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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-01-05 · Heft 1 (5.1.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Gksterrkich-Angarn. Z. Wien, 29. Dezember. Der Vorstand der Israelitischen KultusHemeinde hat einstimmig beschlossen, aus Anlaß der Thronbesteigung Seiner Majestät des Kaisers Carl I. eine „Kaiser- C a r l -1. - H u l d i g u n g s - S t i s t u n g im Betrage von 100 000 Kronen Kriegsanleihe zugunsten jüdischer verlassener Kinder, vornehmlich Kriegswaisen, zu errichten. — Auf das Kondolenzschreiben des Vorstandes und der Repräsentanten der Berliner jüdischen Gemeinde an den Vorstand unserer Kultusgemeinde anläßlich des Hinscheidens unseres Kaisers Franz Josef hat der Vorstand unserer Kultnsgemeinde an den der Berliner jüdischen Gemeinde folgendes Dankschreiben gerichtet: Tie herzlichen Worte Ihrer innigen Teilnahme an dem schweren Verluste, den die Völker dieser Monarchie, aber ganz besonders die Juden der Donaureiche, durch das Ableben weiland Se. Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef I., des gütigen, weisen und gerechten Herrschers, erlitten, haben unserem Herzen wohlgetan. Beklagen wir doch den Heimgang unseres verehrten, geliebten Kaisers, der ein väterlicher Freund war allen Bürgern des Staates, unter dessen glorreicher Regierung uns Juden die Gleichberechtigung verliehen wurde und die Bahn frei ward für eine gedeihliche Mitarbeit an der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung unseres Vaterlandes. In Ihrer sehr geschätzten Kundgebung finden aber auch Empfindungen Ausdruck, von denen wir in demselben Maße wie Sie, hochgeehrte Herren, beseelt sind. Gleich Ihnen blicken auch wir mit Stolz auf die intetWaffenbrüderschaft der Völker Oesterreich-Ungarns und Deutschlands, auf das Zusammenhalten in Freud und Leid, in der festen Zuversicht auf den baldigen, durch den Sieg unserer Waffen herbeigeführten, für uns und unsere Verbündeten ehrenvollen, dauernden Frieden. Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung Der Präsident: gez. Tr. Stern, gez. Dr. Theodor Lieben, Erster Sekretär. — Die Zahl der Kinder, die in Galizien während des Krieges ihre beiden Eltern verloren haben bzw. deren Eltern oder Vater oder Mutter nicht auffindbar sind, betrügt nach zuverlässigen, auf Aufzeichnungen zurückgehenden Schätzungen im ganzen etwa 12 000. Die Zahl 20 000, die wiederholt genannt wurde, ist zu hoch. Davon befinden sich gegen 2500 in Evakuiertenlagern. Wirklich gesorgt ist nur für 250, die im Lemberger zu diesem Zweck errichteten Waisenhause untergebracht sind. Ter Rest fällt der Verwahrlosung anheim oder erliegt den Selkchen, da, wie man in den Flüchtlingslagern beobachten konnte, diesen verlassenen Geschöpfen die liebevolle Pflege fast gänzlich fehlt. Von Aah und ffern. Zu Professoren wurden ernannt: Dr. Eugen Wölbe, Oberlehrer an der Fichte-Realschule zu Berlin, Zurzeit im Heeresdienst, und der Königliche Bibliothekar Dr. Heinrich L o e w e. - Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse wurde dem Stadtverordneten Stabsarzt Dr. Rud. I sa ac, Hauskurator des Lazaretts der Stadt Berlin in Buch und des Leichtkrankenhauses im ehemaligen Johannesstift in Plötzensee, verliehen. - Justizrat Max F u ch s I ist zum Geheimen Justizrat ernannt worden. Fuchs ist seit dem Jahre 1899 als Rechtsanwalt am Kammergericht tätig.. Er ist Mitglied des Vorstandes der Berliner Anwaltskammer und steht seit Jahren an der Spitze des Ausschusses der Kammergerichtsanwälte. . Geheimer Sanitätsrat Dr. Salomon Belgard ist im 83. Lebensjahre verschieden. Er wurde am 26. v. M. auf dem Friedhof in Weitzensee zur ewigen Ruhe bestattet. - Stabtrat L ewin in Guben, Direktor der Berlin-Gubener Hutsabrik, Aktiengesellschaft (vorm. A. Cohn), ist vom Reichskanzler zum Mitglied des Beirats des Reichskommissars für die Ilebergangswirtschaft ernannt worden. . Tie Hilfsschwester Paula S a f t, Tochter der Frau A h r o n in Neumark (Westpreußen), die in Danzig im Lazarett am Hackelberg tätig ist, hat die Rote-Kreuz-.Medaille dritter Klasse erhalten. Anläßlich des 150 jährigen Bestehens der Lederfabrik Haase in Rhbnik beschlossen die städtischen Behörden, die städtische Promenade, die Herr Haase begründete, „Haasenheide" zu nennen. — In Reiste starb der Garnisonsarzt von Reiste und Lazarettdirektvr, Generaloberarzt Dr. Leo M a n k i e w i c z. Er war vor Ausbruch des Krieges in Bagdad tätig und kehrte bei Kriegsbeginn unter Ueberwindung vielfacher Gefahren nach Deutschland zurück. Seit dieser Zeit ftanö er an der Spitze der umfangreichen Lazarette in Neisse. — Aus LandeShut in Schlesien wird geschrieben: Eine Schenkung in Höhe von 60 000 Mark hat der hiesige Fabrikbesitzer Stadtrat Hamburger unserer Stadt zum Bau eines Hauses für die Mütterberatungsstelle und die Kleinkinderbewahranstalt gemacht. Das Haus soll nach Ende des Krieges sofort errichtet werdend und den Namen der Frau des Stifters tragen. — Der Charakter als Sanitätsrat ist den Aerzten Dr. Kreismann in Krotoschin und Dr. Ehrlich in Schrimm verliehen worden. — Die %%. Goldfchmidt A.-G. in Esten hat auf Anregung ihres Generaldirektors, des Königlichen Kommerzienrats Dr. Karl G o lösch m i d t, einen Verein gegründet, der den Namen „Theodor- G old schmidt- K r iegs - Gedacht nis-Verei n " trägt und vornehmlich die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Werksangehörjgen unterstützen und kriegsbeschädigten Werkangehörigen bei der Rückkehr in die bürgerliche Tätigkeit behilflich sein will. An Vereinsbeiträgen sind dem Verein von der Gesellschaft, den Vorstandsmitgliedern und einer Anzahl Beamten bereits 250 000 Mark überwiesen. Alle Werksangehörigen können Mitglied werden gegen einen jährlichen Mindestbeitrag von 12 Mark. — Bei der tn Bern abgehaltenen Versammlung der kantonalen Kirchensynode wurden die freiwilligen Kollekten für die Armenier besprochen. Bei dieser Gelegenheit regte Pfarrer v. Felleuberg in Oberbalm an, es möchte gelegentlich auch für hje verfolgten Juden gesammelt werden. Eine solche Anregung voy christlicher Seite ist sehr zu begrüßen. Der Ausschuß des Pester Israelitischen Frauenvereins hat in seiner jüngsten Sitzung unter dem Vorsitze der Frau Friedrich v. Reumann beschlossen, aus dem Fonds des Mädchenwaisenhauses die Summe von 100 000 Kronssst abzusondern und diese als besondere „F r a n z - I o s e f -1. -- S ti f t u n g" zu verwalten. Die Zinsen dieser Stiftung sollen ausschließlich für Kriegswaisen verwendet werden. Der Ausschuß beschloß ferner, das neue Herrscherpaar in einer Huldigungsadresse zp begrüßen. In derselben Sitzung meldete die Vizepräsidentin Frau Apton v. Deutsch eine auf den Namen ihrer Eltern lautende Stiftung von 10 000 Kronen für die Pflege lungenkranker Waisenzögliy^e an. Frau Eduard Spitzer hat für den gleichen Zweck ebenfalls xine Stiftung von 10 000 Kronen geschaffen. — In bcr Zp-tschrift „La miaissance Juive" in Paris ergreift ein amerikanischer Mitarbeiter (I. Ben-Zwi aus New?)ork) in eindringlicher Weise Pas Wort zugunsten der Juden in Saloniki, deren ganzes Erwerbsleben durch die letzten Kriege und die gegenwärtigen Kämpfe zugrunde geht. Früher war Saloniki ein Handelszentrum ersten Ranges dank der Tätigkeit der jüdischen Kaufleute, heute ist es vyn der Welt abgefchnitten und leidet Not. Der Artikel wendet sich atz die amerikanischen Juden, den Stammesgenoffen in Saloniki Hsife für jetzt und die Zukunft zu bringen. — Auf eine im „Jestnsh World" veröffentlichte Klage über übereifrige Missionstätigkeit jg der englischen Armee, wo die „Pocket Testament-Leagus" dse jüdischen Soldaten zum Christentum zu bekehren sucht, antwortete der'Sekretär Lloyd Georges wie folgt: . . Mr. Lloyd George bisset nrich. Ihnen zu danken für den Brief, durch welchen Sie die Aufmerksamkeit aus diese Dinge gelenkt haben. Er wünscht. Ihnen mitzuteilen, daß er die Angelegenheit-in Händen habe und daß hie nötigen Schritte getan werden, um ein derartiges Verfahren iy Zukunft zu verhindern." — Als ordentlicher Professor der Universität Warschau wurde Herr Dr. Julius Zweibaum für daß Fach hex Zoologie ernannt. Dr. Zweibaum ist ein Warschauer Hind und steht erst im Alter von 30 Jahren. Seine Studien hat er zumeist in Italien gemacht und hier sich einen wissenschaftlichen Rp^f erworben. Am 19. November besuchte der Befehlshaber der 4. türkischen Armee D jemal Pascha Jerusalem und spendete ihr große Weizenvorräte. Auch die jüdische Gemeinde, deren Etat einen Ausfall von 76 000 Kilogramm Weizen aufwies, wurde deshalb mit genügenden Getreidemengen versehen. Von der Stadtverwaltung bekamen die Indem außerdem etwa 50 000 Kilogramm Weizen, um deren gerechte Verteilung unter der armen jüdischen Bevölkerung die Gemeinde bemüht ist. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich fitt den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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