Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1917)
- Date
- 1917-01-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Beamten und die Hinterbliebenen der Gemeindeangestellten, deren Pension die Höhe von 5000-Mark jährlich nicht überschreitet, sollen eine einmalige Teuerungszulage erhalten, die für Verheiratete bezw. Verwitwete mit einem Kind 100 Mark, bei mehreren Kindern 150 Mark und für ledige Beamte 50 Mark beträgt.; S£2 Berlin, 2. Januar. D i e G e s e l l s ch a f t z u r F ö r d e - rung der W i s sen s chaft des Judentums trat hier am letzten Mittwoch zu ihrer ordentlichen Mitgliederversammlung zusammen. Ihr besonderes Gepräge erhielt sie diesmal dadurch, daß; sie dem Andenken ihres Heimgegangenen ersten Vorsitzenden, des ' Herrn Professor Dr. Martin Philippson, gewidmet war, dessen Bild inmitten einer Pslanzendekoration vor dem Rednerpult angebracht war. An der Versammlung nahm außer vielen Mit- ' gliedern und dem fast vollzählig erschienenen Ausschuß auch die . Witwe des Heimgegangenen mit ihren nächsten Angehörigen teil; der Bruder des Verstorbenen, Herr Geheimrat Professor Alfred Philippson (Bonn), war am Erscheinen verhindert. Herr > Rabbiner Professor Dr. Gutt m a n n (Breslau) erössnete die Veri sammlung mit einem tiefempfundenen Nachruf auf den Verewigten, : den die Versammlung stehend anhörte. In bewegten Worten pries er M a r t i n Philippson, den großen Sohn des großen Vaters, den seine Liebe zur Wissenschaft und zum Judentum Zum Führer des deutschen Judentums und vor allem zum Gründer und Leiter : der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums befähigte. Er habe die Gesellschaft auf seinen Händen und im Herzen getragen. Die heutige Generalversammlung habe nach Vollendung seines 70. Lebensjahres eine Jubelfeier werden sollen; nach Gottes Willen sei sie zu einer Trauerseier geworden. Aber der Name Nt a r t i n P h i l i p p s o n s und der Segen, der von ihm ausgegangen sei, würden für die Tauer der Gesellschaft bleiben und wirken. Die Versammlung trat dann in den geschäftlichen Teil der Tagesordnung ein, der sich schnell erledigen ließ. Der Jahres¬ und Kassenbericht, über den wir bereits berichteten, wurde ohne Erörterung genehmigt: der bisherige Ausschuß wurde unter Zuwahl von Herrn Geheimrat Professor Alfred Philippson (Bonn) .wiedergewählt. Daun ertönten die weihevollen Klänge eines Harmoniums, und der Redner des Abends, Herr Rabbiner Professor Dr. Bloch (Posen), betrat das Rednerpult. Mit der ihm eigenen Wärme und mit feinem Empfinden entwickelte er ein Bild der wissenschaftlichen Persönlichkeit Martin P h i l i p p s o n s , dessen vornehmer Charakter, dessen lautere und reine Natur ebenso in seinem wissenschaftlichen Schaffen sich offenbarten, wie sie ihn zum Führer seiner Mitstrebenden machten. Sein Verlust sei der schwerste, den die Gesellschaft seit ihrem Bestehen zu verzeichnen habe. Schon sein Narne hatte einen werbenden Klang, denn im vorigen Jahrhundert zählte das Judentum zu seinen besten und populärsten Namen Ludwig Philippson. Es war der Vater des Verewigten, der auch mit Stolz seinen Namen trug. Aber es war ein edler Stolz, da er die Verpflichtung fühlte, welche der Name ihm auferlegte, und er dieser Verpflichtung stets getreulich nachkam. Bei der Begründung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hat er ein ähnliches Unternehmen seines Vaters im Grunde nur wieder ausgenommen und mit wahrer Schaffensfreude und eifriger Tatkraft zur Blüte gebracht. Er hat die Organisation der Gesellschaft geschaffen. Nach der Arbeitsmethode, die er eingeführt, wird noch heute gearbeitet: der Arbeitsplan, den er entworfen, wird noch heute festgehalten. Ein feiner Takt, eine aus dem Herzen kommende Höflichkeit, eine Rücksicht auf Gegengründe machte die Mitarbeit unter ihm zu einem wahren Genuß. Unwirsch wurde er nur, wenn er die Ehre der Gesellschaft be- - einträchtigt fürchtete. Denn er besaß ein empfindliches Verantwortlichkeitsgesühl. Er organisierte auch das Gesamtarchiv der deutschen Juden, welches unter seiner Leitung bald einen überraschenden Aufschwung nahm und zur ersten Forschungsstätte für die Geschichte der deutschen Inden wurde. Auch an dem Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums hat er mitgearbeitet und „Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes" in drei Bänden geliefert, ein Werk, das ebenso viel Genuß wie Belehrung bietet. Daß er kerndeutsch gefühlt und gestrebt hat, hat er in Brüssel bewiesen, als er auf Rektorat und akademische Würden verzichtete, weil er den deutschfeindlichen Studenten jedwedes Zugeständnis verweigerte. Ebenso treu erwies er sich seinem Glauben'. Die y ..yy.y, y; Wahrheit zu vertreten Tn jeglicher Beziehung, war der Inhalt feines Lebens ülld das Ziel <. seines i AtrAens. Mehr als Orden und Auszeichnungen schmückt ihn in den" Augen echter Wahrheitsfreunde der gute Name, den er sich erworben,-den-^er zurückläßl. Wenn von irgend jemandem, kann von ihm das bekannte Wort gerühmt werden: „Und hinter ihm imwesenlosenScheinelag, was uns alle bändigt, das Gemeine// — In tiefer Ergriffenheit folgte die Versammlung den Ausführungen des Redners, welche durch abermaliges Harmoniumspiel' beschlossen wurden. Dann beantragte Herr Professor G uttm ann eine letzte Ehrung, für den großen Toten, welche die Versammlung einmütig genehmigte, die Ernennung Martin Philippsons zum ersten immerwährenden Ehrenmitgliede. In tiefer Ergriffenheit löste sich die Versammlung auf. L/D Berlin, 2. Januar,. Die Jüdische T-oh nb-eehalle der Berliner Logen U. O. B. B. veranstaltete auch in diesem Jahre am dri tten Chanukaabend ei ne große C h a n u k -et k ün de r f e i e r für 400 bedürftige Kinder unter besonderer Berücksichtigung bedürftiger Kriege rf-ami lien. Nach dem Änzünden der Lichtlein -und dem Gesang der Ch.a-nukahhnrne hielt Herr Prediger Dr. Lehmann eine Ansprache an die Kinder, der die Kleinen andächtig lauschten. Frau Gina Götz-Levy trug einige muntere Kinderlieber vor, die mit großem Beifall ausgenommen wurden. Dann erfreute der Violinist Herr Andreas Weißgerber durch sein künstlerisch vollendetes Spiel. Herr Kapellmeister Eduard Levh hatte freundlichst die Begleitung des Spiels und der Lieder übernommen. Frau B e r g - L i n d e m a n n las schöne Märchen vor, die viel Freude erlveckton. Darm gab es Schokolade und Kuchen. Und zum Schluß gab es reiche Geschenke, belehrende und unterhaltende Bücher und Spielsachen. Allen Mitwirkenden wie auch den werten Gönnern und Gönnerinnen, die durch reiche Spenden diese schöne Feier ermöglichten, die gerade in dieser schweren Zeit dem Kindesgemüt notmenbig ist, gebührt Dank. E. M. Berlin, 2. Januar. Die Beerdigung des Justizrats Samuel Meyer fand am Donnerstag, den 27. Dezember 1916, ans dem Friedhofe in Weißensee statt. Eine große Trauerversammlung, in der alle Kreise des öffentlichen jüdischen Berlins vertreten waren, hatte sich in der Alten Halle eingefunden, in der Rabbiner Dr. Warschauer die Trauerrede hielt. Er führte aus/daß die allgemeine Trauer um einen Mann, dem es nur wenige Jahre vergönnt war, seine Kräfte in den Dienst der Jüdischen Gemeinde zu stellen, die höchste Anerkennung sei, die ein treuer Arbeiter sich erwerben könne. Durch den Adel seiner Gesinnung,- seltene Herzensgüte und unentwegte Pflichttreue gewann er die Liebe aller, mit denen ihn seine Lebensarbeit in Berührung brachte. Er war ein ausrechter, mannhafter Jude und seiner Gemeinschaft treu ergeben. — Fürdie Jüdische Gemeinde in Stargard und die dortige P o m e r a n i a - L o g e sprach Rabbiner Dr. S i l b e r st e i n (Stargard). Er schilderte die umfassende Wirkung, die der Verstorbene als unermüdlicher Kämpfer für Fortschritt und Gerechtigkeit tm politischen Leben seiner Stadt entfaltete, und betonte, daß feine liebste Tätigkeit der angestammten Gemeinschaft galt. Sanitäts - rat Dr. Feilchenfeld rief dem verstorbenen Kollegen namens des Berliner Gemeindevorstandes warm empfundene Abschiedsworte nach. Er erinnerte daran, daß Justizrat Meyer die schwierige Leistung der sozialen Dezernate übertragen wurde, die er hingebungsvoll verwaltete, wobei er es verstand, sie im modernen Sinne zu zentralisieren und dennoch den Bedürftigen individuell zu helfen, lieber die Grenzen seines eigentlichen Arbeitsgebietes hinaus beteiligte er sich an allen Aufgaben der Gemeinde. Das Andenken an den treuen Mitarbeiter werde in der Berliner Gemeinde dauernd sortleben. Nach einem vom Ehor der Synagoge Fasanenstraße vorgetragenen Liede wurde der Sarg, den Kränze der Gemeindebehörde Berlins und Stargards schmückten, zur Gruft getragen. W. Posen 29. Dezember. In der Gemeindesynagoge H. (Brüdergemeinde) fand diesmal die Vorvereidigung von jüdischen Rekruten statt. Ungefähr 20 Mann vom Fußartillerieregiment Nr. 5 waren dazu abkommandiert. Unter Führung ihrer Vorgesetzten hatten sie vor dem Allerheiligen Aufstellung genommen. Herr Kantor Gordon rezitierte einige diesbezügliche Psalmen. Die Ansprache hielt Gelneinderabbiner Professor Dr. Bloch. Er