Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1917)
- Date
- 1917-01-05
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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OtMlente sich koslösen, in der christlichen Beamtenwelt aufgehen oder Mttich verkommen. Das Einzelschicksal dieser Frau ist aber im gew^n Sinne mit dem Schicksal des mährischen Judentums verwoben, m dem das Deutschtum und das wirtschaftliche Uebergewicht, nicht daß Judentum als solches, in brutalster Weise von demagogischen fleischen Elementen bekämpft wurden. So möge dieser Roman, der, echt österreichisch, in eine bestimmte, in Deutschland noch wenig bekannte Landschaft eingestellt ist und von i%r nicht losgelöst werden kann, eine Landschaft, die unserer Monarchie kulturell und materiell, die allerbesten jüdischen und christlichen Elemente gespendet hat, auch in der deutsch-jüdischen Lesewelt jenen Anwert finden, den er sowohl vom kulturellen als ästhetischen Standpunkt verdient. Chlotil de Benedikt. * — Paul Fieb ig : Das I u d en t it nt von Jesus bis zur Gegenwart. Tübingen 1916, I. C. B. Mohr. 68 S. 1 M. Das Heft erscheint in der Reihe der „Religionsgeschichtlichen Volksbücher für die deutsche christliche Gegenwart". Es ist mit Freude zu begrüßen, daß in einem in erster Reihe für einen christlichen Leserkreis geschriebenen volkstümlichen Werke der Versuch Gemacht wird, in die religiöse Gedankenwelt der Juden einzu- Mhren, und die Freude wird erhöht durch die objektive und verständnisvolle Art der Darstellung. Der Verfasser will vor allem einen Einblick in den jüdischen Gottesdienst der Gegenwart geben, weil, wie er in der Einleitung treffend sagt, „das Studium der jLdischen Gebettexte am tiefsten in die Seele des jüdischen Volkes einführt". In gerechter, häufig sonst von uns vermißter Würdigung der Tatsachen erinnert er daran, daß zur „religionsgefchichtlichen Forschung nicht nur das Studium der Primitiven, der Inder und Chinesen, gehört, sondern auch, und zwar in hervorragendem Maße und mit größter Bedeutung für das Christentum, das Studium der mitten unter uns lebendigen jüdischen Religion". Seine Aufgabe suchte der Verfasser dadurch zu erfüllen, daß er nach einem zusammengedrängten Abriß der jüdischen Geschichte von Jesus bis zur Gegenwart eine Schilderung des jüdischen Gottesdienstes gibt, kurz in dessen Geschichte einführt und dann den Text der hauptsächlichsten Gebete in deutscher Uebersetzung wiedergibt. Häufig setzt er, um zu zeigen, wie der moderne Jude seine Een Gebete sich aneignet, neben die wörtliche Uebersetzung die Fassung, die Seligmann in seinem „Israelitischen Gebetbuch" gewählt hat. Die Darstellung ist getragen von dem Willen, sich in die Seelenstimmung, die in den Gebeten zum Ausdruck kommt, hineinzusühlen, der Verfasser läßt unbefangen den Gottesdienst auf sich wirken und spricht von dem tiefen Eindruck, den der jüdische Gottesdienst aus den, der ihm zu folgen vermag, immer aufs neue machen wird; er zeigt ein volles Verständnis für die Art, in der die jüdischen Gelehrten der Gegenwart die Erkenntnis von der Ver* schiedenheit der Nationalitäten mit dem Gedanken an die eine Menschheit als Korrelat des einen Gottes verbinden, und dafür, daß „die universale Geschichte des Judentums und anderseits die Liebe der Juden zu ihrer Nationalität wie ihr inniges Verwachsensein mit den Völkern, unter denen sie wohnen, das sich besonders jetzt im Weltkriege bewährt, tiefe Probleme darstellt, die den Blick des Geschichtsforschers und Geschichtsphilosophen zu weiten und zu vertiefen vermögen". Er enthält sich jedes vom Christentum ausgehenden Urteils und würdigt den jüdischen Gottesdienst nach den in ihm selbst waltenden Gesetzen und Absichten. Seine Kenntnis schöpft der Verfasser außer aus der persönlichen Beobachtung aus den einschlägigen sachkundigen jüdischen Werken; insbesondere ist das moderne Hauptwerk über alle gottesdienstlichen Fragen: Elbogens Buch „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung", ausgiebig benutzt und als Zeuge jeglichen Werturteils angeführt. Bei Gebetstücken, denen seitens der Judenfeinde ein dem Urteil über die Juden abträglicher Sinn untergeschoben wird, wie z. B. Lc>1 nidre, ist zur Steuer der Wahrheit die richtige Deutung angegeben. So macht das Heft sowohl in den Voraussetzungen, aus denen es geschrieben ist, als auch in der Art der Darstellung einen wohltuenden Eindruck und verdient wärmste Anerkennung und Empfehlung. Einzelne Ausstellungen, die noch zu machen wären, seien genannt, , nicht um den Wert des Büchleins zu schmälern, sondern damit durch entsprechende Aenderung bei einer neuen Auslage, sein Wert gesteigert würde. L. Philippson hat nicht „die jüdische Konfirmation (Bar-Mizwah-Feier) eingerichtet", sv^ der alten traditionellen Bar-Mizwäh-Feier ihre moderne PräV zu geben versucht. Kiddusch ist nicht die Heiligung „des Weirn , sondern „des Sabbats"; auch ist S. 4l5 die Reihenfolge der beim Kiddusch rezitierten Bibelverse zu berichtigen. Bei dem auf S. 57 angeführten Gebet zur Neumondweihe ist ein Irrtum unterlaufen; statt des beabsichtigten Gebetes, mit dem am Sabbat vor dem Neumond in der Synagoge die Ankündigung des Neumondtages vorgenommen und eingeleitet wird — diese Absicht ergibt sich aus der Beifügung der Seligmannschen Fassung , ist das Gebet gegeben, mit dem der einzelne den wiedererschienenen Mond begrüßt, ein Gebet, das mit dem Gemeindegottesdienst nichts zu tun hat. Einzelne Uebersetzungen dürften zu ändern sein, so würde ^ni wr adaun-aulom-föeM zu übersetzen sein: „und er ist mein lebendiger Erlöser", nicht wie Verfasser es tut: „es lebt der Erlöser mein"; 2D im Jozer-Gebet ist nicht wiederzugeben mit „Gutes hat er gebildet, Ehre seinem Namen", sondern mit „der Allgütige bildete sie zur Ehre seines Namens; 1322*7 ^TITI im ahaworabbob-Gebet bedeutet nicht „erhalte allein unser Herz", so daß hier eine Beziehung auf die Einheit Gottes gegeben wäre, sondern „gib unserem Herzen das eine Streben"; bedeutet inr Gebet nie „Rache", sondern, da es auf Gott bezogen ist, „Vergeltung, Strafe". Es in diesem Zusammenhang mit Rache zu übersetzen, könnte falsche Vorstellungen erwecken. Und wenn das Mittelstück des un688anao-taukok-Gebetes in folgender Weise wiedergegeben ist: „Fasten Gebet Geld „und Buße und Fasten nnd Almosen wehren verhängnisvollen Losen", so entspricht das zwar äußerlich der Tatsache, daß die Wörter „Fasten, Gebet, Geld" in manchen Drucken als Erläuterung in kleiner Schrift über die Worte „Buße, Flehen, Almosen" gesetzt sind; nach der obigen Druckweise aber könnte man auf den irrigen Gedanken kommen, daß sie zum Text des Gebetes gehören. Gerade wegen des sonst so vortrefflichen Eindruckes des Heftes wäre zu wünschen, daß derlei Jrrtümer noch ausgemerzt würden. Dem Verfasser gebührt warme Anerkennung für sein Werk, und das Heft selbst findet hoffentlich die ihm zukommende Beachtung und Verbreitung. Rabbiner Dr. D i e n e m a n n (Ratibor). Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Unser Kaiser, unser Glanz! Predigt, gehalten bei der Tranerfei-er für Kaiser Franz Joses I. am 3. Dezember 1916 von Dr. Emanuel Schwarz,» Prediger am Prager Tempel. Selbstverlag zugunsten der Flüchtlinge. Preis 60 Heller. Prag 1916. Die Organisation der jüdischen Jugend in Deutschland. Ein Beitrag zur Systematik der Jugendpflege und Jugendbewegung von Dr. Cora Berliner. 1916. Verlag des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Berlin C 2, Burgstraße 26. Martin Buber: Völker, Staaten und Zion. Ein Brief an Hermann Cohen und Bemerkungen zu seiner Antwort. 1917. R. Löwit Verlag, Berlin und Wien. Moriah. Redaktion Wien VIII, Laudongasse 8/32. Band 12. Zesyt 2. Jizchok Leib Perez: Die goldene Kette. Das Drama einer chassidischen Familie. 1917. 31. Löwit Verlag, Berlin und Wien. N.O. Halbmolmtsausg-abe des „Korrespondenzblattes der Nachrichtenstelle für den Orient". Redaktion Berlin W, Tauentzienstrahe 19a. III. Jahrgang. Nummer 6. Ausgegeben am 22. Dezember 1916. Im Buchhandel Einzelnummer 50 Pf. Lprechssal. C h ar l o t tenb n r g, den 29. Dezember 1916. Sybelstraße 54. Sehr geehrter Herr Geheimrat! Die Nummer 51 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. d. M. enthält einen Artikel von Fräulein Bertha Pappenheim in Frankfurt am Main: „Weh' d e m, d e s s e n G e w i s s e n s ch l ä s t", der eine große Menge von Anregungen auf dem Gebiete der jüdischen Armenpflege bietet, die sicher zum Teil beherzigenswert, zum Teil