die-Zeit für gekommen, zu zeigen. \vk das Judentum seinen Eid der Treue hält, auf daß, wenn das lebendige Beispiel der Tat von seiner Ehre und Würde, vonseiner Liebe und Treue zeuge, das hartnäckig sich erhaltende Vorurteil für alle Zeiten überlv-nnden sein würde. Und er hat es erlebt, wie das einige Volk von Brüdern wieder erstanden, wie. sie alle Schulter an Schulter standen., ohne Unterschied des Bekcnntn'isses, ohne Unterschied des Stammes, ohne Unterschi-ed des Ranges. Er sah sich der Verwirklichlmg seines schönsten Trarnnes rmhe. Denn in der Einheit der Nation, in dem Geiste echter Kameradschaft und wahrer Brüderlichkeit sah er die Bürgschaft alles kraftvollen Gedeihens. Nur schade, daß dieser Geist nicht überall allhiekt und frevechaften Sinnes inun-er und immer vueder versucht .wird,- gewaltsam mr§-einanderznretßeit, was die gemeinsame Gefahr zusaurmellgeschmiedet. Für den edlen Helderr loar dies unfaßbar: beii-it er hald-igle jenem hochfliegon-den Genius, der die Alen-schheit lNlfwärts und vorloärts ruft. - Diese Ausführungen verfehlten ihre WirklNlg nicht, n-nd sichtlich b-elvegt, nachdem die letzten Choräle der Militärkapelle verklnngeu lvarerr und die i'lblichen Ehrensalven dem entschlafenen' Helden denletzten Gruß seines 9tegiments entboten, giirg die Tr aller gemeinde auseinander.

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